Auf Achse

Mit dem Töff über den Klausenpass

Pässefahren: Klausenpass


 

23.08.2007 00:00

Tell, Suworow, Klausenrennen - das sind nur ein paar Details aus der langen Geschichte des Klausenpasses. Heutzutage präsentiert sich der Pass als wahres Eldorado für Pässefahrer: schöne Kurven, eine spitzenmässige Aussicht und viele Gaststätten vermögen uns vollauf zu befriedigen.


Auf dem Urnerboden weht auch weiterhin die Urner Fahne - auch wenn das Gebiet am Klausenpass im Winter nur vom Kanton Glarus aus zugänglich ist.

Altdorf

Unsere Ausgangsstation für die Überschreitung des berühmten Klausenpasses ist Altdorf. Der Urner Hauptort leidet extrem unter dem Verkehr – eine Umfahrung täte hier not. Stattdessen quälen sich nun Tag für Tag Tausende von Fahrzeugen durch die zum Teil recht enge Altstadt: unschön, unschön.

Dabei hätte Altdorf so vieles zu bieten: ein schönes Stadtbild mit hübschen Häusern, vielen Boutiquen in der Tells- und Schmiedgasse und vor allem dem Tell-Denkmal. Für all jene, die noch nie ein Wort von Wilhelm Tell gehör haben, hier die Superkurzversion:

Wilhelm Tell

Böser Despot namens Vogt Gessler lässt irgendwann ums Jahre 1300 in Altdorf seinen Hut auf einer Stange aufstellen, auf dass jeder Bürger den Hut grüssen solle. Der aufrechte Tell hat dazu keinen Bock und geht nicht-grüssend vorbei. Was dem Gessler missfällt: er lässt den Tell von seinen Vasallen packen und zwingt ihn, vom Kopf seines Kindes Walter einen Apfel mit Hilfe eines Armbrustschusses herunterzuschiessen.

Der Schuss gelingt, aber der Gessler lässt ihn trotzdem binden und aufs Schiff bringen, um ihm am Ende des Vierwaldstättersees ins Verliess zu werfen. Dem Tell gelingt die Flucht über die Tellsplatte und anschliessend lauert er dem Vogt in der Hohlen Gasse zu Küssnacht auf. Tells zweiter Schuss an diesem Tag geht dem Gessler voll durch die Brust. Fazit: der Vogt ist tot, die Bürger jubeln und der Tell ist ein Held.

Bild: Gessler und Tell

Ob die Geschichte nur eine Sage ist, oder ob sie sich wirklich irgendwann einmal so abgespielt hat – darum wollen wir uns nicht kümmern. Wer sich mehr für das Spektakel interessiert, der lese den Tell von Friedrich Schiller. Es ist sogar ganz leidlich actiongeladen:

STAUFFACHER ruft. Der Apfel ist gefallen!
Indem sich alle nach dieser Seite gewendet und Berta zwischen Rudenz und den Landvogt sich geworfen, hat Tell den Pfeil abgedrückt.
RÖSSELMANN.
Der Knabe lebt!
|VIELE STIMMEN. Der Apfel ist getroffen!
Walter Fürst schwankt und droht zu sinken, Berta hält ihn.
GESSLER erstaunt.
Er hat geschossen? Wie? der Rasende!
BERTA.
Der Knabe lebt! kommt zu Euch, guter Vater!
WALTER TELL kommt mit dem Apfel gesprungen.
Vater, hier ist der Apfel – Wußt ichs ja,
Du würdest deinen Knaben nicht verletzen.

Bürglen

Wir aber wollen weiter und einverleiben und knattern in Richtung Klausenpass. Die Abzweigung zum Klausen sollte eigentlich problemlos zu finden sein – sie befindet sich direkt am Hauptverkehrskreisel. Einen ersten Halt legen wir in Bürgeln ein, der Sage nach Heimatort von Tell – wie unschwer an den Hotels- und Restaurants abzulesen ist. Einige Gebäude müssten, wenn die Jahreszahlen stimmen, sogar noch vor dem Tell hier gestanden haben. Nacheinader sagen mir hier gleich drei Personen "Hoi": ein etwa 60-Jähriger Mann, ein zwölfjähriges Mädchen und ein kleiner Knabe. Man scheint sich im Dorf wirklich zu Duzen..

