Test und Technik
Fahrbericht: Honda CBF 600 S
14.01.2008 00:00
2004 kam die erste CBF 600 heraus und stiess sofort auf grosses Käuferinteresse. Aufs Jahr 2008 hat Honda die CBF nun komplett überarbeitet. Bleibt die neue CBF mit CBR-Motor immer noch das Easy-Einsteigerbike?

Die neue Honda CBF 600 (S) ist ein guter Kumpel für alle Tage: gemütliches Touren, Weitstrecken, kurzes-Brötchen-holen, Cafe-Racen, zackiges Pässefahren...sie macht alles mit - und ist dazu auch noch recht günstig zu haben.
Im Osten druckst sich die Sonne zwar noch etwas herum, aber in unserer Fahrtrichtung, der Bergwelt hinter dem spanischen Tarragona, lockt hellblauer Himmel.
Zwanzig silberne, halb verschalte CBF 600 S stehen vor uns Journalisten. Etwas abseits dann befindet sich noch eine rote, nackte CBF. Sie ist nicht zum Fahren gedacht, trotzdem werfe ich ihr wehmütige Blicke zu. Sie ist, optisch gesehen, einfach das hübschere Bike. Das sahen in den vergangenen Jahren übrigens auch viele Schweizer so fast 50 Prozent der bisherigen CBF (sie werden übrigens in Italien produziert) wurden nackt ausgeliefert.
Sound
Start. Wrammm! Wow ist das ein geiler Auspuffklang. Hätte ich so in der Einsteigerklasse nicht erwartet. Schon ab Standgas vollmundig klingend, mit zunehmenden Drehzahlen schnell zornig werdend. So muss ein Töff aus seinem Rohr klingen...
Windschutz
Die Journalistenkollegen drehen gleich voll auf, 160 km/h stehen auf der Uhr. Und ich spüre... nichts. Einen ganz leichten Winddruck auf der Brust, das ist alles. Da haben die Honda-Aerodynamiker ganze Arbeit geleistet (Scheibe verstellbar). Mancher Heavy-Tourer offeriert da weniger Windschutz. Halten wir also fest: Zur nackten CBF sagt das Herz Ja, der Verstand jedoch will die halb verschalte S-Version.
Motor
Der grösste Unterschied zur bisherigen, von 2004 bis 2007 angebotenen CBF ist der neue Einspritzmotor. Er stammt aus der CBR 600 RR (auch die neue Honda Hornet hat dieses Aggregat), Jahrgang 2007. Ein Supersportler-Motor in einem gutmütigen Allroundbike kann das gut gehen? Es kann. Abermals hat Honda ganze Arbeit geleistet (konkret verantwortlich für die Motorcharakteristik war Motorenentwickler Teishiro Goto). Andere Airbox, kleinere Drosselklappen, Änderung an Einspritzung und Nockenwelle und schon wird aus dem bösen Mr. Hyde der sanfte Dr. Jeckyll.
Zumindest beinahe: gut im Fünften ab 2500/min fahrbar, ab 4500/min gibts echten Vortrieb, bei 7000/min legt die CBF noch ein Brikett nach (minime Vibrationen inklusive). Was schon mal begeistert: Das CBF-Herz ist stark und hat Charakter. Und ich behaupte einmal, dass dank des Klassemotors auch die fortgeschrittenen Biker an der CBF Gefallen finden. Und natürlich sind auch die Frauen aufgerufen, CBF zu fahren.
Handling
Easy going
Denn die CBF weiss mit einer niedrigen Sitzhöhe und einem super-easy Handling aufzutrumpfen. Vermutlich ist es das am einfachsten zu handhabende Bike, das ich jemals gefahren habe. Einfach aufsitzen und losfahren..
Fahrwerk und Rahmen
Erwartet habe ich eine etwas schwammige Gabel und ein lasches Federbein. Das Gegenteil ist der Fall: Die CBF ist relativ hart gefedert. Das mag zwar nicht jeder, ist aber die richtige Ergänzung zu diesem potenten Motor. Der Rahmen wiederum stammt in der Grundkonfiguration von der neuen Hornet und ist dank seiner Guss-Aluminiumstruktur sehr leicht was sich wiederum auf das Handling der Maschine überträgt.
