Test und Technik

Test Honda CBR 1000 RR ABS

Fahrbericht Honda Fireblade ABS

12.02.2009 00:00

Bis aufs ABS bleibt die Honda CBR 100 RR Fireblade unverändert und bleibt damit die Messlatte in der Einliterklasse. Text: Markus Schmid Bilder: Gori, Montero, Romero


Das erste Superbike, bei dem man auch auf nasser Strasse bedenkenlos voll reingreifen kann: Fireblade mit ABS-Bremssystem.

Tests in Losail

Bei der offiziellen Präsentation auf dem Losail Circuit in Katar wars zwar  trocken, aber einerseits präparierte man auf einem riesigen Parkplatz einen Brems-Parcours mit einer trockenen, einer bewässerten und einer eingesandeten Bahn, andrerseits konnte mit den Testmaschinen – CBR600RR und Fireblade – anschliessend auf dem GP-Rundkurs ganz praxisgerecht frei geheizt werden.

Auf trockenem Belag

Auf trockenem Belag ergab sich – immer ausgehend von einer Anfahrgeschwindigkeit von etwa 100 km/h dasselbe Bild wie im Sommer mit den 600er-Prototypen (die Honda CBR 600 RR wurde noch vor der Fireblade mit ABS vorgestellt): Im Trockenen kannst du wie ein Idiot hammerhart den Vorderbremshebel zum Lenker reissen – trotzdem hebt das Hinterrad kaum ab!

Unterschied 600er-1000er

Der Unterschied zwischen 600er und Fireblade besteht allein darin, dass sich die Bremswirkung auf der grossen noch eine Spur brutaler anfühlt. Das Schockierende dabei: Du spürst keinen Einsetzen des ABS-Funktion und keine Regelvorgänge, einfach nichts.

Auf dem bewässerten Stück...

Dann die gleiche Übung, aber jetzt Anfahrt aus dem Trockenen auf ein üppig bewässertes Stück. Resultat: Die Verzögerung haut dich mit fast gleicher Wucht nach vorne an Tank und Lenker, dann nimmt der Druck in den Handgelenken zwar etwas ab, aber es fühlt sich immer noch an wie eine veritable Vollbremsung im Trockenen.

ABS-Bremsung im Nassen (man bemerke, wie sich das Hinterrad trotz ABS leicht abhebt):

Hebt den Hintern leicht

Auch hier ist der Eindruck auf der Fireblade noch intensiver – und, das Titelbild zeigts – etwa in der Mitte des Bremsvorganges hebt das Hinterrad regelmässig ein paar Zentimeter ab, was ein leichtes seitliches Rühren der Hinterhand auslöst! Darüber hinaus nichts. Kein Rutscher am Vorderrad, nur ein fast nicht zu spürendes Hin-und-herschwingen des Lenkers signalisiert, dass du dich absolut an der Grip-Grenze bewegst.

Und auf Sand...

Jetzt dasselbe auf Sand, der als Ein-Zentimeter-Schicht schön gleichmässig auf dem Asphalt liegt. Erst jetzt werden die Regelvorgänge deutlich: Sobald du den Handhebel nach hinten reisst, hauts dich immer noch kurz nach vorne, aber dann spürst du, wie die Front in unglaublich hoher Frequenz immer wieder bremst, loslässt, bremst und so weiter.

Bremsung auf Sand:

Bremsen im Nassen und auf Sand:

Und mit der Fussbremse

Absolviert man das ganze Programm nur mit der Fussbremse, tauchten die Maschinen vorne etwas weniger ein, der Körper wird weniger nach vorn katapultiert und die Bremswege werden etwas länger. Sehr eindrücklich auch, wie blitzartig das System den maximalen Bremsdruck innerhalb von nur ein oder zwei Fahrmetern wieder aufbaut, sobald man – immer voll auf der Bremse – vom Nassen ins Trockene gelangt. Wer hier den Handbremshebel hinten hat und nicht vorbereitet ist, riskiert, über den Lenker abzusteigen.

Schematische Darstellung des ABS-Bremssystems der Fireblade:

Das Video (englisch) erklärt das ziemlich komplizierte Bremssystem:

Heck Fireblade etwas unruhiger als 600er

Auf der Rennstrecke bestätigt sich der Eindruck, den man vom Brems-parcours mitgenommen hat: Das Heck der Fireblade wirkt für sensible Naturen beim Bremsen erkennbar unruhiger, bleibt aber immer auf Kurs, was – ausser dem ABS natürlich – nicht zuletzt den zusätzlichen 5 Millimeter Federweg am Zentralfederbein und dessen gelungener Abstimmung  zu verdanken ist. Die Mutprobe, einfach stehen zu lassen und alte Bremspunkte brutal zu «überfahren», braucht mit der Tausender deutlich mehr Mumm, weil der schon ab 6000/min bullig antretende Vierzylinder auf jedem Meter signalisiert, dass er vor Kraft kaum laufen kann.

