Test und Technik

Fahrbericht KTM LC4 Enduro

Test der neuen KTM 690 Enduro

05.03.2008 00:00

Die LC4 Enduro ist die vielseitigste KTM, überrascht mit ausgeklügelten Detaillösungen, ist trotz grossem Einzylinder leicht dosierbar und begeistert mit ungehemmter Leichtigkeit. Wir fuhren die neue KTM 690 Enduro in einem ersten Härtetest. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Herwig Peuker


Ready for action: mit der neuen KTM 690 Enduro kommt man überall durch, überall...!

Legende LC4

Die erste KTM mit LC4-Motor (Liquid cooled 4-Stroke) wurde vor 21 Jahren als kompromisslose Viertakt-Enduro vorgestellt. Seither wurde die Palette durch verschiedene LC4-Modelle erweitert. Insgesamt ver-kaufte man rund 150000 KTM mit LC4-Motor. Dennoch ist stets, wenn von «der LC4» die Rede ist, die Enduro gemeint. Sie hat sich den Namen ihres Motors angeeignet.

Bleibt für immer die robuste Alltagsenduro

Inzwischen gibt es wohl deutlich kompaktere und leichtere Hard-Enduros, dennoch hat die LC4 ihren Kultstatus nie verloren. Sie wurde von den modernen Geländemaschinen mit kleinen Hubräumen zwar aus dem Segment der Wettbewerbs-Enduros verdrängt, blieb aber als robuste Alltags- und Reiseenduro beliebt, besonders auch für Wüstentrips und Rallyes.

Foto: Tobias fightet...

Foto: manchmal verliert er auch...

Sehr leicht mit 138 Kg Trockengewicht

Ein Jahr nach der Präsentation des neuen LC4-Motors schlägt das Einzylinder-Einspritzerherz jetzt auch in der LC4 Enduro. Mit 138,5 kg ohne Benzin ist sie das leichteste Motorrad der LC4-Familie. Sie ist anders aufgebaut als ihre Schwestern aus der Strassenfraktion. Im Gegensatz zur Supermoto und der Duke sitzt der 654 cm3 starke Einzylinder bei ihr nicht in einem Rahmen mit zentralem Oberzug. Der neue Endurorahmen verfügt über zwei Rahmenoberzüge und hat einen 0,5 Grad flacheren Lenkkopfwinkel. Das Gitterrohrgeflecht umschliesst die grosse Airbox, die den Platz einnimmt, den bei Einzylindern normalerweise der Benzintank belegt.

Tank übernimmt tragende Funktion

Der Tank sitzt stattdessen im Rahmenheck. Genauer genommen: Er ist das Rahmenheck! Denn auf einen Stahl- oder Alu-Rahmen wurde bei der Enduro völlig verzichtet. Der 12-Liter-Tank aus solidem Polyamid ist direkt an den Hauptrahmen geschraubt und übernimmt eine tragende Funktion. Gefüllt wird das Heck über den Einfüllstutzen hinter der Sitzbank. Mit dieser Konstruktion liegt das Gewicht tiefer und zentraler. Bezüglich Stabilität hat man bei KTM keine Bedenken; die LC4 mit Plastikheck ist für den Zweipersonenbetrieb ausgelegt und homologiert!

Foto: Front

Sehr flexibles Heck

Ja sogar die grossen Seitenkoffer aus dem KTM-Zubehörprogramm werden am Tank montiert. Das Heck sei flexibler als eine Metallkonstruktion, sodass das Richten nach Stürzen entfalle.
Die Enduro erhielt im Gegensatz zu Duke und Supermoto eine konventionelle geschlossene Alu-Schwinge im Stil der EXC-Hard-Enduros. Die hat mehr Flex und ist nebenbei auch deutlich weniger schmutzanfällig.

Foto: Actionfoto

Komfort, Sitzhöhe

Auf der neuen Enduro sitzt man bequem. Ungemütlich wirds allenfalls für Personen unter 1,70 m, denn mit einer Sitzhöhe von 910 mm dürften sie trotz schmaler Sitzbank Mühe haben, sich mit den Füssen am Boden abzustützen. Das aus der Duke bekannte Cockpit liefert alle nötigen Informationen. Der breite Renthal-Lenker liegt gut in der Hand. Mit dem Tank im Heck fällt die Front schlanker aus und verwöhnt mit  engem Knieschluss.

Auch auf Autobahn stabil

Innerorts wie auf längeren Asphalt-Etappen zeigt sich die Enduro sehr handlich und gutmütig, stört nicht mit lästigen Vibrationen und gibt sich  mit 250 mm Federweg komfortabel. Sie läuft dank robustem Gitterrohrrahmen auch bei erhöhten Autobahntempi sehr stabil geradeaus. Die montierten Metzeler Enduro 3 bieten auf Asphalt ordentlichen Grip und überraschen im Gelände mit guter Haftung, zumindest solange der Boden hart und trocken ist.

