Test und Technik

Test Ducati 696

Fahrbericht des schönen Italobikes

18.04.2008 00:00

In der neuen Ducati Monster lebt der unver-kennbare Charakter und die geliebte Line ihrer Vorgängerin weiter. Doch sie ist moderner, puristischer, konzentrierter und stärker. Ein Espresso für gemütliche und sportliche «Caffè»-Fahrten. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Milagro, Kloetzli


Flink, relativ günstig, attraktiv: die neue Ducati Monster 696.

Monster-Geschichte

Die Monster war 15 Jahren lang Ducatis Bestseller. Ein Trendsetter und Fashion-Bike, mit dem sich Stars gerne schmückten. Sie wurde zum Sinnbild des dynamischen Lebensstils. Die Zeit läuft, und irgendwann schreien auch Klassiker nach Erneuerung. Eine Ikone zu modernisieren ist aber ein heikles Thema, an dem man sich leicht die Finger verbrennen kann. Das weiss Ducati aus eigener Erfahrung, denn nachdem das unverkennbare Design der legendären 916 bei den Modellen 996 und der 998 noch belassen wurde, setzte Ducati nach zehn Jahren mit der 999 auf eine neue Optik und landeten damit den grossen Flop. Die 999 konnte nicht an die Erfolge ihrer Vorgängerinnen anknüpfen und wurde bereits nach drei Jahren wieder aus dem Programm genommen.

Das erste Monster taucht auf

Die erste Ducati Monster setzte 1993 (kleines Foto: 900er Monster 1993) einen Meilenstein in der Motorradgeschichte und läutete eine neue Ära ein. Sie wurde zigfach kopiert, ihr einmaliges, puristisches, simples Design blieb aber unerreicht. Der sportliche Auftritt bei hoher Alltagstauglichkeit sowie die schöne, schwungvolle Linie machte die nackte Italienerin zum Lifestyle-Bike. Sie ist seit 15 Jahren Ducatis Bestseller. Nach 200'000 verkauften Monstern war ein Update überfällig.

Ihre Nachfolgerin musste zeitgemäss und modern sein, aber dennoch klar zum klassischen Design der ersten Monster stehen – alles andere wäre grobfahrlässig und hätte der Erfolgsstory wohl ein jähes Ende gesetzt. Nach derselben Erfolgsformel entstanden schon Neuauflagen der Autoklassiker VW Käfer, Mini Cooper oder Fiat 500.

Aus Alt mach Neu

Nun steht auch die neue Monster da: ein modernes Naked Bike mit klassischer Linie, konsequent bis ins Detail durchgestylt, aufs Wesentliche reduziert, aber doch auf den ersten Blick als Monster erkennbar. Kompakter, agiler und leichter als ihre Vorgängerin, aber mit muskulöserem Auftritt und sieben PS Mehrleistung hat sie wieder das Zeug zum Kassenschlager.


Optisch zeichnet sich die Monster weiterhin durch den runden, jetzt dreigeteilten Scheinwerfer, den auffälligen Gitterrohrrahmen, den bombierten Tank, das kurze Heck und natürlich den typischen, luftgekühlten 90°-V2-Motor aus.

Optischer Leckerbissen: die neue Tankform:

Der neue dickere Gitterrohrrahmen endet bei der Monster 696 an der Verschraubung mit dem mittragenden V2. Von da an gehts mit einem Aluguss-Rahmenheck weiter, dessen Formsprache in den Fussrastenträgern wiederaufgenommen wird.

Markenzeichen der Monsterlninie ist der aussenliegende Gitterrohrramen. Er ist, im Vergleich mit anderen Rahmenbauarten, ausserordentlich schwer und kostenspielig herzustellen. Zum Beispiel sind sehr viele Schweissungen nötig. Trotzdem hält Ducati am aussenliegenden Gitterrohrrahmen fest - er ist tatsächlich ein Eyecatcher:

Aber nicht nur dem Rahmen zollte Ducati viel Designarbeit. Viel Liebe zum Detail zeigen diese ersten Zeichnung bei der Gestaltung der Frontmaske:

Die Auspuffrohre führen nicht mehr unter dem Motor durch, sondern sind höher verlegt.

