Sport
Trotz Platten nicht plattzukriegen
06.07.2010 00:00
So wie das brutal von kühl-regnerisch nun endlich auf sonnig und glutofenheiss umschaltende Wetter, ist auf der steingespickten, steilen Motocrosspiste von Broc auch an der Spitze der SM-Tabelle alles überfallartig umgekrempelt worden.

So heiss wurde um jeden Zentimeter gekämpft: Valentin Guillod jagt Kevin Gonseth, nachdem dieser wegen eines Sturzes zurückgefallen ist.
Doch für das leibliche Wohl der beachtlichen Zuschauermenge war gesorgt: überall grosse und kleinere Getränk-Stände mit schattenspendenden Sonnenschirmen, das VIP-Grosszelt sogar grosszügig als Verschnauf- und Schlemmerecke eingerichtet.
Doch nun zu den Rennen: Bereits am Samstag hatten die zahlreichen Kategorien der AFM (Fribourger Meisterschaft) sowie die FMS-Klassen Junior 125 und Kid 65 unzählige grobe Steine aus dem harten Boden gepflügt. Am Sonntag waren die Mini 85, der Yamaha Cup und beide Inter-Klassen an der Reihe.
Inter 125: Elmer immer frecher
Die Ausgangslage: Nach dem Pfingstmontagscross von Muri, also fünf Wochen vor der Wiederaufnahme der Gefechte in Broc, führte Killian Auberson (KTM) trotz massiven Sturzes und Ausfalls in Lauf 2 die Tabelle immer noch mit satten 22 Punkten vor «Tausendpurzler» Valentin Guillod (KTM) an, während Alain Schafer (Honda) nur zwei Längen auf das Spitzenduo einbüsste. Würde Auberson die lange Pause reichen, um sich von seinen Lungen- und Bänderverletzungen zu erholen?
Ja, Auberson war zur Stelle, zwar mit etwas schmerzverzerrtem Gesicht, doch kämpferisch wie eh und je. Im Zeittraining reichte es immerhin für Startplatz 6, während Guillod wie üblich die Pole eroberte. Doch diesmal fletschte Tobias Elmer (Kawasaki) die Zähne wie noch nie zuvor: Durch alle Trainings hindurch bissiger Zweiter, liess er ganz heisse Attacken erahnen. Und der Tabellendritte Alain Schafer folgte auf Startplatz 3.
Beim Start zum ersten Lauf setzte sich der flinke Auberson durch, vor dem lange von vielen Verletzungen gebremsten William Kehrli (Yamaha), während Guillod ungewohnt erst als Zehnter loseilte. Guillod: «Ich wurde vom Fallen des Startbalkens völlig überrascht und versaute meinen Start total.» Als die Spitze nach der langen Bergauf- und Bergabschlaufe wieder auf dem Plateau bei Start und Ziel erschien, führte Auberson immer noch vor Kehrli, Mike Walther (KTM), Elmer, Olivier Davet (Honda), Andy Baumgartner (Yamaha), Alain Schafer (Honda) und... Guillod, der im Nu einige Plätze gutgemacht hatte. Eine Runde später hisste sich Kehrli an Auberson vorbei, während Guillod bereits an Elmer vorbei an vierter Stelle galoppierte. In Runde 3 war es so weit: Guillod führte die Meute an, Kehrli hielt tapfer seine Spur. Dann, in Runde 8, der beinahe obligate Sturz von Guillod. Guillod später: «Ja, ein dicker Steinbrocken (daher der Ortsname Broc?...) hat mir das Hinterrad weggeschlagen und ich bin gestürzt. Was meinen Siegeswillen nur noch mehr angeheizt hat!» Darauf übernahm der «Zürileu» Elmer die Führung, gefolgt von Kehrli, Romain Jacquiot (Yamaha), Kevin Gonseth (Suzuki) und dem allmählich vor lauter Schmerzen entkräfteten Auberson. Elmer wehrte sechs Runden lang die Attacken von Kehrli, Gonseth und dem wieder aufgeschlossenen Guillod ab. Die zwei letzten Runden liessen das ohnehin verschwitzte Publikum Fluten von Adrenalin ausstossen: An der Spitze balgten sich Guillod und Elmer Ellbogen an Ellbogen um den Sieg; kaum ein Steinwurf dahinter die Kampfhähne Gonseth und Jacquiot, dahinter schenkten sich Kehrli und Auberson ebenfalls nichts. Quasi auf dem Zielstrich, beide im vollen Drift aus der letzten Rechtskurve, entschied Guillod um zwei Zehtelsekunden mit plattem Hinterreifen! das Duell für sich.
Der zweite Lauf verlief wenigstens für Guillod stressfreier, obwohl er noch nicht, wie der anwesende Julien Bill (siehe Kasten) dringend empfohlen hatte, auf Schlauchreifen verzichtete. Bill: «Heute fährt ja kein namhafter Crosspilot mehr mit Schlauch, sondern mit Mousse!»
Den ausführlichen Bericht lest ihr in SCHWEIZ 14/2010, das ab 8. Juli 2010 am Kiosk erhältlich ist. MOTO SPORT SCHWEIZ kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang
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