Auf Achse
Pässefahren: Sattelegg
26.07.2007 00:00
Die Sattelegg ist wohl einer jener Pässe, die man zwischendurch so macht wohl kaum jemand würde für eine Überfahrt über die Sattelegg einen ganzen Sonntag verplanen. Ein Ausflug lohnt sich vor allem aufgrund der Umgebung: Sihlsee, Einsiedeln, Wägital.

Mächtige Gewittertürme ballen sich da gegen das Glarnerland zu. Aber bis zur Sattelegg trauen die sich wohl nicht...
Von der Iberegeregg herkommend, bietet sich einem die weitere Passfahrt über die Sattelegg richtig an. Eilige dürften zwar die Strecke über Einsiedeln und die Schindellegi bevorzugen aber sie reisen bestimmt weniger entspannt und erlebnisloser.
Einsiedeln
Wer von Euthal herfährt, dem empfehle ich allen, die die Gegend noch nicht kennen, zuerst einmal die erste Brücke zu nehmen und in Richtung Einsiedeln zu brausen. Gute Parkplatzmöglichkeiten (hier auf dem Foto ein Töffli mit einem Topcase, das seinen Namen wirklich einmal verdient) bieten sich gleich am Ortsanfang. Warum wir nach Einsiedeln fahren? Natürlich aufgrund des Klosters Einsiedeln und seiner Wallfahrtsgeschichte.
Über 1000-jährige Kloster-Geschichte
Ums Jahr 835 nach Christus zog sich in ein erster Benediktinermönch in diese Gegend zurück. Vermutlich um zu Beten und Meditieren. Doch lange dauerte seine Einsiedelei nicht: weitere Mönche folgten seinen Spuren und um 934 wurde schon das erste Kloster gebaut. Bald wurde Einsiedeln auch in den Wallfahrtskatalog aufgenommen, was ungeheure Ströme an gläubigen Pilgern brachte. Allerdings mussten auch immer wieder Rückschläge verkraftet werden so zum Beispiel zahlreiche Brände.
Im Laufe der kommenden Jahrhunderte wurde das Kloster laufend erweitert sowohl was das Kirchenschiff angeht, als auch die Ländereien. Ganze Landstriche gehörten damals dem Kloster auch heute (obwohl die Besitzungen Einsiedelns arg zusammengeschmolzen sind) noch ist das Kloster Einsiedeln der grösste private Grundbesitzer der Schweiz!
Berühmt ist das Kloster heute natürlich für seine ungeheuer prächtige Kirche (die unter anderem die schwarze Madonna beherbergt), aber auch für sein Bibliothek und die Pferdezucht. Die Ställe und auch die schönen Einsiedler Pferde können besichtigt werden einfach einmal um die Kirche herumlaufen, dann stosst ihr automatisch auf die Gäule. Hier habe ich euch ein Googel-Earth-Foto mit empfohler Gehstrecke (locker in Töffklamotten in 5 Minuten zu bewältigen) reingehängt.
Hübsch ist aber auch der breite Platz vor dem Kloster und zum Teil die anschliessenden Restaurants und Hotels. Allerdings muss man sich damit abfinden, dass sich wie vor vielen hundert Jahre einige ein recht grosses Stück vom Wallfahrtskuchen abschneiden wollen. Das treibt dann so eigenartige Stilblüten wie dieses Plakat hier (die Kreuzigung als einzigartiges Raumerlebnis?) oder die zahlreichen Andenkenhändler.
Zweite Brücke
Wir wollen weiter. Zuerst geht es erneut Richtung Euthal, doch dieses Mal nehmen wir die Brücke zwischen Birchli und Willerzell. Sie ist noch schmäler als die erste Brücke und somit ideal für Motorräder. Leider hats keine Parkiermöglichkeiten auf der Brücke selbst sie wäre der ideale Aussichtspunkt.
Nach Willerzell gehts sehr bald in den Wald hinein. Es folgen sehr hübsche, zackige Kurven, zum Teil einspurig, die sich aber sehr schnell befahren lassen. Wos auf der Strasse zu wenig Platz zum Kreuzen hat (Goldwing?), stehen oft Ausweichplätze zur Verfügung. Bei leicht regnerischem Wetter sollten den Bitumenschmierereien vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden es hat leider einige davon.
Sattelegg
Leider ist diese schöne Töffstrecke nur sehr kurz, nach einigen Kehren erreiche ich schon die Sattelegg selbst. Hier sollte man anhalten, um das Panorama zu geniessen. Wer in den Wetterprognosen etwas von Gewittertendenzen im Laufe des Nachmittags gehört hat, sollte ein wachsames Auge aufs Wägital und die Berge dahinter haben. Bildet sich ein Gewitter, ist das Wägital immer unter den Tälern, in denen es am frühesten rumpelt, der Wägitaler ist darum bis nach Rapperswil herunter berühmt. Heute aber ist da nicht viel los...
