Auf Achse
Pässefahren: Oberalppass
25.06.2008 00:00
Der circa 2000 Meter hohe Oberalppass verbindet den Kanton Graubünden mit dem Kanton Uri. In den Sommermonaten ist er eine wichtige Motorradachse - und einer der schönsten Schweizer Motorradpässe.
Zur Geschichte
Die Geschichte des von Menschen begagenen Oberalppasses ist eng mit derjenigen des Klosters Disentis verknüpft. Denn der entlegene Standort sollte sich als ein verkehrtechnsichen Glücksfall erweisen: von Disentis aus liess sich die Ganze West-Ost-Achse beherrschen. Wer Waren vom Goms in Richtung Graubünden/Veltlin/Österreich verschieben wollte, muss im Mittelalter die Achse Furka-Oberalp nehmen. Und die beherrschte das Kloster. Der Oberalppass stand also lange unter der Kontrolle der geschäftstüchtigen Benediktinermönche.
Heutzutage hat der Oberalppass hauptsächlich noch eine touristische Bedeutung, Waren werden auf ihm kaum noch verschoben. Vom Frühling bis Herbst ist der Pass für den Strassenverkehr offen, im Winter ist er gesperrt. Ein Erlebnis ist ausserdem die Fahrt mit der Furka- Oberalpbahn.
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Andermatt
Wir werden den Oberalppass vom Westen nach Osten überqueren - aber eigentlich ist es egal, in welcher Richtung man ihn befährt, beide Fahrtrichtungen sind zu empfehlen. Start ist die Gemeinde Andermatt. Andermatt eignet sich für Motorradfahrer ideal als Nachtlager und "Mittagstisch" - einige der schönsten Alpenpässe sind in der Nähe und die Preise sind noch moderat (wie lange noch?) Der Aufstieg zum Oberalppass befindet sich an einem kleinen Kreisel. Auf der einen Seite geht es Richtung Schöllenenschlucht/Altdorf, die gegenüberliegende Strasse führt in die "enge Altstadt" von Andermatt.

Und die Kreiselmitte führt halt eben auf den Oberalppass. In der Nähe des Kreisels befindet sich übrigens noch eine winzige Tankstelle. Wer knapp an Sprit ist, soll hier noch einen Schluck tanken - die nächsten 20 Kilometer folgt keine Tankstelle mehr.
Die ersten Meter den Hang hoch
Mit maximal 50 km/h geht es den Berg hoch. Zwar würden die ersten Kehren schon viel Spass machen...doch man befindet sich immer noch innerorts. Man nimmt es gelassen und hält vielleicht hin und da, um einen Blick in die Umgebung zu werfen.
Hier blickt man vom ersten Plateau auf den nördlichen Teil von Andermatt - respektive auf das Kasernengelände. Bei derm Schluchteingang handelt es sich um die wilde Schöllenenschlucht:
Der zweit Blick schweift in ein Seitental von Andermatt. Keine Ahnung, wie das Tal heisst. Einzig, dass ganz hinten die hübsche SAC-Hütte Vernigel liegt, weiss ich noch von einer Wandertour her. Theoretisch gäbe es, soweit ich mich erinnern kann, sogar eine Kiesstrasse in das Tal hinein...aber sie dürfte für den motorisierten Verkehr gesperrt sein.
Hier der Blick "fadengrad" über Andermatt hinweg in Richtung Hospental/Furkapass:
Und nun noch einen Blick den Hang hoch: die Betonmauern zeigen es an - die Strässe mäandriert sich den Berg hoch. Alles andere als hübsch sind die Häuser, die sich da Andermatt an den Berg rangeklotzt hat:

