Sport
Hillclimbing Obersaxen GR
06.07.2010 00:00
Drei-Königs-Tag
Dreimal wurde der Titel des «King of Sax Mountain» dieses Jahr weitergereicht. Jörg Seewer war der erste, der sein Motorrad im Zielbogen des Kartitschahills parkte, geknackt ist der Berg trotzdem immer noch nicht.

Der mehrfache Europameister Lars Nonn stürmt unter Beobachtung von André und Marcel Oechslin (r.) sowie König Jörg Seewer in Richtung Zielbogen.
Der oberste Teil war nicht nur besser einsehbar, sondern für die Fahrer auch einfacher erreichbar denn je. So mussten für die Finalteilnahme in der Open-Klasse respektable 204,5 m erreicht werden. Eine Höhe, die an den ersten Veranstaltungen 2003 und 04 noch zum Sieg gereicht hätte.
Favoriten im Titelkampf
Bereits zum sechsten Mal wurde mit serienmässigen Maschinen in der Klasse Cross/Enduro und mit wilden Umbauten in der Open-Klasse um den Europameister-Titel (IMBA) gefahren. Lars Nonn galt als klarer Favorit für beide Kategorien, immerhin hatte der Deutsche hier in den vergangenen fünf Jahren sieben Meistertitel abgeräumt.
Zu seinen härtesten Konkurrenten zählten die Innerschweizer Gebrüder Marcel und André Oechslin, das Walliser Hillclimbing-Urgestein Jörg Seewer oder der Deutsche Michael Resch, der bisher einzige ausländische King of Sax Mountain (Rekordhalter). Inzwischen pilgern aber auch immer mehr Franzosen nach Obersaxen. Die «Montée Impossible», die französische Version des Hillclimbing, wo mit Nagelreifen gefahren wird, waren der Ursprung des Hillclimbing in Europa. Unter den gallischen Fahrern war auch «Monsieur Montée Impossible» himself, der achtfache französische Meister Stéphane Pierrel.
Bestweite mit ausgeliehenem Töff
Wo eine Woche zuvor noch Schnee fiel, wurden am Samstag bei sommerlicher Hitze die Qualifikationsläufe ausgetragen. In der Cross-/Enduro-Klasse setzte Marcel Oechslin mit 203,3 m eine erste Bestweite, stürzte dann aber auf dem Weg nach unten, schlug hart auf und blieb benommen liegen. Für den zweiten Qualifikationsdurchgang schien er wieder in Form zu sein, verbesserte seine Höhe minim, wurde aber von Titelverteidiger Nonn und dem Sachsen David Trinks übertrumpft. Die beiden Germanen waren es dann auch, die im Halbfinale als Einzige die 200er-Marke knackten und sich mit je 209 m ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten.
Während Oechslin seine Halbfinal-Höhe im Finale nicht mehr hochschrauben konnte, wuchs der ehemalige Enduro-Pilot Trinks auf dem geliehenen Crosser eines Kumpels über sich hinaus, setzte mit 212,4 m überraschend eine Bestmarke, die auch für Titelverteidiger Nonn unerreichbar blieb.
Ähnlich überraschend auch die Leistung von Lucas Beck: Der Finallauf des Österreichers war bei 170 m nach einem Schnitzer so gut wie gelaufen, doch dann rettete sich der Nachwuchs-Hillclimber mirakulös. Fernab der Ideallinie passierte er die gröbsten Absätze, schraubte seine KTM bis auf 209,1 m hoch und belegte hinter Trinks und Nonn Platz 3. Marcel Oechslin war der einzige Schweizer, der es mit Platz 6 (206,3 m) in die Top 10 schaffte.
Lachgas, Allradantrieb und mehr
Spektakuläre Unikate gab es in der Open-Klasse zu bestaunen. Hier ist ein Radstand von mindestens 1700 mm Pflicht, eine lange Hinterradschwinge also zwingend. Das Maximalgewicht liegt bei 200 kg, und die Reifen dürfen keine «Steighilfen» aus Metall aufweisen. Ansonsten haben die Tüftler viel Spielraum, der auch tüchtig genutzt wurde: So kamen vom grossvolumigen Vierzylinder mit 200 PS über Harley-Davidson-V2 bis zu Dreizylinder-Zweitaktern aus Motorschlitten die exotischsten Motoren zum Einsatz. Mit Lachgaseinspritzung aufgepeppte, leichte Einzylinder waren bei den Favoriten weit verbreitet. «Monsieur Montée Impossible» Pierrel setzte auf zwei hintereinander geschaltete 500er-Zweitaktmotoren.
In Frankreich gelten mit Metallnägeln versehene Dragster-Reifen als das Mass aller Dinge, in der Schweiz montierten die Gallier stattdessen breite Stollenreifen von Sandbuggys. Viel gesehen wurden auch modifizierte Sandcross-Reifen oder Schaufelräder. Ein besonderer, inzwischen weit verbreiteter Leckerbissen ist der Umbau auf Allradantrieb.
Bezwingbar oder nicht?
Ob es diesmal einer bis ganz auf den Berg schaffen würde, war wieder die Frage des Wochenendes. «Letztes Jahr dachte ich noch: Das muss gehen! Als ich mir das jetzt nochmals angesehen habe, fragte ich mich hingegen, wie ich es überhaupt so weit hoch geschafft hatte!», meinte der aktuelle King of Sax Mountain, Marcel Oechslin. Und auch Nonn war hin und her gerissen. Zunächst schmunzelte der in Obersaxen bisher erfolgreichste Gipfelstürmer noch: «Heuer kommt einer hoch!» Später war er überzeugt: «Nein, es geht nicht! Jetzt wühlen sich da oben so viele Fahrer in den Hang, dass es nur noch schwieriger wird.»
Den ausführlichen Bericht lest ihr in SCHWEIZ 14/2010, das ab 8. Juli 2010 am Kiosk erhältlich ist. MOTO SPORT SCHWEIZ kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
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