Die beiden kurzen, hoch montierten, konischen Endschalldämpfer unterstreichen die Kürze des kecken Hecks beziehungsweise der Sitzbank, welche mit der Abdeckung des Soziusplatzes besonders frech wirkt. Unter der Tankabdeckung sitzt eine voluminöse 10-Liter-Airbox, ihre schnittigen seitlichen Luftein­lässe betonen den kraftvolle Auftritt der Monster zusätzlich. Der auf 15 Liter angewachsene Tank führt bis unter die Sitzbank, was den Schwerpunkt tief hält. Gleichzeitig konnte die Sitzbank 2 cm näher zum Lenker rücken.

Low-Rider

Dank nur gerade 770 mm Sitzhöhe und einer schmalen Taille erreichen auch kleinere Personen problemlos mit beiden Füssen den Boden. Die Sitzbank ist bequem und der Knieschluss dank ergonomisch geformtem Tank gut. Trotz niedriger Sitzposition fällt der Kniewinkel nicht unangenehm eng aus. Kleinere Monsteristi brauchen sich bei der Neuauflage des Klassikers zudem nicht mehr über den Tank zu strecken, um den Lenker zu erreichen. Auf der Monster 696 sitzt man in lockerer fahraktiver Position leicht nach vorne gebeugt und hat den breiten, niedrigen Stahllenker gut im Griff.

Brems- und Kupplungshebel sind in der Spreizung leider nicht verstellbar. Das Digitalcockpit verfügt über eine grosse Balken-Anzeige für die Drehzahl, einen zentralen Schaltblitz und eine vergleichsweise kleine Geschwindigkeitsanzeige. Zudem können über einen Schalter an der linken Lenkerarmatur Zeit, Temperatur, Tageskilometer oder Rundenzeiten abgerufen werden. Die nur knapp über dem Lenker montierten, schnittigen Spiegel bieten eine gute Sicht nach hinten.

City-Bike

Beim Rangieren von Vorteil sind nicht nur die tiefe Sitzposition und das niedrige Gewicht von offiziell 161 kg (trocken, ohne Benzin ist von 170 kg die Rede), sondern dank der Einbuchtungen bei den Lufteinlässen der Airbox auch der deutlich grössere Lenkeinschlag und der dadurch enge Wendekreis. Zudem glänzt Ducatis neue Nackte mit einer ausgesprochen leichtgängigen, hydraulischen Kupplung, welche jedoch über einen sehr kurzen Weg dosiert werden muss. Die mit Fr 12'105.– günstigste Ducati lässt sich einfach und problemlos durch die Stadt zirkeln.

Kultivierter Kultmotor

Der V2 zeigt sich sehr kultiviert, die Vibrationen wurden auf ein Minimum reduziert. Ebenso zurückhaltend ist das typische, inzwischen aber sehr dezente V2-Ballern. Ab rund 2000 /min nimmt der Zweiventiler Gas an, läuft ab knapp 3000/min rund, beschleunigt bis 4000/min noch eher gemächlich. Die Gasannahme ist direkt, aber nicht ruppig. Ein Ruckeln oder Verschlucken ist dem luftgekühlten Kurzhuber fremd. Er zeigt sich im Stadtverkehr für einen V2 ausgesprochen gutmütig und kultiviert. Projekt-Leiter Giulio Malagoli: «Je ein Luftdrucksensor hinter der Drosselklappe regelt die Einspritzung, weshalb der Motor speziell bei niedrigen Drehzahlen sanfter anspricht.»

Sport-Monster

Ruppig wird der V2 mit desmodromischer Ventilsteuerung auch bei zügiger Gangart nicht: Ab etwa 4500 /min ist die Duc richtig gut im Saft und legt bis zur Nenndrehzahl von 9000 /min kontinuierlich Leistung zu. 80 PS Spitzenleistung und 57 Nm bei 7750 /min sind gegenüber der Monster 695 eine Leistungszuwachs von rund 10 Prozent. Der wurde erreicht durch neue, kompaktere Zylinderköpfe, die Überarbeitung der Brennräume und Kolben sowie die Neugestaltung der Kühlrippen, welche für eine bessere Hitzeableitung sorgen und so eine höhere Leistungsausbeute ermöglichen.

