Test und Technik
BMW Concept Lo Rider
05.11.2008 00:00
An der EICMA in Mailand zeigte BMW gestern zum ersten Mal seine Studie Lo Rider. Dabei handelt es sich um einen Mix aus Roadster, Scrambler und Cruiser. Der Clou an der Sache: der Kunde soll nicht nur die Farbe seines Motorrads frei wählen, nein, er soll auch bei der Gestaltung der Lampe, der Sitzbank und vieler Anbauteile ein Mitspracherecht haben. Damit wird ein weiterer Schritt in Richtung Serien-Customizing getan.

He..wow...das soll eine BMW sein? Aber doch ja, diesen Boxermotor kennen wir doch....- BMW Concept Lo Rider .
Damit wir uns richtig verstehen: wird ein Motorrad Konzeptstudie oder eben Concept genannt, sondiert der Hersteller erst einmal, wie fruchtbar das Feld ist, auf dem seine Studie gefallen ist. Wir die Studie abgelehnt, ist eine Serienproduktion des Concept-Bikes unwahrscheinlich. Wird die Studie begeistert aufgenommen, kann Jahre später mit der Serienproduktion begonnen werden. So geschehen beispielsweise bei der Suzuki B-King.
Das Customizing, also das Anpassen eines Serienfahrzeuges an individuelle Kundenbedürfnisse ist seit mehreren Jahren auch im Motorradsektor im Trend und beschert den Customizern fette Gewinne. Denn viele Kunden sind gerne bereit, für ihr "individuell gestaltetes Bike" einen happigen Aufpreis zu zahlen. Das Gefühl, ein ganz spezielles, eigenes Bike zu fahren, spielt dabei - psychologisch gesehen - eine wichtige Rolle. Die Harley-Davidson-Händler haben das frühzeitig erkannt und bieten ein Teil- bis Vollcustomizing an, das seinesgleichen sucht. Rein serienmässig rollt daher kaum eine neue Harley-Davidson in der Schweiz aus dem Showroom.
Stösst also die BMW-Studie Lo Rider auf ein grosses Interesse, könnte es sein, dass das - für BMW Verhältnisse - extrem unkonventionelle Bike bereits 2010 in Serie produziert wird.
Wenn ihr selbst abstimmen wollt, könnt ihr dies derzeit auf der offiziellen BMW-CH-Site tun. Der Link lautet:
http://www.bmw-motorrad.ch/ch/de/index.html
Ganz rechts gibt es auf dieser Website eine kleine Umfragebox. Ihr könnt entweder "Ja" oder "Nein" klicken und die Ergebnisse betrachten. Als wir die Website besuchten (12. November 2008) wollten 87 Prozent der Stimmen einen Bau der Lo Rider, 12 Prozent waren dagegen.

