Menschen und Politik
BMW's Motorradgeschichte Berlin
22.06.2009 00:00
Das BMW Werk Berlin blickt auf eine nun 40 jährige Tradition zurück, in der bis heute mehr als 188'000 BMW-Motorräder von den Bändern liefen. Wir haben die BMW-Pressestory mit noch ein ein paar Fotos aus der langen BMW-Geschichte garniert. Text und Fotos: BMW, MSS.
Pressemitteilung von BMW, ergänzt mit Fotokommentaren:
1939 Spandau wird BMW-Standort
Bereits 1939 wurde Berlin Spandau zu einem Standort der BMW AG. Zuvor war das Areal im Besitz der Firma Siemens & Halske, die 1928 auf dem heutigen BMW-Gelände ihr neues Flugmotorenwerk errichtete und so berühmte Motoren wie etwa den Sternmotor Sh-14a für den berühmten deutschen Kunstflug-Doppeldecker Bücker 133c Jungmeister fertigte.
1936 wurde aus dem Siemens-Flugmotorenwerk die selbständige Firma Brandenburgische Motoren-Werke GmbH, die unter der Bezeichnung Bramo ebenfalls Flugmotoren herstellte.
Flugmotor BMW IIa, erster BMW-Motor im Jahre 1917:
Die Wandlung des BMW-Logos:
- Oben v.l.n.r: 1917, 1933, 1954
- Unten v.l.nr: 1974, 1979, 2007

BMW R 32, 1923
BMWs allererstes Motorrad, die R 32 aus dem Jahre 1923:
Und noch der Boxer-Motor der legendären BMW, der R 32. Daneben das Schnittmodell der R 32. Ganz rechts nochmals ein Foto der R 32.
BMW R 47, 1926
Sie war das Nachfolgemodelll der R 37 und darum etwas kräftiger als die R 37. Das Chassis bestand wie üblich aus einem Rohrrahmen ohne Hinterradfederung (Starrahmen), am Vorderrad herrschte eine Blattfederung vor. Hubraum 494 ccm, Maximalleistung 12 PS.
BMW R 2, 1931
Die R 2 war das zweite Einzylindermodell von BMW. Sie war ziemlich gefragt und verkaufte sich selbst in den wirtschaftlich harten 30er-Jahren über 15'000 Mal.
BMW R 17, ab 1934
Mitte der dreissiger Jahre baute BMW ein für damalige Zeiten höllisch schnelles Motorrad - die R 17. Sie hatte als erstes Serien-Motorradmodell eine Teleskopgabel. Ihr 750 ccm-Motor war für 33 PS gut - was für 120 km/h Spitzengeschwindigkeit reichte.
Kompressor-Zeit,
Kaum ein anderer Motorrad-Hersteller beschäftigte sich derart intensiv mit der Kompressor-Technik wie BMW. In den dreissiger Jahren mussten unbedingt Geschwindigkeitsweltrekorde her - koste es, was es wolle. Die Folge waren diverse aufgeladene BMW-Boxer. Stellvertretend für die Kompressor-Zeit bei BMW daher diese Kompressor-BWM:
Junkers Ju 52
Im Jahr 1939 ging dieses Unternehmen in den Besitz der BMW AG
über und diente bis Kriegsende als Produktionsstätte für BMW Flugmotoren, unter anderem auch die Neun-Zylinder-Sternmotoren für die legendäre Junkers JU 52.
Junkers JU 52 mit drei BMW-Sternmotoren, 1930:
Kriegsende
Nach Kriegsende wird das Werk in Berlin Spandau wie andere Fabriken auch von den Alliierten demontiert. Doch bereits im Mai 1945 produzieren etwa 100 Mitarbeiter Gebrauchsgüter für den täglichen Bedarf. Nach dem Start der Währungsreform stellten die Berliner Werkzeuge für die BMW AG in München her.
Im Jahre 1949 lief die Fertigung von Motorradteilen für das Münchener Stammhaus an ein erster Schritt zur allmählichen Verlagerung der Motorradproduktion von der Isar an die Spree. Ab 1958 wurden in zunehmendem Maße auch BMW Autoteile in Berlin Spandau gefertigt. Verlagerung der Motorradproduktion - von München geht es nach Berlin.
