Neue Triumph Thunderbird. Mehr auf Moto Sport Schweiz:Links zum Thema:Aktuelle Artikel aus Test & Technik:
Wer «big heavy Custom» ruft, dem antwortet das Echo «USA», oder gar «Harley». Tatsächlich bedeutet diese Schwermetallgattung ennet dem grossen Teich stückzahlmässig gut 80 Prozent des US-Töffmarkts, der seinerseits 22 % des weltweiten Motorradgesamtmarkts ausmacht. Genauer: Global finden jährlich über 400'000 Customs ihren Abnehmer. Während die japanischen Hersteller längst mit – siehe Kawasaki VN 1700 Classic und Voyager in MSS 10, bzw. in dieser Nummer auf S. 4 – als «Plastikkopien» verrufenen Modellen reagiert haben, tut sich die alte Welt da etwas schwerer. 
Vielleicht hat sich die forschere Gangart der sich auf kurvigeren Strassen vergnügenden Europäer hemmend ausgewirkt, oder es fehlen einfach die kulturellen Wurzeln zum gemächlich an Hirschgeweihen baumelnden Vorwärtskommen mit nach vorne gestreckten unteren Gliedmassen. Selbst dem in der letzten Dekade unerhört aufstrebend kreativen Motorradurgestein BMW misslang der Sprung ins Custom-Gehege: Trotz James-Bond-Film-unterstützter Werbung verschwand die «flachste BMW aller Zeiten», die R 1200 C, vom Markt, ehe sie echt trocken hinter den Ohren wurde (ein Boxer passt halt nicht in diese V2-geprägte Welt). Triumph Cruiser-Linie: Triumph Rocket III, Thunderbird und America: 
Triumph Thunderbird gestern und heute: vorne die neue Thunderbird, hinten die Thunderbird aus dem Jahre 1950: 
Triumph – wer sonst? Nun nimmt die hochmoderne Motorradschmiede mit historischem Klang Namens Triumph einen mutigen Anlauf. Mit einer durch und durch neuen Kreation, die kein auch so winziges technisches Element der restlichen Modellpalette übernimmt, sondern bloss den Namen einer anno 1951 geborenen Urahnin, die eher einer Bonneville als irgendeinem Dickschiff glich: Wir sprechen von der Thunderbird. Nein, es «lismet» kein V2 an ihrer Kurbelwelle, auch kein Triumph-typischer Reihendreier: Die Thunderbird wird vom grössten Serienparalleltwin der Gegenwart vorwärtsgetrieben, mit Respekt, wenn nicht Ehrfurcht einflössenden 1600 ccm. Das offizielle Werbevideo zur Thunderbird: 5 Jahre «Schwangerschaft» Simon Warburton, Product Manager und geistiger Vater der neusten Triumph-Kreationen wie der filigranen Daytona 675 und der gigantischen Rocket III, erklärt, dass seine Ingenieurs-Crew fünf Jahre lang am Thunderbird-Projekt gewerkt hat. Und fügt mit einem Touch Humor bei: «Den Riemenantrieb mussten wir neu erfinden, da Triumph seit 1920 keinen (Lederriemen, die Red) mehr baut und uns das Wissen somit entgangen war.» Unendlich viele Zubehörmöglichkeiten Ein halbes Jahrzehnt Nachdenken? Angesichts des ellenlangen – und vor allem ehrgeizigen – Pflichtenhefts gar nicht so ewiglang, wie es auf Anhieb scheint. Die Thunderbird sollte die PS-gewaltigste und drehmomentstärkste, die fahrdynamischste und komfortabelste ihres Segments werden, das Ganze mit unendlich vielen Zubehörmöglichkeiten. Und selbstverständlich auch die schönste, sprich diejenige mit der geilsten Custom-Anmutung, gepaart mit dem betörendsten Klangteppich. Handtellergrosse Kolben Tatsächlich scheute man in Hinckley keinen Aufwand, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Die durch 270° Hubzapfenversatz baulich gewollten Erschütterungen der handtellergrossen Kolben des Achtventil-Doppelnockenwellen-Twins werden durch zwei Ausgleichswellen abgefangen, sodass das Stakkato das Ohr erfreut, die Vibrationen jedoch weitgehend kompensiert werden. 
