Test und Technik

Test des verschärften Dukes

Fahrbericht KTM Super Duke R

29.07.2008 00:00

Der da vorne hat einen schwarzen Rahmen. Also muss ich mir keine Mühe geben. Auf der Geraden werde ich ihn einpacken. Text: Rolf Lüthi Bilder: Reinhold Trescher, Werk


KTM 990 Super Duke R.

Super Duke R 2007 - Super Duke R 2008

Hinweis: dieser Fahrbericht betrifft die Super Duke R, Jahrgang 2008. Im Jahre 2007 gab es aber schon eine Super Duke R - allerdings mit weniger Power und anderem Fahrwerk. Wer am Jahrgang 2007 interessiert ist (sie sollte eigentlich viel günstiger als der aktuelle Jahrgang zu kaufen sein), liest hier den Fahrbericht.


Ready to Race

Ort des Geschehens: Die unharmonische Schikane im hinteren Teil der Rundstrecke Anneau du Rhin im Elsass. Es ist KTM Race Day. Kunden und Interessenten gewähren den Zweizylindermaschinen von KTM freien Auslauf. Für MSS ergibt sich unter anderem die Gelegenheit, die KTM 990 Super Duke R (mache schreiben auch Superduke R) zu bewegen. Detaillierte Eindrücke würden sich erst nach dem Umstieg auf die Standard-Super-Duke offenbaren, doch schon in den ersten Runden wird klar: Die R beschleunigt spürbar besser.

Rahmen orange: obacht

Ich schliesse auf eine Super Duke auf und kontrolliere sogleich die Farbe des Gitterrohrrahmens. Schwarz – eine Standard-Super Duke. Da brauche ich mir keine Mühe zu geben. Durch die Ecken einfach hinterherstochern und auf der Geraden ausscheren. Eine unsichtbare Hand wird sich sanft auf die Schulter meines Privatgegners legen und ihn dezidiert hinter mich schieben.

Eine Fülle technischer Details

Die unsichtbare Hand besteht aus einem Strauss technischer Änderungen, die eine Mehrleistung von 10 % bewirken. Der Motor darf in der Super Duke R fast 1000/min höher drehen als im Standardmodell, bevor der Begrenzer eingreift (10'500 statt 9600/min). Resultat von leichteren Kolben, deren Bolzen im Pleuelauge nicht in einer Buchse gelagert sind, sondern auf einer Beschichtung laufen. An Pleueln, Kurbelwelle und Ausgleichswelle konnte Gewicht weggefeilt werden, was sich auch durch vibrationsärmeren Lauf des Motors bemerkbar macht. Für mehr Gasdurchsatz sorgen geänderte Zylinderköpfe mit vergrössertem Einlasskanal.

Vergrösserter Drosselklappenkörper

Folgerichtig ist auch das Einlassventil grösser (41 statt 38 mm), aber trotzdem leichter, da aus Titan gefertigt. Schliesslich wurden die Drosselklappenkörper von 48 auf 52 mm vergrössert. Für thermische Stabilität sorgen eine optimierte Kühlmittelführung in den Zylinderköpfen und ein effizienter umschaufelndes Pumpenrad. Alles verborgen liegende Details, auf den ersten Blick fällt nur das Krümmergewürm von Akrapovic auf, das an der R serienmässig verbaut wird.

Der Feind des Guten

Die Geschichte geht so, dass KTM auf 2007 die Standard-Super-Duke mit zahmerer Fahrwerksgeometrie alltagstauglicher abstimmte. Die Landstrassenwetzer waren glücklich, doch die Gaskranken trauerten der Ur-Super-Duke nach. KTM reagierte sofort und stellte noch 2007 die Super Duke R hin: wieder mit spitzer Fahrwerksgeome­trie, deutlich strafferer Abstimmung der Federelemente, das Ganze gezähmt von einem Lenkungsdämpfer. Dazu eine Höckersitzbank mit höher liegendem, straffem Polster. Nun waren auch die Gaskranken glücklich – vorerst.

Mehr Leistung

Weil genug eben nie genug sein kann und das Fahrwerk mit der gebotenen Motorleistung (immerhin 120 PS) nicht überfordert war, schrien sie in der Folge nach mehr Leistung. Die bietet der 08er-Jahrgang der R.

