Test und Technik

Buell neuer Streetfighter

Fahrbericht Buell 1125 CR


 

12.11.2008 00:00

Buell zeigt, wie einfach man einen Streetfighter – oder Café Racer – baut: Plastik weg, anderer Lenker, kürzere Übersetzung, fertig! Text: Daniel Riesen Bilder: Herwig Peuker, Buell


Lass es rauchen: 2009 gibt es von Buell neu den wassergekühlten Streetfighter 1125 CR

Berlin. Erik Buell steht an einem Rest der Mauer, die einst zwei Länder und zwei politische Systeme voneinander trennte. Viele Amerikaner sind von der Geschichte der leidgeprüften Stadt fasziniert. Auf der bunten Wand hätte es noch Platz, um Buells Namen zu verewigen.

Doch Buell lächelt verlegen, ihm genügt es, seinen Namen auf dem Tank seiner Bikes zu lesen, wie auch auf dem neuesten Erzeugnis, der 1125CR. Doch falsch: Was man für den Tank halten könnte, ist vielmehr die Airbox-Abdeckung, der Sprit wird im Rahmen gebunkert. Schliesslich bauen Buell und seine 200 Leute Motorräder nach besonderem Strickmuster. Dutzendware gibts anderswo.

Die zweite 1125er

Die CR ist das zweite Bike der etwas «normaleren» 1125er-Reihe, benannt nach dem Hubraum des modernen, wassergekühlten 72°-Twins. Die erste Maschine, die 1125R, hatte einen eher harzigen Start (siehe auch folgende Seite), mit der CR – das Kürzel steht für Café Racer – erhofft man sich nun mehr Fortune. Café Racer, das waren einst unverkleidete Strassenmaschinen mit Stummellenker, gemacht fürs anarchische «Street Racing», wie Erik Buell fasziniert erzählt. Dabei wurde im Café vermutlich nicht nur Kaffee getrunken.

Vorderradorientiert

Zu bösem, illegalem Tun wollen die Amerikaner offiziell aber gewiss nicht aufrufen. Und der CR-Pilot greift auch nicht zu Lenkerstummeln, sondern zu einem schmalen, nach vorn gebogenen Rohrlenker. Das ergibt eine heftig Vorderrad-orientierte und auf dem kurzen Bike sehr kompakte Sitzhaltung, kaum geeignet für Rheumatiker und Bierbauchakrobaten. 
Stadtflitzer?

Buell 1125 CR in schwarz
Buell 1125 CR in rot
Die Schwester: Buell 1125 R

Streetfighter-Lenker die bessere Wahl

Ich allerdings profitiere für das Gezuckel durch Berlin vom höheren «Streetfighter-Lenker», der wahl­weise erhältlich ist und von der Mehrheit der Kundschaft gewählt werden dürfte. Beim Navigieren durch den Verkehr kommt einem zudem das Plus an Lenkerbreite zugute. Zudem lässt sich das Bike mit dem Buell-typisch kurzen Nachlauf harmonischer, neutraler einlenken als mit dem Clubman-Lenker, an sich die Urvariante für die CR. Insgesamt erinnert die Position, mehr über als hinter dem Lenker, an Buells XB-Modelle oder auch an ein Monobike.

Die zwei Lenker:

Lenker ClubmanLenker Café Racer

Buell ist neben Harley-Davidson eine der ganz wenigen Motorradmarken, die auch noch ein menschliches Gesicht haben: Buell-Gründer Erik Buell sagt bei Buell immer noch, wo es langgeht:

Kein Magerruckeln mehr

Das City-Gewühl meistert die 1125CR ordentlich. Ab 2500/min ist der grosse Zweizylinder in den ersten drei Gängen ohne Geruckel zu bewegen. Zudem haben die Buell-Techniker mit einem neuen Motor-Mapping das an der R kritisierte Magerruckeln zwischen 3000 und 4000/min fast vollständig wegprogrammiert. Als netter Nebeneffekt soll eine Verbrauchsminderung um – geradezu erschütternde – 20 Prozent resultieren, ein Fortschritt, der auch frühen R-Kunden mit einem Update zugute kommen soll.

Böse Front:

Ganganzeige

Im unsteten Verkehrsfluss erleichtert auch das leicht, aber nicht immer leise zu schaltende Getriebe das Leben. Zudem findet man aus allen Fahrsi­tuationen stets problemlos den Leerlauf. Darüber ist man zur Entlastung der linken Hand froh, braucht die Kupplung doch einen kräftigen Zug am Hebel. Durchaus nützlich: Der gewählte Gang wird angezeigt, allerdings erst nach dem Einkuppeln.

Vollwertiges Cockpit:

Verzicht auf Motorzauberei

An der Ampel ist man auch froh, etwas die Beine zu strecken, der Kniewinkel ist ähnlich eng wie auf einem Supersportler. Von einem Sportler stammt die CR ja auch ab. Von der 1125R unterscheidet sie sich durchs neue, knurrige Gesicht, die erwähnten Lenkervarianten, eine längere Schwinge und eine kürzere Übersetzung des End­antriebs. Letzteres ist die simpelste und güns­tigste Methode, mehr Zugkraft ans Hinterrad zu schicken. Von den bei anderen Herstellern üblichen Beruhigungsmassnahmen am Motor, die meist viel Spitzenleistung kosten und kaum zusätzlich Punch von unten produzieren, hat man bei Buell abgesehen.

