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Erstaunlich: 72,7 % der Teilnehmenden der MSS-Online-Umfrage im Dezember gaben an, dass Leasing für sie beim Motorradkauf prinzipiell nicht infrage komme. Nur 16,7 % der «Internauten» erwägen laut dieser (nicht repräsentativen) Umfrage, ein Bike zu leasen statt zu kaufen. Erstaunlich sind diese Zahlen, weil man in der Branche von einem Leasinganteil von rund einem Viertel – in der Westschweiz etwas mehr als in der Deutschschweiz – ausgeht, Tendenz steigend. Gegen ein Viertel der Neuverkäufe – auch Bikes aus zweiter Hand sind grundsätzlich leasingfähig – wickelt Iwan Strebel über Leasing ab. Strebel ist Geschäftsführer von Mühlebach-Honda in Littau LU und macht mit dieser Finanzierungsmethode schon seit Jahren gute Erfahrungen. Der Leasinganteil schwanke, gewinne aber klar an Bedeutung. «Ich machs gern», sagt Strebel, «nachträglichen Ärger mit unzufriedenen Kunden hatte ich noch nie!» Voraussetzung, dass es nicht zu nachträglichen Negativüberraschungen kommt, ist ein detailliertes Verkaufsgespräch: «Wir reden mit den Kunden, beraten sie ausführlich», betont Hans Hofmann vom Moto-Center Thun, der Anfang der Neunzigerjahre als einer der Ersten auf Motorradleasing setzte. Mit grossem Erfolg: Nun macht diese Finanzierungsart bei ihm über die Hälfte der Töfffverkäufe aus. Bei diesem Anteil erstaunt es nicht, dass es keine typischen Leasingbikes oder -preisklassen gibt. «Wir verleasen vom Roller bis zur GoldWing», sagt Hofmann. Eine gewisse Tendenz zu höherpreisigen Motorrädern gebe es jedoch schon, da die Leasinggesellschaften für diese etwas günstigere Zinskonditionen anbieten. Eben, die Zinsen. Weils bekanntlich nichts gratis gibt, und bei Banken schon gar nicht, kostet der Traum vom schnellen Töffkauf etwas. Irgendwo zwischen 7 und 10 % bewegen sich die effektiven Jahreszinsen. Früher musste man diese – wenn man die Wahrheit überhaupt wissen wollte – meist selber berechnen. Heute ist kein Leasingvertrag ohne die ausgewiesenen Realzinsen gültig. Die bis zu 10 % klingen saftig, doch günstiger ist fremdes Geld ausser bei wohlwollenden Freunden kaum zu holen. Kleinkredite gibts meist nicht unter 12 %. 0 % heisst nicht «gratis» «Gratis» gibts wirklich nichts. Auch dann nicht, wenn «0 % Leasing» draufsteht. Die Bank verdient auch hier; in den Zins teilen sich statt des Kunden Importeur und Händler, doch auch das ist kein Geschenk, sondern gilt an Stelle eines Rabattes für nicht mehr so gefragte Modelle. Im Gespräch Töffhändler/Kunde wird es meist nicht um Zinsen gehen, da jede Marke eine Art «Hausbank» hat. Andere Leasinganbieter sind gleichwohl ins Auge zu fassen. Markenunabhängige Institute indes sind rar (z. B. GE MoneyBank, Partnerbank mehrerer Töffmarken, Credit Suisse oder Multilease, Tochter der Emil-Frey-Gruppe). Auf jeden Fall auszuhandeln sind Leasingdauer, erste (meist höhere) Rate und Restwert. Die erste Rate wird um 10 % des Kaufpreises betragen, die Dauer beträgt meist zwei, drei oder vier Jahre. 