BMW R 24, 1948
Die R 24 war die erste Nachkriegs-BMW. Obwohl mit 1750 D-Mark nicht günstig, erfreute sie sich einer grossen Nachfrage. Im Unterschied zu den 3-Gang-Vorkriegs-Modellen kam die R 24 nun mit Viergang-Schaltung sowie einem neuen Zylinderkopf. Es entstanden über 12'000 R 24, bis sie 1950 von der R 25 abgelöst wurde.
BMW R 51/3, 1951
Wurde von 1951 bis 1954 in einer Stückzahl von 18'240 gebaut. Eine völlige Neukonstruktion mit einer über ein Zahnrad angetriebene Nockenwelle und Duplex-Vorderradbremsen. Der Boxer hatte 494 ccm Hubraum, 24 PS und vier Gänge. Sie kostete 1470 D-Mark.
BMW R 68, 1952
Sie wurde von 1952 bis 1954 in einer Stückzahl von knapp 1500 gebaut. Sie basierte auf den Wettbewerbsmodellen für den Geländesport. Die R 68 war sehr handlich und leistungsstark (594 ccm Hubraum 35 PS) und erreichte 160 km/h Spitze.
BMW R 25/3, 1953
Für damalige Verhältnisse sehr modern, mit hydraulisch gedämpfter Telegabel und Alufelgen. Ihre 250 ccm-Einzylindermaschine lieferte 13 PS. Sie verkaufte sich enorm: 47'700 Stück. Das wurde erst 1999 von der BMW F 650 getoppt...
BMW R 26, 1956
Ab 1956 baute BMW die R 26-Einzylindermodelle. Sie hatten 250 ccm Hubraum, 15 PS Leistung und ein Vierganggetriebe. Auf Wunsch gab es entweder einen Sattel oder eine Sitzbank. Sie kostete 2150 D-Mark.
R 50/5, Ende 50er-Jahre
Vom Fahrwerk bis hin zum Boxermotor handelte es sich dabei um eine grundlegende Neukonstruktion nach dem Baukastenprinzip. BMW Motorrad platzierte sich zunächst mit drei neuen Modellen am Markt: der 32 PS starken R 50/5, die insbesondere als Behördenmaschine gedacht war, der R 60/5, die sich mit ihren 42 PS insbesondere unter den Tourenfahrern viele Sympathien schuf, sowie letztlich der R 75/5, deren 50 PS starker Boxer für sportliche Fahrdynamik, 175 km/h Höchstgeschwindigkeit und international große Verkaufserfolge sorgte.
Als das Motorrad noch in den 60er Jahren vom Automobil an den Rand der Bedeutungslosigkeit verdrängt - zu Beginn der 70er Jahre wieder in Mode kam, kletterten die Produktionszahlen im BMW Werk Berlin rasant. 1970 verließen bereits 12'287 Fahrzeuge die Werkshallen, und schon im Juli 1973 hatten bei Einstellung der /5 Baureihe exakt 68'956 Motorräder das Berliner Werk verlassen und man durfte auf eine Verfünffachung der Produktion binnen nur drei Jahren zurückblicken.
BMW R 69 S, 1960
Foto einer BMW R 69 S. Sie wurde von 1960 bis 1969 gefertigt und war das Spitzenmodell im BMW-Programm. Der Luftgekühlte Boxermotor (Hubraum 495 ccm) lieferte bei 7000 /min 42 PS Spitzenleistung. Daneben der Motor der R 69
60er-Jahre: erste Motorradproduktion in Berlin
Als in München Mitte der sechziger Jahre auf Grund der stark steigenden Automobilproduktion über die Verlagerung der Motorradproduktion nachgedacht wurde, war Berlin mit seiner gut ausgebildeten Belegschaft erste Wahl. 1969 wurde dort die Produktion der komplett neu entwickelten BMW /5 Baureihe aufgenommen.
