Test und Technik

MV Agusta Stradale 800

Wenn Barockengel fliegen

04.09.2015 00:00 (hp/br)

«Fahren ist in erster Linie Gefühlssache », haucht mir der Prospekt der MV Agusta Stradale 800 ins Ohr. Wenn das so ist, dann muss ich mich ja gar nicht dafür schämen, dass ich mich in ein Motorrad verknallt habe.


Mit seiner Geliebtendurchbrennen wie einstRobin Hood mit LadyMarianne in den Wäldernvon Sherwood: die Natur,die Stradale und ich. (Für mehr Bilder klicken)

Liebe auf den ersten Blick ist oberflächlich – na und?

Natürlich ist sie bildschön. Ihr knappes, enges Designer- Kleid betont ihre atemberaubenden Kurven, die meinen Blutdruck steigen lassen. Ihre ausgewogenen Proportionen sind eine Wohltat für meine Augen. Sie hat Stil wie sonst keine; ihre von Meistern ihres Fachs entworfenen Details und Accessoires sind perfekt auf ihren Typ abgestimmt, auch wenn Kritiker meinen, ihr Auftritt sei zu verspielt, zu barock. Sie ist Jet-Setterin, ständig unterwegs, das verraten ihre schicken Köfferchen. Ihre Reisen dauern aber nur kurz, das verrät das geringe Packvolumen. Ein Helm passt da nicht rein, wohl aber Zahnbürste, Nachtcremes und Bikini, allenfalls ein Abendkleid und ein paar High Heels. Giessen darf es nicht, die Softbags wehren nur kurze Regenschauer ab. Liebe auch hier im Detail: Die leichtgängigen Reissverschlüsse sind mit dem MV-Logo geschmückt, wie auch der abgesteppte Sitz. Aufsehenerregend wie ein tief ausgeschnittener Rücken sind ihre Rück- und Bremslichter, die in die Koffer integriert sind. Das reduziert zwar den eh schon bescheidenen Stauraum, aber dafür sind einem neidvolle und anerkennende Blicke sicher. Nimmt man die Koffer ab, kommen am Heck der Maschine Duplikate der Brems- und Rücklichter zum Vorschein. Sie aktivieren sich automatisch, wenn die Koffer entfernt werden.

Meine Befürchtung, dass diese Italienerin wie viele ihrer Landsfrauen eingebildet sei, kapriziös, launisch, verwöhnt und sprunghaft, bestätigt sich nicht. Die Sitzposition ganz weit vorne am stark konturierten, für einen engen Knieschluss ausgeformten Tank und mit der sehr nahe und hoch liegenden Lenkerstange verleihen ihr Supermoto- Charakter. So kann ich ihr von Anbeginn unserer Romanze an ganz nah sein. Es ist beileibe nicht die bequemste aller Positionen, sie ist nichts für gemächliche Eins-Zwei-Drei-Walzer-Liebhaber, sondern fordert vielmehr zum Salsatanz auf. Meine gertenschlanke Schöne lässt sich geschmeidig am Arm führen, tanzt federleicht mit mir über alle Arten von Strassen, nie angestrengt, nie maulend oder schmollend, sondern immer fröhlich, sinnlich, leidenschaftlich und mutig. Und immer, wenn sie (resp. ihr Dreizylinder) anfängt zu singen, ist es um mich völlig geschehen.

 

Teil 1
Wenn Barockengel fliegen
Teil 2
Liebe auf den ersten Blick ist oberflächlich – na und?

Teil 3
Schönheit liegt in der Familie
Teil 4
Meine Meinung
Teil 5
Technische Daten

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