Auf Achse

Eine andere Welt vor unserer Haustür

Auf Achse: Albanien


 

04.07.2008 00:00

Luftlinie kaum 1000 km von der Schweiz ist ein Land nach jahrzehntelanger Isolation im Aufbruch. Es geht drunter und drüber, es geht voll ab, und wir waren zwei Wochen lang mittendrin. Text: Rolf Lüthi Bilder: Lüthi, Fränzi Göggel


Für eine gute Idee hielt es niemand, und nach umfangreicher Entmutigung durch alle, denen wir von unseren Plänen erzählten, fahren wir vollbepackt los. Wir wollen nach Albanien. Wenn alle abraten, kann das nur gut sein. Immerhin haben wir einen Plan B: Albanien ist kleiner als die Schweiz, und sollten die diffusen Warnungen tatsächlich realen Hintergrund haben, würden wir nach Griechenland weiterfahren. Schon am ersten Abend in Albanien ist Plan B tief begraben.

Am Nachmittag waren wir mit der Fähre von Ancona her in Durres angekommen. Der Strassenverkehr ist nichts für zart Besaitete: Nachdem sie auf Befehl des langjährigen kommunistischen Herrschers Enver Hoxha fast 50 Jahre lang von der Aussenwelt abgeschnitten waren, wollen die Albaner vorankommen. Auch im Mercedes. Wird kurz gehupt, erwartet man, dass Platz gemacht wird.

Funktioniert auch für uns: Kurz hupen, man wird vorbeigelassen. An diesem ersten Tag fahren wir jedoch sehr gemächlich auf der staubigen Asphaltstrasse, denn wir können uns kaum sattsehen: Über Land befinden wir uns mehr oder minder im Mittelalter, aber nur teilweise. Parabolantennen zieren auch heruntergekommen wirkende Häuser, und an den Ortsrändern reihen sich Autoausschlachter und andere Unternehmer.

In den verwinkelten Gassen von Berat

Da in unserem Reiseführer steht, wer Berat nicht gesehen habe, hätte Albanien nicht gesehen, fahren wir da gleich mal hin. Stadt der tausend Fenster wird Berat auch genannt. Beidseits der Osum sind die Häuser der 2400 Jahre alten Stadt übereinander an die steilen Hänge geklebt. Damit es trotz Hanglage hell ist in den Häusern, sind diese zur Talseite hin mit möglichst vielen Fenstern versehen. Wir durchstreifen den Markt, die beiden Altstädte und die Festungsruine.

Einheimische sprechen uns an, einige können Italienisch, ein anderer Englisch, doch obwohl Berat nicht gerade von Touristen wimmelt, erkundigt man sich mit höflicher Zurückhaltung nach unserem Befinden. Das sollte während der ganzen Reise so bleiben: Die Kontakte mit den Einheimischen sind stets respektvoll, manchmal herzlich, doch nie werden wir unangenehm bedrängt. Mehrmals bezahlten Gäste am Nebentisch unseren Kaffee, und fragt man in einsamen Gegenden an einem Gehöft nach dem Weg, wird man oft zur Rast in die Stube eingeladen.

Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 13/2008; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…


Touren-Info ALBANIEN

AllgemeinesAlbanien ist (wie die Schweiz) ein gebirgiger Kleinstaat. Fläche 29000 km2, 4 mio Einwohner, von denen, so wurde uns erzählt, 1,5 mio im Ausland leben. Christen und Muslime leben friedlich zusammen.
An-/Abreise Fähre von Ancona (I) nach Durres (Adriaferries, 2 Töff, 2 Personen mit Kabine 360 Euro, 20 Stunden). Kürzere Fahrverbindungen ab Bari (I) oder Brindisi (I). Heimreise per Töff über den Balkan, Reisedauer 3,5 Wochen.
Route Albanien Durres - Berat - Vlore - Sarande - Cifijk - Gjirokastër - Korçe - Pogradec - Burrel - Krujë - Burrel - Peshkopi - Kukës - Fierzë - Shkoder - Vermosh.
 StrassenAsphaltiert sind nur Hauptstrecken, selbst diese können sich in Pisten verwandeln, wenn gerade gebaut wird. Hauptpisten bei trockenem Wetter mit Strassentöff befahrbar, für Nebenstrecken brauchts ein Geländefahrzeug.
Karten, Literatur
  • Freytag & Berndt, Albanien 1:400'000, Reise know how, Albanien 1:200'000, Trimaks, Road Map Albania. Keine der drei Karten stimmt in allen Details.
  • «Albanien entdecken» von Renate Ndarurinze, Trescher Verlag, ISBN 978-3-89794-125-0
ReisezeitAlbanien ist im Aufbruch, die ideale Epoche für  eine Reise. Ideale Jahreszeit: Mai/Juni, September/Oktober.
Dokumente, Währung Pass, Fahrzeugausweis, grüne Versicherungskarte. 100 Lek = Fr. 1.40. Bezug per Bankomat in jeder Stadt. Kurtaxe: 1 Euro/Tag.
Unterkünfte, Sprache

Es gibt in Albanien (noch) keine Campingplätze, doch in jeder Kleinstadt Gasthäuser und Hotels, ab 25 Euro/DZ.

Landessprache Albanisch; Italienisch, Englisch und Deutsch sind in Städten verbreitet. Albanisch hat wenig mit Serbokroatisch oder Griechisch gemeinsam.



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