Schön aber auch der Ausblick auf das breite Reusstal und Altdorf. Auch der Kirche wollen wir einen kurzen Besuch abstatten. Im Innern scheint wunderschöner, rötlicher Marmor vorzuherrschen. Wie um Himmels Willen können sich die Bürgler da den teuren Marmoreramarmor leisten? Doch ein kurzer Handkontakt beruhigt: bloss Holz, das per mit Hilfe eines begabteren Malers in Marmor verwandelt wurde. Besonders hübsch auch der Ausblick vom Kirchenportal her. Auch ein Blick zum Kirchturm selbst lohnt sich: hier treffen wir auf das schönste Kantonswappen der Schweiz, den Uri-Stier.

Hinter der Kirche gibt es noch andere Sächelchen zu bestaunen: eine dem Tell gewidmete Kapelle, eine Tellsfigur (der kleine Walter macht allerdings eher den Eindruck, als hätte ihn Vaters Pfeil voll erwischt), hübsch herausgeputzte Häuserfronten und ein Wirtshaus, das schon schon über 400 Jahre die Schächentaler Bewohner bewirtet.

Tell: Trouble in the mountains

Bürglen vermarktet seinen berühmtesten Sohn recht geschickt, wie unter anderem auch dieses Schild in Englisch beweist. Auf dass auch jeder Bürger von Wichita weiss, was es damals da so an "trouble in the mountains" hier gegeben hat. Sehenswert auch die massive Kanone, die berwärts gerichtet ist und der Wattigwiler Turm. Eine Inschrift daran beweist, dass der Turm schon zu Tells Zeiten existiert haben müsste. Mich hingegen interessiert eher diese Supermoto, die ich zufällig ausfindig mache. Wow - hat dieser Biker ein geiles Nummernschild!

Dostojewski in Bürglen?

Dass das Dorf in den vergangen Jahrhunderten allerdings nicht allen Zeitgenossen wirklich gefallen hat, lässt sich beispielsweise beim berühmten russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski nachlesen. Im Roman "Die Dämonen" lässt Dostojewski den ziellosen Anarchisten Stawrogin darüber sinnieren, dass er sein verpfuschtes Leben in Bürglen, "in diesem engen Tal" beenden wolle. Entweder war Dostojewski nie in Bürglen, oder er hat die Ortschaft ganz anders aufgefasst als ich heute: von einer Tal-Enge kann in Bürglen wirklich keine Rede sein. Aber vielleicht sah das ein Steppenbewohner eben anders...

Spiringen

Weiter gehts gegen den Berg, hoch nach Spiringen. Eine schöne Kurve schliesst die kleine Ortschaft von der Pass-Strasse ab. Wer durstig ist, soll dort am Dorfbrunnen gleich etwas Wasser durch seine Gurgel laufen lassen - die Passfahrt wird noch lange dauern. Spirigen selbst ist recht nett anzusehen, und sogar die örtliche Bank macht einen sehr einladenden Eindruck.

Ein wachsames Auge gilt es nun aufs Wetter zu werfen. Zwar scheint noch immer die Sonne, aber bereits tauchen erste Wolken gegen den Klausenpass hin auf.  Das Schächental machte übrigens schon früh mit schweren Wetter- und Witterungskapriolen auf sich aufmerksam. 1887 gab es bei Spiringen beispielsweise einen Bergsturz, der 6 Menschen tötete. Und in den Jahren 1798 und 1808 scheinem die Winter so hart und schneereich gewesen zu sein, dass sich der "Schnee der Lawinen rot färbte". Aber es lauerten früher noch andere Gefahren: 1706 ging es beispielsweise noch auf Bärenjagd, und zweihundert Jahre zuvor zitterte das ganze Tal vor den Wölfen.

