Ratgeber

Motorradmechaniker auf Harley-Davidson

Töffmech auf Harley: Ein kreativer Job

24.09.2014 00:00 (Collet/vd)

Die gute alte Mechanik ist der elektronischen Diagnose und dem Ersetzen ganzer Elementegruppen gewichen. Grund, dem Beruf mangels Interesse den Rücken zu kehren? Nicht bei Harley-Davidson.


Sebastian Ducretam Werk. (Für mehr Bilder klicken)

Um uns davon zu überzeugen, haben wir Sebastian Ducret in der Neuenburger Harley-Davidson-Vertretung besucht und auf den Zahn gefühlt.

 

Sebastian, wie ist deine bisherige Berufslaufbahn verlaufen?

Sebastian Ducret: Es begann mit einer Mech-Schnupperlehre, zuerst in einer Autogarage, dann bei Trimoto/Harley- Davidson in Neuenburg, wo ich mich für eine vierjährige Stifti als Töffmech entschied. Am ersten August 1996 nahm ich also meine Motorradmechanikerlehre in Angriff. Im Sommer 2001 schaffte ich die Lehrabschlussprüfung und wurde als Töffmech angestellt. Als mir 2003 mein Arbeitgeber den Partnerstatus anbot, habe ich mit grosser Freude angenommen. Ich fühlte mich in diesem Unternehmen wohl, da das Arbeitsklima sehr angenehm war.

 

Welches ist dein Lieblingsmodell?

Ich habe kein Lieblingsmodell, ich greife einfach auf das Motorrad zurück, das das momentane Bedürfnis am besten erfüllt. Reise ich samt Sozia in die Ferien, wähle ich ein Tourenmodell, eine Ultra. Für einen kurzen Ritt fahre ich eine Softail Breakout. Solls etwas forscher vorangehen, triffts eine XR 1200, und für die Beizenkehre mobilisiere ich einen meiner Oldtimer. $

 

Welches Argument spricht deiner Meinung nach für die Berufswahl des Töffmechanikers?

Der Job als Mech auf Harley-Davidson ist eine gute Sache, angesichts der Vielseitigkeit. Klar gibt es repetitive Eingriffe wie die periodischen Unterhaltsarbeiten, die Reifenwechsel und Ähnliches. Aber es gibt auch das Customizing wie Gabelwechsel, neue Räder, unterschiedlichste Lenker, Motoren- Tuningkits und manches andere Zubehör, sei es aus funktionalen oder ästhetischen Gründen. Es ist auch äusserst spannend, den verschiedensten Kunden mit ihren Wünschen aufmerksam zuzuhören, um dann ihre Träume zu realisieren.

 

Wieso hast du dich überhaupt für den Mech-Beruf entschieden?

Die Begeisterung für die Mechanik hat mir mein Opa übertragen, als er nach seiner Pensionierung eine Harley- Davidson erwarb und später auch ältere Motorräder, die ihn an seine Jugendzeit erinnerten, als er noch Rennen fuhr. Da ich oft bei ihm war, bastelten wir gemeinsam an seinen Motorrädern in seiner Hausgarage. Ich liebte es, schmutzige Hände zu bekommen und den laufenden Motoren zuzuhören.

 

Inwiefern hat sich die Tätigkeit als Töffmech in den letzten zehn Jahren verändert?

Ich habe innert 18 Jahren bei Harley- Davidson grosse Veränderungen miterlebt. Die meisten Maschinen sind zumindest vom Aussehen her weitgehend gleich geblieben, doch nicht ihre Technik. Ich habe die Einführung der Benzineinspritzung erlebt, dann des ABS; da hab ich mir gedacht: «Autsch, diese Elektronik …», doch die Weiterbildungskurse an der Harley- Davidson University haben mir sehr geholfen, alles zu begreifen und dia gnostizieren zu können. So habe ich diese Neuheiten in den Griff bekommen. Klar, die Arbeit als Töffmech hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Auch das Werkzeug, wie der DT2, der Diagnosecomputer, dessen Angaben es richtig zu interpretieren gilt.

