Sport

LeMans Grand Prix

Kolumne Eskil Suter


 

26.05.2010 00:00

"Im Vorfeld zum Frankreich GP wurde es für uns nochmals ziemlich hektisch, denn am Donnerstag nach Jerez klingelte das Telefon und das Team von Jorge “Aspar” Martinez verlangte nach einem Angebot für zwei von unseren Töff. Natürlich war ich über den Gesinnungswandel etwas überrascht, hatte sich doch das Team erst im Januar gegen unser Material, für die sichtlich etwas schwerfällige RSV entschieden. Nun, uns konnte es Recht sein, zumal ich Julian Simon als einen wirklich starken Fahrer mit ernsthaften Titelambitionen einstufe."


"Natürlich musste alles schnell gehen und übers Wochenende haben wir 2 neue Motorräder auf die Räder gestellt, danach alles verladen und ab ging es nach Albacete in Spanien für einen Test.

Voller Tatendrang waren wir an der Strecke angekommen, doch leider verhinderten immer wieder Regenfälle vernünftige Tests. Ich hatte diesmal eine Ausrüstung dabei, und da wir unsere Testmaschine verwaist in der Box stehen hatten, habe ich mich das erste Mal in den Sattel unserer MMX geschwungen. Ich muss sagen, es hat trotz der nassen Strecke richtig Spass gemacht, wieder einmal mit einem GP Motorrad einige Runden zu drehen. Den Streckenrekord konnte ich leider nicht pulverisieren und atmen gelang auch kaum, da die Kombi in den Jahren seltsamerweise extrem eng geworden ist.

Am Donnerstagabend fuhren wir mit dem Auto nach Le Mans, um unseren Teams den Support für das dritte Saisonrennen zu geben, noch nicht ahnend, dass uns die Abstimmungsarbeiten relativ viel Kopfzerbrechen bereiten würden. Was vorher überlall wunderbar funktioniert hatte schien in LeMans überhaupt nicht zu funktionieren!! Unsere Fahrer klagten über alle Arten von Problemen, welche, wie es schien, nicht mit kleinen Änderungen gelöst werden konnten. Zudem ist es an einem GP immer schwierig, die Teams von massiven Settingsänderungen zu überzeugen, doch nach und nach konnten wir wenigstens mit einigen Fahrern die gewohnte Performance zurückgewinnen. LeMans scheint auf den ersten Blick als relativ einfache Strecke mit etwas viel harten Bremsphasen, doch irgend etwas ist hier speziell und die Bikes verlangen doch eine etwas unübliche Abstimmung.

Aus Schweizer Sicht sah es aber nach dem Training sehr düster aus, Lüthi P18 und unser Domi Aegerter nach gutem freien Samstagstraining im Quali nur P30. Man muss sich aber die Zeiten anschauen, Domi verlor nur knapp mehr als eine Sekunde!!!

Die weiteren Suter MMX Fahrer schnitten unterschiedlich ab, Cluzel schaffte es mit P4 in die erste Reihe, Suter Neuling Simon war 9ter und der Rest so übers ganze Feld zerstreut. Am schlimmsten lief es für Bradl, welcher grad anfangs des Quali gestürzt war und in der Box stehend Mühe bekundete seine Rundenzeit zu verbessern!! Startplatz 35 war alles andere als erfolgsversprechend und Stefan ging zerknirscht schlafen.

Fürs Rennen hatten dann noch einige unserer Piloten ein geändertes Setting, welches wir im Warm Up noch probieren konnten.Der Start liess einem wieder den Puls hochschnellen, denn LeMans mit seiner engen Schikane lässt nicht viel Platz für 42 Piloten. Diesmal erwischte es ausgerechnet Domi Aegerter, welcher einen guten Start dringend nötig gehabt hätte.

Die Spitzengruppe legte gleich zu Beginn des Rennens schnellere Zeiten als im Qualifying vor, was sich aber bald mit einer Reihe von Stürzen rächte. In Runde 6 übernahm Jules Cluzel die Führung, obschon wir ihn gemahnt haben, etwas vorsichtiger zur Sache zu gehen, denn noch nie ist er bei einem Heim-GP ins Ziel gekommen. Immerhin konnte er die Führung eine volle Runde geniessen, ehe er die MMX Ende Zielgeraden mit ca. 250km/h ins Kiesbett schmetterte, dabei aber glücklicherweise mit Ausnahme einer „Kiesmassage“ unverletzt blieb.

Somit war der weg frei für Toni Elias, welcher das ganze Wochenende unheimlich stark unterwegs war. Gegen Rennmitte kam ihm zwar unser „Neuer“ Julian Simon bedrohlich nahe, aber nach einigen kleinen Fehlern musste dieser ihn ziehen lassen. Besser Platz 2 als sich zu Cluzel zu gesellen war da wahrscheinlich die bessere Taktik. Bradl schaffte das Unmögliche, prügelte sich regelrecht durchs Feld und betrieb mit Platz 9 Schadensbegrenzung. Lühti musste nach einem Ausrutscher mit Platz 19 vorlieb nehmen und Domi nach Reparatur der Maschine in der Box mit Rang 30."


Ex-Rennfahrer Eskil Suter führt das mit Bruder Simon gegründete Unternehmen Suter Racing Technology AG (STR). STR liefert für fast einen Drittel des Moto2-Feldes den Rahmen, für alle die Rutschkupplung, die Suter Clutch.

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