Ein hohes Knurren lässt mich meinerseits hochfahren. Sekunden später schiesst eine gelbe Triumph 675 Daytona an mir vorbei. Wow - noch immer hat die Daytona einen der geilsten Sounds im aktuellen Motorradreich. Einen Sound ganz anderer Art (nämlich ein Keuchen) gibt dieser Hobbysportler von sich. Ehrlich, Leute...ich habe noch nie verstehen können, wie man sich freiwillig auf ein Gefährt schnallen konnte, das über keinerlei Bremsen verfügt.

Brunnital

In Unterschächen schliesslich biege ich zum hübschen Brunnital ab. Von den steilen Bergwänden schiesst unkontrolliert Wasser herab, das Tal selbst hat eine gewisse U- oder Trogform. Vermutlich flossen hier vor einigen tausend Jahren noch gewaltige Gletscherströme. Doch leider führt die Strasse nicht allzuweit. Bei der Seilbahn auf die Sittlisalp ist auch schon wieder finito: Fahrverbot. Also retour, und beim Retourfahren noch den Ausblick auf die wolkenverhangenen Windgällen genossen.

Von jetzt an gilts ernst: nach einer harten Kurve gehts nun wirklich bergan. Die Strasse hat nun ihren Mittelstreifen verloren, allerdings scheint sie im ersten Abschnitt Richtung Urigen sehr reparationsbedürftig zu sein. So oft ich dort durchfahre - immer wird etwas an der Strecke herumgeflickt. Naja, so bleibt uns immerhin Zeit, das tolle Panorama und den Ausblick zu geniessen (hier auf zuvor besprochene Brunnital).

Hotel Posthaus

Mittlerweile ist es schon gegen halb zwei Uhr Nachmittags - und mächtiger Kohldampf plagt mich. Ursprünglich wollte ich ja auf dem Pass essen gehen - doch die rotenTische des Hotel Posthaus locken am Wegesrand. Das Essen ist recht gut, die Bedienung freundlich und der Ausblick toll. Erneut reicht er weit ins Brunnital hinein und hinüber zum mächtigen, dunklen Spitzen.

Der Suworow-Zug

Gleich hinter Urigen führt ein schmales Strässchen den Berg hoch - leider befindet sich auch hier ein Fahrverbot. Dabei würde das Strässchen an einen Ort hinführen, der heutzutage fast in Vergessenheit geraten ist, aber vor rund 200 Jahren Schauplatz grosser Geschicht war: den Kinzigpass. Vom Gotthard herkommend, versuchte nämlich der russische Feldmarschall Alexander Wassiljewitsch Suworow im September 1799 den Kinzigpass zu überschreiten (Zweiter Koalitionskrieg 1799-1801).

Der 70-Jährige Feldmarschall hatte 20'000 russische Soldaten mit dabei. Ziel war, es ins Mittelland vorzustossen, um die napoleonischen Truppen angreifen zu können. Der Feldzug war ein einziges Desaster (Scharmünzel von französischen Truppen greifen die Russen immer wieder an, Steinschlag, Kälte, Schnee und Eis kommen dazu) und von den anfänglich 25'000 Mann sollten keine 15'000 mehr nach Russland zurückkehren. Der Rest blieb am Gotthardpass, in der Schöllenen, im Muothatal, am Pragel, Panixer und eben am Kinzigpass tot liegen.

Ein zeitgeössischer Chronist meinte dazu: "Noch jahrelang fand man in den Schluchten und Bändern am Chulm Gerippe von Menschen und Pferden, Waffen, Uniformstücke und Wagentrümmer wie auf einem Schlachtfeld". Karte: der Suworowzug über den Kinzig.

Wir aber wieder wollen der normalen Kantonsstrasse folgen, die sich nun dem Berg entlang Richtung Passhöhe schlängelt. Bald wird auch klar, dass es hier "gewaltig s'Loch abgeht": auf der einen Seite ist der Berg, auf der anderen ein Abgrund. Wir haben die Lini erreicht. Am Beginn ist sie noch relativ harmlos, und man hält gerne an, um einen Blick in die Tiefe zu tun. Doch dann wirds auf beiden Seiten immer steiler, und schliesslich geht's teuflisch "stotzig" runter. Geil!

