Test und Technik

Test 250er-Yamaha

Fahrbericht Yamaha YBR 250

11.08.2009 00:00

Die Yamaha YBR250 hat alles, um elegant durch die Stadt zu wieseln. Sie ist kein Kraftprotz und kein Designbike, bereitet aber viiiel mehr Vergnügen als ein Roller. Text: Daniel Riesen Bilder: Tobias Kloetzli, Riesen


Auch mit einer 250er gehts flink ums Eck: Yamaha YBR 250 im Einsatz.

Auf dem Datenblatt herrscht Bescheidenheit: 250 ccm, 1 Zylinder, nur 21 PS. Die Yamaha YBR 250 protzt nicht mit beeindruckenden Zahlen, am Biker-Stammtisch wird sie vermutlich höchstens ein Lächeln bewirken.

Die Konkurrenz

Doch Yamahas neue Kleine ist ja auch nicht für die Testosteron-Fraktion gebaut, sondern für Leute, die ein praktisches Zweirad für alle Tage suchen, die beim Kauf wie im Betrieb kein Vermögen ausgeben wollen.
Vor zwei Jahren wäre Yamaha mit der YBR250 auf dem Schweizer Markt noch konkurrenzlos gewesen. Seit letztem Jahr aber gibts bei Kawasaki die verschalte Ninja 250, bei Honda seit diesem Frühsommer die VTR250.

Ordentliches Drehmoment

Zum vergleichbaren Preis bieten die Konkurrenten Zweizylindermotoren und rund 30 PS, während man sich bei der YBR mit einem Zylinder und nominell fast einem Drittel weniger Pfuus zufriedengeben muss. Im realen Leben wirkt sich das theoretische Minus aber weit weniger krass aus. Der luftgekühlte Single (englisch für Einzylindermotor) bietet ordentlich Drehmoment, und dies bei klar tiefe­rer Drehzahl als die Zweizylinder.

So reichen 4000 bis 6000/min für flottes Vorwärtskommen in der City bestens  aus. Die Motorengeräusche bleiben sozialverträglich, anderseits poltert es ausreichend aus dem Maschinenraum, um den Motor zu fühlen. Jawohl, die Maschine lebt!

Portion Motorrad­erlebnis

Das gilt auch für die mittelstarken Vibrationen bei höheren Drehzahlen und das deutliche Bremsmoment des Motors, wenn man die Drosselklappe schnell schliesst. Wer also nicht nur den nüchternen Personentransport, sondern auch eine Portion Motorrad­erlebnis sucht, kommt mit der Yamaha YBR250 auf seine Kosten. Ein Roller, der für die Fahrt in die Stadt gewiss auch infrage käme, kann dieses Fahr­erlebnis jedenfalls nicht bieten.

Im Hubraum ähnliche Scooter sind auch längst nicht so schnell wie die YBR. Aufrecht sitzend bringt man es auf rund 125 km/h (laut Tacho). Flach liegend – was man lieber im Dunkeln macht, sieht nämlich sehr uncool aus – schafft man gar 140. Ob da wirklich nur 21 PS drin sind?

Gepäck auf der Sitzbank

Im Gegensatz zum Roller fehlts der YBR natürlich an Stauraum. Der Soziussitz ist aber grossflächig genug für den Gepäcktransport. Haken für den Gummizug fehlen, man kann ihn aber an Rastenausleger, Haltegriff und Kotschutzlappen einhaken. Auf dem Blechtank hats Platz für einen schmalen Magnet-Tankrucksack.

Regelmässiges Schalten

Wer zwischen einem praktischen Roller und der spassigeren YBR schwanken sollte, wird sich auch das mit den Gangwechseln überlegen. Stadtverkehr heisst mit einem Töff – in Abwesenheit einer Automatik – regelmässiges Schalten. Rühren im YBR-Fünfganggetriebe geht schnell, flüssig, ohne nennenswerten Kraftaufwand. Etwas Schmalz, mehr als man bei einer 250er erwartet, braucht die Kupplung, auch wegen des weit abstehenden Kupplungshebels. Könnte den Bürolisten-Unterarm auf Dauer fordern.

Kein klassisches Einsteigerbike

Bei Yamaha in der Schweiz sieht man die YBR250 nicht unbedingt als klassisches Einsteigermotorrad, diese Kubik- und Stärkeklasse liegt ja ein wenig zwischen den Führerscheinkategorien. Das dürfte auch erklären, warum man der Sitzhöhe wenig Beachtung geschenkt hat. Neulinge habens gern niedrig, die YBR250 hat aber eine vergleichsweise hohe und erst noch breite Sitzbank.Ein Nachteil für zierliche Personen, während sich langbeinige Piloten bedanken werden.