Deko-System Um den Widerstand des Riesenhammers zu brechen, erleichtert ein beidseitig an die Auslassnockenwelle angebrachtes Dekompressionssystem das (elektrische) Anwerfen, während ein Ruckdämpfer am Ende der Kurbelwelle verhindert, dass das zur Reduzierung der mechanischen Geräusche schräg verzahnte Sechsganggetriebe zu arg in Mitleidenschaft gezogen wird. «Sport»- oder «Cruise»-Modus Die zusammen mit Keihin entwickelte «intelligente» elektronische Benzineinspritzung – jeder Zylinder verfügt über eine eigene Lambdasonde und ein separates Kennfeld – setzt die Gasbefehle des Thunderbird-Kapitäns automatisch im «Sport»- oder «Cruise»-Modus um. Das Resultat kann sich sehen lassen: 85 bizepsstrotzende «very british horsepower» und bärige 146 Newtonmeter Drehmoment. Eine Ansage in dieser Hubraumklasse. 
Stattliche Erscheinung Beim ersten Betrachten der jüngsten Britin schmilzt das Herz des Customfans – und nicht nur seins. Die Thunderbird wirkt traumhaft «long and low», breitschultrig, schlicht und elegant. Der mächtige, schwarze mit silberfarbigen Kühlrippen herausgeschliffene wassergekühlte, dank kurzem Hub und zwischenradangetriebener Steuerkette (erlaubt kleinere Nockenwellenzahnräder) V2-ähnlich niedrig bauende Parallel-Twin dominiert selbstbewusst und kraftstrotzend das Gesamtbild. Hochglanzpolierter Chrom Komplettiert wird die Erscheinung durch einen gewaltigen, die gesamte Umgebung widerspiegelnden Motorgehäusedeckel aus hochglanzpoliertem Chrom und durch – notabene doppelwandige – beinahe armdicke Auspuffkrümmer, die sich in je eine tief (f)liegende, horizontale Tüte fortsetzen. Grosszügiger 22 Liter-Tank Chrom, so weit das Auge reicht, angefangen beim zeitlos schönen, perfekt eiförmigen Rundscheinwerfer weiter über die mächtigen Gabelbrücken mit faustdicken Klemmen, die bärentatzengrosse Instrumentenkonsole auf dem grosszügigen 22-Liter-Tank bis hin zu den hinteren Seitenleisten und den klassischen Stereofederbeinen. So wird die Thunderbird in Hinckley, England, produziert: Ran an den Quirler So erquickend das stille Betrachten der Britin wirken mag: Motorräder jeglicher Gattung sind zum Fahren bestimmt … Also bloss rauf auf den Stahldampfer. Oder eher hinein. Denn der Sattel liesse sich ohne Beinheben von hinten ansteuern. Die breite Sitzmulde fühlt sich an wie ein Fauteuil, die auffallend klumpendicken Griffe am geschwungenen verchromten Rohrlenker liegen in der Hand wie Bierflaschen, die massive Hebelei scheint aus dem Vollen geschnitzt. Während kurzbeinige Genoss/-innen ihre hinteren – sprich unteren – Läufe genüsslich nach vorne strecken, um satt an die Raster zu gelangen, muss ich (Grenadiermass) die Knie rechtwinklig anziehen. Herrlich entspannte Fahrposition Die Fahrposition wirkt jedoch für alle Kaliber ergonomisch und herrlich entspannt, mit ziemlich gespreizten Beinen, doch mit angenehm anliegenden Füssen. Der freie Blick in die Ferne trifft zuerst auf den weit nach vorne ragenden Chromscheinwerfer, während das Auge auf der Suche des eigenen Bauchnabels an der verchromten Rundarmatur des enormen Sammelinstruments hängen bleibt. Aus rein ästhetischem Grund – als denkbar unpraktisch hat es sich ja schon beim «Original» aus Milwaukee erwiesen – steckt das Zündschloss irgendwo verloren mitten in der rechten Flanke des Ungetüms. Ermüdungsfreier Genuss Der 190-km-Trip in und um Barcelona auf teils eng kurvigen, teils bolzengeraden Strassen, gesamthaft auf gutem Belag, offenbarte vor allem eins: Trotz über drei Zentner Lebendgewicht schwenkt sich die Thunderbird spielerisch von einer «Schräglage» in die andere, zeigt im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit ihrer Artgenossinnen null Aufstellneigung beim Kurvenbremsen, wirkt sehr spurstabil und handlich zugleich. 
