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Besuch bei den Streetfighters
08.12.08 12:17

Turbo-Hayabusa mit Luftfahrwerk

Die Streetfighters Andreas Guntern und Urs Wisler gelten in der Schweiz als sehr innovative Macher, was das optische Tuning eines Motorrads angeht. Derzeit werkeln sie an einer Turbo-Hayabusa mit Luftfahrwerk herum. Wir haben sie in ihrer Werkstatt in Interlaken besucht.

Ein richtiges Monster von einer Suzuki Hayabusa steht derzeit bei den Streetfighters in Interlaken auf der Hebebühne. Wann immer die zwei Streetfighter Andreas Guntern und Urs Wisler Zeit finden, werkeln sie daran weiter. Andreas: „Es ist eine Auftragsarbeit eines Tattoo-Studios in Langenthal. Wenn das Bike fertig ist, werden wir es zudem an der Swiss-Moto 2009 ausstellen.“

Ursprünglich: Laientuning

Doch der Reihe nach: diese Suzuki GSX 1300 Haybusa wurde ursprünglich mit einem Abgasturboladesystem getunt. Doch leider besass der Tuner nur laienhafte Kenntnisse (die Schweissanlage ersteigerte er bsp. günstig auf der Online-Platform Ricardo), und daher wurde es im Kolben und im Turbolader extrem heiss. Der Ladedruck und die Verdichtung im Motor stieg und irgendwann brachen die Führungsstege im Kolben ab. Die Turbo-Hayabusa sagte leise aber bestimmt „Servus“.

Strassenlegal musste es sein

Doch glücklicherweise landete die Suzuki nicht im Altmetallgeschäft – mit Ausnahme einzelner Motorteile war die Busa ja noch tipptopp im Schuss. Tattoo-Studio-Besitzer Steve trieb die ziemlich kaputte, mattschwarz Hayabusa wieder auf und beschloss, sie umfangreich zu restaurieren und aus iher das ultimative Dragster-Showbike zu machen. Vorraussetzung für alle weiteren Tuning-Schritte: das Bike musse strassenlegal sein.

Neuer Turbo

So kam die Hayabusa zu Reto Schüpbach, der in Münsingen mit seiner Firma "Progressive Moto Art GmbH" ein Unternehmen betreibt, das sich ganz auf Motortuning und –Reperaturen spezialisiert hat. Eine neuer Ladeluftkühler, ein neuer Abgasturbolader (kann so komplett als Race-Kit bei der Schwedischen Firma MC Xpress gekauft werden), neue Kolben, neue Steuerzeiten und ein Prüfstandlauf – und die Haybusa hatte ihre Power wieder. Mehr noch: zu den serienmässigen 172 PS kamen aufgrund des Turboladers rund 30 Rösser dazu – sie entwickelte also über 200 PS. Doch das ist nur die homologierbare Version. Mit offener Leistung schafft die Turbo-Hayabusa 320 PS. Und die wurden am Hinterrad und nicht an der Kurbelwelle gemessen! Doch das ist noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange. Die PS-Zahl steigt nämlich mit dem Ladedruck. Eingestellt sind 0.8 Bar. Es wären aber sogar 1.4 Bar Ladedruck möglich - und das ergäbe über 400 PS am Hinterrad!

Auf dem Prüfstand

Nachfolgend zwei Prüfstandskurven von Progressive Moto Art GmbH gemessen am Hinterrad und nicht an der Kurbelwelle). Links die PS-Leistungskurve einer 2007er Kawasaki ZX-10R. Rechts die PS-Leistungskurve (und in Grün noch die Drehmoment-Kurve) der Turbo-Hayabusa. Die ZX-10R wurde zum Vergleich gewählt, weil ihre Leistungskurve der Hayabusa-Leistungskurve im Normalzustand sehr ähnlich sieht. Was ein Turbolader wirklich leistet, erseht ihr beispielsweise schon 6000 /min. Die ZX-10R leistet dort knapp 70 PS - die Turbo-Hayabusa aber schon über 200 PS!