Nicht die erste Wahl für Greenhorns

Wir tauchen in den Spreewald im Hinterland von Berlin ein, und endlich lässt sich wenigstens ein namhafter Teil der 148 PS einsetzen. Das Einlenken in die eher seltenen Kurven stellt sich nur zögerlich ein; am schmalen Clubman-Lenker drückt man zuerst zu wenig und ab einer gewissen Schräglage zu viel. Nach ordentlich Eingewöhnung und dank Routine passen die Abläufe dann besser, und die Freude wird grösser, doch für Töffneulinge dürfte die 1125CR zu kapriziös sein.

Besser auf gutem Asphalt

Auch weil der Café Racer, straff abgestimmt und mit breitem Hinterpneu, auf den ondulierten Strassen südlich von Berlin (sie ähneln Nebenstrassen von Emmental, Jura oder Appenzell) nur mit Konzen­tration auf Linie gehalten werden kann. Diesen Hang zum Nervösen verliert die Buell aber auf gutem Asphalt, wie sie der 2007 gebaute Spreewaldring bietet. Auf gutem Untergrund wir die CR mit ihren hochwertigen Federelementen zum präzisen Kurventiger, der aber auch leichtfüssig durch schnelle Wechselkurven wedelt.

Vorderbremse: gefällt

Die von der 1125R übernommene Achtkolben-Vorderbremse gefällt mit feinfühlig-progressiver Dosierbarkeit, während sich die Hinterbremse hölzern anfühlt und schwierig dosierbar ist.

Richtig Zunder

Auf dem abgesperrten Gelände kann man dem kraftvollen V2 auch endlich richtig die Sporen geben. Reichen für zügiges Überholen auf der Landstrasse 4000/min locker, spart man sich auch auf der Piste dank der wuchtigen Drehzahlmitte zahlreiche Schaltvorgänge. Der fein ans Gas gehende Twin leitet ab etwa 5000/min ein erträgliche Mass an Vibrationen in Lenker und Rasten ein, ab 7000/min kribbelts zudem im Sattel deutlich. Dafür gibts bis zum Drehzahlbegrenzer eine Leistungsorgie, wie sie nur die wenigsten Naked Bikes zu bieten haben.
Ebenfalls rar in dieser Klasse sind die Heizgriffe als Zubehör. So haben wir auch das berlinerische Hudelwetter schadlos überstanden.

Fazit

Die Buell Café Racer mit dem potentem Motor der 1125R sieht anders aus als die XB-Modelle mit dem Stösselstangen-Triebwerk, doch sie trägt die «alte» Buell-Seele. Kein Jedermanns-Bike und kein Einsteigertöff. Aber ein Spassbringer, wenn die Sonne scheint, die Strasse keine Wellen schlägt und der Espresso schmeckt.

Böses Mädchen an geschichtsträchtiger Berliner Mauer (ist sie es überhaupt? Wir haben auch schon gehört, davon sei kein Meter stehegeblieben...)

   




Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt3 Punkte
Auf grosser Tour2  Punkte
Sportlich fahren4  Punkte
Zu zweit unterwegs2 Punkte
Emotionen4  Punkte


Technische Daten Buell 1125 CR

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter 72°-V2-Viertakter.
VentilsteuerungZwei oben liegende Nockenwellen (DOHC), Schlepphebel, vier Ventile pro Zylinder.
Bohrung x Hub103×67,5 mm
Hubraum1125 ccm
Verdichtung12,3:1
GemischaufbereitungElektronische Motormanagement mit Benzineinspritzung.
Drosselklappen-Durchmesser61 mm
Ventildurchmesser: Einlass/Auslass
SchmierungTrockensumpfschmierung.
Auspuffanlage
StarterE-Starter

Leistungsdaten

Max. Leistung 148 PS bei 10000 /min
Max. Drehmoment111 Nm bei 8000 /min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Hydraulische Kupplung, Rückdrehmomentbegrenzer.
GängeSechsganggetriebe
EndantriebEndantrieb Zahnriemen

Fahrwerk

RahmenAlu-Brückenrahmen
Federung vorneUSD-Telegabel, voll einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesserø 47 mm
Federung hintenHinten Zweiarmschwinge, rechts liegendes Federbein voll einstellbar.
Federweg vorn/hinten120 mm / 127 mm.

Räder

Rädertyp Alu-Gussräder. Schlauchlose Radialreifen (Testtöff: Pirelli Diablo CorsaIII),
Felgendimension vorn
Felgendimension hinten
Reifendimension vorn120/70ZR17
Reifendimension hinten190/50ZR17

Bremsen

Bremse vornVorn felgenmontierte Einscheibenbremse ø 375 mm mit Achtkolbenzange
Bremse hintenHinten Einzelscheibe ø 240 mm mit Zweikolbenzange
ABSNein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1385 mm
Lenkkopfwinkel69°
Nachlauf84 mm
Leergewicht fahrfertig vollgetankt214 kg
Sitzhöhe778 mm
Tankinhalt (davon Reserve)20,1/3 l

Farben

Rot
Schwarz
x
x
x

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 16'150.–, inkl. MwSt. und NK.
Erstmöglicher LieferterminLieferbar ab sofort
Import überHarley-Davidson Switzerland GmbH, Buckhauserstr. 26, 8048 Zürich Tel. 0844 427 539

Sonstiges, Bemerkungen

Bemerkungim Prinzip nicht vorgesehen, aber Nachfragen beim Buell-Händler schadet nicht...

Konkurrenten

Aprilia Tuono
BMW K 1300 R
Ducati 1100 Monster, Benelli TNT 1130
Ducati Streetfighter
Honda CB 1000 R
Kawasaki Z 1000, KTM 990 Super Duke
KTM 990 Supermoto R
MV F4 Brutale
Suzuki B-King
Triumph Speed Triple
Triumph Speed Triple SE
Yamaha FZ1 ABS

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