Lini

Spätestens hier trennt sich der Spreu vom Weizen. Während Biker mit Höhenangst sich so weit wie möglich vom Abgrund weghalten, donnern andere gekonnt durch das Kurvenparadies. Allerdings wollen hier den Hinweis um die Gefährlichkeit dieses Streckenabschnitts nicht vernachlässigen.

Die Lini hat es in sich: wer da stürzt (beispielsweise weil er ein entgegenkommendes Auto übersehen hat, das hinter einem Felsvorsprung steckte), über die Strasse schlittert und schliesslich unter den Eisenabschrankungen durchrutscht, fällt tief und weit. Dies passierte in der Vergangenheit einige Male (siehe Linkblock), weshalb die Urner Kantonsbehörden die Strecke durch einige baulichen Massnahmen entschärft hat: Wegsprengung von Felsnasen, Warnschilder, und doppelte Eisenabschrankungen (mir will allerdings scheinen, dass da ein Biker immer noch locker durchpasst - vorausgesetzt er wiegt keine 120 Kilogramm). Unser Tipp: die Lini ist nicht wirklich gefährlich - solange man sie in einem vernünftigen Tempo passiert.

Hübsch übrigens auch hinüber zum Stäuben einem donnernden Wasserfall auf der anderen Talseite. Hier noch eine Teleaufnahme davon. Und auch der Blick hinunter nach Äsch, das einem aus dieser Höhe beinahe wie ein Swiss-Miniatur-Dorf vorkommt, lohnt. Was allerdings dieses Konstruktion aus altem Wanderschuh und Uhr soll, weiss ich auch nicht - vielleicht eine Erinnerung, dass unser aller Zeit begrenzt ist?

Klausenpass

Bald ist die Lini hinter mir, und der Klausenpass rückt in mein Blickfeld. Jetzt gibt es kein Halten mehr: die letzten paar Kurven werden in einem schnellen Zug genommen, vorbei an der Unteren Balm (wo man, glaube ich, auch etwas Essen könnte), erreiche ich den Pass. Hier ist es relativ kühl, die Wolken hängen tief in den steilen Felswänden und es ist viel Volk unterwegs. Beispielsweise zwei etwas ratlose Velöler, oder Wandervögel.

Der dämliche Solothurner

Eine komische Nummer gibt ein Solothurner ab, der mitsamt seiner südländisch anmutenden Frau und den drei Kinder seinen Van hier hochgewuchtet hat. Mitten auf dem Parkplatz vor all den anderen Touristen putzt er seine Frau herunter, beschimpft sie in einer kruden Mischung aus Spanisch und Deutsch und meint schliesslich mehrmals zornig hintereinander: "Wenn du das noch einmal machst, dann...mach das noch einmal, dann...." Am liebsten hätte ich euch hier noch ein Foto des Vollidioten geliefert, aber er fuhr recht zügig ab. Zum Abschluss hören wir jedoch noch aus dem Wageninnern: "Du bist die dümmste Frau, die hier oben herumläuft, die Aller-aller-dümmste..." Tja, es gibt schon komische Typen auf diesem Planeten, selbst auf dem Klausen wird man nicht von ihnen verschont.

Der Besitzer des Kiosks hat sich die wüste Szene auch stirnrunzelnd mit angeschaut. Schliesslich trottet er kopfschüttelnd zurück zum Kiosk - hier oben hat er wohl schon so allerhand erlebt.

Und hinunter gehts

Doch wir wollen uns wieder der Passtrasse widmen. Der Klausen ist Kuh-Territorium. Will heissen: auf beiden Seiten muss man ständig mit Kühen auf der Fahrbahn rechnen. Stehen sie wie diese Tante hier gut sichtbar auf der Strasse, sind sie kein Problem. Doch wehe, ein solcher Mordsbrocken steht auf der Strasse hinter einer blinden Kurve....

