Sport

Interview

Marco Colandrea - Moto2-Pilot

26.03.2012 11:30 (df)

Der Tessiner Moto2-Pilot Marco Colandrea, kurz genannt "Cola", hat sich neben dem Trainingsstress bereit erklärt, einige von MSS-gestellte Fragen kurz zu beantworten! Grazie mille, Cola!  


Marco Colandrea, genannt Cola, bereitet sich auf die Moto2-Saison vor.

Interview mit Marco Colandrea

Text: Désirée Fallet

Name:                    Marco Colandrea
Spitzname:            Cola
Wohnort:                Ponte Cremenaga (TI)
Geburtstag:            6.04.1994
Karriere:                 2012 Moto2
                               2011 IDM Supersport
Fahrernummer:      #10
Team:                    SAG-Team
Motorrad:               FTR
 
 
 
 
 
 
1. Du als junger und professioneller Töffpilot: meinst Du, dass das Fahren auf Renn- und Rundstrecken dem Raserverhalten auf den Schweizer Strassen entgegenwirkt und sich somit auch einige Verkehrsunfälle vermeiden lassen?

Ich bin der Meinung, dass das Töfffahren auf der Strasse gefährlicher ist. Denn auf der Strasse bist nicht nur Du alleine da, sondern auch die Autos. Nicht immer alle fahren konzentriert, deswegen ist es besser, die Rennstrecke dazu zu benutzen, um am Fahren Spass zu haben und mal richtig Gas zu geben!

2. Dieses Jahr (am 6. April 2012 geht’s los!) wirst Du in der Moto2-Klasse am Start sein. Wie wir bereits informiert wurden, bist Du fleissig am Trainieren (z.Bsp. Jerez vor einer Woche). Welche technischen Unterschiede merkst Du am meisten bei der 600-er, verglichen mit der Supersport-Klasse?

Ich muss vorweg nehmen, dass ich leider noch nicht allzu viel trainieren konnte. Bis jetzt konnte ich mich das erste Mal im Training in Valencia auf die FTR setzen (wo leider wegen der Kälte verhältnismässig wenig gefahren werden konnte), und dann noch zwei weitere Male in Jerez. Erst beim letzten Test in Jerez konnte ich die Moto2 besser verstehen. Unterschiede gibt es viele! Der grösste Unterschied ist jener, dass die Moto2 das strengere Fahrwerk hat als die Supersport-Maschine. Mit diesem Töff müssen die Manöver viel präziser ausgeführt werden. Mit dem Supersport-Motorrad darf man „aggressiver“ fahren.  Ein weiterer massiver Unterschied, den ich bemerke, ist, dass die Moto2-Maschinen härtere und sensiblere Bremsen haben. Beide Maschinen sind interessant und lässig zu fahren, es bestehen jedoch die von mir genannten wichtigen Unterschiede.
 
3. Die Schweiz ist mit vier Moto2-Piloten und einem Moto3-Fahrer bestens vertreten. Denkst Du, dass ein solch kleiner Staat wie die Schweiz ohne offizielle Rundstrecken, bzw. mit Rundstreckenverbot, eine solches Fahrerfeld im internationalen Töffsport verdient? Wenn ja, wieso ja? Wenn nein, weshalb nein?

Ja die Schweiz hat sogar in der Moto2 bereits schon vier Fahrer am Start und ich denke, dass sich diese Situation positiv auswirkt für unser Land. Es ist nicht einfach für uns Sportfahrer, weil die Schweiz weder im internationalen noch im nationalen Motorradsport über eine Rennstrecke verfügt. Ich musste mich, so wie all meine Kollegen auch, immer am Streckenangebot im Ausland, zum Beispiel in das für mich nahe Italien oder in Spanien, richten, was jedoch manchmal mit hohen Aufwänden verbunden ist. Klar, es ist für uns nicht immer einfach, aber für das nationale Töffinteresse sehr bedeutend, dass so viel Schweizer Kreuze wie möglich an den internationalen Motorradmeisterschaften unterwegs sind.