Laut dem Fototext handelt es sich dabei um das erste Motorrad, das BMW in Berlin gefertigt hat, eine R60/2 im Jahre 1967:

BMW R 75/5, 1969
Laut BMW war die R 75/5 das erste Motorrad, das im Werk Berlin Spandau gefertigt wurde. Sie war ein Verkaufsrenner mit 28'370 verkauften Exemplaren. Für die damalige Zeit war sie enorm stark (50 PS) bei 745 ccm Hubraum. In den ersten Jahren hatte dieses Modell mit Fahrwerksproblemen zu kämpfen,
BMW R 90 S, 1973
1973 feierte man bereits das 500'000ste BMW Motorrad der Firmengeschichte. Zum 50 jährigen Jubiläum von BMW Motorrad wurde im Herbst 1973 die neue, in zahlreichen Punkten weiter entwickelte /6 Baureihe und mit ihr die legendäre BMW R 90 S präsentiert. Aus 898 ccm Hubraum schöpfte der Boxermotor der bis dahin mit Abstand stärksten BMW 67 PS und sorgte neben einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h für eine sehr sportliche Fahrdynamik, ohne jedoch die BMW typischen Allround- und Tourenqualitäten außer Acht zu lassen.
Noch heute ist die BMW R 90 S eines der begehrtesten BMW-Klassikmodelle - auch damals war sie ein Renner unter den BMW-Kunden. Mit 9130 D-Mark war sie 1973 aber auch sündhaft teuer (zum Vergleich: eine unverkleidete R 90 war anderthalbtausend D-Mark günstiger.
Dafür bekam der Kunde aber auch allerhand. In erster Linie einmal ein zeitlos schönes Design (Designer: Hans A. Muth). Im ersten Modelljahr gab es die R 90 S nur in einer rauchgrauen Farbe, ab 1975 aber in der Farbe, in der sie auch heute am gesuchtesten ist: Daytona Orange.
BMW R 90/6, 1973
Die R 90/6 wurde nur 3 Jahre lang gebaut (Stückzahl über 21'000). Sie war etwas stärker als Schwester R 75/6 und kostete daher rund 500 D-Mark mehr.
Neue Arbeitsplätze
Auch diese neue Baureihe feiert große Verkaufserfolge und macht eine
Erweiterung des Werks in Berlin-Spandau unumgänglich. Die Fertigungsanlagen werden durch den Bau einer neuen Montagehalle erweitert. Symbolisch werden vom damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel die Bauarbeiten gestartet. Ziel der 200 Millionen D-Mark teuren Investition ist es, zukünftig bis zu 60'000 BMW Motorräder jährlich in Berlin-Spandau zu fertigen und damit auch neue Arbeitsplätze zu schaffen.
In den Siebziger Jahren wurden noch viele Arbeiten im BMW-Werk in Berlin von Hand gemacht. Hier die Handlinierung des Tanks, circa 1972.:

BMW R 100 RS, 1976
Rasante Entwicklung - von null auf 100'000 in sechs Jahren.
Bereits im Januar 1975 läuft in Berlin-Spandau die 100'000ste dort gefertigte BMW vom Band, und im Jahr darauf erreichen die BMW Boxer Modelle mit der Einführung der /7 Baureihe einen neuen Entwicklungsstand.
Neben der R 60/7 und R 75/7 trägt BMW Motorrad mit der Einführung der R 100/7 dem allgemeinen Trend zum vollen Liter Hubraum Rechnung. Mit der R 100 RS präsentiert BMW zudem das erste voll verkleidete Serienmotorrad der Welt, das mit 70 PS 200 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht und einen bis dahin beispiellosen Wind-und Wetterschutz bietet.
Das RS der R 100 RS stand für "Rennsport". Gedacht war das Modell für Tourensport-Fahrer - also Leute, die sportlich, aber gleichzeitig komfortabel unterwegs sein wollten. Die Verkleidung war sehr voluminös und - wie das Foto zeigt - Windkanal erprobt.

BMW R 100/7, 1976
Die biederste der R 100-Modelle im Jahre 1976 war die R 100/7 (die anderen beiden waren die R 100 S und die R 100 RS). Die 100/7 wurde in einer Stückzahl von circa 12'000 Exemplaren gefertigt und blieb gerade einmal 2 Jahre im BMW-Programm. Sie wurde danach durch die R 100 T ersetzt.
