Menschen und Politik

Persönlich - Martin Senn

Tinu lernt das Fliegen

27.07.2015 00:00 (bb/br)

Er ist ein Freigeist und lässt sich von nichts bremsen. Auch nicht von seiner Querschnittlähmung. Als aber sein Chef ein neues Motorrad kauft, beginnen Martin Senns Augen zu glänzen.


Ready for Take-off: Stefan (gelber Helm) pilotiert den «Tiefflieger» mit Sozius Tinu, während Susanne mit der «Garette» huckepack folgt. (Für mehr Bilder klicken)

Am Anfang war ein 50. Geburtstag

So viel Unbekümmertheit und Offenheit gegenüber all dem, was das Leben zu bieten hat, ist beneidenswert. Ein in Denkweise und Lebensauffassung Verwandter ist Tinus Chef Stefan, der Leiter von Para- Work. Die beiden kannten sich schon vorher, als Tinu selber auf die Unterstützung von ParaWork zählen konnte. 2014 holte Stefan den umtriebigen Tinu zu sich in die Abteilung, wo dieser die Funktionen eines Jobcoachs und Fachlehrers für technische Berufe übernahm und nun selber Menschen mit Mobilitätseinschränkung bei der Wiedereingliederung am alten oder an einem neuen Arbeitsplatz hilft. «Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich auf Augenhöhe mit meinen Klienten arbeiten und mein technisches Wissen mit dem pädagogischen verbinden. Es macht mich glücklich, wenn ich merke, dass die Person den Zugang zu ihrem Innern zulässt und ihn auch selber wieder findet.» Und wie kamen jetzt der Stefan und Tinu gemeinsam auf den Töff?

 

«Was meinst du, Tinu, das wär doch was für dich!»

Stefan Staubli

 

 

«Als ich letzten Sommer mit dem Gedanken spielte, mir zu meinem 50. Geburtstag, der allerdings erst dieses Jahr stattfindet, ein neues Motorrad zu kaufen, erzählte ich dies natürlich auch bei der Arbeit», erzählt Stefan. «Ich sah, wie Tinu glänzende Augen bekam. Das liess mich nicht mehr los. Tinu fuhr vor seinem Unfall Töff und zerschoss drei 125er», wirft er schmunzelnd ein. «Dann hatte ich schon letztes Jahr grössere Probleme mit meiner damaligen BMW R 1200 RT», erzählt Stefan weiter, «so sehr, dass ich früher zu meinem Geburtstagsgeschenk kam und mir noch im letzten Herbst eine neue ‹schenkte›.» Voller Freude tat dies der Herr Abteilungsleiter natürlich am Arbeitsplatz kund, und mit Tinus leuchtenden Augen im Gedächtnis fragte er: «Was meinst du, Tinu, das wäre doch was für dich: eine Ausfahrt auf so einem Töff!» Der Funke war gezündet. «Die Umsetzung bereitete uns dann aber doch etwas Kopfzerbrechen», gesteht Stefan. «Es ist auch von vornherein zu sagen, dass solch ein Unterfangen nicht zur Nachahmung empfohlen ist und nun nicht jeder meinen müsse, der einen Freund im Rollstuhl hat, dass er diesen kurzerhand huckepack auf seinen Töff hintendrauf schnallen kann», will Stefan festgehalten haben.

 

Teil 1
Tinu lernt das Fliegen
Teil 2
Martin und die Donau

Teil 3
Am Anfang war ein 50. Geburtstag
Teil 4
Die Wahl des richtigen Töff
Teil 5
Geteilte Freude ist doppelte Freude
Teil 6
Steckbrief - MARTIN SENN

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