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Klassik: Panther-Motorräder
16.08.07 16:40

Oli Thut und seine Panther

Panther Der eher unbekannte britische Motorradhersteller Phelon & Moore ist längst verschwunden. Doch die Motorräder namens Panther waren «built to last», gebaut für die Ewigkeit. Die 1929er-M 50 von Oli Thut jedenfalls fährt weiterhin. Von Rolf Lüthi und Fränzi Göggel.

Eine Schwäche für urwüchsige Töff hatte Oli Thut von Anfang an. Beim Schweizer Chopperbauer Walter Senn lag bereits seine Bestellung für einen Senn-Chopper  vor, obwohl der junge Glarner noch nicht einmal das Lernbillett hatte. Das war 1984. Ein Jahr später wurde Oli stolzer Besitzer seines Bubentraums und machte mit diesem den Führerschein und die Gegend unsicher. «Jedes rote Lichtsignal haben wir grün gesehen», beschreibt er lachend seine Flegeljahre. «Heute kann man das nicht mehr, man käme ins Gefängnis», sinniert er nachdenklich. Es folgten Reisen in ganz Europa und zwei Südamerika-Ausflüge, der erste mit einer Harley Sportster, der zweite mit einem Kawasaki-Z1000-Gespann.

Für immer und noch länger
Zurück in Europa, trat Oli nach einem Engländer-Töfftreffen frisch verliebt die Heimreise an. «Die Schönste, die ich bis jetzt gesehen habe», schwärmte er. Die Rede ist nicht von einer Frau, sondern von einer Panther. Die elegante englische Maschine mit dem charakteristisch schräg stehenden riesigen Einzylinder hatte es ihm angetan. Über ein Inserat in MSS erstand Oli schon bald seinen Traumtöff. Seither ist er dem Charme des Raubtiers verfallen. «Praktisch niemand fährt einen Panther, dabei ist er so schön zu fahren. Zusätzlich schätze ich die kleine, feine Gemeinschaft der Panther-Fahrer», erzählt Oli. Es gibt Panther-Clubs in vielen europäischen Ländern und sogar in Übersee, und über das launig geschriebene Clubmagazin «Sloper» sind die Panther-Fahrer monatlich aktuell informiert.

Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 17/2007; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…



Die Panther-Geschichte

Aufstieg und Niedergang von Phelon & Moore

Joah Carver Phelon und sein Neffe Harry Rayner, beide tätig in Yorkshires blühender Textilindustrie, waren in ihrer Freizeit Pioniere der Motorisierung. Schon 1900 tüftelten sie an einem Motorrad. Da sie keine Zeit hatten für den Bau eines eigenen Rahmens, nahmen sie einen Fahrradrahmen der Marke Lea Francis, der als Besonderheit zwei Oberrohre aufwies. Aus diesem Rahmen sägten sie das Vorderrohr heraus und bauten an dessen Stelle ihren Motor ein. Der schräg nach vorne geneigte Motor (Zylinder) sollte bis zum Ende ihrer Firma beibehalten werden. Die Konstruktion des Einzylinders war inspiriert vom De-Dion-Motor,einem wechselgesteuerten Viertakter mit Einlass-Schnüffelventil.

Alle 20 km nachölen
Im März 1901 war der Prototyp fertig. Das Hinterrad war hochmodern per Kette (statt Riemen) angetrieben, und für leichteres Starten gab es einen Ventilausheber. Die von den beiden Handwerkern gebaute Maschine lief tatsächlich. Dass man alle 20 Meilen anhalten musste, um mit einem Kännchen die Kurbelwellenlager zu ölen, war damals üblich.
Phelon und Rayner konnten sich den Schritt zum Hersteller nicht leisten und verkauften ihre Patente in Lizenz (37,5 Pence pro Maschine) an den Fahrradhersteller Humber Ltd. Die Humber ging noch Ende 1901 in Produktion und wurde bis 1907 gebaut.

Vergaserpatent
Phelon und Rayner bauten auf Bestellung auch selber Töff, eine Hand voll Phelon & Rayner entstand. Phelon liess 1902 einen Vergaser mit Venturirohr patentieren, bei dem die Gemischbildung und -zufuhr mit Schieber, Düse und Nadel erfolgte – ein Prinzip, das heute noch millionenfach angewandt wird.