R 100 RT, 1978
1978 erweitert BMW Motorrad seine Modellpalette um die R 100 RT, ein voll verkleidetes Motorrad mit starken Verwandtschaftsgraden zur R 100 RS, jedoch ganz auf die Belange der Tourenfahrer ausgerichteter Aerodynamik, Ergonomie und Komfort. Gleichzeitig feiert die so genannte kleine Boxer Baureihe mit den Modellen R 45 und R 65 Premiere, was zu weiteren Steigerungen der Produktions- und Verkaufszahlen sorgt.
Doch das BMW Motorradwerk in Berlin-Spandau trägt auch dazu bei, Synergien innerhalb des BMW Konzerns zu nutzen, so übernimmt das Motorradwerk 1979 die Serienfertigung der Bremsscheiben für BMW Automobile. BMW Motorräder aus Berlin-Spandau technische Innovation und Qualität.
Die BMW R 100 RT hatte 980 ccm Hubraum, zwei Ventile pro Zylinder, zwei Bing-Vergaser, 60 PS Leistung. Sie wurde sanft modernisiert und stand bis 1996 im BMW-Programm. Rund 10'000 Exemplare gingen vom Band. Einer der Gründe für ihre Popularität bis heute war ihr Gewicht: 229 kg vollgetankt. Heute sind manche Naked Bikes massiv schwerer....
1980: Der Boxer fürs Grobe wie fürs Feine
Die Entscheidung für die G/S war ebenso mutig wie weitsichtig. 1978 war sie gefallen, in einer Phase des Absatzrückgangs nach einem knappen Jahrzehnt des Wachstums. Jenseits des Atlantiks schwammen Enduros, die wegen ihrer Handlichkeit auch bei Strassenfahrern Anklang fanden, auf einer Erfolgswelle.
Vom Start weg war die GS erfolgreich: Die Begeisterung am Messestand 1980 schlug sich in den Bestellungen für die kommende Motorradsaison nieder: 6631 Motorräder - mehr als doppelt so viele wie ursprünglich geplant - verliessen bis zum Jahresende 1981 die Berliner Werkshallen, jede fünfte verkaufte BMW war eine G/S. Damit trug die Reiseenduro entscheidend dazu bei, dass es mit den BMW Verkaufszahlen wieder stetig aufwärts ging.
Parallel dazu verstärkte BMW sein Engagement im Geländesport. Als Bühne diente die schwerste und publicityträchtigste Offroad-Veranstaltung der Welt, die Rallye Paris-Dakar. 1981 erreichte Hubert Auriol auf der G/S Dakar als Erster, 1983 konnte er den Gesamtsieg für BMW wiederholen. 1984 und 1985 gewann der Belgier Gaston Rahier die Dakar, dann zog BMW das Werksteam 1986 zurück.
Die Erfolge der G/S bei der schwierigsten Rallye der Welt bereiteten den Boden für die Karriere des Boxers als zuverlässiges Transportmittel für Globetrotter. Von grösseren Tanks aus allen erdenklichen Materialien über Gepäck- und Navigationssysteme bis hin zu besonderen Schutzblechen reichte das Angebot an entsprechenden Accessoires - bis heute.
BMW R 80 G/S, 1980
Bei dieser unten dargestellten G/S dürfte es sich um den ersten Modelljahrgang des berühmten Gelände/Strasse-Motorrad handeln. Sie kostete 1980 8290 D-Mark und verkaufte sich enorm gut. Rückblickend kann gesagt werden: BMW baute genau zur richtigen Zeit das richtige Motorrad. Von der Unverwüstlichkeit der ersten G/S-Modelle zehrt BMW bis heute.
BMW R 100 GS Paris-Dakar, ab 1987
Die Paris-Dakar (später wegen Namensstreitigkeiten nur noch P/D genannt) war der ultimative Reise-Boxer. Der 980 ccm Hubraumstarke Motor lieferte 60 PS über die Kardanwelle ans Hinterrrad, der Tank bunkerte 35 Liter Benzin.
Während die Normalvariante der GS mit einer Doppelsitzbank auskam, wusste die Paris-Dakar mit einem "Egoisten"-Solositz aufzuwarten. Dafür hatte sie dann aber auch einen riesigen Gepäckträger, auf den sich enorm viel montieren liess. Die Paris-Dakar ist bis heute eine der gesuchtesten Boxer geblieben, es werden hohe Preise für ein unverbrauchtes Exemplar gezahlt.