Soll ich im Bergrestaurant Sattelegg einkehren? Ich entscheide mich dagegen. In Einsiedeln habe ich gerade ein Rivella in mich hineingeleert und irgendwann an diesem Tag wollte ich ja auch noch in Richtung Zürich düsen. Gerade will ich wieder aufsteigen, als mich ein helles Bollern aufmerksam den Kopf heben lässt. Ich bin ein Weilchen lang DR Big gefahren, darum habe ich für Einzylinder einiges übrig. Und was da ankommt, erinnert mich stark an einen KTM-Duke-Einzylinder. Bravo! Man braucht keine 180 PS für die Sattelegg. Die Duke ist das ideale Bike für so einen Pass
Vorsicht: Glitschig!
Bei der Passabfahrt kommt man sehr bald wieder in den Wald, es wird etwas steiler und enger. Schliesslich bringe ich die Bandit zackig zurück in Gang zwei: vor mir breitet sich eine schöne Sauerei aus. Winzige Kies- und Lehmteilchen, vermischt mit Wasser, und das in einer steilen Abwärts-Kurve eine brisante Mischung, die nur langsam passiert werden sollte. Der Grund für den Dreck ist schnell gefunden: eine Rüfi hat sich ob den heftigen Regenfällen der letzten Tage gebildet und ist zu Tal geschossen.
Es folgen ein paar Haarnadeln, die ich nicht mag, und schon befinde ich mich am Talboden selbst. Man könnte nun noch zum Wägitalersee hoch, doch heute habe ich keine richtige Lust dazu und wende mich talabwärts. Bei Rempen und seinem kleinen Stauwehr halte ich dann doch noch einmal. Unglaublich, was da alles im Stausee treibt Zeugen davon, mit welcher Gewalt das Wasser im Wägital wüten kann, wenn es will. Weniger will ich jedoch begreifen, warum auf der anderen Seite des Stauwehrs trotz der ergiebigen Niederschläge der letzten Tage kaum ein Tropfen Wasser im Flussbett unterwegs ist .
Zwei Kilometer Töffstrecke findet ihr danach noch, mit schönen, schnellen Kurven doch dann wird dir Strasse breit, gerade, langweilig. In Siebnen schliesslich ist die kleine Passfahrt zu Ende. Verkehr, Ampeln, überall Fussgänger, Hitze. Mmmhh so richtig will mir das nicht gefallen. Wohin wollte ich doch gleich nochmals? Nach Zürich? Soll ich nicht bessser wieder retour? Auf der Sattelegg war es so angenehm kühl und ruhig.....
Kurzinfos:
Max. Passhöhe: 1190 Meter
Länge: rund 17 Kilometer
Wintersperre: keine Wintersperre
Gastrotipp
Es bietet sich das Bergrestaurant Sattelegg selbst an: gute Aussicht, mitten in der Natur gelegen und mit einem breiten, bequemen Parkplatz ausgestattet.
Übernachtungstipp:
Einsiedeln am Abend ist ein recht hübsches Fleckenchen. Dann, wenn all die Tagestouristen abgezogen sind und wieder Ruhe in den mächtigen Klostermauern eingekehrt ist. Einsiedeln hat ein breites Hotelangebot allerdings sind die Preise etwas höher als vergleichbare Unterkünfte in anderen Kantonsteilen.
Schwierigkeitsgrad für Töff-Anfänger:
Ein eher leichter zu befahrender Pass. Auf Einsiedler Seite an manchen Stellen Bitumen, auf der Wägitaler Seite kann es zuweilen etwas enger/steiler werden. Nix für Anfänger ist der Pass deshalb bei starkem Regen.
Racingfaktor für erfahrene Töfffahrer:
Die einen sind der Meinung, dass der Pass nur etwas für Gemütlich-Fahrer ist. Dieser Meinung schliesse ich mich nicht an. Vor allem die Seite gegen Einsiedeln zu kann rasant genommen werden.
Empfohlene Fahrtrichtung:
Keine besondere Fahrtrichtung empfohlen. Schön ist allerdings der Blick bei schönem Wetter auf den Sihlsee (also Fahrtrichtung Vorderthal Richtung Willerzell).
Aussichtsfaktor/Erlebnisfaktor:
Für einen Schweizer Pass ist die Sattelegg eher ins Mittelfeld zu rücken für die schöne Aussicht fehlt ihr die Höhe, fürs engagierte Kurvenschwingen die richtige Anzahl an Kurven. Extra für die Sattelegg plant wohl niemand einen ganzen Töfftag ein trotzdem darf man von einem hübschen Voralpen-Töff-Abenteuer sprechen.
Passrating total: (Note Maximum: 6 Punkte, Miniumum: 1 Punkt)
Note 4.1
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