Menschen und Politik

Dominique Collet, Marketing- und Kommunikationsleiter Harley-Davidson Schweiz

Von der Kunst , Menschen zu begeistern

28.03.2015 00:00 (bb/br)

Zehn Jahre lang war Dominique Collet einer der prägenden Köpfe von Harley-Davidson Schweiz. Ende März verlässt er das Unternehmen. Wir blicken mit ihm in die Vergangenheit und in die Zukunft der Company.


Dominique Collet, Marketing- und Kommunikationsleiter Harley-Davidson Schweiz (Für mehr Bilder klicken)

Wer kauft sich denn eine Harley?

Harley-Davidson vereint wie keine andere Marke unterschiedlichste Typen von Menschen. Vom Handwerker bis zum Topmanager, vom 20-Jährigen bis zum Rentner, Mann oder Frau. Harley vereint, ähnlich wie Fussball, alle Gesellschaftsschichten und alle Ideologien. Unser grösster Erfolg ist es wahrscheinlich, derart unterschiedliche Menschen für eine Marke zu begeistern.

 

Wo siehst du Herausforderungen bezüglich Absatz in der Zukunft – ist der Zenit nicht langsam erreicht?

Auch wenn das Wachstum in der Zukunft nicht einfacher wird, sehe ich durchaus noch viel Potenzial. Betrachtet man die neusten Modelle von Harley-Davidson im Bereich Touring oder die Street 750, welche für eine junge, urbane Zielgruppe konzipiert ist, so erkennt man schnell, dass Harley nicht bloss darüber spricht, Kundenbedürfnisse wahrzunehmen, sondern diese Erkenntnisse auch konsequent umsetzt. Mit dem Projekt Livewire, der ersten elektrisch angetriebenen Harley-Davidson, wofür derzeit weltweit Kundenfeedbacks gesammelt werden, zeigt Harley auch, dass der Horizont nicht auf das Morgen limitiert ist, sondern dass man sich bereits jetzt sehr stark mit der nächsten Generation von Motorradfahrern und deren Bedürfnissen auseinandersetzt. Ich denke, der Zenit ist definitiv noch nicht erreicht. Die Firma ist sehr gut aufgestellt, und wenn sie ihren Weg weiterhin konsequent weitergeht und dabei wie bisher die Augen und Ohren offen hält, mache ich mir um Harley-Davidson auch in Zukunft keine Sorgen.

 

Die in Indien gefertigte Street 750 ist bisher in der Schweiz aber noch nicht auf viel Gegenliebe gestossen, und das E-Bike wird auch 2016 noch nicht zu kaufen sein. Ist das in deinen Augen der richtige Weg, und womit werden die traditionellen Kunden bei der Stange gehalten?

Harley lanciert mittlerweile alle seine Produkte aufgrund vertieften Wissens über die Bedürfnisse und Wünsche seiner Kunden und Zielkundschaften. Die Street 750 zum Beispiel ist ein globales Produkt und ein strategisches Modell, mit welchem man mittelfristig eine junge und urbane Kundschaft gewinnen will. Betrachtet man die globalen Veränderungen und die stetige Wanderung der Bevölkerung weg vom Land hinein in die Städte und Agglomerationen, ist dies sicher der richtige Weg – für eine bestimmte Zielkundschaft.

 

«Wenn Harley-Davidson in seiner über 100-jährigen Geschichte eines bewiesen hat, dann, dass es die Marke immer wieder geschafft hat, zu überraschen und sich neu zu erfinden, ohne ihren Grundwerten untreu zu werden.»

 

Am besten bekannt und am wichtigsten sind Harley- Davidson jedoch die Bedürfnisse der bestehenden Kunden. Auf diese geht die Company auch weiterhin am stärksten ein. Die neue Touringplattform zum Beispiel, welche unter dem Namen Projekt Rushmore lanciert wurde, basiert auf direkten Feedbacks und Wünschen unserer bestehenden Kunden. Diese werden auch der Kern aller Tätigkeiten bleiben. Auch wenn mit dem Projekt Livewire zurzeit das Kundenfeedback getestet wird, sehen wir noch viel und lange Potenzial für die traditionellen Harley-Produkte.

Wir wollen aber sicherstellen, dass wir unseren Kunden auch in den nächsten 112 Jahren das anbieten können, was sie am meisten lieben, nämlich das Motorradfahren in der freien Natur und das Gefühl von Freiheit. Für Harley-Davidson ist es essenziell, dass man mit der Zeit geht und auch den Blick in die Zukunft nicht scheut. Wenn Harley-Davidson in seiner über 100-jährigen Geschichte eines bewiesen hat, dann, dass es die Marke immer wieder geschafft hat, zu überraschen und sich neu zu erfinden, ohne ihren Grundwerten untreu zu werden.

 

Können die offiziellen Dealer die riesige Menge von 30 000 immatrikulierten Harleys überhaupt noch warten?

Unser Händlernetzwerk entwickelt sich natürlich stetig weiter, um unseren Kunden jederzeit einen hochwertigen Service zu bieten. Für Harley-Davidson ist klar, dass ein gesundes und nachhaltiges Wachstum nur dann möglich ist, wenn das Kundenerlebnis nach dem Kauf des Töffs noch genauso hoch ist, wie es vor dem Kauf war. Zusätzlich zum offiziellen Händlernetzwerk gibt es auch viele kleinere, nicht offizielle Harley-Davidson-Werkstätten, die speziell bei älteren Modellen gerne genutzt werden.

 

Die offiziellen Harley-Händler dürfen aber keine Harley-Teile an Drittwerkstätten verkaufen und kein Fremdzubehör in ihren Shops anbieten. Widerspricht dies nicht der amerikanischen Heiligkeit des freien Marktes?

Das ist so nicht korrekt. Offizielle Harley-Händler dürfen sehr wohl originale Harley-Davidson-Ersatzteile zu Servicezwecken an nicht offizielle Händler verkaufen. Auch Fremdzubehör dürfen unsere Händler verkaufen, dies ist teilweise ja auch im Sinne des Kunden.

 

Was wird dir aus den zehn Jahren als schönstes oder emotionalstes Erlebnis in Erinnerung bleiben?

Davon gibt es unglaublich viele, entsprechend schwer fällt mir auch der Abschied. Am meisten in Erinnerung bleiben mir jene Momente, in welchen ich mein tägliches Geschäft aus der Sicht unserer Kunden erleben durfte und Harley zur Passion wurde. Ich teilte viele intensive Momente und Erlebnisse mit tollen und spannenden Menschen und bin mir bewusst, dass dies ein Privileg ist.

 

Teil 1
Von der Kunst , Menschen zu begeistern
Teil 2
Was hast du angetroffen,

Teil 3
Wenn du die zehn Jahre überblickst
Teil 4
Wer kauft sich denn eine Harley?
Teil 5
Gab es auch weniger Schönes?
Teil 6
Was wünschst du allen Harley-Fahrern
Teil 7
Steckbrief - DOMINIQUE COLLET

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