Auf Achse
Auf Achse: Appenzell
10.03.2009 00:00
Winterfahrt: Berufsabenteurer berichten von Temperatur-unterschieden bis 70 °C in den fernen Weiten der Wüste Takla Makan. In der Ostschweiz ist es noch viel extremer: mehr als 100 °C Temperaturdifferenz an einem Tag! Text: Rolf Lüthi Bilder: Fränzi Göggel, Lüthi
Wir verzurren das Gepäck für eine Übernachtung auf dem Gespann. Feines Gewand und gar die Badekleider stopfen wir in die Tasche, bei minus 10° eher absurd. Wieder Inversionslage, in den Bergen soll die Sonne scheinen, wir wohnen auf 800 m und kommen heute nicht in diesen Genuss. Wir fahren los durch den Nebel, es ist eisig kalt. Auf der ereignislosen Umfahrung von Lichtensteig liegt die gefühlte Temperatur durch den Windchill-Faktor bei schneidenden minus 24. Die Heizgriffe heizen auf Stufe 2 von 2, keine Sonne, nur eisgrau in blassgrau. Wattwil im Toggenburg ist Ausgangspunkt dieser Winterfahrt, die Strecke wäre auch im Sommer unterhaltsam zu fahren.
Bei der Kirche biegen wir ab Richtung Hemberg, und tatsächlich reisst es teilweise auf, schon auf 800m. Die Strecke ist schwarzgeräumt, was bei diesen Temperaturen nur mit reichlich Streusalz möglich ist. Hemberg liegt zuoberst auf einem Hügelzug: lauer Sommerwind im Juli, jetzt im Januar schneidend frostige Bise, aber Sonne statt Nebel. Wir fahren unter tiefblauem Himmel durch eine schneeweisse Hügellandschaft über Bächli weiter nach Schönengrund. Dort nehmen wir den Abzweiger über den Tüfenberg. Auch die Nebenstrassen sind schneefrei, doch als wir runterkommen nach Urnäsch, tauchen wir wieder ein ins kalte Nebelgrau.
Bei schneidendem Frost fahren wir weiter nach Appenzell. Dort brauchen wir eine Aufwärmpause. Im Café-Hotel Appenzell bekommen wir frisch zubereitete, heisse Schokolade serviert, kaum teurer als dieses Beutelzeugs, aber sooo viel besser. Das Servierpersonal stört sich nicht ob unserer Haufen von Winterkleidern, welche wir auf einem Stuhl eines Nebentischs deponieren.
Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 03/2009; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
Touren-Info
| Reiseziel | Appenzell |
| Distanz, Dauer | Ab Wattwil rund 170 km, 2 Tage |
| Reisezeit | Winter |
| Strecke | 1. Tag: Wattwil Hemberg Bächli Schönengrund Tüfenberg Urnäsch Gonten Appenzell Eggerstanden Montlinger Schwamm Eggerstanden Appenzell Weissbad 2. Tag: Weissbad Bad Lehmen Weissbad Steinegg Eggerstanden Hard Eichberg Hölzlisberg Eggerstanden Sammelplatz Gais Bühler Trogen Speicher Teufen Haslen Hundwil Waldstatt Schönengrund St. Peterzell Hemberg Wattwil |
| Unterkunft | Hotel Hof Weissbad, 9057 Weissbad, 4Sterne+, eigenes Bad, Saunalandschaft, weitere Angebote im Gesundheitsbereich, erstklassige Küche. Doppelzimmer mit Halbpension ab Fr.265. pro Person inkl. Bad- und Saunabenützung, Abendessen mit vier Gängen und Frühstücksbuffet, www.hofweissbad.ch. Gegründet 1790, prägte das Kurhotel Weissbad einst das ganze Dorf. Doch mit dem Niedergang der Kurhotel-Gastronomie wurde es im letzten Jahrhundert immer ruhiger im einst mondänen Weissbad. In den 70ern stand das Hotel zeitweise leer, wurde dann Wohnsitz einer Priestergemeinschaft und später ein Blinden-Altersheim. 1982 verliessen die letzten Bewohner das Kurhaus, der schleichende Zerfall ging weiter. Nach zähem Ringen erstanden lokale Investoren das Areal, mussten sich mit Heimatschutz, Denkmalpflege, vernichtenden Gutachten und aussteigenden Banken herumschlagen, bevor das alte, baufällige Kurhaus abgerissen und neu gebaut werden konnte. Vor bald 15 Jahren wurde das Hotel Hof Weissbad eröffnet und erfreut sich heute einer sensationell guten Auslastung. Frühzeitige Reservation des Wunschtermins ist also empfehlenswert. |
| Windchill-Faktor | Seit 2001 allgemein anerkannt ist die kanadische Windchill-Tabelle. 10 °C fühlen sich bei 80 km/h demnach an wie 24 °C (www.meteoschweiz.admin.ch). |
| Appenzell | Der Kanton Appenzell gehört seit 1513 der Eidgenossenschaft an und wurde 1597 in zwei Halbkantone getrennt, Innerrhoden ist katholisch, Ausserrhoden reformiert. Charakteristisch ist die Streubesiedlung, streckenweise ist der Kanton ein einziges, weit verstreutes Dorf. Da jeder auf seinem eigenen Grund und Boden lebt(e), denken die Appenzeller mehrheitlich eigenständig-konservativ. Ausserrhoden führte 1989 das Frauenstimmrecht ein, dem Halbkanton Innerrhoden wurde es ein Jahr später vom Bundesgericht aufgezwungen. Die vermeintlichen Hinterwäldler misstrauen staatlicher Macht grundsätzlich und freuen sich nicht zufällig über sehr tiefe Steuern und Gesundheitskosten. |
| Karten | Schweizer Karte 1:300000; Landeskarte der Schweiz 1:50000, Blatt 227, Appenzell. |





































