Test und Technik
Fahrbericht Triumph Street Triple R
16.10.2008 00:00
In der verschärften R-Version der beliebten Street Triple ist der Streetfighter vollends erwacht. Sie begeistert beim verspielten Raufen und schlägt im Ernstfall gnadenlos zu. Text: Tobias Kloetzli Bilder: Jason Critchell, Paul Bryant
Triumph hat auf die Erfolgsstrasse der guten alten 60er-Jahre zurückgefunden: Die Bestmarke von 47'000 verkauften Bikes (1967) dürfte noch in diesem Jahr überboten werden. 2007 konnten die Verkaufszahlen in der Schweiz um 75% gesteigert werden. Triumph steht nicht mehr wie teils in den Hinterköpfen noch verwurzelt für öltriefende Briten-Bikes, sondern trumpft mit frechen, faszinierenden Dreizylindern auf.
Die Schwestern
Die Triumph Daytona 675 mit verblüffend drehmomentstarkem, kompaktem Reihendreizylinder hatte sich auf Anhieb gegen ihre Supersport-Konkurrenz durchgesetzt (Vgl. in MSS 11/2006). Sie war Basis der 2007 vorgestellten nackten Street Triple (Fahrbericht hier lesen)der kleinen Schwester der bösen Speed Triple. Die Street überbot sämtliche Erwartungen, mauserte sich bei Triumph zum Bestseller und sprengte die Kapazitäten der Produktionsstätte in Hinckley (GB).
Die Unterschiede zur Speed Triple
Mit der Streetfighter-Ikone Speed Triple hat die neue Street den klassischen Look gemein. Sie wiegt aber 19 kg weniger, bietet einen Preisvorteil von Fr. 5000. und steht trotz 20% weniger Leistung immer noch sehr gut im Saft. Mit diesen Voraussetzungen stösst sie in der Schweiz seit einem Jahr als erschwingliches Einsteigermotorrad und flinkes Naked Bike auf so grosses Interesse, dass die eingegangenen Bestellungen erst jetzt allmählich abgearbeitet werden können.
R wie FeinschmeckeR
Speziell für die sportliche Fangemeinde schiebt Triumph nun die hochwertigere Street Triple R nach. Sie greift im Gegensatz zur Standard-Street auf die voll einstellbaren Fahrwerkskomponenten der Daytona zurück. Die KYB-Dämpferelemente besitzen eine weichere Grundabstimmung, decken mit breitem Einstellbereich aber die gesamte Spanne zwischen der Daytona und der Street Triple ab. Auch bei den Bremsen vertraut die R auf die radial verschraubten Nissin-Vierkolbenzangen und den radialen Geberzylinder der voll verkleideten Racing-Schwester. Ein robuster konischer Margura-Lenker sorgt für zusätzliche Stabilität und hochwertigere Anmutung.
Vorstellung auf der Isle of Man
Auf der Isle of Man (GB) stellte Triumph ihre neue Street Triple R der Presse vor. Ein geradezu idealer Ort für den Zögling der Mutter aller Streetfighter, denn hier darf man sich auf den Strassen noch legal raufen, es existieren ausserorts keine Speedlimits entsprechend gross war die Vorfreude! Das britische Wetter drohte den Spass aber zu verderben: Für den Fahrtag wurden Unwetterwarnungen ausgesprochen!
In einer Blitzaktion versuchen wir am Abend des Ankunftstages, bei noch trockenen Bedingungen wenigsten die Bilder in den Kasten zu kriegen. Ein Taxi fährt uns zur Kurve beim legendären «Creg-ny-Baa»-Pub, wo Motorräder und Fotografen bereits warten. Ich packe mir schnell eine «R», um mich ablichten zu lassen, bevor die Dämmerung weiter fortschreitet.
Faszinierender Sound
Der faszinierend heisere Dreizylinder-Sound ist so unglaublich sexy, das mir die R trotz aller Hektik ein Strahlen ins Gesicht zaubert. Nach 200m «Warmfahren» ziehe ich durch die 2.-Gang-Fotokurve, stelle die Street auf und ziehe ordentlich am Kabel: Der Dreizylinder reisst mich mit steigendem Vorderrad auf die Gerade hinaus!
Begeisternder Motor
Den 675er-Motor hatte ich zwar als begeisternd in Erinnerung, vergewissere mich sicherheitshalber aber doch nochmals, dass ich in der Hitze des Gefechts nicht etwa eine Speed Triple 1050 gepackt habe!