Standard vs R-Version

Zur Kalibrierung der Sensoren steige ich um auf die Standard-Super-Duke, was frühere Eindrücke bestätigt: ein fantastisches Landstrassenmotorrad, das auch auf der Rundstrecke viel Fahrspass bereitet. Ein unverkleideter, ehrlicher Töff ohne Schnörkel, kompromisslos sportlich in der Auslegung. Dass einem etwas fehlen könnte, nimmt man erst nach schnellen Runden mit dem R-Modell zur Kenntnis: Der Motor geht schon ein Stück besser (132 PS), das Fahrwerk lenkt zackiger ein, dazu ist die R spürbar straffer abgestimmt.

Mehr Rückmeldung, weniger Komfort

Das heisst: klareres Feeling für die Reifenhaftung, weniger Komfort. Sie haben bei KTM also keinen komplett neuen Töff gebaut, sondern den Einsatzfokus eines bestehenden Modells verschoben: Die R wird holprige Nebenstrassen weniger elegant meistern als die Standard-Super-Duke, dafür ist die R bei harter Fahrweise auf gut ausgebauter Landstrasse und auf der Rundstrecke im Vorteil.

Mehrleistung höchst willkommen

Schon bislang konnte man auf der Landstrasse einer engagiert bewegten Super Duke nur mit einer Super Duke einheizen. Überholen kann man sie bei gleichwertigen Fahrern nur mit einer Super Duke R. Da ist die Mehrleistung der R höchst willkommen, um beim tapfer sich wehrenden Markenkollegen die Gesichtszüge entgleisen zu lassen. Will man jedoch die Ladys beeindrucken, hat man mit der R ganz schlechte Karten: Die Super Duke R ist ein Fahrzeug nur für Fahrer, einen Beifahrerplatz gibt es nicht.

Das Kläppchen hochgestellt

Ort des Geschehens: wieder die Schi­kane auf dem Anneau du Rhin im Elsass. Aber der da vorne hat auch einen orangefarbenen Rahmen. Die unsichtbare Hand wird mir diesmal nicht helfen. Ich klemme mich unter den Sitzhöcker meines Privatgegners, lasse mich im Windschatten mitziehen, es saugt mich voran, die Drehzahl steigt. Wir machen uns beide so klein wie möglich auf den unverschalten Mühlen. Für besseren Windschutz stelle ich das Kläppchen hoch, welches das Tankdeckelschloss vor Regenwasser schützen soll.

Ich schere aus und presse mich unendlich langsam vorbei, der Bremspunkt am Ende der Geraden kommt beängstigend schnell angeflogen. Die Gewissheit von zwei 320erScheiben im Vorderrad, zwei radial verschraubten Vierkolbenzangen und der radialen Bremspumpe lässt meinen Puls um zwei Punkte sinken.


Technische Fotos:

Neue Krümmer: Die Serien-Krümmer der Super Duke wurden bei der neuen Super Duke R durch Krümmer des renommierten Auspuffherstellers Akrapovic ersetzt. Die Endschalldämpfer sind allerdings weiterhin von KTM (auch sie können im Rahmen einer Tunigmassnahme durch andere Endschalldämpfer ersetzt werden).


Neuer Drosselklappenkörper: Ein weiteres, bereits aus der 1190 RC8 bekanntes und ebenfalls in diesem Motorverbautes Teil ist der im Durchmesser 52 mm große Drosselklappenkörper, der ebenfalls dazu beiträgt, dass der Durchsatz erhöht wird und somit sowohl Leistung als auch Drehmoment gesteigert werden.


Neuer Kolben: Ein extra für den 990 Super Duke R Motor gewichtsoptimierter Kolben mit DLC beschichtetem Kolbenbolzen, der aufgrund der Beschichtung ohne Buchse im Kolben auskommt, bringt ebenfalls bedeutende Verbesserungen mit sich. So konnte dadurch einerseits die Drehzahl um 1000 U/min angehoben werden, andererseits konnte durch den Wegfall der Buchse der Durchmesser des Bolzens reduziert werden, was das Gewicht und somit die oszillierenden Massen verringert. Diese Maßnahme wirkt sich zusätzlich vorteilhaft auf das nun
nochmals gesunkene Vibrationsaufkommen des Motors aus.