Und in Sachen Kurven gibt's nun die volle Dosis: die Strasse überwindet nun relativ viele Höhenmeter hinunter zum Urnerboden. Auf der Vorfrutt mache ich allerdings nocheinmal Halt, um ein paar Fotos zu schiessen. Da wäre einmal der allgegenwärtige Uri-Stier. Ja, wir befinden uns nämlich nach wie vor im Kanton Uri, der Pass selbst bildet keine Kantonsgrenze. Erst hinter dem Urnerboden beginnt der Kanton Glarus. Hübsch auch die imposanten Felswände zu beiden Seiten des Tales.

Hier oben wird Alpwirtschaft betrieben, das wird an den Milchkannen klar ersichtlich. Vor einer Kurve verkauft ein kleines Mädchen Ziegenkäse. Doch leider mag ich weder Käse besonders, noch habe ich Platz auf dem Töff für einen Käse. Und allein schon der Gedanke an einen zermanschten, schwitzenden Ziegenkäse in meinem Tankrucksack lässt mich erschauern. Da wollen wir uns schon lieber der Natur hier oben widmen, den Pflanzen und der "heilen" Bergwelt.

Auch ein anständiges Stück Kurven gibt es hier. Die Triumph hier fotografiere ich gleich zweimal - im Abstand von fast einer Minute. So viele Kurven hatte der Fahrer in der Zwischenzeit hinter sich zu bringen. Da erspähe ich einen anderen Biker, der es sich auch in einer Kurve bequem gemacht hat, und in die Kurven hinunterspäht. Welcher Biker nimmt die Kurve auf welche Art und Weise....man könnte stundenlang zuschauen, wie die einen gekonnt rumpflügen und andere vorsichtig um die Kurven zirkeln. Die schweren Harley jedenfalls gehören eindeutig nicht zu den Kurvenmeistern. Schön auch der Blick in den Talkessel am Clariden und auf Flora und Fauna.

Urnerboden

Weiter unten ein erneuter Halt, um vom arbeitenden Bauern noch ein Föteli zu schiessen. Im steilen Gelände wird zuerst das Gras zusammengerecht um es anschliessend Huckepack zum Stall zu schleppen. Warum das Ganze, wird man sich nun fragen. Erstens dürften die Bewohner des Urnerbodens nicht gerade zu den Millionären zu zählen sein - ausserdem ist der Winter hier oben lang und hart. Und die Kühe im Stall wollen im Dezember schliesslich auch was zu Fressen haben. Der Urnerboden ist sowieso ein Spezialfall einer Siedlung: Im Sommer leben hier fast immer fünfmal mehr Einwohner als im Winter. In den harten Wintermonaten sind's kaum noch 30 Familien, die hier überwintern - da lohnt sich nicht einmal mehr ein Schul- oder ständiger Busbetrieb. Im Winter ist der Klausenpass übrigens geschlossen - dann wird der Urnerboden glarnerisch und per Subaru von Linthal aus versorgt.

Zu beiden Seiten des relativ breiten Urnerbodens ragen steile Felswände hoch, im Winter donnern hier des öfteren die eine oder andere Lawine ins Tal hinunter. Ganz schlimm war es anscheinend im Jahre 1940, als eine Staublawine 14 Personen verschüttete, vier Menschen fanden damals den Tod.

Ich kann mich kaum an den schönen Bergen sattsehen und beschliesse, irgendwo in einem Café etwas zu Trinken, um weiter das Bergpanorama geniessen zu können. Doch oha - dieses  Hotel hier direkt an der Strasse scheint alles andere als offen zu sein. Nur die Post scheint noch "offen" zu sein. Neben den vielen Kuhfladen auf der Strecke gibt es übrigens zuweilen auch auf Ölflecken acht zu geben - am Klausen finden Jahr für Jahr die bekannten Klausenrennen (1922 bis 1934 - siehe Linkblock) mit historischen Rennwagen und Motorrädern statt. Und manch ein Teilnehmer dürfte schon im Vorfeld etwas trainieren...und dass die alten Töffs und Autos nicht ganz ölfest sind, ist ja hinlänglich bekannt. Ob diese Schweinerei hier von einem solchen Fahrzeug stammt, weiss ich nicht...wie auch immer: schimmert es dunkel und feucht am Klausen auf der Strasse, macht man besser einen grossen Bogen darum herum.

