Test und Technik
Fahrbericht: KTM Duke III
19.02.2008 00:00
Fahrbericht Die Duke hat sich von der edlen Supermoto zum scharfen Einzylinder-Street-fighter entwickelt und schlägt sich in ihrer neuen Rolle überzeugend. Text:Tobias Kloetzli Bilder: Freeman, Montero, Peuker

Wheelies? Eigentlich ist die Duke dazu das ideale Bike. Allerdings ist ihre Gewichtsverteilung derart vorderradorientiert, dass ein Wheelie mit der neuen Duke gar nicht so einfach ist...
Vor 14 Jahren stellte KTM die Duke vor. Sie war die erste serienmässige Supermoto, kompromisslos, wegweisend und für die «Offroad Factory» aus Österreich der erste Schritt Richtung Strasse. Allzu weit entfernte sich KTM damit allerdings noch nicht von ihrem Kerngeschäft, hatte die Duke doch die Gene der LC4-Enduro und wurde stets mit Geländemaschinen im Supermoto-Trimm verglichen. Die Duke war von Anfang an erfolgreich auf dem Markt wie auch im Sport. So räumte beispielsweise Beat Gautschi mit einer Duke in den Jahren 97 und 98 den Schweizer Supermotard-Meistertitel ab.
König der winkligen Passstrassen
Die Duke (engl. Herzog) war die erste lackierte KTM, ein edles Gerät und ein Hingucker. Als Fun- und Lifestyle-Motorrad begeht, mauserte sie sich zum König der winkligen Passstrassen. Mit der Limitierung der Auflage, sollte die elitäre Ausrichtung zudem unterstrichen werden. Bis heute produzierte KTM nie mehr als 1000 Duke pro Jahr, auch wenn speziell in den Anfangsjahren die Nachfrage grösser war.
Neuausrichtung: kleiner Streetfighter
Vor drei Jahren folgte mit der Super Duke das erste reinrassige KTM-Strassenbike: Ein Streetfighter mit 990er V2-Motor und Gitterrohrrahmen. Ihr Name befremdete zunächst, hatte die Super Duke doch mit der damals aktuellen Duke so gut wie nichts gemeinsam. Mit der neusten Duke, der Duke III, siehts jedoch ganz anders aus. Sie ist keine Supermoto mehr, sondern ein kleiner Streetfighter und tritt damit in die Fussstapfen der 990 Super Duke.
Schwesterlein: KTM 690 Supermoto
Von der Geländevergangenheit hat sie sich ganz abgewendet. Engere Verwandtschaft besteht lediglich noch mit der vor einem Jahr vorgestellten KTM 690 Supermoto. Beide werden zwar wie die Enduro vom kraftvollen LC4-Motor mit Einspritzung angetrieben, verfügen aber über einen eigenständigen Gitterrohrrahmen mit zentralem Oberrohr, Alu-Rahmenheck, Heckverkleidung im Road-Racing-Stil und eine auffällige Aluschwinge mit offener Struktur.
Tiefer Schwerpunkt
Im Gegensatz zur Supermoto verfügt der Streetfighter über ein reinrassiges, straffes Strassenfahrwerk mit lediglich 14 cm Federweg. Dies verlangt keine grosse Bodenfreiheit, was die Montage eines Unterflur-Schalldämpfers zentral unter dem Motor zuliess. Das senkt den Schwerpunkt und ermöglicht ein grösseres Schalldämpfervolumen. Unter Einhaltung der gültigen Lärmvorschriften konnten so satte 65 PS homologiert werden, womit die Duke III zum stärksten serienmässigen Einzylinder wird. Gleichzeitig konnte durch den Verzicht auf einen zweiten Schalldämpfer im Vergleich zur Supermoto das Gewicht um gut 5 kg auf 148,5 kg (ohne Benzin) reduziert werden.
Wie bei der edlen KTM 690 Supermoto Prestige kommen auch bei der Duke Marchesini Gussräder sowie radiale Brems- und Kupplungsarmaturen zum Einsatz.
Design
Trotz der engen Verwandtschaft zur Supermoto bietet die Duke III mit ihrem typischen Erkennungsmerkmal, der Lampenmaske mit integriertem Doppelscheinwerfer, ein absolut eigenständiges, scharfes Design.
Nimmt man auf der neuen Duke Platz, fällt die für eine KTM vergleichsweise moderate Sitzhöhe auf. Mit 865 mm ist sie die niedrigste KTM und ermöglicht so auch Fahrern um 170 cm sicheren Stand beim Rangieren. Die Sitzbank in angenehmer Breite taugt auch für längere, beschwerdefreie Ausfahrten.
Ergonomie
Der Duke-Reiter findet einen übersichtlichen und bequemen Arbeitsplatz vor. Dank aufrechter Sitzposition hat er stets den Überblick über den Verkehr sowie das übersichtliche Cockpit mit analogem Drehzahlmesser, digitalem Tacho, zwei Tageskilometerzählern, Uhr und den wichtigsten Warnleuchten. Der breite Lenker liegt gut in der Hand, die Hebel sind über Verstellräder individuell einstellbar.