4. Was denkst Du ist der Grund, weshalb die Schweizer Bevölkerung Mühe hat, Rundstrecken zu akzeptieren?

In meinen Augen, weil die Schweiz geographisch sehr klein ist und deswegen der Raum für Rundstrecken bereits sehr begrenzt ist. Ein anderer Grund sind die Lärmemissionen, welche mit einer Töffrennstrecke entstehen. Diese zwei Punkte sind von mir aus gesehen, die zwei grössten Hürden. Des Weiteren ist jedoch auch Fakt, dass die breite Öffentlichkeit nicht genügend über die technologischen Evolutionsfortschritte, welche die Töffindustrie vor allem in den letzten Jahren erleben durfte, informiert ist. So stuft leider noch so manch einer das Motorrad als negativer und beunruhigender Faktor ein. Ist ja eigentlich nichts Falsches. Die heutigen Motorräder haben sich Dank der Forschung vor allem im Bereich Umweltverschmutzung zu respektvollen Maschinen entwickelt, verglichen mit den Standards der Vergangenheit. Auch die Sponsoren müssen daran festhalten, denn sonst stirbt dieser Sport letzten Endes. Also, in der Schweiz.

5. Was erwartet dich im Moto2-Zirkus? (Paddock, Leute, Box, Team und Mass-Media?)

Mich erwartet etwas Neues im international Motosport. Für mich ist alles neu: die Rennstrecken, der Töff und das dazu gehörende Reiseverhalten. Letztes Jahr durfte ich für die letzten drei Rennen in der 125-GP-Klasse ein wenig von dieser Luft bereits schnuppern. Aber jetzt erwartet mich die gesamte Meisterschaft und es werden noch viel mehr neue Erfahrungen auf mich zukommen. Weil jetzt das Tessin jemanden hat, der im international Töffsport unterwegs ist, denke ich, dass vor allem die regionalen Medien vermehrt über mich berichten werden, da sie stolz sind auf mich, das freut mich natürlich sehr!

6. Welche Ziele verfolgst Du für die kommende Saison 2012 in der Moto2?

Dieses Jahr werde ich Vieles lernen müssen, da für mich alles neu ist, wie zum Beispiel die Rennstrecken. Das Ziel ist, mich mit jedem Rennen stetig zu verbessern und mit jedem Mal sicherer und schneller unterwegs zu sein. Klar, es würde mir sehr gefallen, es in die Punktewertung zu schaffen, aber im Moment konzentriere ich mich lieber darauf, Fortschritte zu machen.

7. Wie wurdest Du vom SAG-Team entdeckt?

Es basiert eigentlich auf einen Vertrag, der Anfang des Jahres zwischen der Gesellschaft, welche für mich tätig ist (All Sports Consulting SA) und dem SAG-Team abgeschlossen wurde. Das Team hegte Interesse gegenüber mir und meinen Fähigkeiten und deshalb entstand dann das Projekt Moto2. Beiden Parteien gefiel die Projektidee sofort und jetzt bin ich hier, bereit für die Saison!

8. Wie trainierst Du?

Unter der Woche gehe ich mindestens zwei Mal ins Fitnessstudio. Drei Tage in der Woche widme ich meinem Rennfahrrad. Auf die Rennen bereite ich mich im Sommer, wie auch im Winter, jeweils an Wochenenden oder an freien Tagen, mit meiner Motocross-Maschine auf MX-Strecken vor. Natürlich nehme ich nach Möglichkeit auch an von meinem Team organisierten Testtagen teil. Die Kosten dafür sind jedoch hoch und deshalb kann ich nicht an jedem Test dabei sein.
 
9. Was machst Du ausser Töffrennen fahren?

Ich gehe noch zur Schule, und zwar besuche ich eine Höhere Handelsschule für Elitesportler, welche es mir erlaubt, mir schulisches Fachwissen anzueignen und gleichzeitig an den Rennen teilzunehmen. Das Studium ist mir sehr wichtig, denn um in Zukunft einen guten Job haben zu können, brauche ich ein Diplom. Ansonsten pflege ich Hobbies wie Töffahren, Motocross und Fussball spielen mit Freunden.

10. Welches ist Dein Töffheld? Hast Du ein Vorbild?

Mein Lieblingstöfffahrer war immer Toni Elias. Er ist ein grossartiger Pilot und ich verfolge seine Karriere bereits seit vielen Jahren am Fernseher. Natürlich gefallen mir auch bekannte Namen wie Kevin Schwantz, Wayne Rainey, Casey Stoner und noch andere Fahrer. Dieses Jahr bin ich besonders stolz, dass ich selber gegen Toni antreten kann, denn er war immer mein Vorbild. Ich durfte ihn kennenlernen und wir verstanden uns auf Anhieb. Es kommt mir vor, als würde ich gerade einen Traum leben! :)
 
11. Special Thanks, die Du los werden möchtest?
 
Ja, ich danke der All Sport Consulting, meinem Helmdesigner Mike und meinem Vater...ohne sie wäre diese Saison nie zustande gekommen! 
 

MSS: Grazie mille, Cola! In bocca al lupo per la stagione 2012!

 
Text: Désirée Fallet

 

 

 

 

 

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