Kupplung und Getriebe
Erst nachdem wir das fünfte, winzige Dorf passiert haben, fällt mir ein, dass ich ja noch die Kupplung und das Getriebe testen wollte. Die Wahrheit ist, dass sich das Getriebe derart unauffällig und leicht schalten lässt, dass es einem gar nicht auffällt. Im Vergleich zur CBR wurden der dritte, vierte und fünfte Gang kürzer übersetzt.
Bremsen
Mittlerweile geht es auf der Bergstrasse wieder bergab. Und obwohl Spanien auch im Winter ein sicherer Garant zum Töfffahren ist, hat es doch noch zu später Morgenstunde reichlich Feuchtigkeit in den Kurven, und richtig warm ist es auch noch nicht. Hier bewähren sich die griffigen, aber nicht vehement zupackenden Honda-Stopper. Der Druckpunkt ist zwar eher undefinierbar, aber wer reinlangt, bekommt sofort die gewünschte Bremsleistung.
Dank kombiniertem ABS wer auf die Hinterbremse steht, betätigt gleichzeitig auch den mittleren Kolben der rechten Vorderadbremzange ist die CBF 600 zudem ein sehr sicherer Bremskandidat. Übrigens setzt Honda Schweiz in Sachen Sicherheit ein weiteres Zeichen: In die Schweiz werden nur ABS-CBF 600 importiert.
Komfort, Verbrauch
Dank des tollen Sitzes (in der Höhe verstellbar) verlieren auch lange Reiseetappen ihren Schrecken, der Kniewinkel ist für mich als 1,88-Meter-Mensch problemlos ertragbar. Die CBF kommt neu mit 20-Liter-Tank, in Kombination mit einem recht niedrigen Verbrauch von geschätzt 5 Litern ergibt sich eine gute Reichweite. Wer die CBF zudem auf die lange Reise nehmen will, ordere vorzugsweise das Honda-Travel-Paket für 990 Franken (Seitenkoffer, Topcase, Gepäckbrücke).
Verarbeitung
Beim Thema Verarbeitung bin ich gezwungen, den ersten, echten Punkteabzug vorzunehmen. Denn an der Honda finden sich neben sehr edlen Teilen (Sitz, supersolide Soziushaltegriffe, Fussrastenanlage, toll verschweisster Endschalldämpfer) auch eher günstigere Sächelchen: simple, kastenförmige Schwinge, fingerdicke Roboterschweissnähte an den Sammlern und ein leicht lockerer Plastikkettenschutz. Der Verdacht liegt da nahe, dass bei Teilen, auf die ständig der Blick fällt, viel Aufwand getrieben wurde, bei eher verborgenen Detaillösungen aber Geld gespart wurde.
Zu den Qualitätseindrücken haben wir eine eigene Fotogallerie zusammengestellt. Hier lang...
Fazit
Anyway, im Fahrbetrieb wirkt sich das nicht aus, und abschliessend darf gesagt werden: Honda hat mit der neuen CBF 600 ein tolles Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Bike auf die Beine gestellt. Der Update hat der bisherigen CBF 600 spürbar gut getan der Motor ist für die Einsteigerklasse ein echter Hammer. Da die CBF zudem nichts von ihrem leichten Handlingcharakter verloren hat und zu einem attraktiven Preis angeboten wird, zweifeln wir nicht daran, dass sie 2008 in den Bestsellerlisten der Schweiz weit oben stehen wird.