Ein letztes Foto will ich hier noch veröffentlichen. Es zeigt die Ebene vor Andermatt - in der der Ägyptische Unternehmer Samih Sawiris eine riesige Luxus-Hotelanlage hinklotzen will. Ganz Andermatt war ja dafür....ich bin da eher etwas skeptisch. Solche Resorts kennt man vom Urlaub her: diese Riesenanlage passen wenig in die Landschaft und die Einheimischen werden zu blossen "Resort-Handlangern" degradiert. Aber anscheinend ist ja fast ganz Andermatt dafür...
Darum das Bild: so sah der nordwestliche Teil von Andermatt im Jahre 2007/2008 noch aus:
Jetzt zum Strassenzustand. Auf der Urner Seite gibt es nur eines zu sagen: hervorragend. Sobald das letzte Haus passiert ist, weietet sich die Strasse. Kaum Bitumen, lange, weite Kurven: eine Töff-Traumstrasse!
Dieses Foto entstand einige Kurven weiter oben. Der Blick geht Richtung Urserental:
Vorsicht vor dem Kehrtunnel
Die Strasse ist wie erwähnt bestens ausgebaut, mit weiten, schönen Kurven (Schräglage...lechzz...) und - ganz wichtig - viel Übersicht. Es gibt an der Strecke kaum "blind spots". Allerdings hat es aus meiner Sicht eine gefährliche Stelle: das Kehrtunnel. In diesem Tunnel wird eine vollständige Kehre vollführt, und zwar mit Hangneigung. Das Tunnel ist zwar ausgeschildert und gut beleuchtet...aber wenn man zum ersten Mal mit etwas Schuss hindurchfährt, schiesst einem die Angst in die Glieder...und man ist vielleicht versucht, allzu aprupt abzubremsen. Vor allem, wenn man wie ich ständig mit Sonnenbrille unterwegs ist - da sieht man im ersten Augenblick bei der Tunneleinfahrt rein gar nix. Darum: wer das Tunnel nicht kennt: weg vom Gas! Langsam durchfahren! Vor allem, wenn man das Tunnel talwärts befährt... Ein ähnlich blödes Kehrtunnel gibt es in der Anfahrt zum Grimsel und auf der Bündnerseite des Lukmaniers.
Ansonsten: die Oberalpstrasse auf der Urnerseite ist töffmässig "Top of Switzerland"! Eine meiner absoluten Lieglingsstrecken. Wer die Strasse nicht mag, muss das Motorradfahren aufgeben..
Hier noch ein zweites Foto der Oberalpstrasse:

Restaurant Nätschen
Sollte es nun zufällig um die Mittagszeit sein, habe ich einen Vorschlag: Mittagessen Im Restaurant Nätschen. Es liegt ein paar Meter abseits der Hauptstrasse und man hat vom Restaurant aus einen wunderbaren Blick ins Tal.
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Das Restaurant von aussen:

Und von innen:
Legendär der Beinschinken mit Kartoffelstock:
Die Bedienung ist freundlich, es hat Motorradparkplätze und es wird ein hübscher Helmservice angeboten: Reinigungsschwamm, saubere Tücher.
Oberalppass
So, gesättigt geht es weiter. Es folgt noch eine kleine Steinschlaggalerie, dann steht man praktisch schon auf dem Pass. Auf dem Foto zu sehen das Passrestaurant, der kleine Pass-See und die Eisenbahnstrecke.
Wer Zeit und Musse hat, verweile da oben ein halbes Stündchen...der Oberalp ist ein hübscher Pass, mit viel Wasser, Bergen und Blumen (bsp Alpenrosen):
Die Bündnerseite des Passes ist dann komplett anderer Art: gleich hinter dem Pass gibt es einige sehr enge Serpetinen. Auch sie haben ihren Reiz - besonders wenn das Motorrad drehmomentstark ist und man flott im Zweiten Gang durchschwingen kann.


Theoretisch gäbe es eine kleine Strasse zum See "Lai da Curnera"...aber da die Strasse mit einem Fahrverbot belegt ist, wollen wir gar nicht näher darauf eingehen.
Schön dann der Blick Talauswärts, Richtung Tschamut, einfach den Vorderrhein hinab:
Bei Tschamut habe ich dann noch diese Foto gemacht:

