Roller

PIAGGIO MP3 500 IE SPORT / BUSINESS

Smart Urban Mobility

16.06.2014 00:00 (Stadler/vd)

Zwei Vorderräder können mehr als eines – und sind auch unempfindlicher gegen die Gemeinheiten des städtischen Alltags.


Zwei Vorderräder können mehr alseines – und sind auchunempfindlicher gegen dieGemeinheiten des städtischenAlltags. (Für mehr Bilder klicken)

Ende der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts produzierte Piaggio die erste Vespa. Sie war die Lösung für die motorisierte Fortbewegung der kleinen Leute und leitete eine neue Ära der Mobilität ein, denn ein Auto war zu jener Zeit noch unerschwinglich. Der Mythos Vespa hält bis heute an.

 Im Jahre 2006 war es wiederum Piaggio, welche den ersten dreirädrigen Neigescooter, den MP3, auf den Markt brachte. Der anhaltende Verkaufserfolg – es wurden bisher mehr als 150 000 Exemplare abgesetzt – gibt den Technikern und Strategen recht. Die meisten sind in Frankreich unterwegs. Selbst Monsieur Le Président, François Hollande, erkannte die Vorteile dieses Vehikels und fuhr damit angeblich inkognito quer durch die Stadt zu seiner Angebeteten. Auch in Italien, in den Niederlanden und in Deutschland gibt es eine grosse Nutzer- Community.

Nun wird der MP3 neu lanciert. Ein komplett überarbeitetes Fahrzeug, welches nur noch den Namen und knapp 20 % der Technik seines Vorgängermodells enthält, ist seit Mai 2014 auf dem Markt. Es gibt die beiden Modelle Sport und Business. Diese unterscheiden sich nur optisch.

Piaggio-CEO Roberto Colaninno ist überzeugt, dass wegen des Wachstums der Grossstädte der Individualverkehr neu geregelt werden muss. Der MP3 soll dazu beitragen, die Mobilität in den Metropolen aufrechtzuerhalten. Der Roller wurde deshalb als Allwetter- und Ganzjahresfahrzeug konzipiert. So gibt es als Zubehör auch eine Knieschutzdecke, die Regen und Kälte abhält.

Der Stauraum unter der Sitzbank wird per Knopfdruck geöffnet. Das Volumen ist beachtlich: Zwei Helme können verstaut werden. Für Businessmenschen gibt es eine Halterung für den Laptop. Neu ist auch die Piaggio-Multimedia-Plattform (PMP). Mithilfe von Apps und Bluetooth wird das Smartphone, welches elegant in die bestehende Halterung passt, zum elektronischen Armaturenbrett und Navigationssystem. Es können alle relevanten Fahrzeugdaten auf dem Display angezeigt werden. Das System merkt sich nach Abschalten der Zündung den letzten Standort (Ach, wo habe ich parkiert?) und leitet mich per Navi zurück zu meinem Fahrzeug. Die Traktionskontrolle warnt vor schlechtem Grip via Smartphone, und das komplette Manual ist stets griffbereit.

 

Auf drei Rädern im Urban Jungle von Paris

Wir starten zur Testfahrt quer durch Paris. Ich bin gespannt, wie dieses Teil zu fahren ist. Geht dies wirklich so kinderleicht, wie es uns im Film gezeigt wurde? Stört das zweite Vorderrad wirklich nicht? Nein, tut es nicht! Die zwei Räder vorne, neu in 13 Zoll, führen besser als ein Einzelrad und verhindern ein Wegrutschen in Schräglage. Sie können auch mehr Bremskraft übertragen. Trotzdem fährt man wie mit einem herkömmlichen Roller oder Motorrad die Kurven in Schräglage. Der neue Einzylindermotor mit 500 cm3 zieht bereits ab niedrigen Drehzahlen kräftig an.

Die Arretierung des Neigemechanismus ermöglicht ein Stehenbleiben ohne Absetzen der Füsse, bei Regenwetter absolut komfortabel. Sobald der Gasgriff betätigt wird, löst sich die Arretierung, und der Roller fühlt sich wieder wie ein Einspurfahrzeug an. Der Wechsel von «arretiert» und «nicht arretiert » ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil sich das Lenkverhalten genau gegenteilig verhält.

Der Guide führt unsere Gruppe durch Quartierstrassen, über Kopfsteinpflaster, dann vorbei am Arc de Triomphe und am Eiffelturm, der Seine entlang. Elegant umkurven wir die Autokolonnen, wie man das eben macht in den Grossstädten dieser Welt. Während zweieinhalb Stunden befahren wir die ganze Palette an Strassenbelägen! Und da zeigt es sich: Die beiden Vorderräder geben sicheren Halt. Holprige Strassen, zu tief versenkte Schachtdeckel, nichts bringt einen von der Ideallinie ab, der MP3 hält seine Spur, erfreut mit Agilität und Stabilität auf jedem Untergrund. Am Schluss befahren wir die Ausfallstrassen von Paris. Der Motor gibt auch hier genügend Kraft her, um entspannt vorwärtszukommen. Dank Variomatik entfallen das Kuppeln und das Schalten; man kann sich vollumfänglich auf den Verkehr konzentrieren. Während der Fahrt kann zwischen den Motormappings Sport und Eco gewählt werden, ebenso kann die Traktionskontrolle ausgeschaltet werden. Gebremst wird entweder mit dem Bremshebel am Lenker oder mit der Fussbremse, welche auf alle drei Räder wirkt. Leider sind die Bremsen etwas schlecht dosierbar, vor allem die Fussbremse braucht einen kräftigen Tritt, damit sie die volle Leistung bringt. Das ABS verhindert wirkungsvoll das Blockieren der Räder. Dass Frankreich das grösste Abnehmerland dieses Fahrzeuges ist, glaube ich gerne. Auf den Strassen von Paris sind unzählige dieser dreirädrigen Roller unterwegs. Ein Bild, das man in unseren Städten nicht so oft sehen wird. Der Grund: Der MP3 darf in den EU-Ländern mit dem Autoausweis gefahren werden, in der Schweiz ist die Hürde ungleich höher: Es braucht den Töffausweis der Kategorie A.

 

Technische Daten - PIAGGIO MP3 500 IE SPORT / BUSINESS

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