Test Suzuki SFV 650
Fahrbericht Suzuki Gladius
11.03.2009 00:00
Wenn es eng wurde im Getümmel der Schlacht, zückten Römer ihr Kurzschwert, den Gladius. Heute ist die Suzkuki Gladius ein hieb- und stichfestes Argument im Gewühl der Stadt. Text: Daniel Riesen Bilder: Markus Jahn
Lassen wir uns vom Werbevideo für die neue Suzuki Gladius inspirieren: eine junge Frau, ein junger Mann. Computer sind im Spiel.
Er treibt Sport, sie geht mit Freundinnen shoppen. Schöne Menschen. Es wird auch Motorrad gefahren. Abends ist Party. Am Pool. Sie und er kommen sich näher. Gladius ist dabei.
Vor zwanzig Jahren hätte man das Publikum für die Suzuki SFV650 Gladius, wie sie mit vollem Namen heisst, wohl Yuppies genannt. Junge Städter mit Geld in der Tasche.
Vor zehn Jahren baute Suzuki die SV 650 ein vielseitiges Mittelklasse-Motorrad mit für einen japanischen Hersteller eher ungewöhnlicher Motorisierung, einem bollernden V2. Heute steigt die Generation Facebook auf die Nachfolgerin um. Die Gladius ist gewissermassen die SV650 2.0.
Das Video von Suzuki:
Genau genommen ist die Gladius sogar die Version 3.0, denn die SV gabs zuerst mit einem Rundrohrrahmen, bevor im Trend der Zeit auf Vierkantrohr umgestellt wurde, mit dazupassend eckigen Plastikteilen.
Jetzt ist aber die Gladius an der Reihe, wieder mit einem Gitterrohrrahmen, diesmal aber aus Stahlrundrohren und je nach Variante Blau, Bronze oder Schwarz lackiert. Die gekonnte Inszenierung des Rahmens macht Ducati mit der Monster schon lange vor. Deshalb kann die Gladius als Antwort auf die Monster 696 gesehen werden.
Ein Töff für sowohl als auch
Die Suzuki Gladius gehört preislich wie leistungsmässig zur töffigen Mittelklasse. Hier versuchen die Hersteller meist, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Solche Bikes sollen einfach fahrbar sein, damit sich Einsteiger getrauen, zuzugreifen, sie sollen aber auch Fortgeschrittenen Spass machen.
Mehr Feuer in der Mitte
Gerade in Sachen Spass hat die Gladius der Konkurrenz von Honda CBF600 und Yamaha XJ6, aber auch der internen (Suzuki Bandit 650) ein gewichtiges Argument voraus, ihren Zweizylindermotor.
Bei gleichem Hubraum steht ein Twin den Vierzylindern in der Maximalleistung nach, doch macht er dies durch mehr Feuer in der Drehzahlmitte wett. Das gilt auch für die Gladius. Mit 4000/min darf man durchaus ein Überholmanöver wagen, mit einem 600er-Vierzylinder ginge dasselbe Manöver nur auf einer sehr langen Geraden gut!
Druck und Sound
Ausgehend vom Triebwerk der SV650 musste Suzuki nicht Schwächen ausmerzen (die es kaum gab), man konnte die Stärken pflegen. So wurde die Kurbelwellenschwungmasse erhöht, die Angaben von Suzuki dazu divergieren zwischen plus 5 und plus 10 Prozent. Eine Auswirkung von genügend Schwungmasse: Abwürgen des Motors beim Anfahren ist kaum möglich, selbst mit Standgas rollt die Gladius brav los. Einsteigertauglich also.
Grollender V-2
Anderseits hat der V2 nichts von seiner Spitzenleistung eingebüsst (dank mehr Schalldämpfervolumen und mehr Ventilhub), auch das Gefühl eines peppigen, drehfreudigen Motors ist nicht geringer geworden, untermalt vom typisch grolligen V2-Sound.Problemlos, aber nicht perfekt ist die Gasannahme. Einer leicht verzögerten Reaktion auf den Gasgriffbefehl folgt ein leichter Schlag, deutlich spürbar nur in den Gängen 1 und 2.
Eingeschränkte Nutzbarkeit unten rumEine Kehrseite der druckigen V2-Leistungscharakteristik ist die eingeschränkte Nutzbarkeit im Drehzahlkeller. Minimal 2500/min in den kleinen respektive 3000/min in den grossen Gängen müssen anliegen, damit es nicht rumpelt im Antrieb. Und oberhalb von 6500/min werden die Vibrationen deutlich spürbar. Störend werden sie aber nur bei längerem Konstanttempo bei Schweizer Autobahngangart bleibt man im 6. Gang unter diesem Level.
Was der Einsteiger erwartet
Suzuki erwartet ja, man siehts im Werbevideo, dass man mit der Gladius lustvoll durch die Stadt kurvt. Das bedeutet dauerndes Kuppeln und Schalten; da passt es gut, dass Gangwechsel problemlos vonstatten gehen und auch Frauenhände dank der leichtgängigen Kupplung keine Krämpfe befürchten müssen. Als durchaus hilfreich beim Entdecken des Töfffahrens erachten wir die Anzeige des eingelegten Ganges im Cockpit.
Leicht und niedrig
Die beschriebenen Qualitäten würden Einsteigern und Kleingewachsenen wenig nützen, wenn die Gladius gross und schwer wäre. Doch zufällig hat Suzuki die SFV650 nicht Gladius getauft, denn so wurde das Kurzschwert römischer Kämpfer genannt, geeignet für den Kampf auf engstem Raum.
Das Gladiusschwert der römischen Soldaten:

