Test und Technik

Harley-Davidson XR 1200

Harleys sportlichste Serienmaschine


 

24.09.2007 00:00

2008 kommt von Harley-Davidson ein ganz spezielles Bike: die XR 1200. Dabei handelt es sich nicht um eine abgewandelte Sportster, sondern um eine ganz neue Produktelinie. Die XR 1200 hat ihre Gene nämlich im amerikanischen Dirt Track-Sektor. Und daher wird das Bike für eine Serien-Harley ungewohnt puristisch und sportlich daherkommen.


Keine andere Serienharley ist so dynamisch und sportlich wie die neue Harley-Davidson XR 1200. Zu kaufen ab 2008..

Vorstellung 2006

Vorgestellt wurde sie zum ersten Mal an der Intermot 2006 in Köln. Damals wurde sie als Prototyp bezeichnet und eine Website wurde aufgeschaltet, auf der Interessierte ihre Kommentare und Verbesserungswünsche abgeben konnten. Die Intermot wurde als „Enthüllungsort“ übrigens nicht ganz zufällig gewählt. Denn nicht Harley-Davidson USA war die federführende Abteilung, die die XR 1200 für den Markt forderte – es war die Europaabteilung von Harley.

Denn wenn eine Electra Glide für die riesigen Ebenen von Nebraska wie gemacht scheint, sind diese riesigen Maschinen für die engen italienischen Gassen oder die kurvigen Schweizer Bergstrassen nicht ideal. Hier braucht es leichte Bikes mit guten Handlingeigenschaften und sportivem Charakter. So ein Bike fehlte bisher noch im Harley-Katalog. Ab 2008 aber ist es mit der XR 1200 erhältlich.

Foto: Der Mann hinter allem: Bill Davidson. Keine Maschine geht in Produktion ohne seinen Segen..

Die Ahnin
Das Styling der XR 1200 stammt vom erfolgreichen Dirt Tracker Harley-Davidson XR 750 ab. Und, kaum zu glauben: die XR 750 ist die erfolgreichste Rennmaschine aller Zeiten. Seit 1970 gewann die XR 750 (und ihre Fortentwichlungs-Töchter) unzählige Dirt-Track-Rennen (unter anderem 26 Meistertitel). Schon ein kurzer Blick in die Annalen von Champions wie Scott Parker veranschaulicht die immense Bedeutung der XR 750 für diesen Sport. Im Verlauf seiner erstaunlichen Karriere holte Parker mit ihr allein neun Meistertitel, 94 Rennsiege und zwischen 1994 und 1998 nicht weniger als fünf aufeinander folgende AMA Grand National-Titel.

Foto: Verwandt mit Dirt Track-Rennen sind die Flat Track-Rennen. Auch dort ist die XR 750 Meisterin.

Foto: Driften? Kein Problem mit der XR 750. Vorderradbremse? Braucht's net...

Foto: XR 750 im Renneinsatz

Ein Holländer steht am Anfang

Am Anfang der XR 750 aber stand, auch ziemlich überraschend, ein Holländer. Der ehemalige Niederländer Peter Zylstra erinnert sich: „Nachdem ich aus Holland in die USA ausgewandert war, nahm ich 1969 einen Job in der Entwicklungsabteilung von Harley an. Ich hatte eine internationale Rennlizenz und war in Holland und Belgien Straßenrennen auf Norton Manx gefahren. Foster Uskalio, der das Konstruktions- und Entwurfsbüro leitete, hatte von meinen Rennsport-Erfahrungen gehört und fragte, ob ich nicht Lust hätte, am neuen XR 750 Projekt mitzuarbeiten. Und so fing damals alles an.”

Foto: Tank der XR 750

Foto: XR 750 von der Seite

Foto: Auspuffanlage für die XR 750


Erste Spezifikationen zur neuen Harley-Davidson XR 1200:


Fahrwerk

Fahrdynamik wird beim Prototyp der XR 1200 groß geschrieben. Das Sportfahrwerk samt der massiven Upside-Down-Gabel stammt von Showa. Nissin steuert eine Hochleistungs-Bremsanlage bei. Darüber hinaus dürfte die XR 1200 in Zukunft über Leichtmetall-Gussräder mit eigens für diesen Einsatz entwickelten Dunlop Qualifier Reifen verfügen. Ein Höchstmaß an Schräglagenfreiheit verspricht ein Maximum an Fahrspaß im Winkelwerk der Kurven. Was für Mühen sich Harley mit der neuen XR1200 gemacht hat, sieht man auch an Details wie der Schwinge. Vermutlich eine Alu-Druckgussschwinge. Man beachte die Aussparungen im Guss drin - sie reduzieren erstens das Gewicht und wirken zudem versteifend. Der vorstehende Nocken auf dem obenliegenden Schwingenarm dürfte als Abstützung für die Bremszange dienen.

Foto: Sportliche Harley braucht sportliche Bremse

Foto: Tankdesign

Foto: Fussrastenanlage der XR 1200

Foto: Der Chefdesigner der neuen XR 1200: Frank Savage 

...und einer seiner fertigen Entwürfe

Motor

Das Herz des XR 1200 Prototypen stellt den wohl leistungsstärksten luftgekühlten V-Motor dar, den Harley-Davidson jemals serienmäßig in Europa auf die Straße brachte. Als Ziel ist für den drehmomentstarken 1.200er eine Höchstleistung von 85 bis 90 PS angepeilt (vielleicht werden es sogar noch ein paar PS mehr). Er besitzt eine elektronische Kraftstoffeinspritzung in Fallstrom-Konfiguration und ein elektronisch gesteuertes aktives Ansaugsystem.

Foto: CAD-Zeichnung des 1200er-Motors.

Man beachte den Fallstromeinlass oben in der Mitte. Hier habt ihr den Manifold-Einlass nocheinmal in einer Grossaufnahme. Deutlich zu erkennen, wie der Y-artige Einzel-Einlass die Luft direkt aus der Airbox abnimmt, und sie dann zu den zwei Zylindern leitet.

Das Fallstromprinzip wird bei der XR-Familie zum ersten Mal angewendet, beim echten Dirt Tracker XR 750 kamen Flachschiebervergaser zum Einsatz.

Dies zeigt übrigens auch, dass der Serien XR 1200er-Motor nur sehr wenig mit der Race-XR 750 zu tun hat...

Trotzdem schön, dass Harley sich traut, ein Design auf die Strasse zu bringen, das sich den gängigen Modeströmen verweigert.

John Russell, Vice President, Harley-Davidson Europe, kommentiert: „Mit der V-Rod haben wir die Vorurteile vieler Menschen über Harley-Davidsons Fähigkeit, leistungsstarke Motorräder zu bauen, abgebaut und den Grundstein für das neue Marktsegment der Powercruiser gelegt. Jetzt wollen wir einen leistungsstarken luftgekühlten V2 auf den Markt bringen, der Freunde sportlicher Fahrdynamik erstmals über den Kauf einer Harley-Davidson nachdenken lässt.“


Die XR 1200 dürfte erst im Frühjahr 2008 bei den Harley-Händlern zu kaufen sein. Preislich vermuten wir sie bei rund 15'000 Franken.

 

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