Kawasaki ZX-10RSuzuki Turbo-Hayabusa

Streetfighters legen Hand an

Schliesslich kamen die Streetfighters in Interlaken ins Spiel. Ihre Aufgabe: die Turbohayabusa optisch zu tunen und sie strassentauglich zu machen. Eine Mammutaufgabe. Denn die Suzuki sollte nach US-Vorbild in eine Art Dragster-Hayabusa verwandelt werden. Dazu gehörten eine um circa 20 Zentimeter verlängerte Schwinge (eine  Einzelanfertigung aus England), ein 240er-Hinterreifen, ein spezieller Kettenkit, eine optimierte Verkleidung und vor allem der Einbau eines kompletten Luftfahrwerks.

Luft rein, Luft raus

Gabel und Federbein der Hayabusa lassen sich also via Elektromotoren innert weniger Sekunden mit massig Luft aufpumpen. Wird die Luft ganz aus den Fahrwerkselementen abgelassen, liegt die Turbohayabusa extrem satt auf der Fahrbahn – will heissen: es passt kein Daumen mehr zwischen den Asphalt und die Hayabusa. Und so etwas soll legal sein? Andreas Guntern: „Noch nicht – aber wir werden diese Hayabusa prüfen und für die Strasse zulassen.“ Das geht nur per Einzelabnahme….viele Gänge zum DTC in Vauffelin sind vorprogrammiert...

Fahrbar?

Jedem halbwegs anständigen Motorradfahrer ist klar: so ein Töff ist kaum noch fahrbar.. Doch das ist gar nicht das Ziel. Es ist ein Showbike, das auf Messen und im Showroom besser als an der Furka aufgehoben ist. Trotzdem könnte die Turbo-Hayabusa, wenn sie denn wollte: in der Schweiz gibt es wohl kaum einen strassenzugelassenen Töff, der die Viertelmeile schneller schafft….zu sehen wird die Turbo-Hayabusa an der Swiss-Moto 2009 - oder später bei seinem Besitzer Steve beim Hot Stuff Tattoo-Studio in Langethal (Link dazu).

Besitzer Steve ist auch demensprechend stolz auf seinen Höllenstuhl: "Das wird mein ganz persönliches Lieblingsspielzeug." Er will die Turbo-Hayabusa zum einen auf der Strasse fahren, zum anderen bestimmt auch bei der einen oder anderen Bike-Show einsetzen.

 Video zum Luftfahrwerk:



Nachfolgend ein paar Fotos, die wir beim Besuch der Streetfighter in Interlaken von der Turbo-Hayabusa geschossen haben:

Auch die Griffe wollen proper daherkommen:

Der Kupplungskorb ist eine wunderschöne Fräsarbeit und dürfte dementsprechend teuer gewesen sein. Man beachte auch Details wie den Öleinfüllschraube:

Und noch so eine schöne Fräsarbeit aus Alu. Die Orginalfussrastenanlage musste dieser schönen Zubehörfussrastenanlage weichen:

Ob ein solcher Auspuff wirklich massig Leistung bringt, darf bezweifelt werden. Allerdings sieht er toll aus. Noch ist er ohne Katalysator, dieser wird von den Streetfighters später noch eingebaut:

Grosse Blinker würden die Optik verschandeln - also mussten Zubehörblinker her:

Ein Eyecatcher ist zweifelslos das umgestaltete Heck. Noch fährt die Hayabusa auf dem orginalen 190er-Hinterradpneu. Doch nicht mehr lange...

...denn vorgesehen ist ein 240er-Hinterreifen. Dafür muss allerdings die Schwinge massiv verbreitert werden....

Hier haben wir die verlängerte Schwinge, eine Einzelanfertigung aus England. Rund 20 Zentimeter Schwingenlänge kamen hinzu.