Das Fahrwerk liefert ein glasklares Feedback, hält das Naked Bike trotz leichter Unebenheiten in der Fotokurve sauber auf Kurs und sorgt für viel Vertrauen. Schon bei der dritten Kurvendurchfahrt nehme ich überrascht das Geräusch des über den Asphalt schrappenden Knieschleifers zur Kenntnis. Alles geht einfach und fühlt sich vertraut an.
Voll einstellbare USD-Gabel:
Wie gemaht für Funpiloten
Die Bremsen verzögern brachial, sind aber problemlos und präzis dosierbar. Wendemanöver gelingen mit dem Leichtgewicht dank gut dosierbarer Kupplung ausgezeichnet. Wheelie, Fotokurve, Wheelie, Stoppie, Wenden, Wheelie, Fotokurve Stoppie Die Bilder sind im Kasten, die Fotografen haben längst zusammengepackt, aber ich kann einfach nicht aufhören die R hat Suchtpotenzial, und meine Augen glänzen noch den ganzen Abend!
Unproblematisch und präzis
Am nächsten Tag dann der versprochene Regen: Vom «Grandstand», der Boxengasse bei Start und Ziel der TT Isle of Man, gehts los auf den rund 60km langen Circuit. Bereits beim ersten Beschleunigen drehen die Dunlop Qualifier auf der nassen Strasse wild durch. Dank fahraktiver Position mit leicht zum breiten Lenker gebeugten Oberkörper ist die Street aber einfach auf Kurs zu halten. Im sechsten Gang folge ich dem Rücklicht meines Vordermannes auf die Bergetappe. Der 50m weiter vorne fahrenden Guide verschwindet bereits im Nebel. Sechster Gang? Ja, obwohl wir selten schneller als 50 km/h fahren, denn der 12-Ventiler nimmt aus den Drehzahlkeller derart anstandslos Gas an und liefert ab 2000/min unter diesen Bedingungen längstens ausreichend Dampf.
Potenter Dreizylindermotor:
Kaum Lastwechsel
Gleichzeitig entfallen so Ruckbelwegungen bei Lastwechseln fast gänzlich. Versehentlich fahre ich sogar einmal im vierten Gang an und merke es erst, als ich mit 40 km/h verwirrt auf die Ganganzeige im Cockpit blicke verblüffend, wie viel Spass Motorrad fahren auch unter grenzwertigen Bedingungen machen kann.
Satte Strassenlage, problemlose Korrekturen
Das Unwetter zieht vorbei, und am Nachmittag können wir auf trockenen Strassen die Vorzüge der Insel voll auskosten. Dabei bestätigen sich die positiven Eindrücke vom Vorabend. Durch das längere Federbein ist die Geometrie der R etwas aggressiver. Trotz zusätzlicher Handlichkeit glänzt sie auch bei Highspeed mit gutem Geradeauslauf und satter Strassenlage. Korrekturen in Schräglage gehen unproblematisch von der Hand, und die Nissin-Stopper glänzen mit ausgezeichneter Dosierbarkeit. Die Begeisterung für das Motorrad und die Motorrad-Trauminsel summieren sich und verschmelzen zu einem unvergesslichen Erlebnis!
Tolle Nissin-Stopper - leider nach wie vor ohne ABS-Option:
Die Street Triple R ist speziell auch für die Damen - tiefer Sitz, leicht, freches Design...:
Premium-Version
Die Street Triple R bietet für alle, die ihren Töff sportlich bewegen und Grenzen ausloten wollen, klare Verbesserungen gegenüber der Standard-Street. Die Fr. 1300. Aufpreis sind für sie gut angelegt. Wer einfach mit einem unverkleideten, kultigen Streetfighter unbeschwerte Ausfahrten fern von Limits machen will, spart sich diese Investition aber lieber für nette Accessoires wie etwa den lackierten Bugspoiler (Fr.445.) oder den Windabweiser (Fr.375.) über den Scheinwerfern.
Farbwahl
Auch die erhältlichen Farben könnten für sie ein Kriterium sein, denn die R gibts nur in Mattgrau und Mattorange. Das schicke Weiss, das böse Schwarz oder das giftige Metallic-Grün gibts nur für die normale Street Triple.
Street Triple R in Mattorange:
Fazit
Die Street Triple R hat mein Herz erobert. Sie begeistert mich noch mehr als die Speed Triple. Fahrwerk und Bremsen sind hochwertig, der faszinierende, röhrende Motor hat ausreichend Dampf, und dank niedrigem Gewicht lässt sie sich spielerisch leicht beherrschen. Die Mischung stimmt und sorgt für hohe Effizienz. Die Street Triple R ist alles in einem: ein bequemer Alltagstöff, ein scharfes Showbike und ein böser Streetfighter.
