Auf Achse
Pässefahren: Sustenpass
16.03.2009 00:00
Der 2224 Meter hohe Sustenpass ist eine der gefährlichsten Töffstrecken der Schweiz - aber auch eine der schönsten. Saftige Weiden, dichte Wälder, Gletscher, Fels und schöngeschwungene Kurven gibt hier zu entdecken.

Kurve am Susten mit Blick ins Berner Oberland - der Susten ist einer der schönsten Pässe der Schweiz. Allerdings auch einer der gefährlichsten...
Geschichtliches
Der Sustenpass ist einer der jüngsten Pässe in der Schweizer Passgeschichte. 1945 wurde er eröffnet. Der Hauptgrund, warum der Susten nicht schon von Römern in Sandalen und Germanen in Fellfinken begangen wurde, muss in seiner Lage liegen: er verbindet nämlich den Kanton Bern mit dem Kanton Uri - ergo verläuft er von West nach Ost (oder umgekehrt).
Die meisten Alpenpässe, die jedoch schon vor vielen Jahren eine Rolle spielten, verliefen entlang der Hauptverkehrsrouten von Waren Nord/Süd (wie bsp. der Grosse St. Bernhard oder der Gotthard). Oder sie wurden begangen, weil ansonsten ein Umweg von vielen, vielen Kilometern drohte (wie bsp. der Oberalp). Der Susten jedoch hat keine dieser Eigenschaften - weshalb er auch heute noch fast ausschliesslich von Touristen befahren wird.
Fahrtrichtung egal
Die Frage der Fahrtrichtung über den Susten ist eigentlich egal. Sowohl die Berner wie auch die Urner Seite haben ihren Reiz. Erstere besticht vor allem durch spektakuläre Kurven und Landschaften, letztere weiss mit einem offenen Tal zu faszinieren. Als Bewohner des Kantons Bern fahre ich meistens von Westen nach Osten, und das will ich nun auch an diesem wunderschönen Julitag tun.
Innertkirchen
Starten tun wir in Innertkirchen. Es wartet mit zahlreichen Restaurants und einer Tankstelle (für diejenigen mit den kleinen Tanks) auf. Das Hotel Hof & Post ist als Töfftreffpunkt bekannt, vor allem aber liegt es genau am Verzweigungspunkt zwischen dem Grimselpass und dem Sustenpass. Geradaus gehts zum Susten, nach rechts hoch zum Grimsel.
Karte dazu:
Das Hotel Hof & Post:
Eine weitere Gaststätte befindet sich gleich ein paar Kurven weiter oben - der Landgasthof Tännler in Innertkirch-Wyler. Unzählige Male bin ich schon über den Susten gefahren...und jedes Mal habe ich mir vorgenommen, dort zumindestens einen Kaffee zu trinken. Doch immer kam mir etwas dazwischen. Entweder hatte es mir zuviel Gäste um die Mittagszeit oder ich freute mich zu sehr auf das nächste halbe Dutzend Kurven oder....ich guckte mir einfach zu intensiv die Gebirgswelt da oben an.
Landgasthof Tännler:
Viel Wald
Der untere Teil der berner Passseite ist sehr waldreich, weswegen die Aussichtsstellen auch eher rar sind. Auf diesem Foto seht ihr nun auch, was eine Passtrasse gefährlich macht: linkerhand eine massive Felswand, rechterhand die nostalgischen Strassenbegrenzungssteine. Pittoresk beides - aber sie können einen gestürzten Biker schwer verletzen. Allerdings ist nicht einmal die Berner Seite die unfallgefährliche Passseite - nein es, will man den Statistiken Glauben schenken, die Urner Seite.
Im Gebiet Obere Fuhren/Bühl/Gadmen/Obermatt lohnt es sich nochmals einen Halt zu machen, bevor es endgültig ins Pässekarussell geht. Auch hier tun sich mächtige Felswände auf und kleine Kraftwerkszentralen zeigen den wahren Reichtum der Region: Wasser! Hieraus lässt sich guter und umweltfreundlicher Strom fabrizieren - was in nicht allzuferner Zukunft vermutlich immer wichtiger werden wird.
Die Kurven auf Berner Seite
Fünf Minuten danach erreiche ich die erste 180 Grad-Kurve. Ich liebe diese erste Kurve. Sie ist wunderbar rund fahrbar und erlaubt einem einen wunderbaren Ausblick talabwärts. Wer die Kurve noch nicht kennt - unbedingt ausstellen und Ausblick geniessen!
Steingletscher
Nächster Haltepunkt ist die Postautostation Steingletscher. Auch hier wieder eine herrliche Kurve - die allerdings sehr, sehr langsam angegangen werden sollte. Einerseits schlarpen hier die Touristen derart unvorsichtig über die Strasse, dass es schon fast an Fahrlässigkeit grenzt - andererseits postiert sich hier auch gerne die Berner Polizei um etwaige Kurvenschleifer Hopps-zu-nehmen.
Karte dazu:
Hotel Steingletscher:
Das Hotel Steingletscher besuche ich fast jedes Mal bei meiner Pässetour. Meiner Meinung nach offenbart es all das, was wir Biker wollen: Ausblick auf die Landschaft und Natur, gutes Essen und den Blick auf Töffpark und Töffstrecke.