Ein neuer Partner
Dann kam Harry Rayner beim ersten Autounfall der Grafschaft Yorkshire ums Leben. Mit Richard Moore fand Phelon 1904 einen adäquaten Geschäftspartner. Phelon konnte sein angestammtes Geschäft (Herstellung von Metallteilen und Messlehren für die Textilindustrie) weiter betreiben, Moore sollte die Töffentwicklung vorantreiben. Firmensitz blieb bis zum Schluss das Kleinstädtchen Cleckheaton.
Mit dem Sieg 1905 am Six Days Trials gelang der Durchbruch zum ernst genommenen Töffhersteller. Die Einzylinder von Phelon & Moore (P & M) genossen wegen ihrer phänomenalen Zuverlässigkeit (für damalige Verhältnisse) bald einen tadellosen Ruf.

Zugpferde für Gespanne
Nach dem Ersten Weltkrieg war P & M zusammen mit Royal Enfield führend im Gespannbau, den Fahrzeugen der Mittelschicht. Die seitengesteuerten Einzylinder waren zuverlässig und langlebig, aber eher Arbeits- denn Rennpferde. 1923 kam ein sportlicheres Modell, genannt Panther. Von der Geschichte zur Namensgebung existieren mehrere Versionen. Jedenfalls übernahm P & M diesen Markennamen bald für alle Modelle.

Tod von Phelon
Dann kam der erste obengesteuerte Motor, weiterhin mit 49° nach vorn geneigtem Zylinder mit 500 oder 600 cm3 und neu mit dem charakteristisch vor dem Kurbelgehäuse angebrachten Öltank.
1928 verstarb Joah Phelon, die Firma wurde von Richard Moore und Bertram Marians weitergeführt. Die vom Markt verlangte kleinere Maschine, genannt Panthette (Pantherchen), floppte, deshalb deckte man diese Nachfrage zunächst mit Villiers-Einbaumotoren (Zweitakter mit 150 bis 250 cm3) ab, später mit eigenen Viertaktern mit 250 und 350 cm3.

Zuverlässig, aber träge
Rückgrat der Firma blieben die grossen Einzylinder, meist als Gespanne ausgeliefert, mit dem geneigten Zylinder. Panther stand für Handwerk, Zuverlässigkeit, klare, saubere Konstruktion, aber auch für eher moderate Fahrleistungen und eine gewisse Trägheit.

Wartungsfreundlichkeit war damals ein Argument: In zehn Minuten konnte der Zylinderkopf demontiert werden, um den Kolbenboden zu entkohlen – war damals noch nötig. Das Prinzip des Dreieckrahmens (Herrenvelo) wurde 1933 mit dem neuen, zweidimensionalen Rahmen aufgegeben.

Modell 100

1939 wurde das Modell 100 präsentiert, welches das berühmteste Panther-Motorrad werden sollte. Doch zuerst kam der Krieg, und danach stieg die Nachfrage nach leichten, einfachen Maschinen erneut. P & M baute die 250er- und 350er-Viertakter wieder, ab 1956 gabs eine Zweitakt-Modellreihe, wieder mit Villiers-Einbaumotoren.

Die Prinzessin
Sogar als Rollerfabrikant versuchte man sich. Zunächst importierte man den Scooterrot (125er-Roller der französischen Firma Terrot), 1959 stellte P & M mit der Princess einen eigenen Roller vor. Dieser, nach der Panthette der zweite Flop der Firmengeschichte, führte durch die beträchtlichen Entwicklungskosten und den schleppenden Verkauf im generell rückläufigen Motorradmarkt der 60er-Jahre zum Ende von Panther.


Kleinwagen waren inzwischen kaum mehr teurer als Gespanne. P&M hatte die grossen Einzylinder seit Jahren nurmehr moderat modernisiert. Mit dem Modell 120 waren 650 cm3 erreicht, das Hinterrad war jetzt immerhin gefedert.

Der Konkurs
In der Werbung hatte man die  Firmenini­tialen P & M in «the perfected motorcycle» (das perfektionierte Motorrad) umgedeutet. Was perfekt ist, braucht man ja nicht mehr weiterzuentwickeln, oder? So war P&M bei Lucas der einzige verbliebene Kunde für die technisch überholte Anbaulichtmaschine, und von Getriebehersteller Burman wollte nur noch P & M das längst veraltete Vierganggetriebe Typ BAP (gebaut seit den frühen 30ern) beziehen. Der Versuch, dramatisch fallende Verkaufszahlen mit Dumpingpreisen zu bekämpfen, konnte nur in den Ruin führen. Im April 1966 wurden die letzten Panther gebaut.
P&M wurde von der Samuel Birkett Ltd. aufgekauft, einer Firma, die im Pipelinebau tätig war und in der Ölförderung unter der Nordsee gute Geschäfte machte.


Panther M 100-Gespann (600ccm) knattert gemütlich davon...

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von Rolf Lüthi
 
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Oli Thut und PANTHER von Pantherich (11.09.2007 19:45:48)

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