1985: Siegesmaschine Gaston Rahier
Bei dieser Maschine hier handelt es sich um eine berühmte BMW, mit ihr gewann nämlich im Jahre 1985 Gaston Rahier das Paris-Dakar-Rally:
BMW RR, Rally-Modell 2000
Die Legende lebt! Nach einer Absenz von fast 15 Jahren kehrte BMW aufs Jahr 2000 zurück in den Dakar-Rallysport. Die untenstehende Maschine ist die R 1150 GS-Dakar des Gauloises-Team aus dem Jahre 2000.
Paris-Dakar John Deacon, 2001 auf der Rally-BMW. Der 900er-Boxermotor lieferte 90 PS Leistung, das Motorrad bunkerte bis zu 54 Liter Sprit:
BMW R 65 LS, 1981
Anfang der Achtziger Jahre versuchte BMW, einen kleinen Sportboxer zu lancieren. Die R 65 LS hatte 649 ccm Hubrau, 50 PS und wog vollgetankt 207 kg. Das Sportliche an diesem Boxer war denn auch mehr die Optik: keilförmige Cockpitverkleidung,, Sitzbankabschluss, schwarze Auspuffanlage und Sportlenker. Sie wurde von 1981 bis 1985 in einer Stückzahl von 6339 Exemplaren produziert.
K-Baureihe
Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des BMW Werks Berlin-Spandau stellt die Einführung der neuen BMW K-Baureihe mit längs liegend eingebautem, wassergekühlten Vierzylinder Reihenmotor mit
Kraftstoffeinspritzung dar. Mit ihr werden die neue Montage und mechanische Fertigung eingeweiht, deren 500 Millionen D-Mark teure Investition auch die Integration moderner industrieller Fertigungsanlagen in die denkmalgeschützten Gebäude vorsieht.
BMW K 100, 1983
Als die nackte K 100 im Jahre 1983 zum ersten Mal vorgestellt wurde, erregte sie enormes Interesse. Die Daten: liegender Vierzylindermotor, DOHC, 2 Ventile pro Zylinder, 987 ccm Hubraum, 90 PS stark, 240 kg vollgetankt. Dies war die Geburtsstunde der K-Modelle, die bis heute ihren Fortbestand haben.
BMW K 75 C, 1985
Zwei Jahre nach dem starken BMW-Vierzylinder, der K 100, kam die K 75 C heraus - mit drei Zylindern. Ergo hatte sie auch nur 740 ccm Hubraum und 75 PS. Obwohl weniger leistungsstark, war die kleine K aber deutlich handlicher und agiler als die grösseren Schwestern - kein Wunder, wog sie doch gerade mal 227 kg (vollgetankt).
Ab 1990 gab es für alle Dreizylindermodelle auch eine ABS-Option. Die Hubraumschwestern der K 75 C lauteten K 75 S (das sportlichere Modell), die K 75 (nackte Variante) und K 75 RT (Touring-Variante). Die letzte Dreizylinder-BMW verliess 1996 das BMW-Förderband. Vielleicht kommt dereinst ein neuer Drilling...
BMW K 100 LT, 1986
Mit der BMW K 100 LT nahm der Luxus bei der BMW-Motorradpalette einzug. Denn sie hatte alles, was man damals ans Motorrad dranschrauben konnte: Radio, Topcase, üppiger Windschutz, aufgepolsterte Sitzbank. Der 2-V-Vierzylinder-Motor hatte 987 ccm Hubraum und erreichte 90 PS Spitzenleistung.