Neues Pleuel: In dieselbe Kerbe schlägt auch ein neues gewichtsoptimiertes Pleuel, das ebenfalls dazu beiträgt, die Drehzahl zu  steigern bzw. oszillierende Massen zu verringern. Durch die mgewichtsoptimierten Pleuel und Kolben konnte als Konsequenz daraus sowohl die Kurbelwelle als auch die Ausgleichswelle neu gewuchtet werden, um den Änderungen an diesen Teilen Rechnung zu tragen.

  


Neuer Zylinderkopf: Am Zylinderkopf der neuen Super Duke R gab es einige Veränderungen. Dazu zählen beispielsweise grössere Einlasskanäle mit strömungsoptimiertem Auslasskanal. Durch die bessere Kühlung der Aulassventile ergibt sich ein verringertes Ventilschlagen, was den Ventilspielservice optimiert (neu: kein Ventileinstellen bei 1000 km).


Neue Ventile: Aulassventil und Einlassventil (das grosse). Das Einlassventil ist neu aus Titan und misst im Durchmesser 41 mm anstatt wie zuvor 38 mm. Der Gewichtsvorteil der Titan-Einlassventile trägt zur Drehzahlsteigerung bei, die Steigerung des Durchmessers bringt einen höheren Durchsatz und somit eine höhere Leistung mit sich.

 



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt2 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren5 Punkte
Zu zweit unterwegs0 Punkte
Emotionen4 Punkte


Technische Daten KTM 990 Super Duke R

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter 75°-V2-Viertakter.
VentilsteuerungJe zwei oben liegende, über Ketten gesteuerte Nockenwellen, Tassenstössel. Vier Ventile/Zylinder.
Bohrung x Hub101 × 62,4 mm
Hubraum999 ccm
Verdichtung11,9 :1
GemischaufbereitungElektronisches Motormanagement von Keihin mit Benzineinspritzung und Zündung.
Drosselklappen-Durchmesser52 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass-
SchmierungTrockensumpfschmierung
Auspuffanlage2-in-1-in-2-Auspuffanlage, Krümmer von Akrapovic, Endschalldämpfer von KTM
Starter E-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 132 PS (97 kW) bei 10'000/min
Max. Drehmoment102 Nm bei 8000/min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärantrieb, hydraulische Mehrscheiben-Ölbadkupplung
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb über Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenGitterrohrrahmen aus Stahl mit Alu-Rahmenheck.
Federung vorneUSD-Teleskopgabel von WP, in Federbasis, Zug- und Druckstufe einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesser48 mm
Federung hintenAluschwinge, direkt angelenktes Zentralfederbein, Federbasis, Zug-, High- und Lowspeed-Druckstufe einstellbar.
Federweg vorn/hinten135 mm / 150 mm

Räder

RädertypLeichtmetall-Gussfelgen. Radialreifen Pirelli Dragon Corsa III.
Felgendimension vornMT 3.50×17
Felgendimension hintenMT 5.50×17
Reifendimension vorn120/70 ZR 17
Reifendimension hinten180/55 ZR 17

Bremsen

Bremse vornBrembo. Vorn zwei halb schwimmend gelagerte Stahlscheiben (320 mm) mit Radial-Vierkolbenzangen.
Bremse hintenHinten Einzelscheibe (240 mm) mit Einkolbenzane
ABSnein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1450 mm
Lenkkopfwinkel67,3°
Nachlauf94 mm
Leergewicht fahrfertig voll getankt 204 kg
Sitzhöhe865 mm
Tankinhalt (davon Reserve)18,5/2,5 l

Farben

Schwarz
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x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 20'300.–, inkl. MwSt. und NK
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überFabag, Zürcherstrasse 305, 8500 Frauenfeld, Tel. 052 725 08 88

Sonstiges, Bemerungen

Bemerkungnicht mit 34 PS erhältlich, ersetzt ab sofort das Super Duke R-Modell 2007

Konkurrenten

Aprilia Tuono 1000 R Factory
Benelli TNT Titanium 1130
Bimota DB6 Delirio
KTM 990 Super Duke
eventuell: Kawaski Z 1000, Moto Morini Corsaro, Honda CB 1000 R, MV Agusta Brutale, Suzuki B-King, Triumph Speed Triple 1050, Yamaha FZ1.

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