Auf Achse

Wales und Mittelengland

Auf Achse: England


 

21.08.2009 00:00

Eigentlich wollte ich mit der Tiger nur das Triumph-Werk in Hinckley besuchen. Doch Wales, der Peak District und Yorkshire lagen auch noch am Weg…


Es stinkt bestialisch auf meiner Fähre. Auf einer der vorherigen Fahrten war wohl schwere See, was die Seekranken zum willkommenen Anlass nahmen, das Schiff vollzukotzen. Durch einen Pulk von französischen Schülern, fettleibigen Omas und käseleibigen Engländern mit Sonnenbrand steuere ich den Saloon im Vorschiff an, nur um dort von einem weiss gekleideten Steward angehalten zu werden: «Sorry Sir. Only for Club Members!» Aha. Und Club Member wird man, ihr ahnt es natürlich, gegen den Betrag von 3 Pfund. Verärgert dränge ich mich wieder durch die Fähre zurück, bis ganz nach Achtern, wo es immerhin an der frischen, kalten Luft noch ein paar freie Sitzplätze gibt. Zeit zum Rekapitulieren.

Bei meiner letzten Schottlandreise, das war vor einigen Jahren mit einer BMW F 650 GS, streifte ich Wales nur so am Rande. Und hatte danach das Gefühl, was verpasst zu haben: schöne grüne Hügel, menschenleere Landschaften, tolle Küstenstrassen. Also musste ich wieder mal hin. Eine erneute Englandreise liess sich wunderbar verbinden mit einem Besuch der Triumph-Fabrik in Hinckley, nähe Birmingham.

Aber nach Hinckley fährt man selbstverständlich nicht mit einer BMW oder gar mit einer Suzuki Bandit – dazu braucht es ein standesgemässeres Transportmittel. Eine Triumph natürlich!
Eine funkelnagelneue weisse Triumph Tiger 1050 (Fahrbericht dazu) steht daher in den Tiefen der Fähre von Calais nach Dover. Eine halbe Stunde später tut mein Herz einen Sprung: Ich erblicke die «White cliffs». 2064 Jahre zuvor war Gaius Iulius Caesar mit seiner Flotte am fast genau gleichen Ort gestanden.

Doch damals wurde Caesar mit einem Pfeilhagel empfangen – die Insel-Kelten hatten keinen Bock darauf, nach der Pfeife der Römer zu tanzen. Bei mir ist das anders: Meine Tiger und ich werden grosszügig durch den Zoll gewinkt. Ich bin wieder auf britischem Boden. Täusche ich mich, oder läuft die Triumph Tiger plötzlich besonders gut? Ein britischer Triumph-Treiber wird das später so umreissen: «War ja klar, eine Triumph weiss eben, wo sie herkommt. Pass auf, je näher du Hinckley kommst – desto besser läuft deine Tiger.» Na dann…

Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 15/2009; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…

Grosse Fotos:

Flamborough Head

Karte der Fahrroute

Bodiam Castle

Yorkshire und Triumph Tiger 1050


Touren-Info

Mittelengland und Wales

Distanz, Dauer total etwa 5300 km, mindestens 14 Tage Zeit braucht es (besser wären drei Wochen). Beste Reisezeit: Frühsommer bis Spätherbst.
Anfahrt

Schnellste Anreise über Frankreich. Für Schottlandreisende hat sich die Fährpassage Hoeck van Holland (NL)-Kingston upon Hull bewährt (allerdings teuer und nur mit Reservation). Ärmelkanal: Durch den Eurotunnel (Verladen auf Zug) gehts am schnellsten – ist aber teurer als die Fähre.

Schnellste und teuerste Fähre ist der Hoovercraft. Am günstigsten sind die (konkurrierenden) Autofähren von P & O und Seafrance. Entweder im Internet Tickets vorbestellen oder in Calais Tickets kaufen (kein Problem). Achtung: sehr unterschiedliche Fährtarife für die sehr ähnlichen Fähren.

Linksverkehr

Lasst euch von niemandem einreden, links fahren sei kein Problem. Ist es nämlich, es erfordert eine ganze Portion mehr Konzentration. Das Problem liegt nicht beim Verlassen der Fähre in Dover.

Nein, das Problem liegt darin, dass ihr nach 10 Tagen in GB eines Morgens nach dem Campen aufsteht und in die autoleere Küstenstrasse einbiegt. Nach 5 Kilometern stellt ihr dann fest, dass euch auf eurer Seite ein Auto entgegenkommt. Seid ihr dann sicher, dass der andere der «Vollidiot» ist?

Motorradfahren in GBInnerorts 48 km/h, ausserorts 96 km/h, Autobahn 112 km/h (30, 60 und 70 Meilen pro Stunde).
Polizei, Radar 

Extrem viele fix installierte Radarkameras (sind aber ausgeschildert), mobile Radarkontrollen oftmals innerorts.

In gewissen Gebieten (bsp. Peak District) werden Geschwindigkeitskontrollen per Helikopter vorgenommen.

Unterkunft 

Campingplätze zur Ferienzeit und zur Bank-Holiday-Zeit oftmals überfüllt, ausserhalb oftmals leerstehend. Empfehlenswert sind ausserdem die zahlreichen B&B (Bed & Breakfast), die es inzwischen in diversen Komfortkategorien gibt.

Wer zum Frühstück keine Würstchen, Pilze und Tomaten mag, bestelle am Vorabend zudem ein «Continental Breakfast». Nett fand ich ausserdem die vielen Pub-Gastzimmer.

Sie sind praktisch, denn so fällt der Heimweg nach dem Saufen nur kurz aus. Mit etwas Glück landet man zudem in einem historischen Pub – sie sind seit 250 Jahren ununterbrochen in Betrieb und herrlich nostalgisch ausgestattet.

Essen Selbstversorger leben in Grossbritannien günstig. Fleisch, Brot, Gemüse und Früchte sind sehr günstig im Supermarkt. Zum Auswärtsessen: In der einschlägigen Reiseliteratur steht immer der gleiche Satz: «Man isst inzwischen auch in England sehr gut.» Das ist gelogen - man isst vielerorts in Grossbritannien leider miserabel.
Geld Währung ist nach wie vor das Pfund (£). Derzeit liegt das Pfund im Vergleich zum starken Franken darnieder = ideal für Englandreisen.
Wetter, KlimaDank ihrer exponierten Lage im Atlantik verfügen die Inseln über ein sehr gemässigtes Klima: relativ kühle Sommer, relativ warme Winter. Das wäre prima zum Motorradfahren, wenn da nicht der Regen wäre: An der Westküste fällt er sehr, sehr häufig.
Karten Entweder Navi oder Einkauf diverser County-Karten an den Tankstellen (bsp. Tesco).



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