Leicht ist auch die Gladius. Zudem ist sie niedrig, von Cruisern abgesehen gibts kaum ein Bike, über das man beim Aufsteigen das Bein weniger hoch schwingen müsste.
Praktisch, alltagstauglich
Einmal an Bord, bleibt die Gladius eine Wohltat für Kurzbeinige. Die zweifarbige Sitzbank ist niedrig und erst noch schmal. Langbeinigen bietet Suzuki optional eine 20 mm höhere Sitzbank. Die dürfte besser gepolstert sein als die dünne, hart wirkende Standardversion, und sie bietet einen entspannteren Kniewinkel. Ziemlich straff ist auch das Sozius-Polster, Langstrecke ist da wohl nicht drin, für Spritzfahrten eignet sich die Gladius aber sehr wohl, die Handgriffe sind gut positioniert. Auch wenn keine Gepäckhaken vorhanden sind, lässt sich eine Tasche gut am Heck vertäuen.
Sitzposition
Entspannt, in klassischer Roadster-Manier, nimmt man hinter dem nicht zu breiten Lenker Platz. Aufrecht positioniert hat man eine gute Übersicht übers Geschehen, auch über jenes hinter einem, denn die Rückspiegel sind gross und werden durch die Vibrationen nur wenig erschüttert. Auch grad noch positiv zu vermerken: Der Seitenständerfuss ist erfreulich grossflächig, da kann mans auch mal riskieren, draussen im Feld zu parkieren.
Macht grossen Spass
Den Alltagstest absolviert die Gladius also weitgehend mit Bravour. Doch fährt man sie auch mit Spass? Alleweil, der Motor trägt wie beschrieben dazu bei, und das Fahrwerk verdirbt einem die gute Laune keineswegs. Bei der Fahrwerksgeometrie hat Suzuki einen guten Kompromiss fürs Handling gefunden. Zu viel Agilität nimmt nicht nur Novizen schnell den Mumm, zu wenig hingegen den Spass.
Die softe Seite des Schwerts
Das richtige Mass suchte Suzuki auch bei der Abstimmung der Federelemente. Hier liegt die Gladius klar auf der weichen Linie. Das macht den Töff problemlos fahrbar, setzt dem Heizen aber gewisse Grenzen. Beim Fahren mit legalem Tempo auf dem meist topfebenen Belag von Fuerteventura (siehe auch nebenstehende Seite) gerät das römische Kurzschwert kaum in Verlegenheit.
Weich gedämpfte Gabel
Fährt man allerdings den wohl einzigen Bogen mit deftiger Kompression der Insel, gerät das Heck ebenso in Bewegung wie beim entschlossenen Gasaufreissen am Kurvenausgang. Und findet man eine Kurve mit welligem Asphalt, gerät auch die weich gedämpfte Gabel in leichte Unruhe. Das trübt die Präzision etwas, liegt aber noch längst im grünen Bereich. Zumal die Weichheit der Aufhängung für Komfort sorgt.
Defensive Vorderradbremse
Die soft gedämpfte Gabel würde bei harten Bremsmanövern wohl in die Knie gehen. Doch ist die Vorderbremse ausgesprochen defensiv ausgelegt. Die Doppelkolben-Anker packen vorsichtig zu und ohne klaren Druckpunkt. Könner mögen dies bemängeln, Suzuki hatte hier wohl einfach sehr stark die Einsteiger im Visier. Es ist denkbar, dass die leider erst im Sommer lieferbare ABS-Version «schärfer» abgestimmt sein wird.
Anders als die Vorgängerin, die SV 650, wird die Gladius ausschliesslich unverkleidet angeboten. Dafür in vier gefälligen Farbvarianten. Im Werbe-Video wählt der Mann das coole Blau, die Frau das rassige Rot. Obligatorisch ist das aber nicht.
Welches Moped hätte's denn gern?:
Fazit
Man kann die Suzuki Gladius als aufgehübschte SV650 bezeichnen. Das ist durchaus als Kompliment gemeint, denn der quirlige Zweizylinder-Roadster gefiel mir schon bei der Lancierung 1999 sehr gut. Die Gladius stellt die peppige Alternative dar zur anderen Mittelklässlerin im Angebot von Suzuki, der ruhig-souveränen Vierzylinder-Bandit 650.
Gladius besser machen: kleine Verkleidungsscheibe und Gepäckträger:

Ein paar Details der Gladius:
Cockpit und Bremsen:
Sitz:
Heck und Front:
Technische Fotos (+ technische Änderungen zur SV 650):
Der Rahmen mit dem Federbein und der Schwinge:
So einfach werden heutzutage Farben und Formen hinzugefügt:

Die Suzuki Gladius ist das erste Suzuki-Modell, das mit Iridium-Zündkerzen ausgestattet ist. Das Element Iridium hat eine enorme Dichte und ist seltener in der Erdkruste zu finden als Gold. Dank seines hohen Schmelzpunktes von über 2400 Grad Celsius eignet es sich vorzüglich für Zündelektroden. Ob die Iridiumspitze wirklich was bringt (die Hersteller versprechen weniger Verbrauch und ruhigeren Motorlauf, ist umstritten. Allerdings könnte die Iridiumelektrode beim Kaltstart helfen, die Emissionen zu senken:

Ins gleiche Kapitel fällt vermutlich auch diese Drosselklappentechnik der Gladius. Hier wird vermutlich das Benzin-/Luftgemisch beim Kaltstart durch die sekundäre Drosselklappe geleitet - und auf einem Umweg an der primären Drosselklappe vorbei in den Zylinder. Dies könnte dazu führen, dass beim Kaltstart das Gemisch weniger verwirbelt wird - was zu einer verbesserten Verbrennung führt. Letzendlich wird diese Technik vermutlich bei der Homologation helfen, die scharfen Euro 3-Emissionswerte einzuhalten.

Die Kurbelwelle der neuen Gladius hat rund 5% mehr Schwungmasse. Das dürfte zu mehr Punch bei tiefen/mittleren Drehzahlen führen:
Auch der Primärantrieb wurde neu gestaltet - er ist nun deutlich leiser:

Auch die Zylinder und die Innenbeschichtung des Zylinders wurde komplett überarbeitet. Dank neuer Beschichtung soll es zu weniger Reibung des Kolbens kommen, was eine höhere Laufleistung zur Folge haben dürfte:

Auch die Kupplung wurde überarbeitet. Laut Suzuki sollen die Gangwechsel nun weicher gehen, ausserdem soll das Kuppeln und Gangwechseln leiser ablaufen (gegenüber der SV 650)