 

 

Ausgewogen und Handlich

Nicht falsch verstehen: Das heisst nicht, dass die Fireblade sich widerspenstig gebärden würde. Sie ist seit dem Jahrgang 2008 dank ihrer neu gewonnenen Ausgewogenheit und Handlichkeit und dank des famosen elektronischen Lenkungsdämpfers, der diese Geometrie beim ernsthaften Angasen zähmt, das im Moment im Serienzustand wahrscheinlich am problemlosesten hart zu fahrende Tausender-Superbike.

Heck auf der Überholspur

Aber wer von einer Sechshunderter umsteigt, kommt um einen Moment der Besinnung und Bescheidenheit nicht herum. Das zahlt sich aus, an jedem Kurvenscheitelpunkt, denn auch auf optimal grippigen Reifen wie den in Losail montierten Bridgestone BT 003 lässt sich das Heck in Schräglage jederzeit mit einem groben Gasstoss auf die Überholspur schicken.

Sliden immer noch möglich:

Fahrwerkseinstellungen

Das ABS akzentuiert die famosen Bremsen der Fireblade und das hervorragende Fahrwerk, das die Techniker mit jeweils nur einer Drehungen an den magischen Schräubchen aus der Standardeinstellung heraus für Rennstrecken tauglich machen: Die Einwärtsdämpfung bleibt Standard, die Auswärtsdämpfung wird vorne und hinten nur um den halben Betrag in Richtung Standardeinstellung geöffnet, dazu kommt vorne eine um 1,5 Umdrehungen erhöhte Vorspannung. Lediglich hinten, da brauchts in dieser Beziehung gleich das Maximum: Stufe 7. Das wars, die Fireblade liegt satt, wir können abdrücken – und länger am Gas bleiben, dank Supersport-ABS, ganz schön paradox...

Fahrbericht Honda Fireblade, Jahrgang 2008 (ohne ABS)


Weitere Fotos zur CBR:



Detailfotos:

Cockpit:

Attraktive Front:

Konventionell: eine Geberscheibe innen in der Bremsscheibe liefert die Impulse für den Zentralrechner:

Schwinge:

Die mit ABS ausgerüstete Fireblade braucht eine etwas grössere Batterie als die Nicht-ABS-Fireblade. Insesamt ist die ABS-Fireblade 10 kg schwerer als die Nicht-ABS-Fireblade.

Offizielles Video zur Fireblade 2009:

 


Fotovergleich:

Honda Fireblade 2008Honda Fireblade 2009 (ABS)



Technische Daten Honda CBR 1000 RR (Daten gelten für ABS-Version)

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder-Viertakter,
VentilsteuerungDOHC, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstössel.
Bohrung x Hub76×55,1 mm
Hubraum999 ccm
Verdichtung12,3:1
GemischaufbereitungDigitales Motormanagement, Kennfeldzündung.Benzineinspritzung von Keihin, 2 Düsen und 1 Drosselklappe pro Zylinder
Drosselklappen-Durchmesser40 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass-
SchmierungNasssumpfschmierung.
Auspuffanlage4-2-1-Auspuffanlage mit Katalysator und 2 Klappen im Endschalldämpfer.
StarterE-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 178 PS (131 kW)  bei 12'000 /min
Max. Drehmoment11,4 mkg (112 Nm)bei 8500 /min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Seilzugbetätigte Mehrscheiben-Nasskupplung mit Rückdrehmomentbegrenzer
GängeSechsganggetriebe
EndantriebDichtringkette

Fahrwerk

RahmenAlu-Diagonalbrückenrahmen. Angeschraubtes Alu-Heck.
Federung vorneUSD-Telegabel, voll einstellbar. Elektronis ch geregelter Lenkungsdämpfer
Gabelinnenrohr-Durchmesser43 mm
Federung hintenAlu-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein voll einstellbar
Federweg vorn/hinten120 mm, 135 mm

Räder

RädertypAlugussräder. Schlauchlose Radialreifen BT003, Standard BT016.
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn120/70 ZR 17
Reifendimension hinten190/50 ZR 17

Bremsen

Bremse vornNissin, vorn zwei Stahlscheiben (320 mm), Vierkolbenzangen
Bremse hintenHinten Einzelscheibe (220 mm) mit Einkolbenzange.
ABSJa, optional

Abmessungen und Gewichte

Radstand1410 mm
Lenkkopfwinkel66°42'
Nachlauf96 mm
Leergewicht fahrfertig vollgetankt

210 kg

(ohne ABS: 10 kg leichter)

Sitzhöhe820 mm
Tankinhalt (davon Reserve)17,7/4,0 l

Farben

HRC Tricolor
Pearl Siren Blue
Achilles Black Metallic
Repsol
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisMit ABS ab Fr. 23'170.– (ohne ab Fr. 21'790.–), inkl. NK
Erstmöglicher Lieferterminab Februar 2009
Import überHonda (Suisse) SA, 1214 Vernier-Genève
Tel. 022 939 09 09

Sonstiges, Bemerkungen

Bemerkungnicht mit 34 PS erhältlich!

Konkurrenten

Aprilia RSV4
BMW S 1000 RR
Ducati 1198
Kawasaki ZX-10R Ninja
KTM RC8 / RC8 R
Suzuki GSX-R 1000
Yamaha YZF-R1


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