Test und Technik

MV Agusta Stradale 800

Wenn Barockengel fliegen

04.09.2015 00:00 (hp/br)

«Fahren ist in erster Linie Gefühlssache », haucht mir der Prospekt der MV Agusta Stradale 800 ins Ohr. Wenn das so ist, dann muss ich mich ja gar nicht dafür schämen, dass ich mich in ein Motorrad verknallt habe.


Mit seiner Geliebtendurchbrennen wie einstRobin Hood mit LadyMarianne in den Wäldernvon Sherwood: die Natur,die Stradale und ich. (Für mehr Bilder klicken)

Schönheit liegt in der Familie

Ganz unbekannt ist sie mir nicht: Ich hatte bereits Dates mit ihren Schwestern, die alle mit dem nur 52 kg schweren 798-cm3-Reihenmotor bestückt sind. Dieses Herz liefert temperamentvolle 115 PS (85 kW) bei 11 000 / min und maximal 79 Nm bei 9000 / min. Ob Brutale 800, F3 oder Rivale – sie verdrehten mir alle schon den Kopf. Der Motor zieht gleichmässig und hat mit steigender Drehzahl auch mehr Biss. Er faucht und röhrt und rasselt, bis bei 12 000 / min der Begrenzer den einschreitenden grossen Bruder spielt. Vier Fahrmodi stellt er zur Verfügung, fürs zivilisierte Cruisen reicht der Regenmodus allemal. Der sportlichste Modus hingegen verführt zu Temperamentsausbrüchen – von Motor und Fahrer. Ergänzt werden die drei Standard- Fahrmodi durch einen voll konfigurierbaren Custom-Mode, der u. a. Leistung, Härte der Gasannahme, Drehzahlbegrenzer, Motorbremse und Traktion steuert.

Die schöne Italienerin ist nämlich eine Wildkatze. Je entspannter man die Stradale fahren will, desto nervöser wird sie. Glücklich und anschmiegsam und vor allem stabiler wird sie hingegen, wenn man richtig am Gasgriff dreht. Der MV-Schaltassistent EAS 2.0 kann nach dem Hochschalten jetzt auch das Runterschalten ohne Kupplungseinsatz. Dass das Temperament nicht überbordet, dafür sorgt nebst ABS eine achtstufige Traktionskontrolle. Basis der Stradale ist der (neuentwickelte) Rahmen der Rivale. Zur Verbesserung der Traktion wurde die Einarmschwinge von 580 auf 607 mm verlängert.

Meine schöne Italienerin kann manches nicht: Sie ist kein Tourer, dafür reichen Gepäckvolumen, Komfort und Scheibe nicht aus; Cruisen ist gar nicht ihre Disziplin, dafür ist der Motor in tiefen Drehzahlen zu hibbelig. Aber nur ein verstohlener Blick auf sie, und ich will einfach nur mit ihr durchbrennen, irgendwo ein serotoningeschwängertes Wochenende mit ihr verbringen und nur von (Fahrtwind-)Luft und Liebe leben. Selbst wenn danach mein Herz gebrochen wird, so war es das wert ...

 

Teil 1
Wenn Barockengel fliegen
Teil 2
Liebe auf den ersten Blick ist oberflächlich – na und?

Teil 3
Schönheit liegt in der Familie
Teil 4
Meine Meinung
Teil 5
Technische Daten

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