Auf Achse
Motorradreise in die Bretagne
29.04.2009 00:00
Der Auftrag: in einer Woche die Küste Aremoricas zu umrunden. Quod erat demonstrandum.
Die spinnen, die Römer!» Mit dem aufgeweckten Gallier Asterix und seinem dicken Kumpel Obelix haben Autor Goscinny und Zeichner Uderzo Ende der Sechzigerjahre eine der berühmtesten Comicreihen erschaffen. Wie jeder Asterix-Fan weiss, wohnten Asterix und Obelix in einem kleinen von den Römern unbesiegten Dorf an der Küste Aremoricas, der heutigen Bretagne. Die Asterix-Ortschaft wurde nie näher bezeichnet doch sie könnte beispielsweise problemlos Cancale geheissen haben.
Cola in Cancale?
Hier will ich meine lange Reise entlang der bretonischen Küste beginnen. Das Wetter ist wunderschön, der blaue Himmel lacht und ich habe grosse Lust, am Hafen von Cancale eine kühle Cola zu trinken und den hübschen bretonischen Mädchen («Falbala») hinterherzugucken. Doch oha! Cancale zeichnet sich nicht nur durch viele Sonnenstunden im Jahr aus es hat auch das schlimmste aller Einbahnstrassennetze der Welt. Immer wieder treibe ich meine schwer bepackte Suzuki Bandit durchs Dorf und ende vor einem Einbahnschild. Zum Hafen finde ich einfach keinen Zugang.
Der Teufel soll diese Gallier holen! Schliesslich gebe ich es auf und treibe das Moped in Richtung Campingplatz. Der Camping Municipal liegt wunderschön unter Pinien mit Blick auf den windzersäuselten Atlantik. Ein Stellplatz ist schnell gefunden, und bald mache ich mich zu Fuss auf, entlang der Küste, Cancale zu erreichen. Ein Küstenweg, «Sentier des douaniers» genannt, windet sich über die vom Meer abgeschliffenen Felsklippen.
Der Weg wurde vor vielen Jahrhunderten schon von den Zöllnern und Soldaten angelegt, um Schmugglern das Leben schwerzumachen. Man kommt an diversen verfallenen Bunkern vorbei, Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg. Damals meinten die Deutschen noch, mit einem Bunker-Atlanktikwall die Landung der Alliierten verhindern zu können. Der Küstenweg zieht sich ewig hin, folgt jeder noch so dämlichen Klippe. Ausserdem ist es heiss, die Mücken umsummen meinen Kopf. Nach anderthalb Stunden gebe ich mein Vorhaben auf schliesslich bin ich Motorradfahrer und kein Marathonläufer. Cancales Hafen habe ich nie zu Gesicht bekommen. Er soll im Übrigen sehr hübsch sein.
Grosse Fotos:
Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 07/2009; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
Touren-Info Bretagne, Frankreich
| Ziel | Entlang der Küste der Bretagne (rund 1200 km Länge) |
| Reisedauer | Die Tour ist in circa einer Woche zu bewältigen (inklusive je einen Tag An- und Rückreise). Will man jedoch noch jede einzelne Bucht abfahren, verdoppelt sich locker die Reisezeit (Küstenlänge mit allen Buchten um 2700 Kilometer). |
| Reisezeit | Tour sowohl im Frühling, wie im Sommer, wie im Herbst machbar. Im Sommer allerdings viel Verkehr durch Touristen. Schwimmen im Sommer möglich. Achtung: an der Nordküste herrschen zum Teil starke Gezeiten und Strömungen nur an ausgewiesenen Stränden ist gefahrenloses Schwimmen möglich. Besser zum Schwimmen eignet sich die bretonische Südküste. |
| Wetter | Ein stabiles, beständiges Hoch ist ziemlich selten, da die Halbinsel relativ exponiert liegt. Auch starke Winde können einem zuweilen zu schaffen machen. Eine Regenkombi und eine Zweitgarnitur warme Kleider sind eine gute Grundlage für die Reise. |
| Unterkünfte | Hotels relativ teuer in Küstennähe, günstiger und praktischer ist Camping (diverse Campingplätze vorhanden am günstigsten sind die camping municipal). |
| Essen | Fisch, Austern und sonstiges Seezeugs können in der Bretagne bedenkenlos gegessen werden. Alles ist fangfrisch und von bester Qualität. Weitere Tipps: Crêpes Suzettes (bretonische Spezialität, werden mit Orangen und Grand Marnier gegessen), Galette biscuits (gebacken mit gesalzener Butter), Gigot dagneau à la bretonne (Lammbraten mit Bohnen und Zwiebeln). |
| Unbedingt ansehen | Cancale, Saint-Malo, Côte de granit rose, Bretonische Leuchttürme, Megalithbauten, Pont Aven. Weitere schöne Städte : Rennes, Vannes. Geheimtipps : Morlaix, Concarneau |
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