Kraftvoller Antritt, Sound
Per Knopfdruck erwacht der eingespritzte Einzylinder. Seine Lebenszeichen sind im Vergleich zu den vorangegangenen LC4-Generationen dezent, denn die zentrale Ausgleichwelle dämpft Vibrationen wirkungsvoll und die Geräuschkulisse fällt dank grosser Airbox und sattem Schalldämpfervolumen eher diskret aus. Obwohl der LC4-Motor deutlich potenter wurde, ist er nicht mehr der raue Bursche von früher.
Drehzahlband
In den ersten drei Gängen nimmt der Kurzhuber bereits ab rund 2500/min ohne Hacken Gas an. In den oberen drei Gängen braucht er dafür 3000/min. Im unteren Drehzahlbereich zeigt sich der OHC-Einzylinder noch zurückhaltend, beschleunigt jedoch ab rund 4500/min ordentlich und geht zwischen 6000 und 8000/min gewaltig ab. Das maximale Drehmoment von 67 Nm steht bereits bei 5500/min an.
Semi-Drive-by-Wire
Das Semi-Drive-by-Wire System sorgt dafür, dass sich der Single bei nervösem Gasaufreissen nicht verschluckt. Denn mit dem Zug am Gaskabel wird lediglich der Anschlag für die maximale Öffnung der Drosselklappe verstellt, die Drosselklappe selbst wird hingegen durch einen von der Motorelektronik gesteuerten Stellmotor nur soweit geöffnet, dass der Motor optimal läuft. Geschlossen wird das Gas via Gasgriff.
Verschiedene Mappings
Die neusten LC4-Modelle verfügen über einen Drehschalter, mit dem verschiedene Mappings gewählt werden können. Neben der Standardeinstellung kann so die Motorleistung auf Stufe 1 übers ganze Band um 30 % gekappt werden. Mit Stufe 2 wird die Drosselklappe nicht mehr über den Stellmotor sondern direkt via Gaszug gesteuert und Stufe 3 greift auf die Einstellungen für den Betrieb mit schlechtem Benzin bis 80 Oktan zurück.
Bremsen
Die Duke beeindruckt nicht nur in Sachen Motorleistung, sondern zeigt auch beim Verzögern eine beeindruckende Performance. Die radial montierte Brembo-Vierkolbenzange mit vier einzelnen Belägen beisst bei Bedarf brachial zu, ist aber dennoch nicht zu radikal oder gar furchteinflössend. Sie verfügt wohl über einen satten Druckpunkt, zeigt sich aber trotzdem nicht übermässig aggressiv und ist so leicht dosierbar.
Handlich und stabil
Problemlos und transparent ist auch das Handling der neuen Duke. War ihre Vorgängerin noch eher kippelig, zeigt sich die Duke III sehr gutmütig. Sie ist nicht zuletzt dank tiefem Schwerpunkt sehr handlich und verlangt nur geringe Lenkimpulse. Sie fällt aber trotzdem nie unerwünscht tief in die Kurven rein, weil mit zunehmender Schräglage auch stärker zugepackt werden muss.
Frontlastige Auslegung
Dabei stört kein Aufstellmoment, dieses fällt selbst beim Bremsen in Kurven vergleichsweise schwach aus, die Spurstabilität ist generell sehr gut und die Neue glänzt mit transparentem Fahrverhalten und klarem Feedback vom Vorderrad. Dieses hebt der frontlastig ausgelegte Streetfighter trotz satten 65 PS auch bei beherztem Angasen nie unaufgefordert und er zeigt sich selbst bei hohem Tempo nie nervös. Ermüdend wirkt sich dann allerdings der geringe Windschutz aus.
Anti-Hopping-Kupplung
Dank tiefen Schwerpunkt und straffem Fahrwerk wird das Heck beim Bremsen nicht übermässig leicht. Dennoch ist es hilfreich, dass die Fussbremse nicht sehr giftig anspricht und die Anti-Hopping-Kupplung das Hinterrad bei ruppigem Runterschalten beruhigt. Die Duke hat mit diesen Eigenschaften beste Voraussetzungen für die erfolgreiche Hatz im Kurvenlabyrinth.
Foto: geöffneter Zylinder. Blick auf den Zylinderkopf
Potenter Strassenkämpfer
Der kräftige Motor und das gutmütige, präzise Fahrverhalten machen die Duke III zum flinken Strassenkämpfer mit starkem Charakter und hoher Durchschlagskraft. Mit dem schnittigen, einzigartigen Erscheinungsbild hat sie auch als Streetfighter wieder das Zeug zu einem edlen Lifestyle-Motorrad und Kurvenkönig. Angesichts der überzeugenden Performance und den hochwertigen Komponenten geht der Preis von knapp Fr. 14'000.- in Ordnung.
