Menschen und Politik

Médecins Sans Frontières im Kongo

Motorräder ohne Grenzen

16.04.2015 00:00 (Pau Miranda/br)

Ein Netzwerk an Motorradfahrern unterstützt Médecins Sans Frontières/ Ärzte ohne Grenzen (MSF) dabei, Menschen in entlegenen Gebieten des Kongo zu erreichen. Ob beim Transport von Kranken oder bei der Unterstützung von Impfkampagnen – die Biker scheuen keine Herausforderung.


Die Motorräder sind ein wichtigerBestandteil der Médecins SansFrontières im Kongo. (Für mehr Bilder klicken)

Geburt auf dem Weg ins Spital

Doch manchmal reicht auch das Können dieser Fahrer nicht aus, um das Gesundheitszentrum rechtzeitig zu erreichen. «Vor Kurzem fuhren wir eine schwangere Frau ins Krankenhaus, doch die Geburt setzte bereits ein. Zum Glück hatte der Fahrer schon etwas Erfahrung, und wir konnten ihr helfen, das Kind auf die Welt zu bringen. Alles ging gut», erinnert sich Brimana, eines der neuesten Mitglieder der Motorradtruppe in Numbi.

 

«Dieser Job bietet dir ein besseres Verständnis der Gesellschaft, in der du lebst.»

Brimana, Töfffahrer für Médecins Sans Frontières

 

Strecken wie jene von Numbi nach Minova sind für Autos nur im Ausnahmefall passierbar; bei Regen gar nicht. Daher hat MSF das bestehende Netzwerk an Motorradfahrern mit einigen Jungen aus der Region erweitert. Die meisten davon verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Teil des landesweiten Netzwerks an «Mototaxis» – so wie Shabadé oder Brimana, die ursprünglich aus einem Dorf nahe Minova stammen. «Vor sechs Monaten wurde ich von MSF angeheuert, um einen Notfallpatienten zu transportieren. Offensichtlich machte ich meine Sache gut, und sie boten mir einen fixen Job an. Ich bestand einen Aufnahmetest, und hier bin ich nun», erklärt der 22-jährige Brimana. Er verdient nun mehr als zuvor. «Früher musste ich Miete für das Motorrad zahlen, das ich als Mototaxi verwendete.» Damit macht er deutlich, welche persönliche Veränderung die neue Arbeit für ihn gebracht hat. «Ich habe das Gefühl, dass ich mich weiterentwickle. In diesem Job lernst du als Mensch so viel Neues, und er bietet dir ein besseres Verständnis der Gesellschaft, in der du lebst.»

 

«Wir mussten fliehen, als sie begannen, in die Luft zu schiessen.»

Pascal, Töfffahrer für Médecins Sans Frontières

 

Die Herausforderungen auf der Strasse sind nicht die einzigen, denen die «Motorräder ohne Grenzen » begegnen. Wie viele andere Zivilisten und Zivilistinnen sind sie mit dem gewaltsamen Konflikt konfrontiert, der viele Teile des Landes seit mehr als zwei Jahrzehnten belastet. «Einmal waren wir auf einer Erkundungstour im Süden der Provinz unterwegs, als uns Männer einer Miliz aufhielten. Die Situation eskalierte, und wir mussten fliehen, als sie begannen, in die Luft zu schiessen», erinnert sich Pascal, einer der Motorradfahrer des MSF-Notfallteams in Bukavu im Süden von Minova.

 

Teil 1
Motorräder ohne Grenzen
Teil 2
Nur ein Arzt auf 10 000 Menschen

Teil 3
Geburt auf dem Weg ins Spital
Teil 4
Der Töff ist oft das einzige Transportmittel
Teil 5
Über den Autor
Teil 6
Médecins Sans Frontières MSF

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