Enspannt unterwegs

Überhaupt ist das Fahren mit der kleinen, 154 kg leichten Yamaha eine entspannte Angelegenheit. Sie fühlt sich absolut erwachsen an, lenkt neutral in Kurven ein, wirkt nie nervös. Vertrauenerweckend. Muss man in Schräglage mal korrigierend bremsen, stellt sich der Töff über den schmalen 100er-Vorderpneu kaum auf.

Bremsen

Das hat natürlich auch mit der alles andere als heftigen Wirkung der Einscheibenvorderbremse zu tun. Klassenüblich sanft packt sie zu, überfordert damit auch Ungeübte nicht. Im Tandem mit der tadellos funktionierenden Trommelbremse schafft man anständig kurze Bremswege, auch aus höheren Tempi.

Man spürt das Tempo...

Ausserorts bereitet die YBR ebenso Vergnügen wie in der Stadt. Wenns regnet oder ein kalter Wind bläst, wird man vielleicht kurz den Windschutz – den ein Roller böte – vermissen. Dafür geniesst man ungetrübtes Motorrad-Feeling, hält im Verkehr gut mit und «muss» gelegentlich gar überholen, was mit einmal Runterschalten meist auch möglich ist.

Fahrwerk

Das Fahrwerk zeigt an, wenn man den legalen Bereich deutlich verlässt. Auf ordentlichem Asphalt beginnen ziemlich genau bei Tempo 100 Bewegungen im Gebälk. Ein wenig verwinden sich Rahmen und Schwinge. Dazu kommt das nicht optimal gedämpfte Federbein: Die Einwärtsdämpfung ist einen Tick zu hart, das schlägt über Kanten ins Kreuz, dafür federt das Heck fast ungedämpft und damit zu schnell wieder aus.

Zugegeben: Das ist jetzt Gemäkel eines an doppelt und dreifach so teure Bikes gewohnten Schreibers. Geht mans gelassen an, ist alles in Butter. Wie überhaupt für wenig Geld erstaunlich viel ganz einfach gut funktioniert.

Fazit

Mit Motorrädern kommt man fixer und günstiger durch die Stadt als mit dem Auto, und man hat mehr Spass als auf einem Roller. Insofern sind die in Ankauf und Unterhalt güns­tigen 250er für Zweiradfans ohne Prestigedenken eine feine Sache. Und die YBR250 kann alles, was man in dieser Klasse erwartet.


Detailfotos:

1350 ccm? Damit ist nicht der Hubraum des Motors gemeint, sondern die Öleinfüllmenge.

Der Kettenspanner ist von der einfachsten und günstigsten Variante:

Das für eine 250er doch recht reichhaltige Cockpit:

Etwas weich auf grosse Distanz - der Sitz. Auf kurze und mittlere Distanzen sitzt es sich ausgezeichnet. Vollwertiger Soziussitz:

Aha, hier kommt die YBR her:

Der Motor:

Zubehör: Gepäckträger:



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt4 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren2 Punkte
Zu zweit unterwegs2 Punkte
Emotionen2 Punkte



Technische Daten Yamaha YBR 250

Motor

BauartLuftgekühlter Einzylinder
Ventilsteuerung
Bohrung x Hub74×58 mm
Hubraum249 ccm
Verdichtung9,8:1
GemischaufbereitungSaugrohr-Benzineinspritzung
Drosselklappen-Durchmesser
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass. . 2-Wege-Katalysator
SchmierungNasssumpfschmierung mit Ölkühler
AuspuffanlageTransistorzündungE-Starter
Starter

Leistungsdaten 

Max. Leistung 21 PS (15,4 kW) b. 7500/min
Max. Drehmoment2,1 mkg (21 Nm) b. 6500/min
V-max.

Kraftübertragung

KupplungPer Seilzug betätigte Nasskupplung
GängeFünfganggetriebe.
EndantriebEndantrieb Kette.

Fahrwerk

RahmenDoppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Federung vorneVorn konventionelle Telegabel
Gabelinnenrohr-Durchmesser
Federung hintenHinten Zweiarm-Kastenschwinge aus Stahl. Zentralfederbein in der Vorspannung einstellbar
Federweg vorn/hinten115/120 mm

Räder

RädertypAlu-Gussräder. Schlauchlose Diagonalreifen (Testmaschine: Pirelli Sport Demon),
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn100/80-17"
Reifendimension hinten130/70-17".

Bremsen 

Bremse vornVorn Einscheibenbremse (ø 282 mm), Doppelkolbenzange
Bremse hintenhinten Trommelbremse
ABSnein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1360 mm
Lenkkopfwinkel63,5°/
Nachlauf104,5 mm
Gewicht fahrfertig vollgetankt154 kg
Sitzhöhe805 mm
Tankinhalt (davon Reserve)19,2 l

Farben

Silber
Schwarz
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x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisPreis  Fr. 6900.–, inkl. MwSt. und NK.
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überHostettler AG, Tel. 041 9266111

Sonstiges, Bemerkungen

Bemerkung

Konkurrenten

Kawasaki Ninja 250 R
Yamha YBR 250

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