Menschen und Politik

Aschi Strahm

Der Andy Warhol der Töffkultur

24.11.2015 00:00 (zvg/br)

Er ist mehr als ein Kind seiner Zeit: Er prägt seine Zeit. Ja, wenn wir jetzt zurückblicken, dann können wir sagen: Ernst «Aschi» Strahm ist der Andy Warhol der helvetischen Töffkultur.


Nein, dieser Töff hat keinenHeckschaden: SolcheStreetfighter waren mal derletzte Schrei. Aschi posiertedamit 2005 für einen Artikel vordem Rössli-Saloon Madiswil. (Für mehr Bilder klicken)

Erfolgreich auch als Beizer

So erfolgreich wie als Töff-Unternehmer war Aschi Strahm auch als Beizer. Wieder traf er den Nerv der Zeit. Er hatte schon mit 14 seine eigene Werkstatt, sein Geschäft baute er in Madiswil ab 1972 im «Rössli » auf, im Gebäude einer alten Beiz mit angeschlossener Metzgerei. Aus der Metzgerei wurde der Laden, aus dem Schlachtbereich die Werkstatt – und aus der Beiz schliesslich der heute legendäre «Saloon». So war das Esalen der Schweizer Töffkultur entstanden. Unvergesslich ist mir das Gespräch mit einem Vertreter einer grossen nationalen Biermarke. Wenn eine Beiz eröffnet wird, ist es Brauch, dass eine Biermarke die Ausschankeinrichtungen sponsort und sich so die exklusiven Verkaufsrechte sichert. Aschi Strahm verlangte 1992 bei der Eröffnung des Saloons keck zusätzlich noch einen hohen fünfstelligen Zuschuss an Bargeld – der Biervertreter lehnte ab. Ein Jahr später sagte dieser, er hätte einsteigen und den Platz nicht der Konkurrenz überlassen sollen. Der Bierumsatz im Saloon sei ganz einfach unglaublich. Aber am Ende des Tages geht es um viel mehr als um Kreativität, Fantasie und Mut zum Risiko des Unternehmers Ernst «Aschi» Strahm. Es geht um seine Persönlichkeit. Er ist im Laufe der Jahre nie arrogant geworden, nie überheblich. Seine bodenständige Bescheidenheit hatte den jahrzehntelangen Erfolg erst möglich gemacht. Er ist im Herzen ein Biker und Büezer geblieben, freundlich zu allen. Aber nicht aus Berechnung. Sondern weil er ein freundlicher, netter Kerl ist, der sich am meisten darüber freut, wenn andere ihren Spass haben und wenn er etwas dazu beitragen kann. So war er als Unternehmer, so ist er heute als Pensionär – und es passt wunderbar zu Ernst «Aschi» Strahm, dass er sein Lebenswerk nicht einfach verkauft hat. Für Aschi und Ruth Strahm, die selbst keine Kinder haben, ist die Übergabe an ihre drei langjährigen Mitarbeiter die perfekte Lösung. Rama Dehmlow (25), Thomas Kummer (30) und Benz «Bänz» Heiniger (39) haben per 1. Dezember 2014 die Firma von Ernst Strahm übernommen. «Sie kennen unsere Philosophie, haben aber auch das Gespür für ihre Generation.» Seine Frau Ruth spielt in dieser Erfolgsgeschichte eine wichtige Rolle, die wir nur deshalb in diesem Porträt nicht ausgiebig gewürdigt haben, weil die Töffkultur halt eine Macho-Welt ist. Diese starke Frau hat den Erfolg erst möglich gemacht. Sie hat unnachgiebig dafür gesorgt, dass die Zahlen stimmen, und für Ordnung in der Administration gesorgt. Aschi Strahm sagt, seit sich herumgesprochen habe, dass nun die Jungen am Drücker seien, habe sich auch die Kundschaft verjüngt. Es ist jetzt eine andere Zeit. Aber er steht seinen Nachfolgern immer noch zur Seite, und wir treffen ihn nach wie vor im Verkaufsraum an. Ohne Motorrad ist das Leben für ihn nicht vorstellbar. «Das gilt nun auch für den Ruhestand», macht er klar und bekennt, der Rücktritt ins zweite Glied falle ihm leichter, wenn er dafür sein Hobby nicht aufgeben müsse. Andy Warhol ist ja auch nie in Pension gegangen.

Teil 1
Der Andy Warhol der Töffkultur
Teil 2
Der Schweizer Superbike-Bauer, der gegen den Strom schwimmt

Teil 3
Immer eine Idee mehr und mit grossen Namen
Teil 4
Ein Hexenmeister der Kommunikation
Teil 5
Erfolgreich auch als Beizer

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