BMW R 100 R Mystic, 1994 (Sonderserie)
Zum Abschied der BMW-Zweiventilboxer legte BMW im Jahre 1994 gleiche eine Vierer-Sonderserie auf:
- BMW R 100 RT Classic
- BMW R 100 R Classic
- BMW R 100 R Mystic
- BMW R 100 GS PD Classic
BMW K1, 1988
Das Streben nach technischer Innovation bringt 1988 schließlich die BMW K1 hervor, die eine Vielzahl technischer Highlights in sich vereint. Erstmals verfügt mit ihr ein BMW Serienmotorrad über einen Motor mit vier Ventilen pro Zylinder. Mit 100 PS Leistung und einer ausgeklügelten Aerodynamik werden zudem 240 km/h Höchstgeschwindigkeit realisiert. Das Bedeutendste aber ist das Antiblockiersystem ABS, das weltweit erstmals überhaupt an einem Motorrad zum Einsatz kommt und bis heute die Vorreiterrolle von BMW Motorrad im Bereich der Fahrsicherheit begründet.
Obwohl technisch ein "Technologieträger" sondergleichen, war die BMW K1 ein kommerzieller Misserfolg. Sie verkaufte sich von 1988-1993 gerade einmal knapp 7000 Mal. Der Grund ist vermutlich in ihrer sehr gewöhnungbedürften Optik zu sehen. Zwar waren die Aerodynamikwerte für die damalige Zeit herrvorragend - doch sie mutete vielen potentiellen Käufern einfach zu futuristisch an.
Links die K1, rechts das erste BMW-Motorrad-ABS-System aus dem Jahre 1986:
Prominente
Mehr und mehr haben sich BMW Motorräder aber weltweit nicht nur einen exzellenten Ruf hinsichtlich Qualität, Fahrdynamik und Komfort erarbeitet, sondern tragen auch wesentlich zur Imagebildung der Marke BMW bei. Auch viele Prominente genießen die Freude am Fahren auf einer BMW, und so lässt es sich der amerikanische Schauspielers Peter Fonda, den Motorradfahrern spätestens seit Easy Rider bestens bekannt, nicht nehmen, am 23. Februar 1990 anlässlich seines 50. Geburtstags das BMW Werk in Berlin zu besuchen.
Ein Jahr später läuft in Berlin-Spandau das 1.000.000. BMW Motorrad vom Band und seit Aufnahme der Produktion in Berlin vor 22 Jahren wurden dort mehr als 500'000 BMW-Motorräder gefertigt.
R 1100 RS, 1993
Zum 70. Geburtstag des BMW Boxermotors steht 1993 die Einführung einer radikalen Neukonstruktion mit dem BMW typischen Bauprinzip an. Die 90 PS starke R 1100 RS debütiert mit 215 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie Vollverkleidung. Der Boxermotor wartet nun mit halbhoch angeordneten, kettengetriebenen Nockenwellen, vier Ventilen pro Zylinder sowie Kraftstoffeinspritzung auf. Noch heute bildet diese Motorenkonstruktion die Basis für sämtliche aktuellen BMW Boxer Modelle.
Ihr Telelever-Fahrwerk vorne war gewohnheitsbedürftig, doch der brandneue Vierventil-Boxer verkaufte ich sofort ausserordentlich gut. Ihr Neupreis 1993 lautetete auf knapp 20'000 D-Mark.
Der neue Vierventil-Motor:
Telelever
Auch fahrwerkstechnisch zeigt sich die R 1100 RS höchst innovativ und verfügt als erstes Serienmotorrad der Welt über den so genannten Telelever, eine Kugelgelenk-Längslenker-Gabel, welche die Aufgaben von Federung/ Dämpfung einerseits sowie Radführung andererseits im Gegensatz zu konventionellen Teleskopgabeln trennt und damit nicht nur für eine neue Dimension im Hinblick auf Ansprechverhalten und Transparenz, sondern auch für ein besonders ausgewogenes Bremsverhalten durch automatischen Bremsnickausgleich sorgt.
Telelever-System aus dem Jahre 1994. Daneben die Paralever-Federung aus dem gleichen Jahr.
BMW F 650, ab 1993
Zum ersten Mal seit über 30 Jahren gab es bei BMW wieder einen Einzylinder.
Der geregelte Katalysator der F 650 GS:

BMW R 1100 GS, 1993
1993 sorgte die R 1100 GS auf der IAA in Frankfurt mit ihrem gewagten Styling und der imposanten Grösse - gegenüber der R 100 GS war die Neue 65 mm höher - für einen Paukenschlag. 80 PS stark, rannte die geländegängige Maschine satte 200 km/h schnell. Im Herbst 1999 folgte dann die R 1150 GS, 2004 die R 1200 GS.
