Menschen und Politik

Aschi Strahm

Der Andy Warhol der Töffkultur

24.11.2015 00:00 (zvg/br)

Er ist mehr als ein Kind seiner Zeit: Er prägt seine Zeit. Ja, wenn wir jetzt zurückblicken, dann können wir sagen: Ernst «Aschi» Strahm ist der Andy Warhol der helvetischen Töffkultur.


Nein, dieser Töff hat keinenHeckschaden: SolcheStreetfighter waren mal derletzte Schrei. Aschi posiertedamit 2005 für einen Artikel vordem Rössli-Saloon Madiswil. (Für mehr Bilder klicken)

So wie Andy Warhol von Manhattan aus die US-Pop- Kunst (Pop Art) prägte und deren bedeutendster Vertreter wurde, so hat der gelernte Maschinenmechaniker «Aschi» Strahm ab 1970 vom beschaulichen Madiswil BE aus die wilden Jahre unserer Töffkultur mitgestaltet, ja, er ist eine ihrer wichtigsten Persönlichkeiten.

Wir erahnen seine Wirkung auf die Zeitgenossen, wenn wir ins Archiv hinabsteigen und eine Moto- Sport-Schweiz-Ausgabe aus den 1990er-Jahren hervorkramen. Chefredaktor Klaus «Fifi» Fischer hat in einer Kolumne unter anderem festgehalten (wir zitieren): «Der ist ganz einfach publicitygeil», sagte ein offensichtlich verärgerter Motorradhändler aus der Berner Landschaft zu mir. Und meinte damit ganz klar den Ernst «Aschi» Strahm aus Madiswil. «Immer wenn der etwas anzettelt, wird eine grosse Story daraus, und über unsereinen schreibt ihr kein Wort.» Was sollen wir denn gross schreiben, wenn der brave Händler XY seine Yamaha-, Honda-, Kawasaki-, Suzuki- oder wer weiss was für eine Markenausstellung inszeniert und der Kundschaft das eine oder andere Gläschen Weisswein plus ein paar Salzstängeli offeriert? Man muss sich einmal vergegenwärtigen, was für Anlässe der Mann aus diesem winzigen Provinzkaff auf die Beine bzw. die Räder stellt. Mit vielen Unternehmungen sprengt er mehr und mehr den lokalen Rahmen. Seine Rollertreffs, seine Schweineparty oder der Rüeben- Sonntag, dann aber auch seine Seitenwagen-Fete in Langenthal erreicht nationale Bedeutung. Das hat wenig mit Publicity-Geilheit, aber viel mit Unternehmungslust, Fantasie sowie einem weiten Horizont zu tun. Weit über Madiswil hinaus. (Ende Zitat.)

Klaus Fischer, der unvergessliche und bedeutendste Chronist und Philosoph unserer Töffszene in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren, bringt es schon früh auf den Punkt: Aschi Strahm ist mehr als ein Töffhändler. Er verkauft nicht einfach eine Maschine. Er verkauft ein Lebensgefühl. Oder besser: Er vermittelt dieses Lebensgefühl mit einem feinen Sensorium für die Strömungen der Zeit.

 

Teil 1
Der Andy Warhol der Töffkultur
Teil 2
Der Schweizer Superbike-Bauer, der gegen den Strom schwimmt

Teil 3
Immer eine Idee mehr und mit grossen Namen
Teil 4
Ein Hexenmeister der Kommunikation
Teil 5
Erfolgreich auch als Beizer

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