Menschen und Politik
Speed-Weltrekorde der Schweizer
20.09.2007 00:00
Die Schweizer Markus Sägesser und Ruedi Steck zogen mit ihren grossvolumigen Töffs Castrol Power 1 Hot Shot und Swiss Express nach Bonneville auf den Salt Flats, um die Speed-Rekorde in ihrer Klasse zu terminieren. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten: acht eidgenössische Geschwindigkeitsweltrekorde für Töffs. Bravo! Text von Rolf Lüthi. Fotos: Stephan Schacher (m.fr. Genehmigung v. Bub Motocycle Speed Trials American Motorcylicsts Association).
Alles schien bestens vorbereitet, als Markus und Ruedi mit ihrem Team am frühen Sonntagmorgen, den 2. September, an den Bonneville Salt Flats zur Maschinenabnahme antraten. Doch da war da noch dieses streng genommen sinnlose Teil: Im telefonbuchdicken Reglement ist ein Kettenschutz vorgeschrieben, und der fehlte an beiden Maschinen. Die Mechaniker Livio Kägi und Sven Traber liessen sich nicht aus der Ruhe bringen und behändigten auf dem Schrottplatz von Bonneville ein Stück rostigen Gartenzaun, aus dem sie innert Kürze die geforderten Kettenabdeckungen herstellten.
Sonntag zum Teufel
Trotz dieser Meisterleistung der Sonntag war damit gelaufen. Nicht nur wegen der Kettenabdeckungen, sondern auch, weil der Organisator des Speed Trial vom Ansturm überrascht wurde: Im Vorjahr waren 157 Fahrer eingeschrieben, 2007 wollten 352 Fahrer auf Rekordjagd gehen. Doch es gab weiterhin nur eine Rekordpiste und eine kleinere Trainingspiste. Heuer waren die Verhältnisse weit schlechter als im Vorjahr, das Salz war nach kürzlichen Regenfällen weich und zäh. Dazu blies der Wind meist mit mehr als drei Meilen/Stunde, was bedeutet, dass die voll verkleideten Streamliner nicht fahren konnten.
Nicht lange rumgetrödelt
Am Montagmorgen machten sich Markus und Ruedi auf der Trainingspiste mit dem Fahren auf Salz vertraut. «Ich war ziemlich geschockt», erzählt Markus. «Das Salz ist überhaupt nicht hart wie Beton, sondern weich wie Schnee. Das Hinterrad dreht dauernd durch. Wenn du an einer weichen Stelle oder wegen einer Rille ins Schlingern kommst, musst du den Nerv haben, den Töff einfach fahren zu lassen. Es gab etliche Stürze, als Neulinge versuchten, zu korrigieren.»
Der Rekord ist drin
Trotz der schwierigen Bedingungen trödelte Markus nicht lange rum: Als er Gelegenheit zu einem Run auf der Rekordpiste hatte, fuhr er im ersten Anlauf gleich Weltrekord: 247 km/h! «Im Rerun fuhr ich auf sicher», berichtet Markus. Der Schnitt ergab 235 km/h, das war der Weltrekord für unverkleidete Motorräder mit 2000 bis 3000 cm3 und aufgeladenem Motor.
Auch Ruedi klemmte sich hinter die Lenkerstummel und fuhr ja! Weltrekord. 231 km/h für unverkleidete Motorräder mit 2000 bis 3000 cm3 und Saugmotor. Das hatte es noch selten gegeben, dass Greenhörner gleich im ersten Anlauf Weltrekord fuhren. Denis Manning, Organisator und Erbauer des schnellsten Streamliners der Welt, schaute bei den Schweizern vorbei, um zu gratulieren.
Foto: Yesterday we were kings. Ruedi (links) und Markus: maximal mögliche Anzahl Rekorde geholt.
Zigarre trudelt
Das Team Ack Attack mit Fahrer Rocky Robinson wagte trotz der schlechten Bedingungen einen Angriff auf den absoluten Motorrad-Weltrekord (565 km/h), doch die Zigarre kam ins Trudeln und stürzte. Robinson blieb unverletzt, doch das Fahrzeug war irreparabel beschädigt.
Foto: Einmal im Jahr: heilige Messe für den Gott der Geschwindigkeit.
Es wäre noch mehr möglich
Am Dienstag musste wegen Wind abgebrochen werden, am Mittwoch griffen unsere Schweizer wieder an, diesmal mit montierten Halbschalen in der Klasse «Partly Streamlined». Markus knackte auch diesen Weltrekord mit 251 km/h im ersten Anlauf, er wollte gar noch schneller fahren und entschloss sich, Zusatzgewicht am Heck anzubringen, um das Durchdrehen des Hinterrads zu vermindern. Doch das Gewicht verdrehte sich, Markus konnte den vierten und fünften Gang nicht einlegen, der Versuch scheiterte.
Ruedi hatte Wetterpech: Auf Rekordkurs, konnte er den Rerun nicht fahren, weil gegen Abend immer stärkerer Wind aufkam.
Donnerstag, letzte Chance für Ruedi, mit dem halb verschalten Töff doch noch den Rekord zu knacken. Der Dietliker liess sich nicht nervös machen und fuhr einen Schnitt von 242 km/h Rekord!
Foto: Bei diesem Schild kommt kein Zweifel auf: das ist der Speedway
Zündungsprobleme
Markus hingegen wurde von Zündungsproblemen eingebremst. Damit wären, vorbehaltlich der Homologation dieser Rekorde in etwa einem Monat, acht Welt- und sechs amerikanische Rekorde in Schweizer Hand.
«Mein Töff hätte noch enormes Potenzial», sagt Markus. «Am Anfang hatten wir zu lang übersetzt, der Motor drehte kaum 3000/min. Als wir die Übersetzung angepasst hatten, konnte ich wegen des verdrehten Gewichts nicht mehr hochschalten, und nachher lief der Motor nur noch auf einem Zylinder.» Hm. Da müsste man ja direkt nächstes Jahr
und vielleicht wäre dann auch das Salz besser?
Foto: Das Basisteam um Markus Sägesser und Ruedi Steck
Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 19/2007; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
Weltrekorde von Markus Sägesser und Ruedi Steck
Alle Rekorde unter Vorbehalt der Ratifizierung durch die FIM
Markus Sägesser auf Castrol Power 1 Hot Shot
(2000 bis 3000 cm3, mit Aufladung)
- Unverkleidet: 236,270 km/h für den fliegenden Kilometer
- 235,360 km/h für die fliegende Meile.
- «Party Streamlined»: 251,896 km/h für den fliegenden Kilometer
- 251,858 km/h für die fliegende Meile.
Ruedi Steck auf Swiss Express
(2000 bis 3000 cm3, ohne Aufladung)
- Unverkleidet: 232,773 km/h für den fliegenden Kilometer
- 232,530 km/h für die fliegende Meile.
- «Party Streamlined»: 242,851 km/h für den fliegenden Kilometer,
- 242,736 km/h für die fliegende Meile.





