Und noch ein paar Aufnahmen der Street Triple R und der Isle of Man:
Zubehör (Aufpreis) für die Street Triple R - direkt ab Triumphhändler:
Scheinwerfer-Maske wie bei der Speed Triple (375.- Franken):
Spoilerchen (445.- Franken):
Arrow-Auspüffe - vermutlich auch in der Schweiz problemlos homologierbar (Händler fragen):
Auf einen Blick
(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)
| In der Stadt | 4 Punkte |
| Auf grosser Tour | 2 Punkte |
| Sportlich fahren | 5 Punkte |
| Zu zweit unterwegs | 2 Punkte |
| Emotionen | 4 Punkte |
Technische Daten Triumph Street Triple R
Motor
| Bauart | Flüssigkeitsgekühlter Reihen-Dreizylinder. Zylinderbank quer, eine Ausgleichswelle |
| Ventilsteuerung | DOHC, vier Ventile pro Zylinder, Ventilwinkel total 23° |
| Bohrung x Hub | 74×52,3 mm |
| Hubraum | 675 ccm |
| Verdichtung | 12,7:1 |
| Gemischaufbereitung | Saugrohr-Benzineinspritzung |
| Drosselklappen-Durchmesser | 44 mm |
| Ventildurchmesser: Einlass/Auslass | - |
| Schmierung | Nasssumpfschmierung |
| Auspuffanlage | 3-1-2-Auspuffanlage mit geregeltem Kat und Sekundärluftsystem |
| Starter | E-Starter |
Leistungsdaten
| Max. Leistung | 106 PS bei 11'700 /min |
| Max. Drehmoment | 6,9 mkg bei 9100 /min |
| V-max. | - |
Kraftübertragung
| Kupplung | Zahnradprimärtrieb, Mehrscheiben-Nasskupplung |
| Gänge | Sechsganggetriebe |
| Endantrieb | Endantrieb über Dichtringkette |
Fahrwerk
| Rahmen | Alu-Brückenrahmen, Alu-Rahmenheck geschraubt |
| Federung vorne | Voll einstellbare USD-Telegabel von KYB |
| Gabelinnenrohr-Durchmesser | 41 mm |
| Federung hinten | Alu-Zweiarmschwinge. Über Umlenkhebel progressiv angelenktes voll einstellbares Zentralfederbein von KYB. |
| Federweg vorn/hinten | 120 mm / 130 mm |
Räder
| Rädertyp | Alu-Gussräder, Radialreifen Dunlop Sportmax Qualifier. |
| Felgendimension vorn | |
| Felgendimension hinten | |
| Reifendimension vorn | 120/70 ZR17 |
| Reifendimension hinten | 180/55 ZR 17 |
Bremsen
| Bremse vorn | Zweischeibenbremse (308 mm) mit radial montierten Vierkolbenzangen von Nissin |
| Bremse hinten | fix montierte Stahlscheibe (220 mm) mit Einkolben-Schwimmsattel. |
| ABS | Nein, nicht erhältlich |
Abmessungen und Gewichte
| Radstand | 1390 mm |
| Lenkkopfwinkel | 66,1° |
| Nachlauf | 92 mm |
| Trockengewicht | 167 kg |
| Sitzhöhe | 805 mm |
| Tankinhalt (davon Reserve) | 17,4 l |
Farben
| Mattgrau | |
| Mattorange | |
| x | |
| x | |
| x |
Preis, Lieferung per, Import
| Preis | Fr. 13'450. inkl. MwSt. und NK. |
| Erstmöglicher Liefertermin | Lieferbar in Mattgrau ab Oktober und in Mattorange ab Januar 2009 |
| Import über | Triumph SAS, Rue des Bugnons 4, 1217 Meyrin Tel. 0227827350 (oder siehe Link) |
Sonstiges, Bemerkungen
| Bemerkung | Auch mit 25 kW/34 PS erhältlich. |
Konkurrenten
| Aprilia Shiver |
| Buell CityX XB9SX |
| Ducati Monster 696 |
| Honda Hornet 600 |
| Kawasaki ER-6n |
| Kawasaki Z 750 |
| Suzuki GSR 600 |
| Suzuki SFV 650 Gladius |
| Triumph Street Triple (Normalversion) |
Yamaha FZ6 |





















































