Test und Technik

Norton wieder am Boden

Endgültig: Keine Norton-Neuauflage


 

24.07.2007 00:00

Es sollte die grosse Wiederauferstehung werden: Kenny Dreer wollte mit einer Neuauflage der legendären Norton Commando den glorreichen Namen des englischen Motorradproduzenten Norton wieder auferstehen lassen. Doch nun ist so gut wie klar: Norton ist am Boden, Dreer hat die Firma verlassen.


Dabei sah die Maschine so sexy aus: nun ist es vorbei mit einer neuen Norton Commando 961 SS.

Vor-Geschichte:
Seit 1913 wurden bei Norton in Birmingham Motorräder gefertigt. Jahrzehntelang war die englische Marke der grosse Dominator bei den  TT-Rennen auf der Isle of Man, die Firma exportierte ihre Motorräder in alle Teile der Welt. Doch Anfang der 60er-Jahre ging es mit Norton abwärts, der neuen Konkurrenz aus Japan war man einfach nicht gewachsen.


1969 wurde die Norton Commando eingeführt, ihr tolles Fahrwerk und ihr kräftiger Motor machte sie auf einen Schlag zu einem der begehrtesten Motorräder der Welt. Doch auch das half nicht: 1974 kam der erste Konkurs, mit privatem Geld rappelte sich Norton wieder auf, man schleppte sich bis in die 80er-Jahre weiter (unter anderem wurde ein vielbeachtete Norton Renn-Wankel in diesen Jahren gebaut).

Foto 1: 71er-Norton Werbeplakat

Foto 2: 72er-Norton Werbeplakat

Foto3: 73er-850er Norton Werbeplakat

Norton USA
Anfangs der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts kaufte der Amerikaner Kenny Dreer die Namensrechte zum Bau von Norton-Motorrädern und entwickelte eine 961 ccm-grosse, völlig neue Norton Commando. Mit der alten Commando und der Firma Norton selbst hatte das Projekt allerdings nicht mehr viel zu tun.


Trotzdem wurde sein Entwurf einer Reihenzweizylinder-Norton Commando 961 SS vom Markt gut aufgenommen, angeblich verkauften sich die erste 100 Exemplare ausgesprochen gut. Doch in den Jahren 2005/2006 geriet das Unternehmen erneut in Schieflage. Für eine Serienproduktion der 961 SS (die zu einem angepeilten Preis von rund 20'000 Dollar verkauft werden sollte) wurde dringend Geld gebraucht. Einige wenige Risikoinvestor stiegen ein, allerdings kam zu wenig Geld zusammen – Dreer hätte bis zu 10 Millionen Dollar gebraucht, um weiter richtig produzieren zu können. Der Markt für die Retrobikes mit dem klangvollen Namen war anscheinend zu klein, die Probleme zu gross…..

Das Ende
Inzwischen wurden so gut wie alle Angestellten entlassen, Kenny Dreer hat sich selbst als Direktor "entlassen". Die letzten 961 SS (hier das grosse Foto mit sexy Girl - nicht verwirren lassen durch die 852 ccm Aufschrift,  es ist eine 961er), die noch vor der Pleite gebaut wurden, dürften irgendwo in einer Halle in Gladstone, Orgeon, langsam verrosten. Dreers Traum von einer Wiederauferstehung einer glanzvollen Motorradmarke ist ausgeträumt. Unklar bleibt derzeit, was mit den Namensrechten geschieht. 


Weiterhin sehr aktiv am Produzieren ist die Firma Norton Motors Ltd in Rugeley, England (siehe Linkbox). Sie produzieren hauptsächlich Ersatzteile für ältere Nortons und vor allem Teile für die Wankel-Nortons.


««zurück