Auf einen Blick
(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)
| In der Stadt | 4 Punkte |
| Auf grosser Tour | 2 Punkte |
| Sportlich fahren | 3 Punkte |
| Zu zweit unterwegs | 2 Punkte |
| Emotionen | 3 Punkte |
Technische Daten Suzuki SFV650 Gladius
Motor
| Bauart | Flüssigkeitsgekühlter V2-Viertakter, Kurbelwelle quer. Zylinderwinkel 90°. |
| Ventilsteuerung | Je zwei oben liegende, über Kette gesteuerte Nockenwellen, 4 Ventile pro Zylinder. Ventilwinkel total 30°. |
| Bohrung x Hub | 81×62,6 mm |
| Hubraum | 645 ccm |
| Verdichtung | 11,5 : 1 |
| Gemischaufbereitung | Elektronisches Motormanagement mit Benzineinspritzung, zwei Drosselklappen pro Zylinder und elektronischer CDI-Doppelzündung. |
| Drosselklappen-Durchmesser | 39 mm |
| Ventildurchmesser: Einlass/Auslass | |
| Schmierung | Nasssumpfschmierung mit Ölkühler. |
| Auspuffanlage | 2-1-2-Auspuffanlage mit 3-Wege-Katalysator |
| Starter | E-Starter |
Leistungsdaten
| Max. Leistung | 72 PS (53 kW) bei 8400 /min |
| Max. Drehmoment | 5,6 mkg (55 Nm) bei 640 /min |
| V-max. |
Kraftübertragung
| Kupplung | Zahnradprimärantrieb. Per Seilzug betätigte Mehrscheiben-Nasskupplung. |
| Gänge | Sechsganggetriebe |
| Endantrieb | Endantrieb über Dichtringkette |
Fahrwerk
| Rahmen | Gitterrohrbrückenrahmen aus Stahlrohr |
| Federung vorne | Vorn ölgedämpfte Telegabel, Federvorspannung einstellbar. |
| Gabelinnenrohr-Durchmesser | 41 mm |
| Federung hinten | Stahl-Zweiarmschwinge. Über Umlenkhebel betätigtes Zentralfederbein, in der Federbasis einstellbar. |
| Federweg vorn/hinten | 125 mm / 130 mm |
Räder
| Rädertyp | Gussräder aus Leichtmetall. Schlauchlose Radialreifen Dunlop Qualifier. |
| Felgendimension vorn | MT 3.50×17 |
| Felgendimension hinten | MT 5.00×17 |
| Reifendimension vorn | 120/70 ZR 17 |
| Reifendimension hinten | 160/60 ZR 17 |
Bremsen
| Bremse vorn | Tokico. Vorn zwei halb schwimmend gelagerte Stahlscheiben (290 mm) Doppelkolbenzangen |
| Bremse hinten | Hinten Einzelscheibe (240 mm) mit Einkolbenzange |
| ABS | ja, optional |
Abmessungen und Gewichte
| Radstand | 1445 mm |
| Lenkkopfwinkel | 65° |
| Nachlauf | 106 mm |
| Gewicht vollgetankt | 202 kg |
| Sitzhöhe | 785 mm |
| Tankinhalt (davon Reserve) | 14,5 l |
Farben
| Schwarz | |
| Weiss-blau | |
| Weiss-rot | |
| Schwarz-grün | |
| x |
Preis, Lieferung per, Import
| Preis | Ohne ABS: Fr. 10'595., inkl. MwSt. und NK. Mit ABS: Preis noch nicht festgelegt, erhältlich ab Sommer. |
| Erstmöglicher Liefertermin | ab sofort |
| Import über | Frankonia AG, 8048 Zürich |
Sonstiges, Bemerkungen
| Bemerkung | Auch mit 25 kW/34 PS erhältlich |
Konkurrenten
| Aprilia Shiver 750 |
| eventuell Benelli TNT 899; Moto Guzzi Breva 750, |
| Ducati 696 Monster |
| Honda Hornet 600 |
| KTM 690 Duke |
| Kawasaki ER-6n |
| Suzuki SV 650; Suzuki GSR 600 |
| Triumph Street Triple |
| Yamaha FZ6; Yamaha XJ6 |
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