Perfekte Gassteuerung Den zweiten Aha-Effekt verdankt sie der perfekten Gassteuerung: Selbst beim plötzlichen Aufreissen aus 1000/min im sechsten Gang verschluckt sich der tief brummende Twin nicht – höchstens reagiert er mit mechanischem Ruckeln. Die Bremsen packen kräftig zu, wenn man (fast) ebenso kräftig anpackt, der Antiblockierer regelt spürbar, aber nicht zu voreilig. Ventilsteuerung: 
Drosselklappenkörper:  Gelungenen GesamteindruckBis wir ihr im Juli hierzulande näher auf den Zahn fühlen dürfen, hinterlässt die brandneue Thunderbird einen sehr gelungenen Gesamteindruck. Pascal Meyerhans von Triumph Schweiz will gut 100 Stück pro Jahr auf unsere Strassen schicken. Schön! Fazit Die brandneue Thunderbird vereint den auch bei uns geschätzten amerikanischen Custom-Look mit fundamentalen europäischen Tugenden, hat also das Zeug, um beidseitig des Teiches kräftig zu punkten. Wäre nicht das arttypische verfrühte Kurvenschrappen, könnte man gar sportlich über unsere Alpenpässe gummieren, denn urgewaltig beschleunigen, das kann sie! 


Viel Zubehör möglich, wie diese schwarze Thunderbird beweist: Weiteres Zubehör zur Maschine findet ihr hier 
Der Motor in Grossaufnahme: 
Bremsen mit ABS-Möglichkeit: 
Cockpit: 
Sitz: 
Da reissen einige Newtonmeter am Riemen: 

Getriebe: 
Auf einen Blick (Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt) | In der Stadt | 3 Punkte | | Auf grosser Tour | 3 Punkte | | Sportlich fahren | 1 Punkte | | Zu zweit unterwegs | 2 Punkte | | Emotionen | 3 Punkte |
Technische Daten Triumph Thunderbird Motor | Bauart | Flüssigkeitsgekühlter, stehender Paralleltwin, 270° Hubzapfenversatz, Kurbelwelle quer, zwei Ausgleichswellen | | Ventilsteuerung | DOHC | | Bohrung x Hub | 103,8 × 94,3 mm | | Hubraum | 1597 ccm | | Verdichtung | 9,7:1 | | Gemischaufbereitung | Elektronisches Motormanagement, Benzineinspritzung, elektronische CDI-Zündung. | | Drosselklappen-Durchmesser | 42 mm | | Ventildurchmesser: Einlass/Auslass | | | Schmierung | Nasssumpfschmierung mit Ölkühler | | Auspuffanlage | | | Starter | E-Starter.
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Leistungsdaten | Max. Leistung | 86 PS (63 kW) bei 4850/min | | Max. Drehmoment | 14,9 mkg (146 Nm) bei 2750/min | | V-max. | - |
Kraftübertragung | Kupplung | Zahnradprimärtrieb. Seilzugbetätigte Mehrscheiben-Nasskupplung. | | Gänge | Sechsganggetriebe. | | Endantrieb | Endantrieb über Zahnriemen. |
Fahrwerk | Rahmen | Zweischleifen-Stahlrohrrahmen. | | Federung vorne | Konv. Telegabel | | Gabelinnenrohr-Durchmesser | 47-mm | | Federung hinten | hinten Stahl-U-Schwinge mit Stereofederbeinen (Showa), Federvorspannung 5-fach einstellbar | | Federweg vorn/hinten | 120 / 95 mm |
Räder | Rädertyp | 5-Speichen-Leichtmetallgussräder. Schlauchlose 0-Grad-Radialreifen Metzeler Marathon ME 880. | | Felgendimension vorn | MT 3.50×19" | | Felgendimension hinten | MT 6.00×17" | | Reifendimension vorn | 120/70 R 19" | | Reifendimension hinten | 200/50 R 17" |
Bremsen | Bremse vorn | Scheibe Ø 310 mm; vorn 2, schwimmend gelagert mit Vierkolbenzangen (Nissin), | | Bremse hinten | Scheibe Ø 310 mm; hinten einzel mit Zweikolbenzange (Brembo). | | ABS | Ja, gegen Aufpreis |
Abmessungen und Gewichte | Radstand | 1615 mm | | Lenkkopfwinkel | 68° | | Nachlauf | 151,3 mm | Leergewicht fahrfertig vollgetankt Trockengewicht zul. Gesamtgewicht | 339 kg 308 kg 561 kg | | Sitzhöhe | 700 mm | Tankinhalt (davon Reserve) Testverbrauch/100 km | 22,0 l/k. A. 4,8-6 l |
Farben Preis, Lieferung per, Import | Preis | Fr. 20 '150.–, inkl. MwSt. und NK. | | Erstmöglicher Liefertermin | ab sofort | | Import über | Triumph S.A.S. Rue des Bugnons 4, 1217 Meyrin Tel. 022 782 73 50 |
Sonstiges, Bemerkungen | Bemerkung | nicht mit 34 PS erhältlich |
Konkurrenten | Harley-Davidson Fat Boy | | Honda VTX 1800 C | | Kawasaki VN 1700 | | Suzuki C 1800 R | | Yamaha 1900 A Midnight Star |
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