Test und Technik

Energica Ego

Energisch vorwärts

05.09.2015 00:00 (lü/br)

Wenn eine Racing-Firma einen Elektrotöff baut, geht es lautlos gewaltig vorwärts!


258 kg tönen dramatisch, aber weil im Elektrotöff nur wenige Teile hochtourig rotieren, ist das Handlingtrotzdem sehr flink. Und die optionalen Schmiederäder von OZ sind diesbezüglich sicher auch kein Fehler. (Für mehr Bilder klicken)

Bremsen per Gasgriff

Das Fahrwerk ist konventionell aufgebaut: Gitterrohrrahmen, USD-Gabel, Zweiarmschwinge und direkt angelenktes Einzelfederbein. Üblich auch die Bedienung der Bremsen mit Handhebel und Fusspedal rechts. Kupplungs- und Schalthebel entfallen. Jedoch beschleunigt man nicht nur per Drehgriff, man verzögert meist auch damit: Dreht man den Griff zu, wird die Rekuperation aktiviert, der Elektromotor arbeitet nun als Generator und lädt die Batterie. Hört sich gut an, doch ein wesentlicher Energiegewinn ergibt sich nur auf längeren Bergab-Passagen. Die vereinfachte Bedienung ist angenehm, die Bremsen braucht man viel weniger, die Runterschalterei zur Nutzung der Motorbremse entfällt sowieso. An der Energica lässt sich die Rekuperation und damit die Motorbremse in drei Stufen einstellen oder auch auschalten. Das ABS von Bosch regelt nebst den Bremsen auch die Motorbremswirkung. Ebenso stehen am Testtöff vier Motormodi zur Wahl. Wir fuhren fast ausschliesslich im schärfsten Modus «Sport», der die vollen 195 Nm zur Verfügung stellt. Eine Traktionskontrolle gibt es nicht, aber immerhin den Regenmodus, der das Drehmoment auf (immer noch respektable) 120 Nm kappt. 200 Nm aufs Hinterrad loslassen, das hört sich dramatisch an, doch liefert der Elektromotor sein Drehmoment sehr gut dosierbar. Man müsste den Drehgriff schon gefühllos-brachial an den Anschlag reissen, um einen wegrutschenden Hinterreifen zu provozieren.

Unter 40 % Batterieladung lässt die Leistung leicht nach, unter 20 % ist es dann spürbar weniger, und wenn nur noch 3 % da sind, schaltet die Elektronik auf ein Not-Sparprogramm. Überhaupt ist die ausgeklügelte Steuerelektronik die Seele dieses Töffs. Es sind eigentlich zwei Steuerungen, die sich permanent abgleichen. Dies ermöglicht unter anderem eine recht genaue Anzeige der Restreichweite und die gute Dosierbarkeit des Drehmoments. Beim Rangieren muss man wegen des Gewichts und des hohen Schwerpunkts konzentriert sein und die Hilfe des Rückwärtsgangs in Anspruch nehmen. In Fahrt fühlt sich die Energica sehr handlich an, weil es im Motor nur wenige rotierende Teile gibt. Die Gabel arbeitet sportlich-straff, die Abstimmung des hinteren Federbeins hat Verbesserungspotenzial. Die Ausleger der Rückspiegel sind zu kurz, man sieht fast nur seine Ellenbogen.

 

Teil 1
Energisch vorwärts
Teil 2
Ohne Krawall gewaltig abzischen

Teil 3
Bremsen per Gasgriff
Teil 4
Und, wie weit bist du gekommen?
Teil 5
Meine Meinung
Teil 6
WER BAUT SO WAS?
Teil 7
Leistung und Drehmoment
Teil 8
Technische Daten

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