Auf Achse

Auf Achse

Fels in der Brandung


 

31.03.2003 00:00 (Text: Markus Schmid / Bilder: Markus Schenker)

Stell dir vor: Da gibts eine Insel, besser zwei Inseln. Berge, Hügel und Meeresbuchten sind allgegenwärtig, entsprechend kurvig sind die Strassen. Nur herrscht zwanzigmal weniger Verkehr als bei uns. Autobahnen gibts praktisch keine, dafür massig Schotterstrassen zum Driften. Und kein Buwal, kein Moritzli weit und breit, alles völlig legal!



Der prägnante Spruch «reif für die Insel» hat was, besonders für Biker hier zu Lande. Wenn einem als Töfffahrer wieder einmal die bittere Kombination aus Schweizer Vorschriftendschungel zusammen mit dem gut eidgenössischen Vollkontrollwahnsinn der Sesselfurzer in Bern das Herz abdrücken will, trifft erwähnter Spruch den Nagel auf den Kopf und skizziert auch gleich die Therapie: abhauen in die ungestörte Einsamkeit.

Wir paar Nasen haben uns dieser Therapie verschrieben: ab auf die Insel. Töff fahren, tagelang, 8000 Kilometer Landstrasse und Schotter. Swingen, von Kurve zu Kurve, nur den an- und abschwellenden Puls der Einzylinder-Chlopfer in Händen, Hosenboden und Fusssohlen spüren. Tagelang. Mit Fingern und Füssen dieses manchmal polternde, oft wohlig brummende Instrument spielen. Kuppeln, schalten, Gas auf und zu, bremsen, sich seitwärts fallen lassen, durch saftiggrüne Tunnel tauchen, über Steppen und Hügelzüge wedeln, sich in Asphalt-Achterbahnen stürzen oder an der Tasmanischen See entlang Motorrad carven. Einlenken, Vollgas, das driftende Hinterrad mit Druck auf die äussere Raste in den Sand drücken «liiiinks und reeeeechts... 90 Meilen lang.

«Excellent!»
Daran denke ich und an die Hunderte von Kilometern menschen- und autoleerer Strassen, die hinter mir liegen. Ich drösele in einer Doppelkolonne im Linksverkehr Richtung Stadtzentrum von Christchurch, der grössten Stadt auf der Südinsel von Neuseeland. Katerstimmung, morgen fliegen wir zurück.

Es geht nicht vorwärts. Ich schlängle mich bis zur roten Ampel nach vorn, stelle mich neben den Stadtbus. Bei Grün ab! An der nächsten Kreuzung schiebt sich der Bus neben mich, der braun gebranne, weisshaarige Chauffeur öffnet die Seitenscheibe. Ja, ja, ich weiss, jetzt kommts gleich: «Hat viel gebracht, hä? Bleib an deinem Platz in der Kolonnne», und so weiter. Aber nein: «Wo kommst du her? Auf Tour? Wo gewesen?» «Um ganz Neuseeland rum. Auckland, Kauriwälder, Cape Reinga, Bay of Islands, Waitangi, Taupo, Motu Road, dann die ganze Südinsel, Ost- und Westküste, Milford Sound, Queenstown, Skippers Canyon. Auch über die Rainbow Road, die Old Dunstan Road, Danseys Pass, Southern Alps.» Seine Augen leuchten: «Excellent, Spitze, was ihr da gefahren seid! Bin früher auch ein Bikey gewesen. Machs gut!» Es wird grün.

Ich bleibe fast stehen vor Ergriffenheit, obwohl ichs eigentlich weiss: Die meisten «Kiwis», wie sich die Neuseeländer selbst nach ihrem fast ausgerotteten Nationalvogel nennen, sind absolut locker im Strassenverkehr. Nur kein Stress, leben und leben lassen, heisst das Motto hier.

Das macht die kontaktfreudigen Kiwis noch sympathischer, ist aber auch nicht ein so riesiges Kunststück bei der niedrigen Verkehrsdichte. Auch der gestressteste Mensch wird hier locker, denn unsereins erscheinen die Nebenstrassen in Neuseeland ganz einfach menschenleer. Der grosse Teil der knapp 4 Millionen Einwohner konzentriert sich mit 1,5 Millionen in den Grossregionen Auckland und Wellington auf der kleineren Nordinsel und in Christchurch mit 0,35 Mio auf der grossen Südinsel. Der Rest von gut 2 Millionen verteilt sich auf 90 % der totalen Landfläche von 268 000 km2. Neuseeland ist also gut sechsmal grösser als die Schweiz. Bei so viel Platz fällt Toleranz leichter.

Mit acht Yamaha XT 600 E aus dem BANZ-Mietstall in Greenlane bei Pukekohe sind wir Mitte Dezember nach Norden losgeschnurrt, haben im Regen bei knapp über 10 °C gleich die IXS-Gore-Tex-Jacken richtig eingeweiht, inklusive Thermofutter. Am Nachmittag in denKauriwäldern drückte schon wieder die Sonne durch, aber abends im Camp bestehen wir in den Zelten auch gleich die Regentaufe. (...)


Den vollständigen Artikel lest ihr im MSS 07/2003, welches ab dem 2. April am Kiosk erhältlich ist.



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