Neues Segment eröffnet
Vor 14 Jahren eröffnete KTM mit der Duke bereits ein neues Motorradsegment, in dem sich heute unzählige Anbieter tummeln, auch die Österreicher selbst sind darin mehrfach vertreten. Mit der Duke III schafft man nun ein weiteres Segment mit Zukunft: Das der leichten Einzylinder-Streetfighter.
Fazit
Die Duke III kommt in völlig neuem, rattenscharfem und doch Duke-typischem Design. Nicht mehr ganz so verspielt, dank niedrigem Schwerpunkt aber immer noch sehr handlich, begeistert sie mit satter Leistung und unproblematischem Fahrverhalten. Ein leichter, flinker Streetfighter mit besten Voraussetzungen für die Vorherrschaft im Winkelwerk.
Auf einen Blick
(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)
| In der Stadt | 4 Punkte |
| Auf grosser Tour | 3 Punkte |
| Sportlich fahren | 4 Punkte |
| Zu zweit unterwegs | 3 Punkte |
| Emotionen | 4 Punkte |
Technische Daten KTM 690 Duke III
Motor
| Bauart | Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter. |
| Ventilsteuerung | Eine oben liegende, über eine Kette gesteuerte Nockenwelle betätigt über Kipphebel vier Ventile. Eine Ausgleichswelle. |
| Bohrung x Hub | 102 × 80 mm |
| Hubraum | 654 ccm |
| Verdichtung | 11,8 : 1 |
| Gemischaufbereitung | Elektronisches Motormanagement und Saugrohr-Benzineinspritzung von Keihin. |
| Drosselklappen-Durchmesser | 46 mm |
| Ventildurchmesser: Einlass/Auslass | - |
| Schmierung | Trockensumpfschmierung. |
| Auspuffanlage | Unterflur Auspuffanlage aus Edelstahl. Geregelter 3-Wege-Katalysator. |
| Starter | E-Starter. |
Leistungsdaten
| Max. Leistung | 65 PS (48 kW) bei 7500/min |
| Max. Drehmoment | 6,8 mkg (67 Nm) bei 5500/min |
| V-max. |
Kraftübertragung
| Kupplung | Zahnradprimärtrieb. Hydraulisch betätigte Anti-Hopping-Mehrscheibenkupplung im Ölbad. |
| Gänge | Klauengeschaltetes Sechsganggetriebe. |
| Endantrieb | Links liegende Dichtringkette. |
Fahrwerk
| Rahmen | Chrommolybdän-Gitterrohrrahmen mit zentralem Oberrohr. Angeschraubtes Alu-Rahmenheck. |
| Federung vorne | Vorn USD-Telegabel von WP, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar. |
| Gabelinnenrohr-Durchmesser | 48 mm |
| Federung hinten | Hinten Zweiarmschwinge aus Aluminium. Über Umlenkhebel progressiv angelenktes Zentralfederbein von WP, in Federbasis und Ein- (Low- und Highspeed) und Auswärtsdämpfung einstellbar. |
| Federweg vorn/hinten | 140 mm / 140 mm |
Räder
| Rädertyp | Marchesini Fünfspeichen-Gussräder aus Leichtmetall. Radialreifen Dunlop Sportmax GPR Alpha 10. |
| Felgendimension vorn | 3.50 × 17 |
| Felgendimension hinten | 5.00 × 17 |
| Reifendimension vorn | 120/70 ZR 17 |
| Reifendimension hinten | 160/60 ZR 17 |
Bremsen
| Bremse vorn | Brembo. Stahlflex-Bremsleitungen. Vorn eine gelochte, halb schwimmend gelagerte Stahlscheibe mit radial montierter Vierkolbenzange. Bremsscheiben-ø 320 mm |
| Bremse hinten | Hinten fix montierte Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattelzange.Bremsscheiben-ø 240 mm |
| ABS | nein |
Abmessungen und Gewichte
| Radstand | 1472 mm |
| Lenkkopfwinkel | 63,5° |
| Nachlauf | 115 mm |
| Trockengewicht | 148,5 kg; Leergewicht fahrfertig voll getankt 162 kg |
| Sitzhöhe | 865 mm |
| Tankinhalt (davon Reserve) | 13,5 / 2,5 l |
Farben
| Orange/Schwarz | |
| Weiss/Schwarz | |
| x | |
| x | |
| x |
Preis, Lieferung per, Import
| Preis | Preis Fr. 13'640., inkl. MwSt. und NK. |
| Erstmöglicher Liefertermin | ab Ende Februar lieferbar |
| Import über | KTM-Fabag Zürcherstr. 305, 8500 Frauenfeld Tel. 052 725 08 88 |
Sonstiges, Bemerungen
| Bemerkung | Ohne Aufpreis mit 25 kW / 34 PS erhältlich |




































