Test und Technik

DUCATI 959 PANIGALE

Diva oder Kuschelrockerin

17.06.2016 14:38 (dr/ff)

Die neue kleine Panigale hat mehr Dampf als ihre Vorgängerin, aber weniger als die grosse Schwester. Das könnte der richtige Mix sein für Schweizer Strassen.


Nur Insider erkennen, dass dies eine 959 und keine 1299 ist. (Für mehr Bilder klicken)

Kultiviert sportlich durch die Schweiz

Anders als die aktuellen 1000er Vierzylinder ist die 959 nicht zu lang untersetzt (112 km/h im ersten Gang), sodass ausgebaute Spitzkehren selbst im zweiten Gang keine schleifende Kupplung erfordern. Mit der Kupplung spielen zu müssen, wäre übrigens kein Drama, die Rutschkupplung reduziert die erforderliche Handkraft – allerdings auch das Feedback. Per Schaltautomat wird hochgeschaltet, was selbst mit wenig Zug auf der Kette tadellos funktioniert; diese «Halbautomatik » erleichtert das Leben im Alltag weiter. Dort, abseits von Turnübungen auf der Rennstrecke, profitiert der Pilot von einer für diese Klasse gemässigten Ergonomie. Gefühlt tief angebrachte Fussrasten lassen Raum für die Haxen, die Lenkerhälften sind breit und nicht zu tief. Das bringt Entlastung für Handgelenke und Nacken sowie gute Übersicht in kurvigem Geläuf. Superbiketypisch wiederum ist der bescheidene Lenkeinschlag. Das Hinterrad lässt sich trotz ABS blockieren – jedenfalls im Fahrmodus Race, in dem der Blockierverhinderer nur aufs Vorderrad wirkt und, erst spät regelnd, auch knackige Stoppies zulässt. Die Fahrmodi (Race, Sport, Wet) lassen sich intuitiv und sogar während der Fahrt vom linken Lenker aus einstellen. Sie bündeln ABS, Traktionskontrolle, Leistung/Leistungscharakteristik und Motorbremsmoment zu benutzerfreundlichen Elektronikpaketen. Die genannten Stellschrauben des digitalen Sicherheitsdispositivs lassen sich auch separat drehen. Motor mit linearer Power, Ergonomie recht entspannt, tadellose Elektronik, jetzt braucht’s zum Landstrassenglück bloss noch ein passendes Fahrwerk. Das der 959 Panigale bietet zuallererst eine gute Portion Handlichkeit, Verspieltheit gar. Auf Längsfurchen reagiert sie leicht nervös, und Bremsen in Schräglage quittiert die Duc mit deutlichem Aufstellmoment. Die fein ansprechende Big-Piston- Fork liefert viel Vertrauen fürs Vorderrad und bockt über Buckel kaum. Die Hinterhand wirkt in der Grundabstimmung – wie von Ducati gewohnt – straff.

 

Teil 1
Diva oder Kuschelrockerin
Teil 2
Fürs Ohr des Piloten

Teil 3
Kultiviert sportlich durch die Schweiz
Teil 4
Chassis und Bremsen Fehlerverzeihend
Teil 5
Daniel Riesen - Ducati Panigale 959 - Meine Meinung

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