Test und Technik

Triumph Bobber

Späte Liebe

06.09.2015 00:00 (bb/br)

Motorradfahren war für Kunstliebhaber Samuel Leuenberger eher Mittel zum Zweck, bis er entschied, einen Bobber-Aufbau anzugehen – inspiriert von einem Triumph-Umbau von Altmeister Eugen Eicher.


Nach fünf Jahren Umbauzeit fährt Samuel (1974)seinen Triumph Bobber (1967) erstmals aus. (Für mehr Bilder klicken)

Den Geist der 1960er-Jahre eingefangen

So kam Samuels Schätzchen zusammen mit vielen Teilen (Öltank, Schutzblech hinten, Rücklicht, Solositz sowie Starrahmen), die der Birsfelder bereits in den USA gefunden und gekauft hatte, nach Unterägeri zu Daniel Henggeler und Eugen Eicher. Gemeinsam wurde ein Plan ausgeheckt, wie man Samuels Vision vom perfekten Bobber technisch und ästhetisch umsetzen konnte. «Dass das ganze Motorrad von Grund auf neu aufgebaut werden musste inklusive Motorrevision, war klar», sagt Daniel. Aber der Spirit des Motorrads sollte erhalten bleiben und sein Charme und sein Charisma der 1960er-Jahre noch unterstrichen werden. Damals war die «Bonnie», wie sie liebevoll von ihren Fans genannt wird, Triumphs Topseller. Eine Supersport- Maschine, die im gleichen Atemzug mit der berühmten 1000er Vincent Black Shadow, BSA Super-Rocket, Norton 650 SS und BMW R 69 S genannt wurde. Ihren Beinamen «Bonneville» verdankte die T 120 einer spektakulären Rekordfahrt. Mit einer frisierten 650er Triumph war am 6. September 1956 der Texaner Johnny Allen mit 345 km / h über den Salzsee bei Bonneville im US-Staat Utah gerast. Zu Ehren dieses Erfolges brachte das Werk Ende 1958 die 42 PS starke, gleichnamige T 120 auf den Markt. Eine Maschine, die sich in den nächsten 30 Jahren über 250 000 Mal verkaufte. Basismodell war die 650er T 110 Tiger. Das für die Bonneville modifizierte und mit zwei Vergasern bestückte Kraftaggregat wurde auch weiterhin nach traditioneller, englischer Motorbaukunst gefertigt: Motor mit separatem Primärkasten und Vierganggetriebe im eigenen Gehäuse sowie angeblockter Lichtmaschine und Zündanlage. Auf Anhieb etablierte sich der britische Donnerbolzen zum Verkaufsschlager, besonders in den USA, wohin Triumph einen Grossteil der Produktion lieferte. Bereits 1960 spendierte Triumph seinem Paradepferd einen neuen Einrohrrahmen mit zwei Unterzügen sowie eine sportliche Frontpartie mit verchromtem Rundscheinwerfer und darüber angeordnetem Tacho und Drehzahlmesser. Ab 1963 erhielt die Bonnie einen neuen Blockmotor, die «Unit Construction». Nun waren Kurbelwelle, Primärantrieb, Kupplung, Vierganggetriebe, Lichtmaschine und Zündung gemeinsam in einem vertikal geteilten Motorgehäuse untergebracht. Bis 1967 lief der 650er-OHV-Paralleltwin ohne wesentliche technische Änderungen vom Band. Ab 1968 sorgten zwei Amal Concentric-Vergaser für eine bessere Gemischaufbereitung, die Leistung stieg auf 47 PS. Ebenfalls neu war die vordere Duplex-Trommelbremse mit 203 mm Durchmesser, die für bessere Innenkühlung mit einer Lufthutze ausgestattet war.

 

Teil 1
Späte Liebe
Teil 2
Die alte Dame von 1967

Teil 3
Den Geist der 1960er-Jahre eingefangen
Teil 4
Zierlicher Racer mit starrem Heck – und alles eidgenössisch-legal
Teil 5
Ausgeklügelte Details
Teil 6
Hintergrund
Teil 7
Technik

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