Auf einen Blick
(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)
| In der Stadt | 4 Punkte |
| Auf grosser Tour | 4 Punkte |
| Sportlich fahren | 3 Punkte |
| Zu zweit unterwegs | 3 Punkte |
| Emotionen | 2 Punkte |
Technische Daten Honda CBF 600 (S)
Motor
| Bauart | Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, |
| Ventilsteuerung | DOHC, 16 Ventile |
| Bohrung x Hub | 67×42,5 mm |
| Hubraum | 599,3 ccm |
| Verdichtung | 11,6 : 1 |
| Gemischaufbereitung | Elektronische Kraftstoffeinspritzung |
| Drosselklappen-Durchmesser | 32 mm |
| Ventildurchmesser: Einlass/Auslass | k.A |
| Schmierung | Nasssumpfschmierung, |
| Auspuffanlage | 4-in-2-in-1-Anlage, Geregelter Katalysator, |
| Starter | Elektrostarter. |
Leistungsdaten
| Max. Leistung | 78 PS bei 10'500/min |
| Max. Drehmoment | 59 Nm bei 8250/min |
| V-max. | k.A |
Kraftübertragung
| Kupplung | Mehrscheiben-Nasskupplung |
| Gänge | 6 Gänge |
| Endantrieb | Endantrieb über Dichtringkette |
Fahrwerk
| Rahmen | Aluminiumguss-Einrohr-Brückenrahmen. Motor mittragend. |
| Federung vorne | Teleskopgabel, in Federvorspannung verstellbar, |
| Gabelinnenrohr-Durchmesser | 41 mm |
| Federung hinten | Zentralfederbein, in der Vorspannung einstellbar |
| Federweg vorn/hinten | 120 mm / 125 mm |
Räder
| Rädertyp | Aluminiumgussräder mit 6 Doppelspeichen. Bereifung im Test: Michelin Pilot Power |
| Felgendimension vorn | 17 M/C x MT 3.5 |
| Felgendimension hinten | 17 M/C x MT 5.0 |
| Reifendimension vorn | 120/70 ZR 17, empfohlener Reifenluftdruck 2.5 Bar |
| Reifendimension hinten | 160/60 ZR 17, empfohlener Reifenluftdruck 2.9 Bar |
Bremsen
| Bremse vorn | Doppelscheibenbremse (296 mm) mit Dreikolbenbremszange. |
| Bremse hinten | 220-mm-Einzelbremsscheibe mit Einkolbenzange. |
| ABS | ABS teilintegral |
Abmessungen und Gewichte
| Radstand | 1490 mm |
| Lenkkopfwinkel | 26 Grad |
| Nachlauf | 110 mm |
| Gewicht vollgetankt | 213 Kilogramm (Naked); 218 Kilogramm (S-Version) |
| Sitzhöhe | 785 mm (±15 mm) |
| Tankinhalt (davon Reserve) | 20,0/4,0 l |
Farben
Nakedfarben: | |
S-Version-Farben: | |
| x | |
| x | |
| x |
Preis, Lieferung per, Import
| Preis | Naked: Fr. 10'360. / S-Version: Fr. 10'910., (Die Preise verstehen sich inkl. MwSt. und Nebenkosten.) |
| Erstmöglicher Liefertermin | Erhältlich ab Ende Januar 2008 |
| Import über | Info Honda SA (siehe Link) |
Sonstiges, Bemerungen
| Bemerkung | Auch mit 25 kW/34 PS erhältlich |
Ausstattung
| Hauptständer an Bord? | Ja |
| Seitenkoffer serienmässig? | Zubehör |
| Topcase serienmässig? | Zubehör |
| Gepäckhacken | ja |
| Windschutzscheibe verstellbar? | ja, zweifach |
| Elektrische Leuchtweitenverstellung? | nein |
| Xenonlicht | nein |
| Staufächer | nein |
| Heizgriffe | Zubehör |
| Beheizbare Sitzbank | nein |
| Sitzbankhöhe verstellbar | ja: +/- 15 mm |
| Lenkerverstellung | nein |
| Handhebel einstellbar | nein |
| Wegfahrsperre | ja |
| Alarmanlage | nein |
| Soziusabdeckung | nein |
| Bordsteckdose | nein |
| Cockpit | zwei unterschiedliche: |
| Tempomat | nein |
| Audiosystem | nein |




































