Auf Achse

Auf Achse: Sardinien

Weihnachten unter Banditen


 

04.03.2009 00:00

Wenn das Weihnachtsglockengeläute vom Nebelmeer verschluckt wird, bleibt uns Motorradfahrern nur noch ein Weg offen: der Fluchtweg in den warmen Süden. Zum Beispiel auf die Mittelmeerinsel Sardinien. Text und Bild: Jean Mesnil


Wir haben Dezember, Weihnachten naht. In den letzten Nächten reisst mich ein schrecklicher Albtraum jäh aus dem Schlaf: Ein fliegender Teppich aus lauter rot-weissen Hubschraubern lässt die Decke vom Flimmern Dutzender von Propellern erzittern. Schuld daran ist der allabendliche Fernsehspot, der an die schreckliche Zahl von tausend täglichen Skiunfällen hierzulande mahnt. Nimmt man in Betracht, dass die Gesamtlänge unserer Skipisten doch bescheiden ist, verglichen mit dem Asphaltband der Strassen und Autobahnen, muss das eine furchtbare Massakerdichte pro Kilometer ergeben…  Und ich Trottel glaubte, dass meine Chancen, dem Spital zu entkommen, sich verbessern würden, indem ich das Motorradschild deponiere!

Also lade ich die Batterie meiner Transalp wieder, hole das Schild zurück. Und verbringe die folgende Nacht mit Reiseplanung, was an sich alleine schon den Abbruch meiner lästigen Albtraumserie bewirkt.
Muss es immer Afrika sein?

Da Ferien angesagt sind, vollzieht der Geist spontan den Spagat zwischen ewigem Eis und tropischer Wärme. Doch trotz drohender beschleunigter Klimaerwärmung wird solches kaum schon morgen bei uns eintreffen. Also Afrika oder Südamerika, wie die Karawane der Dakar-Rallye, oder gar Australien, wo Yamaha soeben seine neuen Raketen der Presse vorführt? Doch abgesehen von den beträchtlichen Kosten würden alleine die An- und die Rückreise das gesamte Ferienpensum verzehren. Und wie wärs mit einer Mittelmeerinsel?

 Kreta und Zypern liegen weit weg; die Balearen und Elba sind zu klein. Stelle dir vor, das ABS öffne einen Hauch zu lange, und schon plumpst du ins Wasser… Korsika? Zu dicht bevölkert (ich habe nicht gesagt, nur von Motorraddieben…). Bleibt Sardinien, keinen Reisetag weit entfernt.

Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 02/2009; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…


Reiseinfos Sardinien

Ziel Mittelsardinien, Lago di Gusana, Gavoi in der Provinz Nuoro. 
RouteDelémont JU - Oensingen - Luzern - Como - Mailand - Piacenza - Parma - La Spezia - Livorno - Olbia (Fähre) - Budoni - Siniscola - Nuoro - Ola - Oniferi - Orani - Sarule - Gavoi.
ReisedauerKnapp ein Tag.
ReisezeitPraktisch das ganze Jahr hindurch; im Winter, Schnee im gebirgigen Zentralteil möglich; ideale Verhältnisse von April bis Oktober.
Fähre

Genua - Porto Torres/ Genua - Korsika und Korsika - Porto Torres/ Livorno - Olbia;

diverse Schiffsgesellschaften, wir machten die besten Erfahrungen mit Moby Lines (www.mobylines.ch) oder Cosulich AG, Stampfenbachstr. 151, 8006 Zürich, Tel. 044 363 52 55, info[at]cosulich.ch; oder einfach beim nächstgelegenen TCS-Reisebüro nachfragen.

Unterkünfte, Sprache

Zwei Adressen: Mittelklassekomfort, im Gebirge, Familienunternehmen Albergo Gusana, Giovanni, M. & C. di Ladu, 08020 Gavoi, +39 0784 53000;

oder: Westküste, Luxusklasse, Hotel La Pischedda,V. Roma 8, 08013 Bosa, Tel. +39 0785 373065. Sprache Italienisch und (unverständlichen...) sardischen Dialekt, doch viele Leute mit Deutsch ggf. Franz-Kenntnissen (frühere Fremdarbeiter).

Sehenswürdigkeiten

Bosa, Corso (Avenue) Vittorio Emanuele und Hafen; Alghero, Kirche San Francesco und Schmuckwarenmarkt; Neptun-Höhlen; Nuraghi (antike Wachtürme) von Barùmini; Ausblick vom Monte Ortobene bei Nuoro; Hauswandmalereien in Orgosolo;

Lago di Gusana, Stausee mit Pedalo-Vermietung; Fonni, Garten-Weihnachtskrippen; Mamoiada, 3500 jahre alter Menhir; Oliena (Strasse von und nach), gemalte Felsen;

Serra Olios, Nuraghi-Siedlung (Museum); die SS125, Traumtöffstrasse; Garropu, buntes Dorf; Santa Sabina, antike Kapelle; Cuglieri, Basilik und Panoramasicht; usw.

Karten, Literatur Michelin Local 366 Sardegna 1:200000. Merian live Sardinien ISBN 978-3-8342-0212-3.

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