Selbst der Seitenständer ist ein Hingucker:

Das Heck mit den gefrästen Aluminum-Soziusgriffen und dem Hayabusa-Schriftzug:

Hier haben die Streetfighters noch Arbeit vor sich: zwischen Tank und Verkleidung klafft ein Loch. Das muss überbrückt werden:

Und es hat Klick gemacht: Diese Schalter werden die Luftfederbeine bedienen:

Nicht wirklich praktisch, aber ein Blickfang: Rückspiegel:

Der Sponsor hat sich auch gleich auf der Verkleidung verwirklicht. Übrigens stammt die ganze Airbrush-Arbeit und das Painting auch von ihm:

Gut zu wissen: Motoröl-Temperaturmesser:

Hier wird geladen: der Abgasturbolader (Pfeil):

Ebenfalls wichtig für Performance und Lebensdauer des Turboladers: der darüberliegende Ladeluftkühler:

Boahhh....da geht kaum noch etwas: so sah der Kolben aus, als Steve vom Tattoo-Studio die Hayabusa übernahm. Der komplette Führungssteg war ausgebrochen (mehr dazu weiter unten):

Schön gemacht: Schweissnähte an der Schwinge:

Hier war ein Könner am Werk: Pinstripes auf der Felge. Die dünnen, farbigen Linien hat der Eigentümer des Bikes selbst aufgetragen:

Oha...das ist ja ein echte Prachtspeiche! Kostenpunkt? Fast 4000 Franken....:

Kaum zu sehen, macht aber viel Effekt: hinteres Luftfederbein (Pfeil):

Hier unten fehlt noch etwas (Pfeil). Ein Zentralständer soll hier noch angebaut werden:

Die zwei Streetfighter-Inhaber: Andreas Guntern (links) und Urs Wisler (rechts) neben der Turbo-Hayabusa:

Rundgang ums Bike:



Nachfolgend ein paar Fotos von Progressive Moto Art GmbH-Inhaber Reto Schüpbach. Er baute den völlig kaputten, alten Turbolader aus und den neuen Turbolader mit Ladeluftkühler ein:

So sah der Motor nach dem Entfernen vorher aus. Was hier so traurig runterhängt (Pfeil), ist der Kühlwasserschlauch. In der Ölwanne unterm Motor war kaum noch Öl drin - es hatte sich zum grössten Teil in den Abgasturbolader geflüchtet.

So sah das Bike aus. Die Hayabusa hatte der Voreigentümer schwarz spritzen lassen. Die Verkleidung vorne ist aus Polyester und wurde nachträglich angebaut:

Danach wurde der Motor ausgebaut. Wir erkennen noch den massigen Brückenrahmen der Hayabusa:

Der ausgebaute Hayabusamotor:

Da der letzte Besitzer von Turbos wenig verstanden hatte, waren die Kolben und der Turbo hinüber (siehe weiter oben). Es mussten neue Kolben her:

Hier sehen wir schön die alten Kolben (hinten) und die neuen Kolben (vorne):

Nahaufname. Bei dem alten Kolben (links) ist der Führungssteg herausgebrochen. Rechts der neue Kolben. Der rote Pfeil hat Reto nachträglich hinzugefügt, um sich über die Einbaurichtung im Klaren zu sein. Der rote Pfeil muss zwingend in Richtung Auslassventil zeigen:

Der geöffnete Motor. Pleuel und Kurbelwelle konnten weiterverwendet werden. Ganz wichtig aber war, neu eine Spacerplatte von wenigen mm Dicke hinzuzufügen. Sie verändert den Kolbenhub entscheidend und sorgt dafür, das die Verdichtung im Motor auf einen Wert von circa 8 : 1 sinkt (Orginal-Hayabusa: 12,5 : 1). Höhere Verdichtung zehren bei einem Ottomotor enorm an der Lebensdauer von Motor und Turbo:

Hier wurden die Kolben schon dazugebaut. Links (Pfeil) sieht man die herunterhängende Steurerkette. Sie verbindet Kurbelwelle mit Nockenwelle. Dahinter ist der Steuerkettenspanner zu sehen:

 Der Ventilkopf wies nur leichte Verbrauchsspuren auf und konnte so weiterverwendet werden:

Was muss diese Kurbelwelle aushalten! Hier sieht man den Kurbelwellenstumpf aus dem Gehäuse gucken (Pfeil).

Gut gefedert: die Kupplung erhielt neue Federn (unten):

Der Kupplungskorb:

Und der Hayabusamotor mit dem Abgasturbolader (Bildmitte). Oranger Pfeil: Hier geht die Luft mit 0.8 Bar retour zum Ansaugtrakt. Blauer Pfeil: diese Luft ist endültig verbraucht und wird zum Auspuff hin befördert.


 
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