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Kaum hatte ich den Töffbrief im Sack, wollte ich von Zürich nach Minsk fahren, in die Hauptstadt Weissrusslands, russisch: Belarus. Ich hatte einmal für einige Monate in Minsk gearbeitet und wollte meine Freunde besuchen. Mit Regines Motorrad – einer schnittigen, allerdings nicht gerade schnellen 125er-MV Agusta, Jahrgang 1977, mit Stummellenker(!) machte ich mich auf den Weg. Viel Leidenschaft für das neue Hobby und eine mächtige Portion Naivität sollten meine fehlenden Mechanikerkenntnisse aufwiegen. Mit Stummellenker nach Weissrussland Die kleine MV zeigte wenig Macken, hielt sich erstaunlich robust, auch auf Strassen mit Kopfsteinpflaster. In fünf Tagen fuhr ich 2200 km über Deutschland, Tschechien und Polen nach Minsk. Das Maschinchen lief problemlos – bis auf ein gerissenes Gaskabel, eine Stunde lang auf dem Asphalt die kleine Schraube für den Nippel suchen sowie den Bruch der Hupen-Aufhängung, was ich mit Draht reparierte. Dafür liess ich den Töff in Minsk für 400 Dollar neu lackieren. Einige Belarussen meinten, «die MV ist einer alten Minsk schon sehr, sehr ähnlich». Die Rückfahrt, mit einem Abstecher in die litauische Hauptstadt Vilnius (Wilna), verlief pannenfrei; dafür kam ich nach vier Wochen und einigen tausend Kilometern mit Stummellenker mit gestählter Hals- und Schultermuskulatur zu Hause an. MV Agusta – in Russland exotisch Jetzt musste was Stärkeres her, und ich kaufte eine MV Agusta Ipotesi, 350 cm3, Jahrgang 1977. Diesmal wollte ich nach Kaliningrad: Das einstige ostpreussische Königsberg – Geburts- und Wirkungsort des Philosophen Immanuel Kant – ist seit dem Zweiten Weltkrieg russische Enklave, liegt an der Ostsee, eingeklemmt zwischen Polen im Westen und dem Baltikum im Osten. Diese Fahrt schaffte die Ipotesi einigermassen leicht: Der Zentralständer hatte sich verbogen, und auf Kaliningrads grobem Kopfsteinpflaster hatten sich die Muffen am Krümmer gelöst. In einer russischen Töffwerkstatt wurde meine Maschine richtig bestaunt: Zur gleichen Zeit war im russischen «Motozykle» ein Bericht über MV Agusta erschienen, einer Marke, der man in Russland kaum begegnet. Den ausführlichen Bericht lest ihr in MOTO SPORT SCHWEIZ 05/2009; das Heft kann selbstverständlich auch online abonniert werden. Hier lang…
Touren-Info: Magnetischer Osten | Reisedauer | Je ca. einen Monat mit 4000-7000 km. | | Benzinverbrauch | 3,5-4,5 l/100km | | Strecken | 1. Reise (Rot) mit MV 125: Zürich-Minsk über Linz, Krakau, Brest.2. und 3. Reise (Grün und Schwarz) mit MV Ipotesi: Zürich-Kaliningrad (Königsberg) über Brünn, Dresden, Danzig.4. Reise (Gellb) mit Condor A 350: Zürich-Odessa über Deutschland, Tschechien, den Norden Polens in die Ukraine: Lemberg (Lviv),Karpaten, Odessa am Schwarzen Meer. Zurück in die CH über Ungarn und Österreich. | | Saison | Sommer ideal – auch mit gut 35 Grad, Frühling/Herbst schnell kühl/kalt. | | Formalitäten | Belarus (Minsk) und Russland (Kaliningrad): Visa (ca. Fr. 120.–) und gute Nerven erforderlich (Zollbürokratie!). Grüner Versicherungsnachweis nützlich.
| | Währung | Wechsel Euro in örtliche Währung (Zloty, Kronen, Rubel, Forinth, Grubay) problemlos nach Grenzübertritt. | | Unterkunft | Je weiter östlich, desto spärlicher die Infrastruktur: Übernachtungen privat, bescheidene Pensionen, anständige bis gute Hotels in grösseren Orten/Städten: ab 15 bis gut 80 Euro. Wir reservierten nie, suchten immer vor Ort.
| | Sprachen | In Städten Verständigung in Englisch, manchmal Deutsch. Für Russland, Weissrussland, Ukraine oder Bulgarien: Kyrillisches Alphabet lernen, hilfreich beim Entziffern von Wegweisern, Strassen- und Ortsnamen, Russischkenntnisse von Vorteil | | Besonderes | Freier Osten für Motorradfahrer, Überland wenig Tempolimiten, falls doch, hält sich niemand daran. Deshalb nicht ungefährlicher Verkehr: Polen und Ukrainer blochen, was das Zeug hält, und überholen auch in unübersichtlichen Kurven. | | Karten | Strassenkarten vor Ort gekauft, Kompass und Durchfragen (russisch), dazu Rolands geografische Spürnase. Abseits kaum Wegweiser |
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