Hinter dem Hotel beginnt eine gebührenpflichtige Strecke in Richtung des Steingletschers. Ich bin die Strecke schon zu Fuss gelaufen (allerdings in Wanderschuhen) und bin der Meinung, dass es sich nicht lohnt, für die paar Franken da ein Ticket für die Privatstrasse zu kaufen. Viel spektakulärer ist die Alpenkulisse da hinten auch nicht - und die Strasse ist zudem ziemlich kurz.
Der reizvolle Strassenverlauf kurz vor dem Pass:
Eine steile Berglandschaft:
Auf dem Pass
Bis zum Pass, respektive zum Scheitelpunkt ist nun nicht mehr weit. Eine 180 Grad-Kurve noch, ein oder zwei Tunnels - und schon bringt ihre eure Maschine vor dem Restaurant Susten Kulm zum Halt. Am Scheitelpunkt hat es einen riesigen Parkplatz der an Sommerwochenenden gerne als Showbühne gebraucht wird. Wer hat den schönsten Töff? Und wer hat den schönsten Porsche? etc etc...
Sehen und gesehen werden: | Auf dem Pass sammelt sich immer viel Volk an: Im Frühling bildet sich manchmal ein kleiner See: |
Anders als die anderen Pässe der Schweiz besitzt der Sustenpass keinen echten Scheitelpunkt - zumindestens nicht einen, der mit einem Töff befahren werden kann. Aber einen Tunnel gibt es. Genau in der Mitte beginnt übrigens der Kanton Uri.
Die Urner Seite
Gleich als erstes wird euch auffallen, wie unterschiedlich hier die beiden Passseiten sind. Während die Berner Seite wie gesagt mit Wald und Gestein zu verblüffen weiss, beeindruckt die Berner Seite vor allem mit sehr offenen Flächen. Persönlich gesehen ist die Urner Seite mir sogar lieber....der Ausblick ist schöner und der Streckenverlauf kommt mir mehr entgegen.
Doch obacht...wer zuviel am Gas dreht, ohne die Strecke gut zu kennen, landet hundert Meter tiefer im Bachbett. Die Urner Seite ist eine jener Strecken, die man leicht unterschätzt und deswegen bsp. mit zuviel Tempo auf die ansonsten "doch recht übersichtliche Kurve" zuschiesst. Man überbremst und landet im unglücklichsten Fall in jenem brandgefährlichen Geländer. Hier müssten schon lange Leitplanken mit Unterfahrschutz hin!
Wenn ihre euch mehr Zeit nehmt, seht ihr, was für ein hübsches V-Tal das Meiental doch ist. Auch die Ortschafen Färnigen, Meindörfli und Husen lassen sich sehen - auch hier kann gegessen und die wunderschöne Landschaft betrachtet werden.
Dieser Stall eines Bauern hat wohl schon manch eine Lawine gesehen. Der Lawinenwall aus aufeinandergeschichteten Steinen dahinter schützt zwar nicht hundertprozentig - aber kleinere und mittlere Lawinen/Schneebretter sollten so darüber hingeweggehen:
Wassen
Kurz vor der Ortschaft Wassen geht es dann noch durch ein paar Tunnels (eines weiss sogar mit einer Kehre aufzuwarten), danach landet man mitten in Wassen. Als die Gotthardbahnstrecke vor über hundert Jahren gebaut wurde, erreichte die Ortschaft über 2700 Einwohner. Seither ging der Einwohnerschwund kontinuierlich vor sich - aktuell hat Wassen noch rund 450 Einwohner.
Ein kurzer Stopp lohnt sich - die Ortschaft Wassen strahl viel Ruhe aus und ist ideal für einen Essens- oder gar Übernachtungsstopp. Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man dem Kirchlein von Wassen. Es steht auf einem kleinen Hügel und überblickt das Tal auf ideale Art und Weise.
Wie nun weiter? Von Wassen aus stehen auch im Prinzip vier Strassen offen: die Autobahn Richtung Norden/Vierwaldstättersee und Richtung Süden/Airolo oder die Hauptstrasse Richtung Norden/Altdorf und Hauptstrasse Richtung Süden/Andermatt.
Karte dazu:
Kurzinfos:
Gastrotipp
Schwierigkeitsgrad für Töff-Anfänger:
Leicht - Mittel
Empfohlene Fahrtrichtung:
Egal
Racingfaktor für erfahrene Töfffahrer:
Hoch. Pass jedoch ziemlich gefährlich (siehe Text).
Aussichtsfaktor/Erlebnisfaktor:
Hoch-Sehr hoch. Gletscher, Felsen, Alpweiden, Berge...
Passrating total: (Note Maximum: 6 Punkte, Miniumum: 1 Punkt)
Note 5.2
Max. Passhöhe: 2246 Meter (Tunnel)
Länge: rund 45 Kilometer
Wintersperre: November bis mindestens Mai




































