Hier gehts zu einer Fotogallerie über das letztjährige Klausenrennen

Im Kanton Glarus

Am Ende des Urnerbodens überfahre ich die Kantonsgrenze, im Glarnerland geht es nun nur noch steil nach unten. Auch hier vermögen sowohl Aussicht wie auch die schönen Kurven zu befriedigen - aber irgendwie finde ich diesen Teil der Strecke nicht besonders erhebend. Gerne hätte ich auch noch einen Café durch meine Kehle gekippt, aber selbst dieses Schild vermag mich nicht wirklich zum Anhalten zu bewegen. Eine Stunde Wanderdistanz. In Töffklamotten? Ohne mich.

Linthal

So erreiche ich dann zackig den Talboden bei Linthal. Glänzt und glitzert da nicht ein See? Nein, Fehlanzeige...bloss eine Betonbadewanne, gleich dahinter die Ortschaft Linthal. Und hier endet auch unsere schöne Reise über den Klausenpass....



Kurzinfos:
Max. Passhöhe:  1948 Meter
Länge: rund 40  Kilometer
Wintersperre: Oktober bis ca. Mai

Gastrotipp
Ich habe ganz ausgezeichnet im Hotel Posthaus in Urigen gespeist – aber natürlich gibt es auch noch viele andere Restaurants an der Klausenpass-Strasse:
In der Bar La Rotonda in Altdorf (gleich am Kreisel in Richtung Klausenpass) treffen sich hin und wieder die Biker zum Benzingespräch.
Etwas zu Essen gibt es natürlich auch auf der Klausenpasshöhe (siehe Linkblock), der Unteren Balm und natürlich auch in den Ortschaften Bürglen, Spiringen, Unterschächen, auf dem Urnerboden und in Linthal.

Übernachtungstipp:
Auch hier möchte ich das Hotel Posthaus Urigen hervorheben – der Ausblick auf das Schächental ist wunderschön. Relativ günstig lässt es sich im Hotel Klausenpasshöhe selbst übernachten – laut Website des Betreibers schon ab 50 Franken. Allerdings solltet ihr dann wirklich sicher sein, dass kein starker Wetterumsturz droht – ansonsten präsentiert sich am Morgen danach der Pass im weissen Kleid…

Schwierigkeitsgrad für Töff-Anfänger:
Fahrtechnisch gesehen ist der Klausenpass nicht besonders schwierig einzustufen: Zumeist moderate Kurven, keine besonders starken Steigungen etc. Allerdings gibt es da das Stück „Lini“, das wie erwähnt viel zu Reden gibt. Meine Empfehlung: absolute Fahranfänger, die noch dazu unter starker Höhenangst leiden, sollten sich vom Klausen so lange fernhalten, bis sie etwas mehr Erfahrung gesammelt haben. Der Ausblick von der Lini ist zwar grandios…aber die Strecke vermag nach wie vor einige zu erschrecken.

Racingfaktor für erfahrene Töfffahrer:
Ein „sackgeiler“ Pass für Töffkönner. Sowohl die Urner wie auch die Glarner Seite vermögen vollauf zu befriedigen. Highlights sind die Strecke zwischen Urigen und Balm (Vorsicht bei der Lini – mehr dazu im Text!) und die Strecke vom Urnerboden bis zum Klausenpass.
An Wochenenden sollten schnellere Fahrer jedoch gar nicht erst die Anfahrt zum Klausen nehmen – dann ist die Pass-Strasse überfüllt mit Sonntagsfahrern, Velofahrern und Wandervögel, die mit dem Auto zu der Abwanderstelle fahren.

Aussichtsfaktor/Erlebnisfaktor:
Auch bei der Aussicht weiss der Klausenpass zu gefallen. Von der Pass-Strasse aus hat man einen tollen Ausblick auf das Schächental, den Wasserfall bei Äsch und auf den breiten Urnerboden. Dazu kommen die stotzigen Wände zu beiden Seiten und die sehr steil abfallenden Felswände an der „Lini“.

Passrating total: (Note Maximum: 6 Punkte, Miniumum: 1 Punkt)
Note 5.4


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