Foto: Actionfoto

Komfortables, nicht zu weiches Fahrwerk

Wurde der alten LC4 noch angekreidet, sie schiebe im Gelände übers Vorderrad, ist diese Eigenheit der neuen Enduro völlig fremd. Sie zieht willig ums Eck und lässt sich präzise an Hindernissen vorbei oder über diese hinweg dirigieren, ja lädt geradezu zum Spielen ein. Im Vergleich mit ihren Schwestern von der Strasse lasten bei ihr selbst mit leerem Tank lediglich 47 % des Gewichts (Duke: 51,5 %) auf der Front.
Das Fahrwerk ist komfortabel, bügelt harte Schläge sauber weg, fällt aber dennoch nicht zu weich aus. Erst bei harten Landungen nach Sprüngen geraten die Federelemente in der Grundabstimmung an ihre Grenzen – gut, dass sie ein breites Band von Einstellmöglichkeiten bieten.

Optimal im Gelände

Auf schnellen Etappen reagiert das Heck mit vollem Tank auf harte ­Schläge diffiziler als bei konventionellen Konzepten.
Dank schmalem Knieschluss und weit nach vorne gezogener Sitzbank kann das Gewicht im Gelände optimal verlagert werden. Auch im Stehen nimmt man dank hoch positioniertem Lenker eine aufrechte, recht komfortable Fahrposition ein.

Foto: Nimm den Hügel!

Foto: Motor

Veränderter Charakter

Der grosse Einzylinder zeigt sich trotz satten 63 PS noch sehr gesittet. Mit seinem sanften Charakter lässt sich der Einzylinder mit Leichtigkeit dosieren, glänzt mit hoher Effizienz und hat gleichzeitig stets Leistungsreserven im Überfluss. Ein Feature, das sich bei der Enduro als besonders hilfreich erweist, ist die Wahlmöglichkeit unterschiedlicher Mappings.

Foto: Mappingschalter unter Abdeckung

Foto: abgeschrägter Zylinderkopf - ideal für die schnelle Wartung.

Motorenleistungs-Drosselung

Besonders die Drosselung um 30 % ist auf rutschigem Untergrund sehr nützlich, schont Kraft und Konzentration. In diesem Modus spricht der LC4 deutlich sanfter an und glänzt mit der problemlosen Gutmütigkeit, für die einst die kleine Suzuki DR 350 gelobt wurde. Trotz 654 cm3 Hubraum fällt die Motorbremswirkung stets sehr moderat aus.

Foto: Heck

Fazit

Die 690 Enduro ist alles in einem: eine zuverlässiger Allrounder mit hoher Lebenserwartung, ein gutmütiges, vielseitiges Alltagsmotorrad und ein faszinierender Offroader für gemässigte wie auch extremere Geländefahrten.

Foto: Actionfoto


Technische Daten KTM 690 Enduro

 Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter. Eine Ausgleichswelle.
VentilsteuerungEine oben liegende, über eine Kette gesteuerte Nockenwelle betätigt über Kipphebel vier Ventile.
Bohrung x Hub102 × 80 mm
Hubraum654 ccm
Verdichtung11,8 : 1
GemischaufbereitungElektronisches Motormanagement und Saugrohr-Benzineinspritzung von Keihin.
Drosselklappen-Durchmesser46 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslassk.A
SchmierungTrockensumpfschmierung.
AuspuffanlageEinrohrauspuffanlage aus Edelstahl. Geregelter 3-Wege-Katalysator.
StarterE-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 63 PS (46 kW) bei 7500/min
Max. Drehmoment6,5 mkg (64 Nm) bei 6000/min
V-max.k.A

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Hydraulisch betätigte Anti-Hopping-Mehrscheibenkupplung im Ölbad.
GängeKlauengeschaltetes Sechsganggetriebe
EndantriebLinks liegende Dichtringkette

Fahrwerk

RahmenGitterrohrrahmen aus Chrommolybdän. Selbsttragender Hecktank aus Polyamid.
Federung vorneVorn USD-Telegabel von WP, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesser48 mm
Federung hintenHinten Zweiarmschwinge aus Aluminium. Über Umlenkhebel progressiv angelenktes Zentralfederbein von WP, in Federbasis und Ein- (Low- und Highspeed) und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Federweg vorn/hintenFederweg vorne und hinten 250 mm

Räder

RädertypLeichtmetall-Speichenräder von DID Schlauchreifen Metzeler Enduro 3
Felgendimension vorn1.85 × 21
Felgendimension hinten2.50 × 18
Reifendimension vorn90/90-21
Reifendimension hinten140/80-18

Bremsen

Bremse vornBrembo. Stahlflex-Bremsleitungen. Vorn fix montierte Stahlscheibe (ø 300 mm) mit Doppelkolben-Schwimmsattelzange.
Bremse hintenHinten fix montierte Scheibe (240 mm) mit Einkolben-Schwimmsattelzange.
ABSnein

Abmessungen und Gewichte

Radstand1480 mm
Lenkkopfwinkel63 Grad
Nachlaufk.A
Trockengewicht138,5 kg; Leergewicht fahrfertig voll getankt 150 kg
Sitzhöhe 910 mm
Tankinhalt (davon Reserve)12 l, davon Reserve 2,5 l

Farben

Orange
x
x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 12'840.–
Erstmöglicher Lieferterminsofort
Import überKTM-Fabag
Zürcherstr. 305, 8500 Frauenfeld
Tel. 052 725 08 88

Sonstiges, Bemerungen

BemerkungAuch in einer 34 PS/25 kw-Variante erhältlich (ohne Aufpreis)

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