Test und Technik

Hondas neue, grosse Reiseenduro fürs Jahr 2012

Honda Crosstourer

09.11.2011 09:11 (föfö)

Honda hat an der EICMA den Crosstourer vorgestellt, also die grosse Reiseenduro mit dem mächtigen V4-Motor der bisherigen VFR 1200 F. Auf dem Papier schaut das Ganze schon richtig gut aus, ob es sich auch so fährt, werden die Tests zeigen müssen.


Der neue Crosstourer ist ein mächtiges Fahrzeug - gemacht, um in die weite Ferne zu schweifen. Hier die Topversion mit zahlreichem Zubehör (Sturzbügel, Gepäck, Hauptständer etc)

Ein Jahr lang liess uns Honda im Ungewissen. Seit der Präsentation des Konzepts "Crosstourer" an der EICMA 2010 durfte man rätseln, ob den Entwurf wieder in einer Schublade verschwinden würde - oder ob er in Serie produziert wird. Honda scheint die Gedanken der Reisenden nun aber erhört zu haben und verkündet voller Stolz, dass man den Crosstourer bauen wird. Das sind good News.

Die Vorgeschichte

Denn die 1000er Varadero brauchte wirklich neues Blut - sie ist in die Jahre geraten. Wobei schon die Varadero immer mehr bequemer Sporttourer war echte Reiseenduro, zu hoch war ihr Schwerpunkt, zu schwer war das Bike insgesamt. Ideal, um über asphaltierte Pässe zu brennen oder ganz weit in die Ferne zu pilgern - aber nicht ideal um über Stock und Stein zu fahren. Das konnten andere immer besser....und Honda macht hier mit dem Crosstourer auch keine Anstalten, das zu ändern.

Mächtiges Fahrzeug

Denn der Crosstourer ist ein mächtiges Fahrzeug. Sitzhöhe 850 mm, vollgetankt 275 kg schwer (in der Dual Clutch Version gar 285 kg) - das erfordert eine geübte Hand am Lenker. Und einen Fahrer, der mindestens 1.70 Meter gross ist, ansonsten ist man immer am Füsseln.
Erfüllt man aber diese Bedingungen, verspricht der Crosstourer aber ein tolle Reiseenduro zu werden: äusserst bequeme Sitzposition, Wetterschutz, viele elektronische Systeme und Helferleins, üppige Systemkoffer und ein phänomenaler Motor.

Der V4

Überhaupt der Motor, der flüssiggekühlte V4. Er stammt aus der VFR 1200 F. Als Honda diesen 2008 zum ersten Mal vorstellte, gingen die Journalisten in die Knie - das musste der ultimative Sporttourer sein. Doch die Ernüchterung kam bald: zum Brennen auf der ganz schnellen Piste (deutsche Autobahn) war das Teil super, doch die Sitzposition war für grosse Fahrer auf Dauer unbequem, ausserdem nervte sie mit einem starken Drehmomenthänger in tiefen Drehzahlen.

Bei einem Sporttourer, bei dem die Betonung mehr auf Sport lag, ging das noch halbwegs ok - für eine grosse Reisenduro wäre das jedoch das Ende. Grosse Reisenduros haben viel Power im tiefen und mittleren Drehzahlbereich - das macht sie bei ihrer Kundschaft so beliebt und danach verlangt die Kundschaft auch.

Die Überarbeitungen

Deshalb musste Hondas Augenmerk für den Crosstourer in erster Linie darauf liegen, den V4-Motor so zu modifizieren, dass praktisch ab Standgas die Fuhre mit Druck vorwärtsbewegt werden kann. In der Pressemitteilung bleibt Honda eher vage was die Modfikationen angeblangt, erwähnt wird lediglich, dass die Ventilzeiten und die Kurbelwelle überarbeitet wurden.

Leistungsreduktion

Dass aber etwas getan wurde, zeigt die massive Leistungsreduktion. Während die VFR 1200 F 173 PS bei 10000/min (und 129 Nm bei 8750/min) abdrückt, begnügt sich der Crosstourer mit 129 PS bei 7750/min (und 126 Nm bei 6500/min). Das tönt schon mal sehr gut, denn weniger Leistung ist bei einem solchen Fahrzeug ganz klar besser - jetzt kommt es nur noch darauf an, ob damit auch die Drehmomenttäler ausgebügelt wurden. Erste Tests werden dies zeigen.


Bildergalerie Honda Crosstourer 2012


Doppelkupplungsgetriebe

Was noch? Das gut funktionierende (aber leider sehr schwere) Dual Clutch System (Doppelkupplungsgetriebe) wird auch auf dem Crosstourer optional angeboten. Es ist vor allem im Stadtbereich eine echte Bereicherung und macht das Fahren sehr viel bequemer. Wie auf der VFR sind verschiede Modi wählbar.

Traktionskontrolle, Combined ABS

Ganz neu auf dem Crosstourer angeboten wird eine Traktionskontrolle. Laut Honda ist sie ausschaltbar. Damit begegnet der Crosstourer auf einer Augenhöhe mit Konkurrenten vom Schlage BMW R 1200 GS, Ducati Multistrada oder Yamaha Super Tenere.
Wie bei Honda gewohnt kommt die Maschine serienmässig mit ABS, Honda-typisch sogar mit dem Combined-ABS.

LED-Blinker, Zubehör

Zum ersten Mal auf einer Honda verbaut wurden die LED-Blinker, die Windschutzscheibe ist einstellbar, der Tank hat eine genügend grosse Kapazität (21.5 Liter) und das Zubehörprogramm ist, wie von Honda gewohnt, top.

Der Honda Crosstourer ist eine Bereicherung für den boomenden Reiseenduro-Markt und wird 2012 zu interessanten neuen Erkenntnissen führen.

 

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