Ein der ersten 1100er-GS mit dem kräftigen, neuen Vierventil-Boxermotor. Die BMW R 1100 GS wurde von 1994 bis 1999 in einer Stückzahl von 43'628 Stück produziert und war damit sehr erfolgreich. Die maximale Leistung des Boxermotors lag bei 80 PS, ABS konnte als Zubehör gekauft werden.
GS-Erfolge
Auch die neue Boxer Baureihe feiert große Erfolge, und erstmals in der
Geschichte von BMW Motorrad werden 1995 mehr als 50'000 Motorräder produziert und verkauft. Ein großer Anteil davon entfällt auf die BMW GS Modelle, die sich seit ihrer Einführung im Jahre 1980 nicht nur technisch stetig weiter entwickelt haben, sondern weltweit als die Reiseenduros schlechthin gelten.
Ade Zweiventil-Boxer
1996 läuft mit der R 80 GS Basic das letzte BMW Modell mit dem alten Boxermotor vom Band und schließt nach 27 Fertigungsjahren das erfolgreiche Kapitel der Zweiventil-Boxer aus.
Der letzte Zweiventil-Boxer läuft vom Band:
Von nun an werden alle Boxer immer vier Ventile pro Zylinder haben. Die GS, die zweite Generation "Gummikuh" sozusagen, mausert sich dank guter Verkäufe immer mehr zur "Cash-Cow":
Foto aus dem BMW-Werk: Alurahmen der aus der Fräse, vermutlich einer CNC-Maschine, kommt:

BMW R 1100 R, R 850 R, R 1200 R
Im Herbst 1994 kam der nackte Boxer, die R 1100 R. Obwohl ihr Design nicht überall auf Zustimmung stiess, war auch sie sehr erfolgreich: 26'213 Stück bis ins Jahr 1999. Danach kam die Hubraumaufstockung. Unten links das Produktions-Foto der modernsten R-Version: R 1200 R. Rechts ein Werbefoto mit den zwei Varianten der R-Varianten. R 1100 R und R 850 R.
Produktion des Boxermotors (links) und rechts Produktion der BMW R 1150 R Rockster (2003) einem Sondermodell der R 1150 R.
BMW's Cruiser, ab 1997
BMW R 1200 C: ab dem Jahre 1997 gabs bei BMW den ersten Bayern-Cruiser. 1170 ccm Hubraum, 256 kg Leergewicht, 61 PS Leistung, ABS. Es folgten ein paar Sonderversionen (hier auf dem Foto die R 1200 C Classic aus dem Jahre 2003), beispielsweise die BMW R 1200 C Montauk - aber ein Grosserfolg war der BMW-Cruiser nie. Schliesslich verschwand die Cruiserreihe wieder aus den Schauräumen von BMW.:
Schüler beim Bau eines Boxer-Schnittmodelles im BMW-Werk in Berlin:
BMW R 1100 S, 1998
1998: BMW präsentierte in diesem Jahr ihr bestes Sportmotorrad "forever", die BMW R 1100 S mit einem Gitterrohrahmen aus Aluminium, vorne einer Telelever und hinten einer Paralever-Federung. Die Maschine wurde für 20'100 Mark verkauft und hatte 98 PS Leistung:
BMW C 1, 1999
Ende 1999 tauchte ein neues Konzept bei BMW auf, der Cityroller mit Dach - ein Kabinenroller also. Da der Überschlagsschutz vorhanden war, durfte ohne Helm gefahren werden - allerdings musste man sich angurten.
Angetrieben wurde der BMW C1 von einem Einzylinder-Viertaktmotor mit vier Ventilen, 125 ccm Hubraum und 15 PS Leistung. Zwei Jahre danach kam noch ein Kabinenroller mit 176 ccm Hubraum dazu, der etwas besser Fahrleistungen lieferte. Trotzdem: Obwohl sehr innovativ und teilweise sehr durchdacht, war der C1 eigentlich ein kommerzieller Misserfolg. BMW liess die Serie nach ein paar Jahren stoppen.
