Test und Technik
Fahrbericht
09.01.2007 00:00 (Danny Wirz)
Jetzt ist auch bei den Enduros aus dem Hause Yamaha das Ende der Eisenzeit angebrochen. Die Viertakt-Enduros übernehmen das Alu-Chassis der Crosser. Wenn also eine Modernisierung im Stollengaul-Stall ansteht, könnte jetzt der richtige Moment sein, zur «kleinen» oder zur «grossen» WR zu greifen. Zumal Yamaha auch den Motoren einige Aufmerksamkeit zugunsten von mehr Dampf in der Mitte zukommen liess.
Das neue Yamaha-Duo, das der Viertakt-Enduro-Konkurrenz tüchtig einheizen soll, steht bei pflotschigem Wetter auf dem Enduro-Gelände von Igualada bei Barcelona zum Proberitt bereit. Dass hier echte Neuheiten und nicht bloss frisch tapeziertes Material präsentiert wird, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Um die Motoren der Yamaha WR 250 F und WR 450 F schlingen sich nicht die altbekannten Stahlrohre, sondern Alu-Profile mit voluminösen Querschnitten wie bei den Motocross-Modellen.
Während andere Offroad-Spezialisten, zuvorderst KTM, weiterhin auf den guten, alten Stahlbau setzen, schwenkt nun auch Yamaha ins Lager der Leichtmetalliker. Beide Enduros bauen auf einen vom erfolgreichen Motocrosser YZ 450 F abgeleiteten Alu-Rahmen, eine sorgfältig austarierte Kombination aus insgesamt neun Schmiede-, Guss- und Pressteilen.
Grosses Foto: Yamaha WR 450 F
Ein Blick auf die Gewichtstabelle zeigt im Vergleich zur abgelösten Stahlrohr-WR keinen Unterschied: Laut Werk wiegen beide 450er trocken 112,5 kg. Yamaha wirbt jedoch nicht mit dem Blick auf die Waage. Vielmehr erlaube die Doppelschleifen-Aluminium-Konstruktion eine tiefere Anordnung der Massen und damit des Schwerpunkts, argumentiert man. Ausserdem werden die mit dem Materialwechsel verbundenen, neuen konstruktiven Möglichkeiten genutzt, um die Festigkeitsbalance zu optimieren.
Im Fokus: Die Wendigkeit
Das Ziel der Neuausrichtung ist ein leichtfüssigeres Handling, was gleichbedeutend ist mit schnelleren Richtungswechseln unter dem Profipiloten und was die WR für den Amateurfahrer generell leichter beherrschbar machen soll.
Für Yamaha-Werkspilot David Frétigné, vielen als Gast auf dem Paris-Dakar-Podest bekannt, ist die Operation geglückt: «Dank des Alu-Rahmens ist das Motorrad kürzer und kompakter geworden. Zusammen mit der etwas steiler angestellten Gabel ist die Maschine handlicher geworden. Weil anderseits die Fussrasten tiefer unten platziert sind, kann ich weiterhin genug Druck aufs Hinterrad geben, sodass die WR im Geradeauslauf gleich stabil geblieben ist.»
Auch antriebsseitig ergriff Yamaha einige das Handling erleichternde Massnahmen. So dient nun nicht mehr der Rahmen als Reservoir für die Trockensumpfschmierung, sondern ein Tank vor dem Kurbelgehäuse, was den Schwerpunkt weiter nach unten verlagert. Ausserdem werden so aussen liegende Ölleitungen eingespart. Ja, man stellte sogar den Zylinder steiler, um den Motor nach vorne rücken zu können. Ebenfalls im Interesse der Massenkonzentration wurde der Schalldämpfer gekürzt und nach vorne in Richtung Maschinenschwerpunkt gerückt.
Beim Antrieb, und da beschäftigen wir uns vorerst mit der 450er, ging es aber auch um gute Manieren. Eine neue Ausgleichswelle, hergestellt aus einer Wolframlegierung, killt Vibrationen und sorgt gemäss Yamaha für eine sanftere Leistungsentwicklung. Beides dürfte auf längeren Etappen die Kondition des Piloten schonen, was besonders den nicht ganz so toll Austrainierten entgegenkommen dürfte.
Grosses Foto: MSS-Tester Danny Wirz (links) und Michel Joliat (mehrfacher CH-Enduromeister)
Technische Daten Yamaha WR 450 (250) F
Motor Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter. Zwei oben liegende Nockenwellen, DOHC, 5 Ventile, Ausgleichswelle (250: keine Ausgl.-Welle). Vergaser Keihin, ø 39 (37) mm, CDI-Zündung, E- und Kick-Starter. Trockensumpfschmierung.
Bohrung ¥ Hub 95 ¥ 63,4 mm
(Bohrung ¥ Hub 77 ¥ 53,6 mm)
Hubraum 449 (250) cm3
Verdichtungsverhältnis 12,3 (12,5) : 1
Leistungsdaten k. A.
Kraftübertragung Über Seilzug betätigte Mehrscheibenkupplung im Ölbad. Fünfganggetriebe. Endantrieb Dichtringkette.
Fahrwerk Semi-Doppelschleifenrahmen aus Alu mit vor dem Motor geteilten Rahmenunterzügen. USD-Gabel ø 48 mm, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar, Alu-Schwinge, Zentralfederbein, Federvorspannung, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar. Federwege 300/305 (310) mm.
Räder Leichtmetall-Speichenräder. Schlauchreifen Dunlop. Reifen vorn 90/90-21, hinten 130/90-18.
Bremsen Hydraulisch. Vorn Doppelkolbenzange, eine Wave-Stahlscheibe. Hinten Einkolbenzange, eine Wave-Stahlscheibe, ø vorn 250, hinten 240 mm.
Abmessungen und Gewichte
Radstand 1485 (1480) mm
Lenkkopfwinkel 63,0 (63,4) °
Nachlauf 116 (114) mm
Tankinhalt 8 l
Trockengewicht 112,5 (106) kg
Preis Fr. 15 100. (Fr. 14 960.) inkl. NK
CH-Import, Bezugsquellennachweis über
Hostettler AG
Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 01/2007; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
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