Test und Technik

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MSS-Testteam: hinter den Kulissen

13.06.2003 00:00 (Text: Moritz Meyer, Daniele Carrozza / Bild: Carrozza)

Was machen Tester den ganzen lieben Tag? Mit den schönsten und neusten Töffmodellen rumheizen? Na ja, fast. Das Leben eines Testers ist geprägt von Höhen und Tiefen. Zum Beispiel: Da steht die wunderschöne Benelli Tornado – aber nicht zum Fahren, sondern auf dem Prüfstand.

Immer wieder heisst es, wir Tester hätten einen Traumjob. Abwechslungsreich ist er auf jeden Fall, aber erst der Blick hinter die Kulissen zeigt, dass teilweise auch geschwitzt (oder gefroren) wird.

Das obige Bild zeigt einige Mitglieder des MSS-Testteams zu Gast bei Peter Bossert (Exclusive Imports), der auf seinem Dynojet-Prüfstand bei rund 40 Grad freundlicherweise sechs Testmotorräder zu messen hat. Zugegeben: Das ist nicht immer so. Mit einem derartigen Fuhrpark war MSS noch nie vor Ort. Peter trug es mit Fassung. Aber manchmal drängt der Zeitplan. Immerhin muss jedes Motorrad gefahren, fotografiert und durchgemessen werden.

Aus verständlichen Gründen (Ausflüge in die Botanik, Regenwasser etc.) werden im Standard-Testprozess zunächst die Motorräder fotografiert. Sind die Stand- und Fahrbilder einmal im Kasten, so steht die eigentliche Testfahrt inklusive Ausfüllen des Testprotokolls auf dem Programm. Um die subjektiven Eindrücke mit stichfesten Facts zu untermauern, kommen die Maschinen noch auf den Dynojet-Prüfstand. Die Messwerte könnt ihr dann regelmässig in MSS in den Kurvendiagrammen (Leistung, Drehmoment am Hinterrad) studieren. Aber bis diese Werte feststehen, ist es nicht immer ganz einfach.

Zunächst muss das Motorrad auf den Prüfstand geschoben und verzurrt werden (auch eine Gold Wing – bei 45 Grad im Prüfstandraum ein denkbar schweisstreibendes Unterfangen). Dann geht es darum, die Maschine mit dem Prüfstand, respektive den elektronischen Messkomponenten zu vernetzen. Kardinalfrage: Wo kommt der unverzichtbare Zündimpuls her? Nicht immer leicht zu beantworten bei den heute vollverkleideten und immer kompakteren Maschinen. Da muss schon mal der Schaltplan konsultiert werden. Darauf folgt der Griff in die Werkzeugkiste. Vorteilhaft ist es zudem, wenn man Kenntnisse über die verschiedenen Schraub- und Klemmtechniken der verschiedenen Verkleidungskonstruktionen hat.

Gemessen werden Leistung und Drehmoment jeweils am Hinterrad. Das heisst, dass der Prüfstand auf den Radstand der jeweiligen Maschine eingestellt werden muss. Da das Motorrad steht, muss via Zwangslüftung der mehrmals voll belastete Motor gekühlt werden. Zu guter letzt wird die Lamda-Sonde, mit welcher das Gemischverhältnis gemessen wird, so in den Auspuff geführt, dass die heissen Abgase keinen Schaden anrichten können.

Dann wird Gas gegeben, bis reproduzierbare, repräsentative Resultate vorliegen. In der Regel werden pro Motorrad drei bis vier Testläufe durchgeführt. Zeitgleich verarbeitet der am Prüfstand angeschlossene Rechner die Daten und generiert die von euch so geliebten Kurven.

Zum Schluss noch eine Bemerkung: Oft wird befürchtet, dass die Prüfstandsläufe Motorrad und Reifen beschädigen werden könnten. In den drei Jahren, in denen MSS dieses Verfahren anwendet, ist es noch nie zu einem derartigen Schaden gekommen. Am Tag, an dem das Bild geschossen wurde (12.6.03), waren wir jedoch hart am Limit. Schweissausbrüche und rote Köpfe zeigten, dass die Menschen weniger belastbar sind, als die moderne Technik. Ein kühler Trunk in der nahegelegenen Gartenbeiz brachte die Dinge wieder ins Lot.

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