"Anitas Rheingärtli Töff-Treff" - hübsch. Und ist das nicht eine V-Max? Mittlerweile gäbe es ja schon eine neue V-Max...
Bei dem nächsten Foto muss ich eine kleine Warnung aussprechen:
Man nehme sich in Acht bei der Strasse vor Rueras. Um die Kurven herum ist sehr wenig Platz.....das heisst, im Prinzip hat es genug Platz. Aber wenn der Touristenbus von der Gegenseite um die Kurve donnert, wird es sehr schnell sehr eng...
Auch die nachfolgende Gerade in Richtung Selva ist gefährlich. Leute, was habe ich da schon für Unfälle gesehen! Von leichten Vorbeifahrschäden (weil der überbreite Camper sich mit einem Auto aus der Gegenrichtung verheddert hat) bis zu veritablen Bikerunfällen. Seit einiger Zeit wird die nachfolgende Strecke ausgebaut...doch dies ändert nichts daran: Obacht an dieser Stelle!
Wo? Hier - zum Öffnen des Google-Kartenedititor auf Karte klicken:
Hier das Foto der zweitletzten Kurve vor dem Weiler Dieni. Es sieht breiter aus, als es tatsächlich ist...

Dann der Blick in Richtung Sedrun:
Und hangwärts:

Diese breiten Schneisen lassen erahnen, dass da im Winter wohl des öfteren mal eine mächtige Lawine zu Tal donnert..
Sedrun
Sedrun bietet sich mit einem breiten Hotel/Restaurantangebot ebenfalls zum Übernachten an. Bis 2018 hat sich der kleine Ort aber ganz auf die Neat, den neuen Alpentransittunnel eingestellt. Um den 153 Km langen neuen Gotthard-Basistunnel schneller fertigstellen zu können, wurde in Sedrun ein Schacht senkrecht nach unten getrieben - um von der Mitte aus sowohl nach Norden wie auch nach Süden zu bohren. Hier ein Foto vom Betriebsgelände:

Bis 2018 also herrscht in Sedrun noch rege Bautätigkeit. Was danach kommt...das steht nach der Beerdigung der "Porta Alpina"-Idee in den Sternen....
Doch der grosse Katzenjammer ist völlig unangebracht: die Surselva hat eine grandiose, noch ziemlich intakte Natur. Mit einer solchen Natur als Kapital sollte doch etwas zu machen sein! Hier das Foto eines nahen Gletschers:
Disentis
Schliesslich erreichen wir den grösseren Ort Disentis. Wie erwähnt, ist das Kloster Disentis eine der wichtigsten Kulturgüter des Tales. Hier ein Foto von aussen:

Die Bendiktinerabtei Disentis wurde schon 720 n. Chr. gegründet und bekam im Laufe der Zeit viel Macht. Doch das Kloster sah auch Schattenseiten: die Reformation tat dem Kloster nicht gut, ebensowenig die napoleonischen Truppen, die 1799 die Abtei ein wenig niederbrannten.
Die barocke Klosteranlage stammt aus dem 17ten Jahrhundert und ist sehr sehenswert. Hier ein Foto aus dem Innern der Klosterkirche:
Auch in Andermatt gäbe es Verpflegungsmöglichkeiten. Von hier aus könnte man über den Lukmanier ins Tessin fahren, oder in Richtung Chur/Davos.
Kurzinfos:
Gastrotipp
Restaurant Nätschen. Standort? Hier klicken
Schwierigkeitsgrad für Töff-Anfänger:
Leicht - Mittel
Empfohlene Fahrtrichtung:
Egal
Racingfaktor für erfahrene Töfffahrer:
Ein toller Pass! Die Bündner Seite ist eher die gemütlichere, die Urner Seite eignet sich mehr dazu, etwas harter am Gas zu bleiben. Grosse Vorsicht geboten auf der schlecht ausgebauten Strecke direkt hinter Rueras und im Kehrtunnel auf der Urner Seite. Dort kein Gas geben! Dass man unmittelbar vor dem Pass auch den Gasknüppel loslässt, ist ebenfalls klar (viele umherstreifende Urlauber, Knipser, Kräuterpflücker etc)
Aussichtsfaktor/Erlebnisfaktor:
Der Oberalppass ist immer wieder ein Genuss zu Fahren...vielleicht auch, weil er neben dem Furka und dem Gotthard einer der wenigen Pässe mit absoluter Aussicht ist: kaum ein Baum versperrt hier die Sicht - man sieht immer weit ins Tal hinab.
Passrating total: (Note Maximum: 6 Punkte, Miniumum: 1 Punkt)
Note 5.3
Länge: rund 30 Kilometer
Wintersperre: November bis circa Mitte-Ende Mai ««zurück























