48 Monate sind jedoch eine lange Zeit. Da kann viel passieren, auf der Strasse oder bei den finanziellen Verhältnissen. Verlockend mag vielleicht scheinen, den Restwert relativ hoch zu belassen und so die Höhe der Monatsrate zu drücken. Doch wer auch nur ein bisschen ins Auge fasst, den Töff zu behalten (was auf die grosse Mehrheit der Biker zutrifft), sollte sich diesen «Schock» zum Abschluss ersparen und lieber jeden Monat etwas drauflegen. Gründlich kalkulieren So verlockend es sein mag, sich den Traumtöff gleich zu leisten, sind doch Kosten und Risiken des Leasings nicht zu vernachlässigen. Zum problemlosen Normalfall ein Beispiel, frei erfunden und durch den Internet-Leasingrechner der GE-Money-Bank kalkuliert: eine Ducati zum Preis von Fr. 19 900.–, erste Rate Fr. 2000.–, kalkulatorischer Restwert Fr. 1000.–, 35 Monatsraten à Fr. 549.85. Ergibt Ende der drei Jahre die Summe von Fr. 22 244.75 also Fr. 2344.75 mehr als den Kaufpreis. In Prozenten gerechnet eine faire Sache, und doch hätte man mit dem Geld einige Pneus oder Benzin für gegen 30 000 km bezahlen können. Ernsthafte Schwierigkeiten bereiten Leasingverträge meist dann, wenn sich die finanziellen Verhältnisse beim Fahrzeugmieter ändern, wenn der Lohn sinkt, der Job flöten geht oder unerwartet Nachwuchs zu füttern ist. «Die Fixkosten durch den Leasingvertrag sind dann nicht mehr tragbar», so Jürg Blum von der Sozialen Fachstelle Toggenburg. Die Auflösung eines Vertrages ist dann nötig, denn wenn das Geld für die monatliche Rate nicht mehr reicht, reichts für die Rückzahlung der aufgelaufenen Amortisation (vgl. «Tipp») erst recht nicht.
Der Tipp
Leasing ist rechtlich eine nicht ganz einfache Geschichte, weil es ein Deal «im Dreieck» ist: - Seine ganz normale Rolle spielt der Verkäufer, in unserem Fall der Töffhändler. Er verkauft einfach ein Motorrad.
- Neuer Besitzer des Bikes wird aber nicht der Töfffahrer, sondern ein Finanzierungsinstitut, eine Bank. Sie bezahlt dem Händler den Verkaufspreis.
- Die Bank überlässt dann das Fahrzeug dem Kunden, dem Leasingnehmer, zum Gebrauch und schiesst so das Geld für den Kauf vor.
- Das Motorrad steht zwar in der Garage des Bikers, als Leasingobjekt gehört es ihm aber nicht.
- Monatlich wird eine Leasingrate fällig, für Wertverlust und Kreditzinsen. Diese bleibt über die ganze Leasingdauer – bei Motorrädern meist 3 Jahre oder 36 Monate – gleich hoch.
- Unterhalt und Reparaturen gehen auf Kosten des Leasingnehmers.
- Die Bank als Besitzerin des Motorrads verlangt bestmöglichen Versicherungsschutz in Form einer (nicht ganz billigen) Vollkaskoversicherung.
Es existieren zwei Möglichkeiten zum «Aussteigen»: - Vorzeitiges Zahlen des Restbetrages mit Zinsen. Die Bank hat ihr Geld, der Töff gehört dem Piloten.
- Rücktritt vom Vertrag. Der «Haken»: Es entsteht eine Differenz zwischen degressivem Wertverlust und linearer Leasingrate, oder auf Deutsch: Weil der Wertverlust anfangs grösser ist als gegen Ende des Vertrages, die Monatsraten aber gleich hoch bleiben, muss diese Amortisation abgegolten werden. Das ist logisch, aber hart: Man zahlt aufs Mal viel Geld und hat zudem keinen Töff mehr!
- Restwert: gesetzlich vorgeschrieben, kann mit der Zahlung eines Depots aber umgangen werden.
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