Roller

BMW C evolution

Dämon der Geschwindigkeit

27.05.2014 00:00 (lü/br)

Der Elektroroller BMW C evolution bietet mit fulminanter Beschleunigung erfrischenden Fahrspass. «Verzicht» ist ein Wort für Griesgrame.


Bereitet auch Girls Freude, ist aber kein Mädchenfahrzeug:Der BMW C evolution ist mit seinenFahrleistungen jedem Benziner der Kategorie A1 krassüberlegen, die Beschleunigung aus dem Standbeeindruckt auch Fahrer von Oberklasse-Motorrädern. (Für mehr Bilder klicken)

«107,2 km» ist die Antwort, wenn die Frage lautet: «Wie weit kommt man denn nun mit dem Elektroroller von BMW?» Temperatur ca. 17°, Fahrstrecke mehrheitlich über Land, Winterthur einmal durchquert, einmal auf der Autobahn umfahren. Gefahren ausschliesslich im sparsamsten Modus «Eco Pro». In diesem Modus steht nicht die volle Leistung zur Verfügung und es wird maximal rekuperiert, also bei geschlossenem Drehgriff und beim Bremsen die Batterie geladen, was sich mit einem starken Motorbremsmoment bemerkbar macht, sodass man den Grossteil der anfallenden Verzögerungen mit der Motorbremse erledigen kann.

Im Modus Eco Pro beschleunigt der BMW C evolution etwa wie ein 125er-Roller, man kann im Stadtverkehr gut mithalten. Ausserorts ist man kein Verkehrshindernis, auf der Autobahn erreicht man zügig 120 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit (127 auf dem Tacho) ist der C evolution (in allen Modi) abgeriegelt. Das Display informiert laufend über Batterieladung, Restkilometer und Energieverbrauch, und man stellt fest, dass Autobahntempo auch im Sparmodus die Restreichweite am schnellsten dahinschmelzen lässt. Stop-and-go hingegen macht dem C evolution weniger aus. Bei Restreichweite null konnten noch 6,5 km rausgekitzelt werden, dann war Schluss. Die bei voll geladener Batterie angezeigten 102 km (im Eco Pro) sind realistisch. An der mit 10 A abgesicherten Hauselektrik benötigte die leer gefahrene Batterie mehr als fünf Stunden Ladezeit; Kostenpunkt: unter zwei Franken. BMW verspricht nach fünf Jahren oder 50 000 km eine Batteriekapazität von 70 %.

Der C evolution besteht aus einem länglichen Kasten, der die Lithium-Ionen- Zellen enthält. Vorne ist der Lenkkopf befestigt, hinten die Triebsatzschwinge, darin integriert der flüssigkeitsgekühlte Elektromotor, der über einen Zahnriemen und ein Planetengetriebe das Hinterrad antreibt. Bis 150 V liegen an, womit der C evolution die Sicherheitsbestimmungen für Hochspannungsaggregate erfüllen muss. Unter anderem dürfen nur speziell geschulte Mechaniker daran arbeiten. Ein Lüfter kühlt durch einen Schacht die Batterie, weitere Wärme wird über Kühlrippen am Unterboden abgeführt.

Die Bedienung entspricht einem Benziner, Drehgriff rechts, beide Bremsen werden mit Handhebeln bedient. Das ABS ist ein vergleichsweise simples Zweikanalsystem, jedoch verhindert die Elektronik auch ein blockierendes Hinterrad durch das Schleppmoment beim Rekuperieren. Das Gewicht von 265 kg macht sich vor allem beim Rangieren bemerkbar. Es gibt aber Hilfe in Form eines Rückwärtsgangs. Auf der Strasse fühlt sich der C evolution an wie ein Maxiroller ab 500 cm3: Das Handling ist dank der kleinen Räder recht flink, dafür kriegt man mehr mit von Schlaglöchern und Wellen.

 

Vorsicht: Entfesselung böser Geister

Trotz der 35 kW/48 PS, die BMW als Maximalleistung angibt, ist der C evolution in der Kategorie A1. Die Leistungsmessung zwecks EU-Homologation erfolgt nach Norm ECE-R85, bei welcher die Dauerhöchstleistung während 30 Minuten ermittelt wird. Bei diesem Prozedere ist bei Elektrofahrzeugen nicht der Motor, sondern die Batterie der limitierende Faktor, und BMW schafft bei dieser Prüfnorm eine Punktlandung auf 11 kW/15 PS. Deshalb darf der C evolution ab 18 Jahren mit dem Ausweis A1 gefahren werden. Autofahrer müssen zum Erwerb der Unterkategorie A1 lediglich zwei Grundkurse zu vier Stunden besuchen, eine Prüfung gibt es nicht. Abschreckender ist der Preis von 17 000 Franken. Optional kommen allenfalls nur noch Heizgriffe (250 Franken) und Alarmanlage (260 Franken) dazu. Ins Helmfach unter dem Soziussitz passt ein Integralhelm nur, wenn das Ladegerät nicht darin mitgeführt wird.

Wer auf etwa 10 km Reichweite verzichten kann, hat drei weitere Modi zur Wahl, bei denen die volle Power zur Verfügung steht: «Sail» wie Segeln für entspanntes Gleiten ohne Rekuperation, «Road» für etwa 50 % Rekuperation und damit moderate Motorbremse und «Dynamic» für volle Power und maximale Rekuperation. Die Motorcharakteristik unterscheidet sich völlig von der eines Benzinmotors: Von 0 bis 4500/min liegt permanent das maximale Drehmoment von 72 Nm an. In den drei Full-Power-Modi ist die Beschleunigung aus dem Stand und auf den ersten rund 25 m (mindestens) auf dem Niveau eines Töffs mit rund 100 PS.

Ob das für links-grüne Gutmenschen, die bislang in ökologisch korrekten Kleinwagen schlichen, wirklich gesund ist, möge eine philosophische Frage sein. Die einen werden geschockt und angewidert sein – Mobilität ist eine ernste Sache und darf keinesfalls Spass machen –, sich aber nicht trauen, «endlich» eine Verschärfung der «skandalösen Homologation von Elektrofahrzeugen» zu fordern, da «Elektro = gut». Die anderen werden hoffentlich besessen vom Dämon der Geschwindigkeit, den sie in sich entfesselten durch einen Dreh des rechten Handgelenks im Sattel des C evolution und so doch noch bemerken, dass das Leben nicht prioritär aus der Einhaltung von Normen und Gesetzen besteht.

 

Technische Daten - BMW C evolution

««zurück