Nachfolgend die gekürzte Pressemeldung von BMW zur Lo Rider:
Konzeptstudie
Im Vordergrund steht zwar der Entwurf eines Roadsters, der mit seiner offenherzig zur Schau gestellten Technik und dem bulligen Boxer-Motor für pure Emotion steht, dahinter verbirgt sich aber vielmehr ein völlig neues Custom-Konzept.
Der Kunde ist der Designer
Das Konzept sieht vor, dass der Kunde bei der Gestaltung des BMW Lo Rider erstmals in einem Maße mit einbezogen werden kann, wie es bisher nichtd der Fall war. Zahlreiche Wahlmöglichkeiten unter verschiedenen Auspuffanlagen, Sitzbänken, Scheinwerfereinheiten und Farbvarianten erlauben weit mehr als die bisher bekannte Individualisierung mit Sonderausstattungen oder Sonderzubehör. Sie ermöglichen die gänzliche Anpassung des Fahrzeug-Charakters an den individuellen Geschmack des Kunden, der sich seine Maschine ganz nach eigenen Vorstellungen lustvoll zusammenstellen kann.
Foto von der linken Seite. Hier wird klar, wie radikal der Entwurf der Lo Rider für eine Boxer BMW ist. Gepäckmitnahme? Fehlanzeige. Bodenfreiheit? Kaum. ABS? Vermutlich ebenfalls Fehlanzeige. Auffallen tut zudem, wie aufgeräumt die Studie wirkt. Vergleicht dazu doch einmal dieses Foto der aktuellen BMW R 1200 GS....
Die Highlights:
- Kombination aktueller Technik mit modernen und klassischen Stilelementen
- Individuell vom Kunden kombinierbare Design-Elemente
- Wahlweise hochgezogene oder tiefl iegende Auspuffanlage
- Wahlweise Einzel-/Zweipersonen-Sitzbank oder Aluminium-Höckersitz
- Wahlweise Scheinwerfereinheit in klassischer Form oder im Streetfi ghter-Stil
- Tank wahlweise mit oder ohne Aluminium-Blende
- Vier Farbvarianten für den Tank
- Drei Farbvarianten für das Motorgehäuse
- Vorder- und Hinterradkotflügel wahlweise schwarz lackiert oder verchromt
Von hinten gesehen sieht der Lo Rider besonders eindrücklich aus. Obwohl es auf den ersten Blick nicht danach aussieht, als würden die zwei Schrottlauf-Auspüffe die Euro 3-Umweltbestimmungen erfüllen, darf man davon ausgehen, dass BMW niemals ungeprüfte Auspüffe an einem Serienbike verbauen würde.
Die Highlights im Detail:
Die Idee: Erstmals soll der Kunde interaktiv in die Gestaltung seiner BMW einbezogen werden, die weit über die bisher bekannte Ergänzung mit Sonderausstattungen oder Sonderzubehör hinausgeht. Der Kunde soll die Möglichkeit haben, schon von Beginn an sehr viel tiefer in die Gestaltung des Lo Rider einzugreifen und sich so basierend auf bestehenden Hauptkomponenten wie Motor und Fahrwerk seine Maschine individuell und damit ganz nach Maß zu schneidern.
Klassik trifft Moderne
Die Studie Lo Rider passt in keines der klassischen Motorrad-Segmente und will es auch nicht. Sie vereint aktuelle technische Attribute von Hochleistungs Sportmotorrädern mit tradierten, klassischen Prinzipien des Motorradbaus. Hochmoderne Fahrwerkskomponenten aus dem Sportmotorradbau wie die mächtige Upside-down-Gabel, bissig zupackende Sechskolben-Bremssättel und breite 17-Zoll-Bereifung verbinden sich mit Stil prägenden Elementen des Motorradbaus der 50er- und 60er-Jahre.
So sorgt die eher traditionell im unteren Bereich verlegte Auspuffanlage im Sidepipe-Stil für eine klassische Roadster- oder coole Cruiser-Optik, während das hochgezogen verlegte Auspuffsystem Reminiszenzen an legendäre Rennmaschinen oder typische Scrambler-Modelle vergangener Tage weckt.
Optisch gesehen stört einzig dieses Scheinwerfergebastel. Es passt nicht zum Design des restlichen Bikes:
Rahmen, Fahrwerk
Ein verwindungssteifer, architektonisch fi ligran gestalteter Gitterrohrrahmen stellt die Technik lustvoll zur Schau, und Upside-down-Telegabel vorn sowie Paralever Hinterradschwinge bilden die moderne, fahrwerkstechnische Basis, wie sie sich zum Teil bereits in aktuellen Modellen der BMW Boxer Baureihe findet. Gegenüber herkömmlichen Roadstern wurde das Fahrwerk des Lo Rider zudem tiefer gelegt.
Die 17-Zoll-Räder repräsentieren im Hinblick auf die Reifendimensionen den aktuellen Stand der Technik bei sportlichen Motorrädern, greifen mit verchromten Drahtspeichen, schwarz lackierten Naben und Stahlfelgen optisch jedoch wieder gekonnt die typischen Stilelemente und damit das Flair vergangener Tage auf. Den zeitgemäßen und der hohen gebotenen Fahrdynamik entsprechenden technischen Gegenpol bilden dabei Baugruppen
wie die Hochleistungs-Doppelscheibenbremse mit mächtigen Sechskolben-Bremssätteln und aus dem Rennsport entlehnten Wave-Bremsscheiben vorn sowie die Einzelscheibenbremse hinten.
Motor
Beim Antrieb setzt der Lo Rider ebenso auf moderne wie charaktervolle Technik den legendären, antrittsstarken BMW Boxer-Motor (Foto: Schnitt durch den Boxermotor der aktuellen HP2 Sport). Seit nunmehr 85 Jahren steht sein Konstruktionsprinzip für unverwechselbares, urtypisches Design, fülligen Drehmomentverlauf, einzigartigen Sound und Power. In seiner aktuellen Version mit über 100 PS Leistung, hoch liegenden Nocken wellen, elektronischer Kraftstoffeinspritzung und Abgasreinigung ist der dynamische, charakterstarke Zweizylinder gerade dank seines bärigen Antritts auch für den BMW Lo Rider wie geschaffen.
Wie bei den Scramblern in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts verlegt BMW die Auspuffführung oben- und aussenliegend. In der neueren Zeit hat dies bsp. auch Triumph bei der Scrambler (Foto: Modell 2009) so gemacht - das sieht cool aus, hat aber den grossen Nachteil, dass es über den gekrümmten Auspuffrohren trotz Hitzeschutzblechen sehr heiss werden kann.

Ansicht vom Heck und von der Front. Der querliegende Boxermotor ist ein breit bauendes Triebwerk, das das Design eines jeden Boxerbikes dominiert:

Auch wenn diese Alublenden am Tank blosser Zierrrat sind - das ist gekonnt gemacht und zeugt von einer grossen Detailverliebtheit:
Auch dieser Tankdeckel ist grosse Klasse. Wir nehmen zwar an, dass ein einfacher Tankverschluss mit Klappe uns Schlüssel deutlich bedienerfreundlicher sind....aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Jedenfalls ist ein solcher Tankverschluss ein Eyecatcher...:
Sitzbank:
Eine sehr sportliche Anmutung erzielt die klassische Höckersitzbank aus Aluminiumblech, während der auf das Notwendigste reduzierte, spartanische Einzelsitz die absoluten Puristen unter den Motorradfans begeistert. Wahlweise besteht zudem die Möglichkeit, den Einzelsitz mit einem Sozius-Modul zu ergänzen.
Lackierung
Weitere Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung bieten sich dem Kunden durch die Wahl der Lackierung. Für den Tank stehen vier unterschiedliche Farbtöne zur Wahl, die mit drei verschieden farbigen Motorgehäusen ganz eigene, persönliche Kreationen erlauben und den Charakter des Lo Rider von edel bis sportlich mitbestimmen.
Auch Fahrerausstattung darauf abgestimmt
Stimmig in das Gesamtkonzept des Lo Rider fügt sich schließlich ein individuell abgestimmtes Angebot an Fahrerausstattungen ein. Beispielsweise von der klassischen Lederjacke über Protektoren-Jeans bis hin zu Stiefeln, Handschuhen und stilechten Jet- und Integralhelmen. Damit nicht nur der Auftritt des Lo Rider, sondern auch der seines Fahrers stimmt.
Auf dem Zeichenbrett enstanden schon mal ein paar Design-Möglichkeiten für die Lo Rider. Daraus haben wir drei Entwürfe ausgewählt. So also könnte die Lo Rider beim Kunden schliesslich aussehen:















