 

Was schätzt du am meisten an deiner Arbeit?

Die Vielfalt, der Kontakt mit den Leuten und die Arbeit in einem so sympathischen Team sowie das Gefühl, für eine fantastische Marke zu arbeiten. Als Mech bei Harley-Davidson ist man nicht nur Teil der kleinen Mannschaft eines lokalen Markenhändlers, sondern auch eines weltweiten Netzes von Harley-Davidson-Händlern. Man trifft sich nicht nur mit Kollegen aus Schweizer Vertretungen, sondern auch mit solchen aus dem Ausland. Dazu ermöglicht mir meine Mech- Ausbildung auf Harley-Davidson, auf der ganzen Welt in dieser Domäne zu arbeiten. Es ist toll zu wissen, dass man als Töffmech sowohl in den USA, als auch in Kanada oder Australien tätig sein könnte.

 

Du hast ebenfalls Erfahrungen bei anderen Töffmarken gemacht. Was unterscheidet den Job als Mech bei Harley-Davidson von demjenigen bei anderen Marken?

Was ich bei Harley-Davidson besser finde als bei den anderen Marken, ist das Produkt an sich, die Vielfalt der Jobs, die Ausbildungsmöglichkeiten z.B. im Verkauf, im Kundendienst, im Bereich der Technik, die derart von ihrer Maschine begeisterten Kunden, die so vielseitige und sympathische Kundschaft. Da Harley-Davidson seinen Produkten ein eher klassisches Outfit verpasst, merken die meisten Leute gar nicht, wie hochmodern diese Motoren eigentlich in technischer Hinsicht sind. Genau diese Mischung aus Tradition und Modernität macht meine Arbeit bei Harley-Davidson so spannend.

 

 Welche Entwicklungsmöglichkeiten stehen dir als Mech bei Harley-Davidson offen?

Nur so als Beispiel: Harley-Davidson bietet eine Vielzahl an Weiterbildungskursen für die Techniker des Markennetzes an. Diese Kurse ermöglichen eine bessere Kenntnis des Produktes an sich, sei es auf dem Gebiet der Servicearbeiten, der Fahrwerke, der Motoren und des elektrischen Systems und ermöglichen den Mechanikern, immer auf dem neusten Stand der Technik zu sein. Sie sind über alle Neuigkeiten informiert und können innerhalb des Unternehmens aufsteigen, was mir bei meiner Tätigkeit auf anderen Marken, die wir früher repräsentiert haben, nicht angeboten wurde. Harley-Davidson bietet seinen Mitarbeitern weitreichende Perspektiven. Man kann Werkstattchef werden oder, wie ich, gar Partner des Besitzers der Vertretung. Klar kann man sich auch im Verkauf entwickeln und aufsteigen – alles ganz nach der jeweiligen Persönlichkeit.

 

Bei Harley-Davidson steht Customizing sehr hoch im Kurs. Wie unterstützt du als Mechaniker den Kunden bei der Realisierung seines Traumtöffs?

Man muss den Kunden mit ihren Wünschen sehr aufmerksam zuhören, die Übersicht über die vorhandenen Möglichkeiten haben und vor allem wissen, was mechanisch und ästhetisch vereinbar ist. Manchmal muss man Teile drehen, feilen oder andersrum kreieren. Da merkt man erst recht, wie vielseitig der Beruf des Mechanikers bei Harley-Davidson wirklich ist …

 

Welcher Customizing-Bereich ist der interessanteste?

Besitzst du ein eigenes «Meisterstück»? In unserem Betrieb sind wir alle ein bisschen von Motorentuning angefressen. Lässt man uns beim Kreieren eines Motorrads freien Lauf, erschaffen wir in optischer wie auch technischer Hinsicht ein leistungsoptimiertes Unikat. Wir haben zum Beispiel kürzlich eine Dyna Sport, Jahrgang 2000, mit einem 120-cubic-inch-Motor, also 1996 cm3, verheiratet. Wir führen jegliche Art von Modifikation oder Individualisierungen aus. Den Wünschen der Kunden sind fast keine Grenzen gesetzt.

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