F 650 GS, ab 2000
Bereits ein Jahr zuvor erfolgte die Umstellung der werkseigenen Energiezentrale von Öl auf Gas. 1999 wird mit der F 650 GS neben Boxer und K Baureihe die dritte Modellbaureihe eingeführt. Insgesamt investiert BMW Motorrad 4,5 Millionen D-Mark für den Ausbau des neuen Montagebandes für dieses und die in Zukunft noch folgenden Einzylindermodelle in Berlin-Spandau.
Die F 650 GS war eine Weiterentwicklung der BMW F 650. Letztere wurde seit dem Jahre 1993 erfolgreich angeboten, sie lief bis zur Ablösung durch die F 650 GS im Jahre 1999 über 51'000 Mal vom Förderband. Die komplette F 650 wurde bei Aprilia zusammengebaut. Es gab übrigens auch noch ein Strassenmodell der F 650 - die F 650 ST (für Strada) und die F 650 GS Dakar, ein Sondermodell der F 650 GS.
Neue Produktionshalle in Berlin
Die Erfolgsstory von BMW Motorrad und des BMW Werks Berlin setzt sich weiter fort. So erfolgt im Mai 2001 die Grundsteinlegung für eine neue Produktionshalle, das Gebäude 7, welches bereits zwei Jahre später seiner Bestimmung übergeben wird.
Insgesamt investiert BMW von 1999 bis 2003 280 Millionen Euro für eine neue Montagehalle, eine automatisierte Lackieranlage und neue Anlagen in der mechanischen Fertigung und liefert damit ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Motorrad Produktionsstandort Berlin-Spandau.
Luftaufnahme des BMW-Werks in Berlin:
Motorradmontag der K 1200 GT in Berlin:

Kurbelwellenbearbeitung mit einer Drehmaschine in Berlin:

Und Prüfstandlauf einer K-BMW:
High-Tech für die neuen K-BMWs:
Duolever-Federungssystem am Vorderrad. Hier an der K 1200 S. Daneben der Motor der K 1200 S:
500'000ste BMW mit ABS, 2004
Noch im selben Jahr läuft mit einer R 1100 RT für das Rote Kreuz die 500'000ste BMW mit ABS vom Band. Auch in den Folgejahren bestimmen nicht nur Motorräder, sondern auch die damit verknüpften roduktionsbedingungen das Geschehen im Werk Berlin. So wird 2004 eine neue, umweltfreundliche Lackiererei eröffnet, im Jahr darauf erfolgt die Einführung umweltfreundlicher Motorrad Einweg- und Mehrwegverpackung.
100'000ste BMW aus Berlin, 2006
2006 war es soweit, die 100'000 BMW rollte vom Band. Hier das Foto davon:
Doch die Innovationskraft und Zukunftsorientierung von BMW Motorrad erstreckt sich nicht nur auf die hauseigenen Produkte mit zwei Rädern. Auch Arbeitsqualität und Umweltschutz sind unverzichtbare Bestandteile des Unternehmensleitbilds. So wird das BMW Werk Berlin 1997 als erstes Motorradwerk der Welt nach den internationalen Normen für Arbeits- und Umweltschutzmanagement überprüft und anerkannt.
F 800 S, 2006
2006 rollt mit der BMW F 800 S die erste Verteterin der neuen, vierten Baureihe von BMW Motorrad vom Band. Sie verfügt über einen wassergekühlten Zweizylinder Reihenmotor (Paralleltwin) und bildet die Ausgangsbasis für zukünftige Modelle mit diesem Antriebskonzept.
2006 überspringt das BMW Werk Berlin erstmals die Zahl von 100'000
gebauten BMW Motorrädern innerhalb eines Kalenderjahres. Mit dem Einsatz von Hydroklarlacken auf Wasserbasis trägt das BMW Motorrad Werk seit 2008 weiter verstärkt dem Umweltschutz Rechnung.
BMW S 1000 RR, 2009
Mit einer BMW R 1200 GS läuft am 12. Mai 2009 die 500.000. BMW mit der Modellbezeichnung GS in Berlin vom Band, und in diesem Jahr begann die Produktion der neuen BMW S 1000 RR dem ersten Supersportler von BMW Motorrad.
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