Leistung einfach zu dosieren

Der Motor zeigt sich in der oberen Drehzahlhälfte sportlich, aber immer noch gefällig. Er spricht direkt, aber nicht übermässig hart an, ist einfach dosierbar und glänzt mit gut kontrollierbarer Leistungsentfaltung. Auch die Lastwechsel sind nicht speziell ausgeprägt. Das Getriebe lässt sich leicht und präzise schalten. Beim groben Runterschalten bügelts die Rutschkupplung gekonnt aus.

Ideal auch für Pässetouren

Die leichte Italienerin zeigt sich auf der Pässetour gefällig und neutral, ist handlich und flink, folgt aber prä­zise der gewählten Linie und lässt sich auch durch Unebenheiten nicht aus der Bahn werfen. Selbst beim harten Bremsen in Kurven ist das Aufstellmoment nur dezent. Das eher straffe, aber trotz kurzen Federwegen nicht unkomfortable Fahrwerk taugt sowohl für die gemütliche Ausfahrt als auch die rasantere Jagd durchs Kurvenlabyrinth. Dank der vorderradorientierten Auslegung erhält der Fahrer auch stets ein klares Feedback.

Komfort, Sitzpostion

Die Schräglagenfreiheit der Einsteiger-Ducati ist trotz niedriger Auslegung längstens ausreichend; die Schuhe streifen je nach Fusshaltung zwar bald am Boden, die Fussrasten hingegen kaum.
Die Sitzposition passt auch auf der engagierten Ausfahrt bestens. Allerdings hat man die Tendenz, auf der Sitzbank nach vorne zur schmalen Taille hinter dem Tank zu rutschen. Dieser gibt aber Schläge weiter, die «Mann» zuweilen unangenehm spürt.

Das Zündschloss befindet sich sehr nahe dem Lenkkopf - und ist damit eine komplette Fehlkonstruktion. Das Hineingreifen in die Ausbuchtung ist mühselig - besonders mit dicken Handschuhen:

Bremsen

Die neue Doppelscheibenbrems­anlage mit radialen Brembo-Vierkolbenzangen ist gut dosierbar, nicht speziell aggressiv und glänzt dank Stahlflexleitungen mit klarem Druckpunkt. Vollbremsungen gehen ohne viel Kraftaufwand. Malagoli verspricht: «70 Prozent der Handkraft reichen, um dieselbe Bremsleistung wie bei der Vorgängerin abzurufen.» Ein ABS ist vorläufig nicht vorgesehen.

Monster on Tour?

Das aufgepeppte Kultbike ist bequem, einfach zu fahren, spritzig und taugt so auch für längere Tagesetappen. Auch die Fahrt auf dem Soziusplatz ist einigermassen bequem, der Kniewinkel nicht zu eng, unter der Sitzbank finden sich sogar Haltegriffe. Die Mitfahrgelegenheit ist zwar nicht optimal, aber doch zumutbar. Schwieriger wirds, wenns weiter weggehen soll und noch Gepäck mitzunehmen ist. Denn einen Gepäckträger sucht man vergebens, ein Magnet-Tankrucksack findet auf dem Plastiktank keinen Halt und muss stattdessen mit Riemen festgezurrt werden. Praktische Aspekte werden bei einer Design-Ikone notfalls halt vernachlässigt.

Foto: Monster im Soziusbetrieb.

Toll sehen auch die zwei hochgezogenen Endrohre des Auspuffes aus. Ein klares Bekenntnis zum Lifestyle. Denn sie sind weder für Sozias von Vorteil noch auf einer allfälligen Reise: Packtaschen lassen sich so kaum aufsatteln:

Design

Man kann getrost sagen, dass das neue Design absolut gelungen ist. Neben der mangelhaften Reisetauglichkeit ist die Monster extrem vielseitig einsetzbar, drängt sich als preiswerter, trendiger Einsteiger geradezu auf, macht mit dem kraftvollen und doch gutmütigen Motor auch bei zügigen Ausfahrten richtig Laune. Dabei lässt sie im Winkelwerk nie und im weitläufigeren Gelände nur selten Leistung vermissen. Mit der Monster 696 findet Ducati wieder einen ausgewogenen Mix zwischen Stil, Alltagstauglichkeit und Sport und wird nicht zuletzt dank dem attraktiven Preis wieder viele Fans mobilisieren.

Wer Mühe hat, die neue Monster von der alten Monster zu unterscheiden, werfe einen Blick auf den Tank. Diesen Airboxeingang hat nur die neue Monster:

Fazit

Die Monster ist mehr Blickfang denn je! Sie fasziniert mit ihrer Formsprache, ist ein ideales Einsteiger- und Frauen-Bike aber auch ein sportlicher Kurvenflitzer. Der Motor begeistert und lässt selbst auf der angriffigen Ausfahrt kaum Leistung vermissen. Die preiswerte Monster ist eine gelungene Neuauflage des Klassikers.


Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt5 Punkte
Auf grosser Tour2 Punkte
Sportlich fahren4 Punkte
Zu zweit unterwegs3  Punkte
Emotionen4 Punkte



Technische Daten Ducati Monster 696

Motor

BauartLuftgekühlter V2-Viertakter, Kurbelwelle quer. Zylinderwinkel 90°.
VentilsteuerungJe eine oben liegende, über Zahnriemen gesteuerte Nockenwelle und zwei desmodromisch zwangsgesteuerte Ventilepro Zylinder.
Bohrung x Hub88×57,2 mm
Hubraum696 ccm
Verdichtung10.6 : 1
GemischaufbereitungElektronisches Motormanagement und Benzineinspritzung von Siemens
Drosselklappen-Durchmesser45 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass-
SchmierungNasssumpfschmierung
Auspuffanlage2-1-2-Auspuffanlage, geregelter 3- Wege-Katalysator
Starterelektronische CDI-Zündung, E-Starter.

Leistungsdaten

Max. Leistung 80 PS (58,8 kW) bei 9000 /min
Max. Drehmoment7,0 mkg (62 Nm) bei 7750 /min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärantrieb gerade verzahnt. Hydraulisch betätigte ATPC-Mehrscheibenkupplung im Ölbad.
GängeSechsganggetriebe.
EndantriebEndantrieb über links liegende Dichtringkette.

Fahrwerk

RahmenGitterrohrbrückenrahmen aus Stahlrohr mit angeschraubtem Heck aus Aluguss, Motor mittragend.
Federung vorneVorn ölgedämpfte Upside-down-Telegabel von Showa.
Gabelinnenrohr-Durchmesser43 mm
Federung hintenHinten Zweiarmschwinge aus Leichtmetallguss, direkt angelenktes, in Federbasis und Auswärtsdämpfung einstellbares Federbein von Sachs.
Federweg vorn/hinten120 mm / 148 mm

Räder

RädertypDreispeichen-Gussräder aus Leichtmetall von Marchesini. Schlauchlose Radialreifen Bridgestone Battlax BT56.
Felgendimension vorn3.50×17
Felgendimension hinten4.50×17
Reifendimension vorn120/60 ZR 17
Reifendimension hinten160/60 ZR 17

Bremsen

Bremse vornBrembo. Vorn zwei halb schwimmend gelagerte Stahlscheiben (320 mm) mit radial montierten Vierkolbenzangen.
Bremse hintenHinten Einzelscheibe (245 mm) mit Zweikolbenzange
ABSin Vorbereitung, aber derzeit noch nicht lieferbar

Abmessungen und Gewichte

Radstand1450 mm
Lenkkopfwinkel66°
Nachlaufk.A.
Trockengewicht161 kg; Leergewicht fahrfertig voll getankt: 183 kg
Sitzhöhe770 mm
Tankinhalt (davon Reserve)15,0/3,5 l

Farben

Rot
Weiss
Schwarz
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 12'655.–, inkl. MwSt. und NK ; ab Herbst für Fr. 12'105.– auch ohne Sattelabdeckung und Frontverschalung lieferbar.
Erstmöglicher LieferterminErhältlich ab Ende April
Import überMotorimport SA
Bernerstrasse 202 Nord, 8064 Zürich
Tel. 044 434 87 87

Sonstiges, Bemerungen

BemerkungOhne Aufpreis auch mit 25 kW/34 PS erhältlich.

Konkurrenten

Benelli TNT 899
Honda Hornet 600
Kawasaki ER-6n
KTM 690 Duke
Suzuki SV 650
Triumph Street Triple
Yamaha FZ6

 


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